Ganz hinten im Tuxertal liegt er, der Hintertuxer Gletscher, 17 Kilometer Autofahrt von Mayrhofen weg. Das Angebot ist, vergleicht man ihn mit anderen Gletschern, atemberaubend. Auf welchem Gletscher findet man solche Hänge wie sie in Hintertux am Kaserer hat? Oder wo findet man Anfang Mai noch eine Abfahrt bis knapp 2000 Meter runter vor? Oder die Möglichkeiten, Hänge in verschiedenen Ausrichtungen zu befahren? Einer der Gründe, sich nochmal nach Hintertux zu bewegen.
Glücklicherweise spielte auch das Wetter mit, und so konnten schafi und ich den Hintertuxer Gletscher wieder mal von seiner besten Seite aus kennenlernen - ski at it's best!
Paradoxerweise habe ich nun mehr Skitage am Hintertuxer Gletscher diese Saison geschafft, als in SFL. Auch Schafi war öfter am Hintertuxer als in SHL - was in beiden Fällen durchaus als außergewöhnlich zu bezeichnen ist.
Einquartiert haben wir uns, wie im Herbst auch schon, im Hintertuxer Hof. Die Lage (3 Minuten zu Fuß zur Seilbahn) und der Blick hinauf auf den winterlichen Gletscher sind einfach etwas Besonderes. Nirgends kann man das so genießen. Auf der Terrasse sitzend, eine Kaffee trinkend und die saftige Wiese vor einem habend braucht man nur mal schnell den Kopf etwas nach oben zu neigen, und schon sind die gleißend weißen Gletscherflächen zu sehen. Das ist einfach einmalig in Österreich.
Und so reisten wir am Freitagmorgen an, bereits mit hohen Erwartungen, denn der Wetterbericht spach von einer relativ stabilen Schönwetterphase. Schon in Lanersbach sieht man hinauf, auf den Kaserer, und schon zieht es einem die Mundwinkel unweigerlich nach oben, das breite Skifahrergrinsen macht sich breit, während auf den vielen Wanderwegen die ersten emsigen Wanderer ihre Fußabdrücke hinterlassen und die Schafe und Kühe das frische und saftige Gras ausgiebig genießen - der Winter ist im Tuxertal lange gewesen (für uns aber nicht lang genug
Wenige Kilometer später gibt’s nochmal einige kräftige Anstiege, dann rollen unsere Autos hinein nach Hintertux, vorbei an einem leeren Tagesparkplatz und hinunter in eine leere Tiefgarage. Los dürfte am Freitag, obwohl es bereits nach 10 Uhr ist, nicht viel sein. Es ist auch unnatürlich warm für unser Empfinden, darum geht es mit der leichten Skibekleidung rauf ins ewige Eis. Softshell und leichte Tourenhose reichen.
Der GB1 läuft um die Zeit faktisch leer, jetzt brechen eher Wanderer auf und so sind wir in der Talstation mit unseren Skischuhen eher in der Unterzahl. Die Mehrzahl der Skifahrer ist schon oben, nur stoßweise spuckt der Skibus andere Schneesportbegeisterte aus, die er entlang der Staße an diversen Haltestellen eingesammelt hat.
Auf der Sommerbergalm blicken wir mal rauf in Richtung Kaserer und Tuxer Ferner Hang. Erstaunlicherweise schaut auch die Abfahrt herunter noch sehr gut aus – auch läuft der Ramsmoosschlepper auf der Sommerbergalm noch – als einzige Anlage am Tuxer Joch. Der Rest musste schon kapitulieren. Das verbleibende Angebot ist aber immer noch groß genug, um sich in 3 Tagen nicht zu langweilen. Neben dem Tuxer Joch und der Lärmstange ist alles offen.
Bei der Auffahrt zum Tuxer Ferner Haus (in weiterer Folge TFH genannt) fällt uns der extrem gute Zustand der Abfahrten im Bereich des GB2 auf. Ein Grund also, die Gunst der Stunde zu nütze und hier die ersten Spuren zu ziehen. Statt nach links hinaus geht es durch eine eher schlichte Türe und einem Betonsteg hinaus zur Abfahrt. Und hier lassen wir nun unsere Ski in den Firn klatschen. Es sei verraten, dass die ersten Schwünge im nahezu unverbuckelten Firn tierisch Spaß gemacht haben. Nah dem ersten Hang kommt eine Querfahrt unter den beiden Bahnen durch, hier entstehen in weiterer Folge die ersten Fotos des noch jungen Skitages.
Danach sind wir diese Abfahrt ohne weiteren Halt durchgefahren, der Zustand der Piste war hervorragend. Es hat wirklich Spaß gemacht, eine solche Piste fahren zu können. Die Neigungsverhältnisse sind, abgesehen vom Zieher zur fixen 6er Sesselbahn ideal. Unten hinaus wird es dann halt zäh und tief. Leute mit breiten Ski sind hier definitiv im Vorteil und ein Breitenunterschied um einen Zentimeter macht einiges an Weiterkommen aus.
