Anfahrt: Ettlingen - A8 - A7 - A96 - Immenstadt - Oberstaufen - Steibis ca. 2:20 h
Wetter: Sonnig, um -10°C
Schnee: Ca. 50cm harter Altschnee, gut zu fahren, in Steibis z.T. sehr gut beschneit
Anlagen in Betrieb: ALLE
Wartezeit: Steibis keine bis 2 min (nur an 6KSB Fluhexpress), Hochgratbahn 3-7 min, Thalkirchdorf keine bis 2 min (nur an SCHLn Prodel und Hochsiedel)
Gefallen: Unerwartet professionelles Skigebiet Steibis; unerwartet begeisternde Skihänge am Hochgrat; antiker Charme Skigebiet Thalkirchdorf
Nicht gefallen: Pistenwegfall im Rahmen der Skigebietsmodernisierung Steibis; Steine auf den Hochgratpisten
Bewertung: 6 von 6 Punkten
Übergreifender Pistenplan © Oberstaufen Tourismus Marketing
Mein unerwartet letzter Tagesskiausflug des Weihnachtsurlaubs führte mich zum dritten Mal ins Allgäu. Diesmal standen endlich die drei Skigebiete im Raum Oberstaufen auf dem Programm - Steibis Skiarena, Hochgrat und Thalkirchdorf/Hündle, sämtlich Neuland für mich. Die beiden letztgenannten Skigebiete wurden erst im Dezember 2010 vom Forenuser starli hier im Forum dokumentiert.
Wegen des enormen Tagesanreiseverkehrs ins Allgäu während der Weihnachtsferien startete die Fahrt in Ettlingen diesmal eine Stunde früher als sonst. Im Raum Neu-Ulm wurde der Schwager eingesammelt, und ohne Stau ging es wie gewünscht fix zum Ziel. Wir starteten in der Steibis Skiarena, wo die Imbergbahn ihre ersten Skigäste schon ab kurz nach halb neun auf den Berg bringt. Bedingt durch den noch niedrigen Sonnenstand und die vorwiegende Nordausrichtung der Skihänge fuhren wir nicht nur in der Steibis Skiarena, sondern auch später in den anderen beiden Skigebieten trotz Schönwetter oft im Schatten.
Steibis Skiarena am Imberg
Web: http://www.skiarena-steibis.de/aktiv-am ... eibis.html
Pistenplan © Skiarena Steibis:
Für gute Skifahrer beschränkt sich das Interesse an der Steibis Skiarena auf die Haupt- und Nebenpisten von Imbergbahn, Fluhexpress und Hochbühl. Der Rest ist mehr oder weniger Anfängerareal. Entsprechend findet sich im Skigebiet eine große Zahl von Kinderskischulgruppen. Alle Hauptpisten der Skiarena wurden offenbar in der letzten Zeit verbreitert und werden konsequent beschneit, was bei unserem Besuch zu fürs Allgäu unerwartet guter Pistenqualität und entsprechend hohem Fahrspaß führte. Das Areal bietet trotz teilweiser Modellierung und vorwiegend blauen und blau-roten Pisten viel mehr Terrainvielfalt, als es der Pistenplan vermuten lässt. Und die schwarze Hochbühlpiste als einziger Südhang des Gebiets ist das Tüpfelchen auf dem i.
