Prozeß zum Seilbahnunglück in Frankreich

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Dresdner
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Prozeß zum Seilbahnunglück in Frankreich

Beitrag von Dresdner »

Habe soeben auf seilbahn.net folgenden Artikel gefunden:
Frankreich: Prozeß um Seilbahnunglück mit 20 Toten

Mehr als vier Jahre nach dem folgenschwersten Seilbahnunglück der vergangenen Jahrzehnte in Frankreich mit 20 Toten hat der Prozeß um die Katastrophe am Südalpengipfel Bure begonnen.

Neun Angeklagte und für die Sicherheit zuständige Organisationen müssen sich seit Mittwoch vor dem Strafgericht in Gap südlich von Grenoble wegen fahrlässiger Tötung verantworten. 258 Zivilparteien und fast 40 Anwälte sind bei dem Prozeß vertreten, der bis zum 28. November angesetzt ist. Der erste Verhandlungstag begann mit dem Aufruf der Zeugen, Experten und Zivilparteien. Wegen des großen Andrangs wurde die Verhandlung per Video in zwei weitere Säle übertragen. Alle Passagiere kamen ums Leben
Am 1. Juli 1999 war eine Gondel der Seilbahn früh morgens bei der Fahrt auf den 2.712 Meter hohen Pic de Bure plötzlich zurück ins Tal gerast und rund 80 Meter in die Tiefe gestürzt. Alle 20 Passagiere - vor allem Techniker und Arbeiter des deutsch-französischen Instituts für Radioastronomie IRAM, das sich auf dem Gipfel befindet - kamen dabei ums Leben. Auch das IRAM, an dem die Max-Planck-Gesellschaft in München beteiligt ist, muß sich als Betreiber der privaten Seilbahn verantworten. In einem Gutachten zur Unglücksursache machen Experten das Fehlen eines Bremssystems für das Unglück verantwortlich. Die Bremsen der Gondel seien 1984 außer Betrieb genommen und 1986 ganz ausgebaut worden. Zudem habe eine Sicherheitsverbindung zwischen der Gondel und dem Seil der Bahn versagt. Das Gutachten berichtet auch von schweren Mängeln bei Wartung und Überprüfung der Bahn. Der Prozeß soll vor allem klären, wer für den Ausbau der Bremsen verantwortlich war. Funktionierende Bremsen hätten nach Ansicht der Experten das Unglück verhindern können
Gibt es dazu weitere Infos und Bildmaterial?
Pendolino
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TPD
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Beitrag von TPD »

^^
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http://www.ski-world.net/forum/viewtopi ... frankreich
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seilreiter
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Beitrag von seilreiter »

http://www.lemonde.fr/txt/article/0,1-0 ... 637,0.html
Wenn ichs richtig gelesen habe hat die Zugseilklemmung am Laufwerk im steilsten Stück zwischen Stütze 3 und 4 versagt, woraufhin die Kabine zurückrutschte und bis auf 200 km/h (!) beschleunigte bevor sie vom Tragseil fiel. Die Tragseilbremse wurde nach Schwierigkeiten 1986 entfernt (so löst man technische Probleme ...). Wobei ich bisher dachte dass in F keine Tragseilbremsen verbaut werden. Kann aber sein dass es Vorschrift ist, wenn die Kabine lösbar an das Zugseil geklemmt wird. Vgl. Pic du midi / Pyrenäen
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skikoenig
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Beitrag von skikoenig »

Das das schon wieder soo lange her ist! Kann mich noch an die Bilder in der Tagesschau erinnern! Sah nicht gut aus damals!
jul
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Beitrag von jul »

Wer war denn der Hersteller der Bahn? Poma?
NICHT MEHR IM FORUM AKTIV!!!!!
Michael Meier
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Beitrag von Michael Meier »

Seilbahn reißt 20 Menschen in den Tod
Opfer sind französische Wissenschaftler und Techniker - Ursache für das Unglück bei Grenoble ungeklärt


Grenoble - Beim schlimmsten Seilbahnunglück in Frankreich seit 30 Jahren sind 20 Menschen ums Leben gekommen. Von dem Absturz der Gondel zu einem deutsch-französischen Observatorium südlich von Grenoble sind keine deutschen Wissenschaftler betroffen, so ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Weshalb sich die Gondel der Seilbahn in Saint-Etienne-en-Dévoluy bei Gap löste und etwa 80 Meter tief stürzte, war völlig unklar.

