Wie in der Übersicht geschrieben war für den heutigen Tag sehr stabiles Hochdruckwetter angekündigt, also perfekte Voraussetzungen für eine Besteigung des Piz Boe, mit 3.152m der höchste Gipfel der Sellagruppe. Ich schreibe bewusst „Besteigung“, da die von uns gewählte Variante mit Wandern nichts zu tun hatte und mit der Seilbahn fährt man da auch nicht hoch, machen schon viel zu viele. Also nahmen wir den Klettersteig Cesare Piazetta und ich nutze an dieser Stelle die Gelegenheit ein bei der Planung gefundenes Zitat aus dem Netz (http://www.alpenverein.it) anzubringen:
Fanden wir eine recht witzige Umschreibung, zumal diverse Recherchen im Internet unterschiedliche Interpretationen der Schwierigkeit ans Tageslicht beförderten. Einige sprachen von C, andere von C/D oder D und wie ich soeben feststellen musste gibt’s auch welche die die Schwierigkeit auf E setzen. Egal welcher Buchstabe nun treffend ist (unseres Erachtens D), eines ist sicher: Einfach ist der Klettersteig bei weitem nicht. Aber es war nicht das angekündigte Fegefeuer, gleichwohl kam ich aber an einigen Stellen schon ans Limit, konnte diese aber Dank jacks Hilfe meistern und wir wurden zusammen mit tollen Erlebnissen belohnt.Viele Bergsteiger genossen den Klettersteig, nicht wenige zitterten schon am Limit und Einzelne hielten den Klettersteig sicher für das Fegefeuer.
Tourbeschreibung:
Das Auto parkten wir auf dem sehr kleinen, eigens für Besucher des Klettersteiges reservierten Parkplatz beim Deutschen Soldatenfriedhof, wo noch ein ¾ Stellplatz frei war. Nachdem wir uns das Kriegerdenkmal (2.229 m) angeschaut haben, ging es an den Aufstieg zum Einstieg in den Klettersteig auf 2.640 m. Vom Einstieg standen uns dann ca. 370 Meter Kletterei bevor, gleich beginnend mit einer 40 m hohen, senkrechten Felswand und recht poliertem Gestein. Dies machte es äußerst schwierig, einen perfekten Einstieg zu finden. Aber es war mit ordentlichen Zupacken machbar. Weiter ging es dann – im Vergleich zum Beginn – etwas einfacher. Es wechselten sich Querbände und Steilstücke, welche teilweise leicht überhängend waren, ab. Auf einmal stand uns ein enger Kamin bevor, welcher mit Rucksäcken fast nicht zu meistern ist. Jack90 schaffte es dennoch so gerade, ich reichte meinen nach oben und konnte so mit entsprechendem Druck des Rückens gegen die Felswand den Kamin meistern. Nächstes Highlight stellte die Hängebrücke dar, welche eine Schlucht überwindet und recht luftig konstruiert ist. Nach dieser wird es tendenziell einfacher und weniger ausgesetzt, kurze Steilaufschwünge sind dennoch zwischen den Bändern zu meistern. Eine von der Schwierigkeit mit dem Einstieg gleichzusetzenden Stelle erwartete uns noch, eine senkrechte, glatte Felswand mit Richtungswechsel. Anschließend schmückten einige Passagen in leichter Kletterei den Steig, zwischendurch noch das eine oder andere Band bevor wir über losen Schutt ein kleines Plateau unterhalb des Gipfels erreichten. Dort entledigten wir uns von Helm und Kletterset und nahmen die letzten, nicht weniger anstrengenden Höhenmeter über steiles Felsgelände zum Gipfel (3.152 m). Dort wurden wir, wie bereits auf dem gesamten Klettersteig mit einem atemberaubenden Panorama belohnt.
Nach kurzer Pause stiegen wir nach Westen ab, folgten den Menschenmassen erst zur Pordoihütte (2.829 m) und entschieden dann beim Blick hinab ins Tal, uns den Luxus einer Talfahrt mit der PB zu gönnen (Bergstation auf 2.950 m), da der Abstieg über die Scharte doch sehr steil über losen Schutt verläuft und arg kräfteraubend sein dürfte. Nach der zügigen Talfahrt (Talstation auf 2.240 m) stand noch der Rückweg vom Pordoijoch zum Parkplatz aus.
Für Interessierte noch ein PDF zum Klettersteig.
Tourdaten:
Höhenunterschied: 1.452 m bergauf, 1.389 m bergab (inkl. Seilbahn)
Distanz: 17,209 km (inkl. Seilbahn)
Dauer: 7h 53min
min. Höhe: 2.138 m
max. Höhe: 3.156 m
PS: Durch die vielen vertikalen Bewegungen im Klettersteig stimmt dort die Erfassung durch GPS nicht 100%ig.
Und nun zu den Bildern (man sehe uns bitte nach, auf dem Klettersteig nicht alle heiklen Stellen komplett dokumentiert zu haben
^^ Noch nen ¾-Parkplatz ergattert, hinten rechts der Sas Bece, links davon die 4 KSB/B Lezuo
^^ Blick am Kriegerdenkmal vorbei und hinterm Sass Ciapel erkennt man die Marmolada
^^ Blick von oben aufs Kriegerdenkmal, hinten mit La Mesola (li.), Belvedere (mi.) und Sass Ciapel (re.)
