Heute in der "Süddeutschen Zeitung" vom 21.Juli 2011, Nr. 166, S. 34
Verkehrte Welt: Am Stilfser Joch gibt es die einzigen Pisten der ALpen, auf denen man nur im Sommer Ski fahren kann
Der Artikel ist derzeit (Donnerstagmorgen) noch nicht auf sueddeutsche.de zu finden, ich denke, das wird in den nächsten Tagen passieren.
Insgesamt ein recht brauchbarer Artikel, schildert, dass für den Autor wohl relativ wenig Betrieb ist, einige Merkwürdigkeiten stehen auch drinnen, so etwa die "Talstation der neuen Seilbahn" (damit müsste die Zubringerbahn Baujahr 1977) gemeint sein, oder das Panorama von der Bergstation des Nagler-Lifts (sic!) wird gelobt. "Vor 50 Jahren reichte der Ebenferner noch bis zur Passstraße" => Das stimmt m.A. nicht, oder? Auf den alten Postkarten ist doch klar zu sehen, dass die eigentliche Passhöhe bereits zu Beginn des mechanisierten Sommerskibetriebs nicht in direkter Verbindung zum Gletscher gestanden hat, oder?
Ein Gespräch mit Stefano Capitani wird auch wiedergegeben (seine Familie besitzt mehrere Hotels am Stelvio und in Bormio).
Das Fazit des Artikels ist egtl recht positiv: schade, dass es kaum mehr Sommerskibetrieb gibt, tolle Kontraste. Hauptschuldige: Gletscherschwund, Umweltstimmung der 1980er Jahre und daraus folgende negative Publicity.
Erwähnt wird auch ein Artikel in der italienischen Zeitung "Il Sole 24 ore": könnte evt. einer der des Italenischen mächtigen Foristen mal diesbezüglich bitte recherchieren, ob es dort etwas online zum Stelvio gibt?
SZ: "Verkehrte Welt": Sommerski am Stilfser Joch
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Emilius3557
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SZ: "Verkehrte Welt": Sommerski am Stilfser Joch
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Re: SZ: "Verkehrte Welt": Sommerski am Stilfser Joch
Einen Artikel im Il Sole 24 ore gab es tatsächlich, Inhaltlich in etwa wie der der Süddeutschen, aber mit weniger Toscana Romantik und ein klein wenig mehr unausgesprochener Kritik.
Der Süddeutsche Artikel ist in der Tat erstaunlich positiv, trotz der Tatsache dass der Journalist Umberto Capitani als Protagonist durch den Artikel führt, jener sinistre Mensch der von den wenigen noch verbliebenen Hoteliers am Joch aus ohnmächtiger Verzweiflung für den scheinbar unaufhaltsamen Niedergang verdammt wird. Wobei hier weniger der Gletscherrückgang und der Niedergang des Sommerskis gemeint sind, als vielmehr die Art und Weise wie die Capitani Gruppe mit dem Gebiet und seinen Problemen umgeht. Umberto Capitani war entgegen den Darstellungen im Artikel gewiss kein Pionier am Stilfser Joch, denn das war sein Vater Giuseppe. Giuseppe baute ab den 1940er Jahren die Pirovano Skischule und grosse Teile des Gebiet auf und führte es bis in die Jahre der Hochblüte 1985, als er altersbedingt abdankte. Umberto Capitani hat allenfalls den Funifor vor 2 Jahren vom Seil geholt, und soll sich einmal gegenüber Mitarbeitern bzgl. der Arbeit der Mafia allgemein wie dahin gehen geäußert haben, daß die von der Mafia es schon gut machen, denn wenn Sie einen umbringen, dann hat das einen guten Grund.
Der Capitani Familie gehören heute 52% der Liftgesellschaft SIFAS sowie zahlreiche Hotels am Pass ("Livrio", "Stilfser Joch"...) und weitere in Bormio.