Die Kontraste sind am Hintertuxer Gletscher einfach der Hammer. Auf perfekten Pisten sind die saftig grünen Wiesen fast zum Greifen nahe. Das kann kein anderer Gletscher bieten. Im Herbst ist die Szenerie aber noch eindrucksvoller, wie wir es letzten September gemeinsam mit Hebi erleben durften.
Die Sommerbergalm selbst schaut schon sehr, sehr, sehr Sommerlich aus. Hier sind schon die Murmeltiere unterwegs und begutachten die Tiere, die da so komische Dinger an den Füßen haben, teilweise etwas argwöhnisch.
Trotz des Sommers auf der Sommerbergalm läuft der Ramsmooslift noch, der letzte Hohikaner sozusagen. Es wird sein letztes Betriebswochenende diese Saison sein. Die Piste selber ist nur kurz, dafür abgelegen und nur wenig frequentiert, zumal sie nur durch einen etwas lästigen Gegenanstieg zu erreichen ist. Doch genau das macht die Piste zu einer der Besten dieses Wochenende.
Auch Zillertal 3000 hätte noch Schnee, oben zumindest. Ich kann mir vorstellen, dass so mancher Tourengeher da noch hinauf ist, um den Edelfirn zu genießen. Die Bahnen Selber stehen ja bereits eit mehr als einer Woche. Nächste Saison dann wieder.
Majestätisch liegt der Kaserer über einem, während man auf der Sommerbergalm bereits den Sommer genießen kann. Uns aber zieht es nochmal hinauf zum TFH, um die Abfahrten hinunter auszukosten. Und so verbringen wir einen Gutteil dieses Tages zwischen TFH und Sommerbergalm. Sollen die Massen, wenn man sie überhaupt so nennen darf, ruhig oben am Gletscher ihre Runden ziehen, wir genießen unsere Einsamkeit etwas weiter unten.
Auch der GB 3 grüßt herunter, wohl wissend, dass wir auch noch ein Rendezvous mit ihm haben werden. Vorher wollen wir aber noch Essen gehen. Großrestaurationen sind nun nicht so ganz unsere Liga, so entschließen wir uns das Spanagelhaus heimzusuchen. Diese Hütte ist eher eine der wilden Sorte, Tische stellt man sich selber auf, die Bar, bestehend aus simplen Pressholzplatten hat auch bessere Tage gesehen, genauso wie der Beton der Terrasse. Als Notbeleuchtung im Haus fungieren noch Gaslampen, die Stube ist eher dunkel, aber gemütlich. Und das Essen ist FRISCH. Und so wird auch unser Kaiserschmarrn frisch zubereitet. Es sollte der letzte sein, der diese Saison serviert wird. Nach diesem Wochenende wird die Abfahrt geschlossen, und die Hütte macht mal Pause.
Nach dem Essen ging es dann hinauf ins ewige Eis (also nochmal runter zur Sommerbergalm und dann via TFH weiter). Die DSB wird auch demnächst abgebaut und ersetzt, somit entschlossen wir uns, statt dem GB3 die DSB zu nehmen. Bei diesen Temperaturen sind offene Fahrbetriebsmittel vollkommen ausreichend und vor allem kühler. Und so genießen wir das gemächliche Hinaufschweben auf den Gletscher. Aus der Bahn kann man außerdem recht gut zum GB3 fotografieren, das wird bald nicht mehr gehen. Dank geschlossener Fahrbetriebsmittel.
Da hinüber wollen wir übrigens auch noch, aber wir haben noch 2 volle Skitage vor uns. Mal schaun, ob am Samstag dann mehr Leute kommen werden.
Am Olperer läuft nur mehr ein Schlepper – völlig ausreichend im Angesicht des Füllungsgrades. Die Pisten sind nahezu leer, Schlegeis auch. Hier genehmigen wir uns einen Offpistrun, der eher grausam war. Der Schnee ist schwer, man muss aufpassen, dass man nicht einbricht und dann fliegt. Wir haben es also bei einem Run belassen.
Ziel erreicht – Kaserer! DER Gletscherhang der Gletscherhänge. Ideal geneigt, nur die Zufahrt zum Kaserer 1 sind zwei Querfahrten. Ehrlich gesagt, hier ist mir der Sommereinstieg lieber. Da braucht man nicht sägezahnartig den Hang hinunterzugurken.
Noch ein abschließender Blick zur Gefrorenen Wand, dann ist der Skitag wieder vorbei, viel zu kurz wie wir meinen. Aber nun sind die Pistengeräte dran und bringen das wieder in Form, was wir versucht haben, mit unseren Spuren zu verzieren.
Faszinierend ist auch der Kontrast GB 3 und DSB – hier waren offenbar mehrere Umbauten von Nöten, um die DSB halten zu können. Man beachte, wie die Stütze in die Wand gebaut wurde.
Und jetzt geht es zum letzten Mal hinunter für heute. Auf der Sommerbergalm blicken wir nochmal sehnsüchtig hinauf und freuen uns auf morgen. Wir kommen ja wieder. Entspannt schlendern wir zum GB 1, der uns in die Hitze des Tales wieder bringt. Wir haben ja nicht weit, unser Hotel liegt in Blickweite und der Hunger meldet sich auch. Hintertuxer Hof, wir kommen!
Fortsetzung folgt.
MFG Dachstein