Am verlängerten Wochenende 26.-28.3.2010 war ich endlich wieder mit Frau Harzwinter auf kinderloser Skifahrt - dankeschön an die Großeltern.
Am Donnerstagabend also zunächst Ratlosigkeit - wohin jetzt? Einziger Ausweg, einmal mehr: Tessin und angrenzende Gebiete. Im Tessin waren laut Internet nur noch Bosco-Gurin und Nara geöffnet, im über rund 1,5 Stunden Zusatzanfahrt erreichbaren Raum Domodossola mehrere interessante Kleinskigebiete, auf Graubündens Alpensüdseite San Bernardino. Der Comersee wurde wegen der noch etwas längeren Anfahrt als Wochenend-Skiziel mit Anhang verworfen. Alles in allem eine arg eingeschränkte Auswahl. Also zunächst auf in den Raum Locarno, wo sich eine sehr schöne Hotelunterkunft als Stützpunkt anbot. Der Freitag wurde zähneknirschend vom Skitag zum reinen Reisetag umfunktioniert.
Auf der Anfahrt am Freitag dann das erwartete Bild: Statt Schwarzwaldblick graue Regenwolken, hinterm Jura statt Alpenblick ein nasser, grauer Schwamm, vor dem Gotthard Schneeflocken in Tischtennisballgröße, hinterm Gotthard im gesamten Tessin gewittriger Starkregen mit Straßenüberflutungen. Puh ... ich möchte nicht wissen, wieviele tausend Liter Regen während der Fahrt auf unser Auto niedergingen. Teilweise hatte ich den Eindruck, durch eine Autowaschanlage zu fahren. Für diese Fahrt war eine gehörige Portion Optimismus nötig. Exakt beim Bezug des Hotelzimmers in Ponte Brolla am Eingang des Maggiatals zogen die Regenwolken ab und erlaubten anschließend einen Spaziergang in schönster Tessiner Spätnachmittagssonne zum aufgeschütteten Maggia-Badestrand. Das tat gut!
Für den Samstag stand Bosco-Gurin als eines der einzigen beiden geöffneten Tessiner Skigebiete auf dem Plan. Der Betrieb sei unter der Woche eingestellt, aber man wolle den Wochenendbetrieb bis Ostern aufrecht erhalten, hieß es auf der Website. Weitere Details waren unter der Woche nicht in Erfahrung zu bringen. Die italienischsprachige Bandansage des Schneetelefons sprach am Samstagmorgen von vier geöffneten Anlagen. Von Ponte Brolla aus fährt man noch etwa 45 Minuten durchs Maggiatal und über eine passstraßenähnliche Serpentinensammlung ins 1500 Meter hoch gelegene Walserdorf. Hier war ich erst im März 2008 - somit gab es ein Wiedersehen. Die Anfahrt führte uns zielsicher ins einzige, komplett grau zugezogene Seitental der Maggia, während ringsum blauer Himmel vorherrschte. Doch zum Glück zog die Wolkenfront exakt bei der Fahrt auf den Liftparkplatz ab, gab die Sonne frei und hellte auch unsere Gesichter auf. Es sollte tagsüber bei einem Sonne-Wolken-Mix bleiben. Beim Kartenkauf die Enttäuschung. Wie schon 2008 waren die Skilifte Grossalp und Guriner Furka außer Betrieb. Darüber hinaus war auch noch die Talabfahrt gesperrt worden. Somit waren nur noch unten der Sessellift Rossboden und oben trotz Wochenendes und sonnigen Wetters der Sessellift Sonnenberg und der Übungslift Stafla (wozu eigentlich dieser Lift statt einer der "großen" Lifte???) und die Pisten 9 und 6 offiziell geöffnet; also volle zwei (!) Pisten und damit rund ein Fünftel des Gesamtskigebiets. Schwach, gaaanz schwach, Bosco-Gurin!
Während auf dem Parkplatz Graupelkörner lagen und es am Vortag offensichtlich bis zur Mittelstation Rossboden geregnet hatte, gab es weiter oben Neuschnee, der mit steigenden Temperaturen schnell feucht wurde. Den Skilift Guriner Furka hatte man nicht nur außer Betrieb gelassen, sondern - bei bester Schneelage und trotz des angekündigten Oster-Skibetriebs - sogar bereits abgebügelt! Eine Frechheit und ein Musterbeispiel blanken Desinteresses an den zahlenden Gästen, von denen am Samstag geschätzt 200-300 vor Ort waren.