So habe ich mal versucht, ein wenig über die SIFAS zu recherchieren. SIFAS betreibt nun sämtliche Lifte am Gletscherskigebiet. Man findet zudem, dass sich 21,5% im Eigentum der "Pirovano Stelvio Spa " befinden. Dieser gehören auch noch das grosse Hotel "Il Quarto" am Pass sowie kleinere Anteile an der ebendortigen Wasserversorgung. "Pirovano Stelvio Spa " ist eine 100% Tochter der Regionalbank Banca Popolare di Sondrio, auch PopSo genannt (daher wohl auch die Webcams am Joch). In den Jahresbilanzen der PoPso findet sich auch jener der "Pirovano Stelvio Spa", und hier lohnt möglicherweise ein vertiefender Blick in die Zahlen: Bei Einnahmen um die 1,5Mio € Jährlich werden Verluste von etwa 600.000€ gefahren (schwanken stark zwischen 400 und 900k€). Angesehen habe ich mir die Bilanzen 2001, 2005 und 2007, wobei ich mir in den Zahlenkolonnen stets nicht so sicher bin da das nicht mein Fachgebiet ist.
Capitanis Anteil an der SIFAS ist in etwa zweieinhalb mal so groß wie jener der PopSo. Das Imperium Capitani setzt sich ähnlich wie jenes der "Pirovano Stelvio Spa" aus den Liften und einigen großen (vergleisweise eher noch kostenintensiveren und vielfach nahezu unbelegten) Hotels zusammen.
Capitani und sein Partner (eher ist es umgekehrt......) müssten hochgerechnet demnach jährlich grob geschätzt etwa 1 bis 1,5 Mio € in ihr Imperium pumpen...
Weitere Anteile an der Liftgesellschaft SIFAS werden übrigens durch K.H.Tschenett, dem Besitzer des großen Ortler Hauses am Trincerone gehalten (7%). Auch Thöni (Hotel Thöni 3000) ist an der SIFAS beteiligt. Diese Anteile dürften, so denke ich das, durch deren Einbringen der ehemals hoteleigenen Lifte in die SIFAS entstanden sein. Der DM Nagler Lift gehörte ehemals Thöni, Tschenett hatte die Liftkette am Geister aufgebaut (vor dem DM-Neubau), wobei ich letzteres jetzt nicht gesichert weiß.
Tschenett (Ortler Haus) scheint doch ziemlich verworfen mit der Gemeinde Stilfs zu sein, zu der 80% des Gletschergebiets gehören. Die Gemeinde möchte mit den Strukturen am Stilfserjoch offenbar nichts zu tun haben, immer wieder gibt es Streit (vordergründig Müllabfuhr, Pistenausweitungen, Seilbahnanbdindung von Weisser Knott/Trafoi etc... Was hinter den Bühnen läuft kann man durch den Vergleich der beteiligten "Kulturen" nur ahnen). Stilfs scheint sich zu konzentrieren auf die (zur gleichen Gemeinde gehörenden) Skigebiete Sulden und Trafoi sowie den durch den Nationalparkt Stilfser Joch generierten Mehrwert. Dies mein Eindruck aus der dortigen regionalen Presse.
Möchte übrigens jemand urlauben am Stilfser Joch in einem Hotel welches nicht völlig vermodert, wo ein familiengebundenes Personal freundlich und wahrhaftig engagiert ist, dessen Familie tatsächlich Pionierarbeit geleistet hat und dies auch noch stolz lebt, so kann ich das Hotel Sertorelli empfehlen.
Leider wollen die Sertorellis aufgeben, und...trara...Capitani hat anscheinend bereits Interesse gezeigt.
Der Ebenferner reichte in der Tat ehemals bis fast hinab zur Passhöhe, nur war das in der K.u.K Zeit. Allerdings stimmt es schon, daß der Skibetrieb im Sommer auch im Bereich etwas oberhalb der jetztigen PB Talstation stattfand, auf den Schneefeldern dort wurden ad-hoc saisonale Seillifte (von Troyer) aufgestellt.