^^ Edelweiss
^^ Kriegerdenkmal mit Passstraße zum Pordoijoch, hinten wieder die Marmolada
^^ Der Einstieg in den Klettersteig
^^ Querpassage
^^ Blick hinab zum Einstieg
^^ Zwischendrin auch mal der Flair einen normalen Wandersteigs
^^ Am Kamin
^^ Blick aus dem Kamin zur Marmolada
^^ jack90 ist oben und hat die Rucksäcke deponiert
^^ Auf der Hängebrücke
^^ Seelischer Beistand
^^ Eine der leichten Passagen
^^ Querung mit Blick zum Pordoijoch
^^ Arabba
^^ Zwischendurch gab es im oberen Teil auch Flecke wo man entspannt stehen konnte
^^ Blick von oben zum Pordoijoch sowie Passstraße, links im Schatten das Kriegerdenkmal
^^ Blick zur Marmolada
^^ Herrliche Felsformationen galt es zu umrunden
^^ Ohne Worte 1
^^ Ohne Worte 2
^^ Weiter geht’s
^^ Na, was kommt denn da hinten zum Vorschein?
^^ Der Gipfel zum greifen nahe, aber noch einige Anstrengungen entfernt
^^ Es kommt da hinten die Bergstation der PB zum Vorschein
^^ Man könnte meinen es wurde hier oben eine Piste angelegt, ist aber alles natürlich .. hier legten wir das ganze Geraffel ab
^^ Noch wenige Meter bis zum Gipfel
Es folgen einzelne Aufnahmen vom Gipfel des Piz Boe:
^^ Links die Fassahütte, rechts der Bildmitte (1) die Bergstation Sass Pardoi (2.950 m), zu der wir noch wandern mussten
^^ Links (1) Sass Pardoi (2.950 m), rechts (2) Piz Selva (2.941 m), dazwischen das Val Lasties, welches an der Sellajochpassstraße beginnt und rechts am Bildrand (3) der Langkofel (3.181 m)
^^ Etwas weiter geschwenkt: Bildmitte der Langkofel, davor der Piz Selva und das Val Lasties
^^ Weiter schweift der Blick über das Sellaplateau
^^ (1) Gran Fermeda (2.873 m), (2) Sass Rigais (3.025 m), (3) Furcheta (3.025 m), (4) Sass Dal Ega (2.924 m), beim „x“ konnte man so gerade den Olperer erkennen, (5) Puezspitzen (2.918 m), (6) Cima Pisiadu (2.985 m), (7) Peitlerkofel (2.875 m)
^^ (1) Peitlerkofel (2.875 m), (2) Muntejela (2.676 m) auf dem Puezplateau, (3) Kronplatz (2.276 m), (4) Sassongher (2.665 m), (5) Zehner (3.026 m)
^^ (1) Zehner (3.026 m), (2) Seekofel (2.810 m), (3) La Varella (3.055 m), (4) Piz del Centurines (3.064 m), (5) Hohe Gaisl (3.146 m), (6) Trofana di Dentro (3.238 m), (7) Trofana di Mezzo (3.244 m), (8) Trofana di Rozes (3.225 m)
^^ (1) Trofana di Rozes (3.225 m), (2) Hexenstein (2.477 m), (3) Cingue Torri (2.361 m), (4) Sorapiss (3.205 m), (5) Col di Lana (2.452 m), (6) Monte Pore (2.403 m), unten im Tal Arabba
^^ (1) Monte Pore (2.403 m), unten im Tal Arabba, (2) Chivetta 3.220 m), (3) Monte Mignon (2.384 m), (4) Sass di Mezdi (2.727 m)
^^ (1) Sass di Mezdi (2.727 m), (2) Piz Zorlet (2.378 m), (3) Punta Serauta (2.962 m), (4) Belvedere (2.648 m), (5) Sasso delle Undici (2.801 m)
^^ (1) Belvedere (2.648 m), (2) Punta Serauta (2.962 m), (3) Sasso delle Undici (2.801 m), (4) Pizzo Serauta (3.035 m), (5) Punta Rocca (3.309 m), (6) Sass Ciapel (2.557 m), (7) Marmolada (3.342 m), (8) La Fradustra (2.939 m), (9) Gran Vernel (3.210 m), (10) Punta Comates (3.029 m)
Man höre auf den O-Ton an gewisser Stelle
^^ Ein kleines, dickes Steinmännchen
^^ Kurz vor der Pordoihütte ... Menschenmassen wandern gen Bergstation. Von diesen Menschenschlangen hat jack90 noch ein paar schöne Bilder.
^^ Und ordentlich Schnee hat es hier oben noch an der Scharte
^^ Pordoihütte
^^ Blick zurück zum Piz Boe, ist ein ordentlicher Hatscher gewesen
^^ Zoom zur Civetta, davor das Skigebiet von Arabba mit der Bergstation des Funivors
^^ Zoom zum Tofana di Rozes (3.225 m)
^^ Einfahrt der Kabine in die Bergstation
^^ Bei der Talfahrt
Wem das italienische Gelaber nervt, müsste den Ton ausschalten
^^ Im Tal angekommen, Blick die stützenlose Trasse hinauf
^^ In der Totalen
^^ In der Talstation hängt eine Karte mit den drei Abfahrtsvarianten vom Sass Pordoi
^^ Auf dem Weg zum Auto kommt man unweigerlich an ein paar Liften vorbei: Vorne die 4 KSB/B Fodom, hinten die 3 SB Saletei
^^ Blick hinauf zum Sass de Forcia
^^ Und da sind wir via Klettersteig hinauf
^^ Zoom zur Bergstation des Funifors von Arabba
^^ Wir waren die vorletzten
Der Klettersteig war eine super Erfahrung und ist wirklich nicht einfach, besonders benötigt man eine Portion Kraft, wird dafür aber unterwegs und vom Gipfel mit einem tollen Panorama belohnt, gleich wenn die eigentliche Ankunft nach dem Klettersteig recht unspektakulär ist.