Spontan beschlossen Münchner und ich bei einem Telefonat am Freitag Abend, am Sonntag eine kleine Tour durchs Voralpenland zu unternehmen. Eine richtige Bergwanderung schied leider aus, weil es lt. Wettervorhersage Gewitter geben sollte.
Während des Gesprächs kamen wir auf Bad Tölz zu sprechen – ich glaube, es ging darum, ob wir auch noch die alte Talstation der Vorberglifte (LSAP) in Greiling aufsuchen sollten. Ich hatte die schon mal im Sommer 2007 besucht und mir fiel plötzlich ein, dass ich damals auf der Rückfahrt nach München noch einen intakten Gittermastenlift westlich von Bad Tölz aus der Ferne entdeckt hatte. So gab es schon mal ein „Muss“-Ziel und der Rest lag eh seit einiger Zeit auf dem „to do“-Stapel....
So fuhr ich am frühen Sonntag Morgen über den leeren Mittleren Ring nach Starnberg.
Das erste Ziel des Tages, nachdem ich Münchner aufgelesen hatte – an diesem Hang westlich von Weilheim bei der Ortschaft Paterzell war ihm schon vor einiger Zeit eine verdächtige Schneise aufgefallen. Leider fehlt die Piste nebenan. Obwohl der Hang „passen“ würde und wir auch glaubten, vorne am Waldrand ein Fundament erahnen zu können, tippe ich eher auf die Trasse einer „LSAP-Stromleitung“...
Darum ersparten wir uns auch einen Marsch nach oben, zumal natürlich wie immer bei jedem Schlepper oder Sessellift Aufpasser gleich nebenan wohnen. So wollten wir den Dorffrieden nicht stören, stiegen wieder in unser UFO ein und hoben ab. Die Leute, die untätig vor einem Haus herumlungerten gafften zumindest so, als ob wir nicht von dieser Welt wären. Derweil fotografierte ich noch extra (für meine Frau als Mitbringsel) die Pferde auf der Koppel nebenan, was ja eigentlich nichts Ungewöhnliches ist...
Doch hier hatten wir dem Donnerwetter noch lange vor seinem Hereinbrechen ausweichen können, indem wir weiter nach Süden fuhren. Außerhalb von Paterzell war die Welt wieder friedlich – die Sonne schien, die Luft erwärmte sich, die Lerchen sangen und vor uns breitete sich das Alpenpanorama aus. Von einem Gewitter keine Spur...
Das nächste Ziel war der Hohe Peißenberg in unmittelbarer Nähe. Hier hat es früher einmal einen längeren Schlepplift gegeben, der auf der Nordseite so 500 Meter lang durch den Wald hinauf führte und unterhalb neben der Kirche oben endete. Hier sieht man doch die alte Talstation, die oberhalb einer kleinen Siedlung in der totalen Pampa steht.
Zoom. Näher gingen wir nicht hin, denn ein Zaun versperrte uns den Weg und wir hatten guten Grund, ihn nicht zu übersteigen. Hatten wir in Paterzell noch ein Donnerwetter noch vermeiden können, glückte uns das an diesem Ort leider nicht. Hatten wir in Paterzell schon bei den leisesten Anzeichen das Feld geräumt, brauch hier der Donner völlig unerwartet über uns los. Dabei hatten wir uns mit meinem Wagen tapfer fast bis zur Talstation gekämpft – Münchner wies mir mit Hilfe meiner Kompasskarte den Weg. Doch so verlassen die Liftschneise auch war – der Lifthüter wohnte noch an Ort und Stelle und verrichtete tapfer seinen Dienst. Wir stiegen gerade aus dem Auto aus, da plärrte uns auch schon Geschrei vom Bauernhof unterhalb der LSAP-Talstation entgegen. Ein Mann brüllte unverständlich und wollte eindeutig, dass wir SOFORT abhauten. Zwar ließ er sich auf eine kleine Verhandlung ein, doch mehr als 10 Minuten wollte er uns nicht auf seinem Grund haben....
Na ja, vielleicht auch wieder verständlich, wenn da in der Einöde zwei wildfremde Kerle mit Kameras herumlaufen. Ich hätte da als Anwohner auch kritisch nachgefragt– halt etwas dezenter eben...
Doch so unterließen wir eine Erkundigung der Trasse und der Talstation, um gleich zum Gipfel hinauf zu fahren. Den Weg kannte ich durch einen Zufall, der sich im April 2007 – ziemlich genau 4 Jahre zuvor – ereignet hatte. Damals suchte ich spontan nach dem Lift hier am Hohen Peißenberg, von dem ich bis dato nur wusste, dass es ihn gab/ bzw. gegeben hatte. Planlos kurvte ich durch die Ortschaft Peißenberg und fuhr irgendwo eine schmale Straße Richtung Berg hinauf. Ich hatte ja keine Ahnung, wo ich genau suchen sollte und hielt unterwegs immer wieder an, um nach Verdächtigem Ausschau zu halten. So gelangte ich schließlich über einen schmalen Weg durch den Wald auf der Nordseite zum Gipfel hinauf – die gleiche Strecke nahmen wir am 22.05.2011 dann auch. 2007 lief ich oben noch so eine Stunde lang kopflos umher und vermutete den Verlauf des Liftes schon auf einer Bergwiese am Südhang, ehe ich ihn dann zufällig auf dem Weg zur Gaststätte oben entdeckte. (Dank dem Liftlerhäusl!)