Eventuell wertig sind noch das Hotel Perego und das Thöni (letzteres gehört nicht jedoch mehr der Thöni Familie), diese kenne ich jedoch selbst nicht. Die Hotels des Capitani Clans und der Popso sind allenfalls ob ihrer Groteskheit interessant, aber ihr Geld nicht wert (oder gerade doch). Das Abendessen im Livrio glich jenem einer schlechten übergroßen Kantine, die Zimmer im Charme jenen einer ungeputzten Schweizer Armeekaserne, die Preise jedoch lagen im Bereich Pontresina Gutbürgerlich.
Die Nationalmannschaften suchen verständlicherweise die für sie adäquateren Hotels auf, am Livrio hingegen werden Wochenendweise vereinzelt eher kleine Skiclubs aus der Pampa untergebracht.
An und für sich hätte ich ja nichts zahlen brauchen am Livrio, hatte schon das OK vom Capitani vom Vorabend, aber das ist eine andere Geschichte...
Der Süddeutsche Artikel ist in der Tat erstaunlich positiv, trotz der Tatsache dass der Journalist Umberto Capitani als Protagonist durch den Artikel führt, jener sinistre Mensch der von den wenigen noch verbliebenen Hoteliers am Joch aus ohnmächtiger Verzweiflung für den scheinbar unaufhaltsamen Niedergang verdammt wird. Wobei hier weniger der Gletscherrückgang und der Niedergang des Sommerskis gemeint sind, als vielmehr die Art und Weise wie die Capitani Gruppe mit dem Gebiet und seinen Problemen umgeht. Umberto Capitani war entgegen den Darstellungen im Artikel gewiss kein Pionier am Stilfser Joch, denn das war sein Vater Giuseppe. Giuseppe baute ab den 1940er Jahren die Pirovano Skischule und grosse Teile des Gebiet auf und führte es bis in die Jahre der Hochblüte 1985, als er altersbedingt abdankte. Umberto Capitani hat allenfalls den Funifor vor 2 Jahren vom Seil geholt, und soll sich einmal gegenüber Mitarbeitern bzgl. der Arbeit der Mafia allgemein wie dahin gehen geäußert haben, daß die von der Mafia es schon gut machen, denn wenn Sie einen umbringen, dann hat das einen guten Grund.
Der Capitani Familie gehören heute 52% der Liftgesellschaft SIFAS sowie zahlreiche Hotels am Pass ("Livrio", "Stilfser Joch"...) und weitere in Bormio.
So habe ich mal versucht, ein wenig über die SIFAS zu recherchieren. SIFAS betreibt nun sämtliche Lifte am Gletscherskigebiet. Man findet zudem, dass sich 21,5% im Eigentum der "Pirovano Stelvio Spa " befinden. Dieser gehören auch noch das grosse Hotel "Il Quarto" am Pass sowie kleinere Anteile an der ebendortigen Wasserversorgung. "Pirovano Stelvio Spa " ist eine 100% Tochter der Regionalbank Banca Popolare di Sondrio, auch PopSo genannt (daher wohl auch die Webcams am Joch). In den Jahresbilanzen der PoPso findet sich auch jener der "Pirovano Stelvio Spa", und hier lohnt möglicherweise ein vertiefender Blick in die Zahlen: Bei Einnahmen um die 1,5Mio € Jährlich werden Verluste von etwa 600.000€ gefahren (schwanken stark zwischen 400 und 900k€). Angesehen habe ich mir die Bilanzen 2001, 2005 und 2007, wobei ich mir in den Zahlenkolonnen stets nicht so sicher bin da das nicht mein Fachgebiet ist.
Capitanis Anteil an der SIFAS ist in etwa zweieinhalb mal so groß wie jener der PopSo. Das Imperium Capitani setzt sich ähnlich wie jenes der "Pirovano Stelvio Spa" aus den Liften und einigen großen (vergleisweise eher noch kostenintensiveren und vielfach nahezu unbelegten) Hotels zusammen.
Capitani und sein Partner (eher ist es umgekehrt......) müssten hochgerechnet demnach jährlich grob geschätzt etwa 1 bis 1,5 Mio € in ihr Imperium pumpen...