Fazit: Bosco-Gurin könnte eine sooo gute Skilocation sein, wenn der Betreiber (Herr Frapolli) dort zuverlässig für halbwegs attraktiven Anlagen- und Pistenbetrieb sorgen würde. Wenn man Bosco-Gurin als Gast jedoch gleich zweimal trotz guter Schnee- und Wetterverhältnisse mit derart heruntergefahrenem Dienstleistungsangebot erleben muss, kann man einen Skibesuch dort beim besten Willen niemandem empfehlen. Herr Frapolli demontiert mit seinem Dienstleistungsverhalten den Ruf seines eigenen Skigebiets. Statt eines Fünftels des Skiangebots zum vollen Preis sollte man kosequenterweise besser gar keinen Skibetrieb anbieten, wenn man keine Lust mehr hat. Die Mehrtagesgäste und die Vermieter von Bosco-Gurin tun mir leid. Einen weiteren Besuch des Skigebiets Bosco-Gurin werde ich mir in der nächsten Zeit ersparen. -
Pistenplan:
Fotos:
Bosco-Gurin: Trasse 4KSB Sonnenberg. Linksseitige Piste leider weder geöffnet noch markiert.
Bosco-Gurin: Bergstation 4KSB Sonnenberg. Macht ihrem Namen heute alle Ehre!
Bosco-Gurin: Piste Sonnenberg. Pulverschnee Ende März im Tessin. In Serfaus, unserem Faschingsziel, wären auf diesem Foto 30 Skifahrer mehr zu sehen.
Bosco-Gurin: Mittelstation Rossboden mit Bahnhofs-Restaurant.
Bosco-Gurin: Schwarze Talabfahrt mit Blick aufs Dorf. Trotz offizieller Sperrung wegen 50m schneearmer Passage insgesamt normal zu fahren.
Bosco-Gurin: So dürften ruhig mehr Schweizer Wintersportorte aussehen.
Bosco-Gurin: Talstation 4KSB Rossboden. Nix los hier. Kurz vorher ist die flächendeckende Bewölkung abgezogen.
Bosco-Gurin: Strecke 4 KSB Rossboden. Viel Platz.
Bosco-Gurin: Piste der 4 KSB Sonnenberg. Das Foto vermittelt fast schon Einsamkeit.
Bosco-Gurin: Schneebar an der Bergstation Sonnenberg. Einige Einheimische schienen mehr zum Plausch als zum Skifahren gekommen zu sein.
Bosco-Gurin: Der Autor auf der Zufahrt zum Funpark. Hin kam man gut, zurück nicht.
Bosco-Gurin: Funpark-"Piste". Wir waren froh über jeden präparierten Quadratmeter. Off-Piste war im Feuchtschnee nicht der Bringer.
Bosco-Gurin: SCHL Stafla. Wozu wird der statt Skilift Guriner Furka oder SCHL Grossalp geöffnet? Völliges Fehlangebot.
Bosco-Gurin: Trasse SCHL Stafla.
Bosco-Gurin: SCHL Stafla mit Mittelstation Rossboden.
Bosco-Gurin: Rückkehr von der Rodelbahn zur Talstation.
Bosco-Gurin: SCHL Guriner Furka. Wieso wird der schon vor Saisonschluss komplett abgebügelt? Unverschämtheit gegenüber dem zahlenden Gast.
Bosco-Gurin: Ein schönes Walserdorf!
Am Sonntagmorgen brachen wir nach sommerzeit-umstellungsbedingt verkürzter Nacht früh von Ponte Brolla in Richtung Biasca auf, um das Skigebiet Nara im Val Blenio zu besuchen. Die Alternativziele im Raum Domodossola hatten wir wegen der für uns langen Heimfahrt über den Simplonpass und der nicht ganz sicheren Wetterlage im Wallis verworfen. In Nara sei am Wochenende Saisonabschluss-Party, hatte die Website verkündet. Schon zweimal war mein Nara-Erstbesuch am schlechten Wetter gescheitert. Das war heute im sonnendurchfluteten Val Blenio nicht zu erwarten. Auf der Fahrt durchs Val Blenio passierten wir einige am Straßenrand geparkte Autos, deren in Skidress gekleidete Insassen über einer Landkarte diskutieren. Mehrfach kam uns Gegenverkehr mit Skiausrüstung auf dem Dach entgegen - talauswärts, wohlgemerkt. Wieso fuhren die hier weg??? Die Frage beantwortete kurze Zeit später das Schild am Straßenrand: "Nara chiuso". Das durfte einfach nicht wahr sein. Auch der dritte Nara-Versuch war gescheitert. Da hatten die Wolkenbrüche des Vortags mit dem Restschnee auf Nara wohl kurzen Prozess gemacht. Mist! Und was nun? Überm Gotthard hingen die grauen Wolken des schlechten Nordschweizer Wetters; Airolo, Cari und Cardada waren geschlossen. Da blieb nur die Möglichkeit, 90 weitere Anfahrtskilometer nach San Bernardino auf sich zu nehmen. Dort war ich erst im März 2009.