Am vergangen Sonntag konnten wir uns die Suche sparen, parkten das Auto, schossen noch ein paar Panoramafotos und liefen zur ehemaligen Bergstation unterhalb der Kirche hinüber.
Schöner Blick Richtung Nordosten vom Hohen Peißenberg aus...
(Höhe des Berges: 987 Meter)
Dieser Blick hatte mich 2007 auf die richtige Fährte geführt...
1A - Panorama am ehemaligen Ausstieg.
Die Abwurframpe hat sicherlich schon bessere Tage gesehen, wie es immer so schön heißt...
Der Lift hatte wohl Portalstützen. (Heuss?)
Müncher sah das LSAP zum ersten Mal und fühlte sich kopflos...
Hier kam der Schlepper aus dem Wald und führte hoch bis zum Ausstieg unterhalb der Büsche in der Bildmitte. Die Trasse wollten wir dann nicht mehr weiter hinunter gehen, denn es herrschte zunehmend drückende Schwüle und das Laufen in der prallen Sonne war unangenehm. Ich kannte den weiteren Weg ja eh schon. Wie wir da nach unten in den Wald hinein blickten, kamen Erinnerungen an jenen sonnigen Aprilsamstag anno 2007 hervor...
Der Schlepper ging richtig schön durch den Wald hinauf – für Lifte im Voralpenbereich eher selten. Meist stehen sie an Grashügeln am Rande eines Dorfes. (Immer gut bewacht von Anwohnern, DIREKT neben der Tal- oder Bergstation.)
Könnte auch in den Alpen entstanden sein – mitten in der Waldschneise des Peißenberglifts...
Die Talstation kommt in Sicht.
Blick zurück.
Die Trasse von der Talstation aus.
Damals kannte ich den Liftwächter im Bauernhaus weiter unten noch nicht und konnte direkt an das Gebäude herantreten. Unbemerkt stieg ich anschließend wieder über die Piste den Berg hinauf und fuhr noch zum LSAP-“Gebiet“ am Schnaidberg südlich von Peitung sowie zum Schlossberg in Peiting selbst, wo es auch mal einen Lift gegeben haben soll. Doch am 22.05.2011 stand anderes an...
Noch Eindrücke von Gipfel-Bereich des Hohen Peißenbergs...
Es ist wirklich jammerschade, dass es den Schlepper am Peißenberg nicht mehr gibt. Das wäre von der Lage und der Länge der Piste für abendliches Flutlichtschifahren ganz interessant gewesen. Da gibt es sicherlich kürzere und flachere Lifte im Voralpenbereich.
Über Böbing zum nächsten Ziel – einem Stemagschlepper an der Brombergalm. Ich hatte ihn mal zufällig auf einer alten Kompasskarte entdeckt, die irgendwo an einem Parkplatz hing und eine Übersicht über den Pfaffenwinkel zeigte. Auf ihr waren zu meiner Überraschung damals der besagte Brombergalmlift (der auf meiner Kompasskarte fehlt), sowie 3 Lifte bei Ilgen (ein Schlepper steht dort ja noch und die anderen beiden daneben waren wohl Seillifte) und zu guter Letzt auch noch ein kurzer Schlepper in Bad Bayersoien.
(Der ist sogar hier aufgeführt: http://www.topresorts.de/allgemein/geschlossen.htm)
Den in Bad Bayersoien habe ich auch mal aufgesucht, aber dort war gar nichts mehr zu sehen.
Hier an der Brombergalm konnten wir ungestört den Schlepplift besichtigen. Ein Wanderweg führt direkt dran vorbei. Jedoch bemerkten wir über den Bergen schon einige Wolkentürme, die darauf hinwiesen, dass der Wetterbericht mit seiner Gewittervorhersage wohl Recht behalten sollte.
Ein schöner, kleiner Lift mitten „in der Pampa“.
Es wurde mit dem Herannahen der Gewitterfront immer schwüler und drückender. An einem kühlen Herbsttag hätte ich diesen Hang ohne Mühe hinauf laufen können (Münchner natürlich auch). Jedoch am Sonntag mussten wir uns Meter für Meter nach oben quälen.
Geschafft! Wir hatten die Bergstation schweißgebadet erreicht.
Auch ohne Lift hätte sich die kleine Ochsentour in der Hitze gelohnt. Ein 1A-Blick übers Flachland Richtung Osten!
Die Schlepptrasse – vorm Ausstieg vom Steilhang „verschluckt“.
Münchner war ausrüstungsmäßig wieder schwer bewaffnet.
Hier die Wolken, von denen ich vorhin sprach. Immer näher rückten sie heran und wir hofften, noch den eingangs erwähnten Schlepper bei Bad Tölz „mitnehmen“ zu können. So verzichteten wir auch auf eine Brotzeit in der Brombergalm und fuhren lieber gleich weiter, nachdem wir hier unsere „Arbeit“ erledigt hatten...