Von dem Unglück seien weder Urlauber aus Frankreich noch Touristen aus dem Ausland betroffen, betonten die Behörden. Die private Seilbahn führt in der Nähe des kleinen Ortes Saint-Etienne auf den 2709 Meter hohen Pic de Bure. Sie dient ausschließlich der Versorgung des international bekannten Observatoriums für Radioastronomie, das sich dort unterhalb des Gipfels befindet. "Sie ist für die Angestellten reserviert, die auf der Hochebene von Bure arbeiten, und nicht für Touristen", erklärte das Tourismusbüro von Saint-Etienne. Auf der Hochebene arbeiten nach Auskunft der Max-Planck-Gesellschaft vor allem französische und deutsche Radioastronomen.

Zunächst war vermutet worden, daß sich in der Gondel, die am Morgen zum Gipfel fuhr und dann in eine Schlucht fiel, insgesamt 21 Menschen gewesen seien. Erst am Mittag bestand Gewißheit, daß es 20 Personen waren, von denen keine das Unglück überlebte.

In der Gondel hätten sich neben Beschäftigten des Observatoriums Mitarbeiter einer Reinigungsfirma und eines Bauunternehmens sowie vier Angestellte von France Télécom befunden, so die Präfektur.

Die Kabine habe sich zwischen dem zweiten und dritten Träger und damit etwa 500 Meter nach der Abfahrt von dem Kabel der Seilbahn gelöst, sagte der Präfekt des Departements Hautes-Alpes.

Die 1981 in Betrieb genommene Seilbahn sei erst im vergangenen Jahr generalüberholt worden, teilte der Verband der französischen Seilbahnen mit. Für das Kabel würden noch einmal spezielle Kontrollen gelten. Experten nahmen noch am Vormittag ihre Ermittlungen auf. Die Seilbahn diente zur Beförderung von Personen wie Lasten zu dem Observatorium. Anwohner berichteten den Reportern, daß wegen Bauarbeiten in den letzten Tagen mit ihr schwere Teile auf den Berg transportiert worden seien.

Der erste Alarm war um 7.29 Uhr eingegangen, wie ein Sprecher der Präfektur am Morgen im Rundfunk schilderte. Für die Rettungsdienste sei sofort Großalarm gegeben worden. Sie konnten die Unfallstelle mit Hubschraubern und Geländefahrzeugen erreichen. Jede Hilfe kam aber für die Opfer zu spät.

Die deutsche Max-Planck-Gesellschaft ist zu 47 Prozent an dem 1979 gegründeten Forschungsinstitut für millimetrische Radioastronomie (IRAM) beteiligt. Der Hauptsitz des Instituts ist in Grenoble. Die Gesellschaft beschäftigt 25 Wissenschaftler, 75 Ingenieure und 15 Verwaltungsangestellte. Das von der Gesellschaft betriebene Observatorium auf dem in 2552 Meter Höhe gelegenen Hochplateau des Bure ist mit fünf Teleskopen von 15 Meter Durchmesser ausgestattet. Die Lage des Observatoriums gilt als einzigartig wegen der Transparenz der Erdatmosphäre und der äußerst seltenen Niederschläge im Winter. Dank dieser besonders günstigen Bedingungen können Radiosendungen aus dem Kosmos von den im Observatorium installierten Instrumenten empfangen werden. Außer dem Observatorium befinden sich auf dem Hochplateau Wohnquartiere für die dort arbeitenden Mannschaften. Die 20 Minuten dauernde Seilbahnfahrt ist der Hauptzugang zu dem Observatorium.

Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac und Premierminister Lionel Jospin äußerten in der Kabinettssitzung ihre Bestürzung. Sie sprachen den Angehörigen der Opfer ihre Anteilnahme aus. Innenminister Jean-Pierre Chevènement und Sozialministerin Martine Aubry flogen nach Saint-Etienne.

In den vergangenen Jahrzehnten haben Unglücke mit Seilbahnen zahlreiche Menschenleben gefordert. 1972 reißt das Zugseil der Drahtseilbahn von Betten nach Bettneralp im Oberwallis in der Schweiz, die Kabine rast auf die Talstation zurück und zerschellt dort. 13 Menschen werden dabei getötet.

In der Region Grenoble, im französischen Wintersportort, Deux-Alpes kamen ebenfalls 1972 bei einer Probefahrt mit einer für den öffentlichen Verkehr noch nicht zugelassenen neuen Seilbahn neun Menschen ums Leben. Im Champoluc im italienischen Aosta-Tal lösen sich 1983 während einer Seilbahnfahrt drei Kabinen durch eine schwere Windböe aus der Verankerung und stürzen mehr als 50 Meter in die Tiefe: Elf Tote.

Beim bisher schwersten Seilbahnunglück in Europa starben 1976 im italienischen Cavalese 42 Menschen; 1998 gab es am selben Ort 20 Tote.DW


^^ein alter Artikel aus der Welt.
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