Aber kein Licht ohne Schatten ... die Modernisierung der Steibis Skiarena hinterlässt auch Mankos und Einbußen. Die alten Lifte hat man in der Steibis Skiarena für mein Empfinden etwas zu arg kahlgeschlagen. Von den alten Doppelschleppern an der Fluh hätte auch oben gern einen Lift, bevorzugt der Stemag, stehen bleiben können - einerseits als Entlastungsanlage fürs Wochenende, andererseits, um Allgäu-typisches Skifeeling zu erhalten. Wer heute den verbliebenen SCHL Bärenloch (leider überlebte der DM, nicht der Stemag) fährt, kommt sich verschaukelt vor, wenn er nur zwei Drittel der alten Trasse befahren darf und vorzeitig abbügeln muss. Die Hochbühlpiste hat zwar einen modernen Tellerlift als Ersatz für den Pendellift bekommen, aber der führt auch nur auf halbe Hanghöhe, und der Skigast muss weiterhin Ziehweg zurück ins Hauptskigebiet fahren. Eine DSB bis zum Kamm hinauf wäre zweckmäßiger gewesen. Mit dem skifahrerisch sinnvollen Ersatz des ESL Imberg durch die kürzere 8EUB wurde der Ort Steibis vom eigenen Skigebiet abgetrennt (fährt da jetzt ein Skibus?). Und mit dem Abbruch des Aulifts östlich der Imbergbahn verweigert die Skiarena dem Besucher den Weiterbetrieb dieses kompletten Skihangs, obwohl seine Bedienung über die Imbergbahn möglich ist.
Am späten Vormittag fuhren wir um unerwartet positive Eindrücke aus der Steibis Skiarena bereichert weiter zum Hochgrat. Eine abschließende Fahrt mit der Imbergbahn verkniffen wir uns angesichts der Warteschlange.
10 Fotos:
Bergfahrt in der 8EUB Imberg.
Schwarze Hochbühlpiste mit Hochgrat.
SCHL Hochbühl, der leider nur die halbe Hanghöhe bis zum Ziehweg erschließt.
SCHL Bärenloch. Traurige Angelegenheit ohne Parallel-Schlepper und mit vorgezogenem Ausstieg.
Imbergabfahrt ganz oben, wo sie noch sehr flach ist.
Dito mit Blick zurück. Trotz Flachheit schön zu fahren.
Piste Fluhexpress mit Alpenvorland.
Endlich kommt Sonne auf den Fluhhang.
Blick aus dem Fluhexpress vermutlich auf Bregenz. Dann müsste der Berg rechts am Bildrand der Pfänder sein.
Wegen dieser Schlange an der Imbergbahn verzichteten wir auf eine letzte Auffahrt.
Steibis / Hochgrat
Web: http://www.hochgrat-winter.de/projekt01/
Pistenplan © Hochgratbahn:
Der Steibinger Skigebiet am Hochgrat ist der genaue Gegensatz zur Skiarena. Die beiden früher noch existierenden Schlepplifte wurden schon vor ewiger Zeit geschliffen, womit die 2372m lange 4EUB von 1972 des Kölner Herstellers PHB zur einzigen Beförderungsanlage wurde. Sie bedient nach wie vor mehrere Abfahrten. Die Kapazität der behäbigen Bahn liegt bei gerade mal 600 Personen pro Stunde, die Fahrtdauer beträgt gute 10 Minuten. Bei unserem Besuch betrug die Wartezeit an der Talstation 3-7 Minuten. In den stets voll besetzten 4-Personen-Gondeln sitzt man wie in der sprichwörtlichen Sardinendose, zumal kurze Carver nicht in den Skiköcher passen und darum zusätzlich mit in die Gondel müssen. Das gehört halt zum Hochgrat-Feeling.
An der Bergstation auf 1708m erwartet den Besucher ein gewaltiges Panorama über Allgäuer Alpen, Silvretta und Bregenzer Wald bis zum Schweizer Alpstein. Die Bergstation und das Restaurant mit seiner schönen Terrasse verdecken geschickt den Blick ins Voralpenland, so dass man sich beim Verlassen der Station mitten im Hochgebirge wähnt.
10 Fotos:
Talstation Hochgratbahn.
Einstieg in die PHB-Sardinenbüchsen.
Bergfahrt. Lässt die Steilheit der Hänge erahnen.
Blick von der Hochgrat-Bergstation nach Süden. Panorama ohne Ende.
Zoom über den Nagelfluh-Grat in die Schweiz zu Churfirsten und Alpstein. Rechts vom Säntis der Kronberg im Appenzellerland, wo ich sehr gern Ski gefahren bin.
Das Hochgrat-Gipfelrestaurant, wunderbar gelegen. Hinten wieder der Alpstein.