Weitere Anteile an der Liftgesellschaft SIFAS werden übrigens durch K.H.Tschenett, dem Besitzer des großen Ortler Hauses am Trincerone gehalten (7%). Auch Thöni (Hotel Thöni 3000) ist an der SIFAS beteiligt. Diese Anteile dürften, so denke ich das, durch deren Einbringen der ehemals hoteleigenen Lifte in die SIFAS entstanden sein. Der DM Nagler Lift gehörte ehemals Thöni, Tschenett hatte die Liftkette am Geister aufgebaut (vor dem DM-Neubau), wobei ich letzteres jetzt nicht gesichert weiß.
Tschenett (Ortler Haus) scheint doch ziemlich verworfen mit der Gemeinde Stilfs zu sein, zu der 80% des Gletschergebiets gehören. Die Gemeinde möchte mit den Strukturen am Stilfserjoch offenbar nichts zu tun haben, immer wieder gibt es Streit (vordergründig Müllabfuhr, Pistenausweitungen, Seilbahnanbdindung von Weisser Knott/Trafoi etc... Was hinter den Bühnen läuft kann man durch den Vergleich der beteiligten "Kulturen" nur ahnen). Stilfs scheint sich zu konzentrieren auf die (zur gleichen Gemeinde gehörenden) Skigebiete Sulden und Trafoi sowie den durch den Nationalparkt Stilfser Joch generierten Mehrwert. Dies mein Eindruck aus der dortigen regionalen Presse.
Möchte übrigens jemand urlauben am Stilfser Joch in einem Hotel welches nicht völlig vermodert, wo ein familiengebundenes Personal freundlich und wahrhaftig engagiert ist, dessen Familie tatsächlich Pionierarbeit geleistet hat und dies auch noch stolz lebt, so kann ich das Hotel Sertorelli empfehlen.
Leider wollen die Sertorellis aufgeben, und...trara...Capitani hat anscheinend bereits Interesse gezeigt.
Der Ebenferner reichte in der Tat ehemals bis fast hinab zur Passhöhe, nur war das in der K.u.K Zeit. Allerdings stimmt es schon, daß der Skibetrieb im Sommer auch im Bereich etwas oberhalb der jetztigen PB Talstation stattfand, auf den Schneefeldern dort wurden ad-hoc saisonale Seillifte (von Troyer) aufgestellt.
Eventuell wertig sind noch das Hotel Perego und das Thöni (letzteres gehört nicht jedoch mehr der Thöni Familie), diese kenne ich jedoch selbst nicht. Die Hotels des Capitani Clans und der Popso sind allenfalls ob ihrer Groteskheit interessant, aber ihr Geld nicht wert (oder gerade doch). Das Abendessen im Livrio glich jenem einer schlechten übergroßen Kantine, die Zimmer im Charme jenen einer ungeputzten Schweizer Armeekaserne, die Preise jedoch lagen im Bereich Pontresina Gutbürgerlich.
Die Nationalmannschaften suchen verständlicherweise die für sie adäquateren Hotels auf, am Livrio hingegen werden Wochenendweise vereinzelt eher kleine Skiclubs aus der Pampa untergebracht.
An und für sich hätte ich ja nichts zahlen brauchen am Livrio, hatte schon das OK vom Capitani vom Vorabend, aber das ist eine andere Geschichte...
>> Die unaufhaltsame Industrialisierung des Skiraums führt zu Banalisierung und somit zum Verlust der magischen Skisportfreude<<
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schafi
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Re: SZ: "Verkehrte Welt": Sommerski am Stilfser Joch
Ich habe hier mal aufgeräumt und alle Beiträge, die nichts mit dem Thema zu tun haben, gelöscht. Beiträge zur aktuellen Schneesituation gehören in das entsprechende Forum (wo sie ja auch schon gepostet wurden) und kommerzielle Werbung hat hier generell nichts verloren!
Mod. schafi
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