In San Bernardino erwarteten uns viel Schnee und das selbe sonnige Wetter wie im benachbarten Tessin - schöne Ausgangsbedingungen. Im Gegensatz zu Bosco-Gurin waren alle Anlagen geöffnet. Regenbedingt hatte man auch in San Bernardino die rote Talabfahrt offiziell geschlossen - nahezu grundlos, wie sich später herausstellte. An ganz wenigen Stellen schaute Erde durch die Piste; ansonsten war genug Nassschneeauflage vorhanden. Alle Pisten im oberen Skigebiet waren auf feuchtem Schnee sehr gut und mit viel Spaß und Speed befahrbar, ganz oben tauten sie nicht einmal an. Lediglich die Liftspuren der drei Schlepplifte waren in teilweise schlechtem Zustand, nämlich vereist und voller Rillen. Sie waren offenbar zuletzt am Samstagmorgen präpariert worden. Beim langen Schlepplift Tre Omen war die Spur so fies (und in den Steilstücken z.T. so eng), dass sie sich besser solo fuhr als zu zweit. Dafür entschädigten dann die schöne Tre Omen-Piste und eine Erholungsfahrt in der museumsreifen Müller-DSB. Bei der Talstation des Habegger-Schlepplifts Rotond ist leider die letzte Kabine der alten Müller-EUB, die dort noch vor einem Jahr als Deko stand, verschwunden. In die schwarze Talabfahrt, deren Buckel 2009 für mich bei niedrigeren Temperaturen sehr gut zu fahren waren, führten diesmal durch den Nassschnee nur sehr wenige Spuren, weshalb wir sie uns ersparten. Stattdessen gab es eine Genusspause auf der Sonnenterrasse des Bergrestaurants Confin, dessen im Alpinforum kritisierte Mahlzeiten bei unserem Besuch in Ordnung waren (selbst die Pommes!).
Fazit: Der Besuch im Skigebiet San Bernardino war sein Geld wert und hat Spaß gemacht - vielen Dank ins Passdorf für einen schönen Skitag. Bloß die Schleppliftspuren könnten besser sein ...
Pistenplan (hängt im Restaurant Confin an der Wand):
Fotos:
San Bernardino: Talstation EUB Alpe Confin. Hübsch matschiger Parkplatz.
San Bernardino: Bergfahrt in der EUB Alpe Confin. Gegenüber der Ort San Bernardino mit der prägnanten Kuppelkirche und dem wohl bereits im Saisonschluss befindlichen Skilift Pian Cales.
San Bernardino: Alpe Confin, Bergstation der EUB, Restaurant und Skilift Tre Omen (Müller). Die längste und wichtigste Beschäftigungsanlage dort oben. Erschließt mehrere Abfahrten, darunter die Tre Omen-Piste, die wohl beste des Gebiets.
San Bernardino: Skigebiet Alpe Confin, typische Impression mit Skilift Lares. Alle Skilifte stehen mehr oder weniger nebeneinander. Gegenüber keinerlei Gebirgsprominenz. Schön ist es irgendwie trotzdem.
San Bernardino: Piste DSB Pan de Zucher. Wären doch alle Skigebiete so wenig überfüllt!
San Bernardino: Skilift Tre Omen vom Restaurant aus gesehen. Oben rechts die gleichnamige Piste.
San Bernardino: Müller-DSB Pan de Zucher im Gartenbankstil. Gemütliches Schaukeln am Berg. Die Anlage ist schon arg langsam, aber bei Schönwetter in einem Kleinskigebiet stört das nicht.
San Bernardino: Skigebiet Alpe Confin. Kontrastspielchen mit niedriger, lockerer Bewölkung.
San Bernardino: Skilift Lares, Müller-Anlage, mit breiten Pisten und weiten Hängen.
San Bernardino: Habegger-Schlepplift Rotond. Klassische Schweizer Skiimpression.
San Bernardino: Piste des SCHL Rotond. Weit und leer. Herrlich.
San Bernardino: Nochmal Piste SCHL Rotond. Ein paar andere Skifahrer dürfen mit aufs Bild.
San Bernardino: Nochmal die Weite der Schneeschüssel Alpe Confin mit den SCHL Rotond und Lares. Auf der Alpe Confin fällt mir auf, dass dort nirgends Alpgebäude stehen.
San Bernardino: SCHL Rotond. Hier stand noch letztes Jahr die letzte Müller-Kabine der alten EUB.
San Bernardino: Restaurant Alpe Confin. Diesmal gar nicht so schlecht!
San Bernardino: Zwischeneinstieg SCHL Tre Omen.
San Bernardino: Bergstation Müller-DSB Pan de Zucher im Trapezbaustil.