Dieser Schlepper ließ sich ohne Gebrüll oder Gegaffe eines Anwohners besichtigen. Doch für einen kurzen Moment dachte ich, dass weiterer Ärger ins Haus stand. Denn plötzlich kam ein älterer Mann angelaufen und hielt auf uns zu. Doch beim Näherkommen stellte sich heraus, dass der Tapfere trotz schwülen Wetters den Berg hinaufjoggte. Freundlich grüßte er uns und verschwand im Wald. Er war mindestens 50 und hatte den Hang scheinbar mühelos laufend bewältigt, während wir, die zwanzig Jahre weniger auf dem Buckel hatten – schon beim normalen Hinaufgehen fast schlapp gemacht hätten...(Respekt also!)
Aber die Wandersaison ist ja noch jung!
Die Stemag-Umlenkstation passte sich ganz gut ins Naturbild ein...
Auf dem Weg zurück die Schlepptrasse hinunter...
Unterwegs nahmen wir noch den Schlepper in Habach an der B472 mit. Er war mir das erste Mal im Januar 2010 aufgefallen, als ich auf dem Rückweg vom Hörnle dran vorbei fuhr.
Ihnen entkamen wir nicht!
Wir pirschten uns mal wieder an einen Schlepplift heran...
Scheinbar unbeobachtet und ungestört wanderten wir zur Bergstation hinauf...
Zoom nach unten zur unbewachten Talstation.
Die Umlenkstation. Rechts kann man das Dach eines Autos erkennen und dessen Fahrer lernten wir sogleich flüchtig kennen. Münchner entdeckte ihn plötzlich auf der Wiese liegend neben uns. Er hatte es sich auf einer Decke in der Sonne gemütlich gemacht und sicherlich nicht mit Besuch gerechnet. Ich möchte gar nicht wissen, was der sich dachte, als wir da hinaufgestapft kamen. So schaute bei unserer Wanderung zurück nach unten stets ein Kopf oben aus der ungemähten Bergwiese hervor und beobachtete verwundert, wie da zwei fremde Typen den Schlepplift fotografierten. Ich war nur froh, dass es kein Pärchen war, das wir da gestört hatten. Die Story, uns würde nur der Schlepper interessieren, hätte uns niemand geglaubt!
Standardmotiv
Blick auf Habach und den unteren Verlauf.
Auch diese Stützen waren einmal rot angestrichen – wie in den 70ern...
Zoom zu den oberen Stützen.
Auf gut Glück durch ein Loch in der Absperrung zum Talstationsinnern geknipst...
Schild außen am Haus.
Im Winter jeder Zeit wieder! Auf dem Weg nach Bad Tölz passierten wir noch den Hang, wo früher mal zwischen Bad Heilbrunn und Stallauer Weiher ein Schlepplift rechts der Straße einen Hügel hinaufführte. Heute sieht man nur noch die leere Wiese inmitten des bewaldeten Berges... (Wir haben hier keine Bilder gemacht.)
Talstation des Buchberglifts bei Bad Tölz...
Für die Pistenraupenfreunde geknipst...
Ein kurzer, flacher Hang – na ja, wir würden im Winter ja auch nur wegen ein paar Schlepperfahrten kommen. Ach ja – auch hier ging die Besichtigung nicht ohne „Donnerwetter“ vorüber – als wir zurück zum Auto liefen, zog sich der Himmel zu und es grollte bedrohlich. (Siehe Bild Nr. 2 ganz oben.)
Übrigens: An der Buchbergalm neben der Talstation befindet sich eine urige Hütte, wo man ziemlich gemütlich draußen sitzt. An Sonntagen (so wie ich das verstanden habe) kann man dort für 6 EUR ein Spanferkel mit Knödel essen. Wir haben das Angebot gleich versucht und Spanferkel essend erholten wir uns von den Schleppliftwanderungen – dazu ein kühles Radler...
Doch an jenem 22.05.2011 sollte uns selbst die Einkehr nicht ohne Zwischenfälle gelingen. Am Nachbartisch saß, noch bevor unser Essen kam, ein recht dicker, alter Mann, der die ganze Zeit herumschimpfte. Am Schluss bestellte er sich noch ein RIESIGES Stück Torte und brüllte schon fast, weil die Bedienung hierfür länger wie 10 Sekunden benötigte. Nachdem er zum Parkplatz gewatschelt war, lästerten die Leute an den Tischen incl. der Bedienung ziemlich ab. Die Frau des Dicken tat mir irgendwie leid. Sie hat die ganze Zeit nur verlegen vor sich hingelächelt, während ihr Mann seinen Zorn, Hass und Unmut versprühte und sie sich vermutlich in Grund und Boden schämte...
Wir waren wegen der drückenden Hitze total k.o. und beschlossen – auch wegen des unmittelbar bevorstehenden Gewitters – nach Hause zu fahren.
Münchner wird demnächst auch noch ein paar Bilder nachliefern...