Zugang zu den Hochgrat-Pisten über den Grat. Im Sattel macht der Skiweg eine Serpentine.
Kreuzung von Piste und PHB-Gondelbahn.
Hochgrat-Hauptabfahrt weiter oben.
Hochgrat-Hauptabfahrt weiter unten.
Thalkirchdorf / Hündle
Web: http://www.huendle.de/winter/ski-alpin.html
Pistenplan © Hündle Erlebnisbahnen:
Widerwillig verabschiedeten wir uns am frühen Nachmittag vom Hochgrat und fuhren zurück in Richtung Thalkirchdorf, wo wir direkt an der Hündle-Sesselbahn parkten. Ohne Wartezeit ging es mit der museumsreifen Poma-DSB, die wohl im Sommer 2011 ersetzt wird, zum rund 1100m hoch gelegenen Ziel. Wie schon starli berichtet hat, ist die Breitenausdehnung des Skigebiets größer, als es der Pistenplan vermuten lässt. Entsprechend fährt man beim Wechsel des Skihangs mehr Ziehweg als erwartet - das gehört so zum Charakter des Gebiets. Schöne Abfahrten finden sich für meinen Geschmack eigentlich nur am Hündle selbst und an Schwand- und Prodellift in Thalkirchdorf. Das Gelände von Gratlift und Hochsiedelliften erinnert eher ans Mittelgebirge; der Hohe Teufellift dient hauptsächlich als Rückbinger in Richtung Hündle. Das Erlebnis besteht für den Besucher aber nicht zuletzt darin, zwischen Hündle und Thalkirchdorf ein völlig unverfälschtes Skigebiet vorzufinden, an dem 40 Jahre (rein optisch) fast spurlos vorbeigegangen sind. Das ist selten geworden und wird sich (leider) auch hier bald ändern: Nach dem Ersatz der Hündlebahn im Sommer 2011 sind weitere Modernisierungen geplant. Dann wird es dort wohl irgendwann so ähnlich aussehen wie in der Steibiser Skiarena. Schade, dass es den Klammlift in Thalkirchdorf (wohl auch schon 20 Jahre) nicht mehr gibt - damit wäre das Skigebiet in Richtung Norden noch weitläufiger.
Die Hündlebahn fährt bis 16:30 Uhr. Kurz vorher beendeten wir zufrieden unseren Skitag in der Region Oberstaufen, um viele Impressionen und Erfahrungen reicher und positiv überrascht von zum Teil unerwarteten Skimöglichkeiten.
11 Fotos:
Hinauf ins Skigebiet mit der Hündle-Bahn.
Strecke Hündle-Bahn. Ach ja, die unbequemen Poma-Sessel ...
Gratlift, reichlich kurz, wie im Mittelgebirge.
Hochsiedellifte. Hier gab es bis zu 3 Minuten Wartezeit.
Blick vom Hochsiedel-Ausstieg ins Tal über Thalkirchdorf und bis zum zugefrorenen Großen Alpsee.
Ziehweg-Querung zum Prodellift.
Schwandlift-Hang mit Thalkirchdorf.
Fahrt im Prodellift.
Prodellift. Erschließt die vielleicht interessanteste Abfahrt des Skigebiets.
Hündle-Piste gegen Liftschluss.
Letzte Impression vom Hündle: Alpsteinkette mit merkwürdigen Kondensstreifen-Variationen.
Fazit: In der Skiarena Steibis kann man sicherlich ein super Skiwochenende mit der Familie verbringen. Der Hochgrat schreit nach weiteren Besuchen - so viel anspruchsvollen Skispaß findet man im Allgäu sonst wohl nirgends. Und nach Thalkirchdorf sollte man unbedingt noch im Winter 2010/2011 fahren, bevor dort "investiert" wird und sich der Charakter des bislang unverfälschten Skigebiets ändert. Leider hat das starke Tauwetter im Januar 2011 die Skimöglichkeiten im Gebiet erheblich eingeschränkt. Aber bis Mitte/Ende März wird das schon wieder.