Das kleine Schigebiet am Herzogstand stellte zugegebenermaßen für diese Saison das Ziel Nr. 1 dar. Schon letztes Jahr hatte ich vor, dort einen Tag zu verbringen, doch leider bescherte der Winter 2010/ 2011 den Liftbetreibern keinen einzigen Schitag und ich befürchtete, dass sich dort bald ebenfalls das „LSAP-Virus“ breit machen würde, nachdem es sich bereits am Wank, dem Wallberg oder dem Rauschberg festgesetzt hatte. Vor allem auch eine Fahrt mit dem steilen Schlepplift am Fahrenberg oben interessierte mich brennend und so hoffte ich den Sommer über umso mehr auf eine schneereiche Saison.
Der vergangene Sonntag bot sich dazu vollkommen an, denn es herrschte wie vorhergesagt bestes Winterwetter und das Gebiet ist sowieso grundsätzlich nur am Wochenende für die Schifahrer geöffnet. Zudem ist es an solchen Traumtagen ja nicht gerade ratsam, in die Schiwelt, ans Brauneck, Spitzingsee oder Garmisch zu fahren. Die Staumeldungen bei der morgendlichen Anfahrt sowie der nachmittäglichen Heimkehr bestätigten dies – es muss wieder recht viel los gewesen sein. Bei einem Ziel wie dem kleinen „Nostalschigebiet“ am Herzogstand konnte ich somit am traumhaften Bergwetter teilhaben und mir obendrein den ganzen Menschenrummel ersparen. Doch nun der Reihe nach...
Es sollte ein total entspannter Sonntagsausflug werden. Obwohl ich mir beim Kaffee nach dem Aufstehen Zeit gelassen hatte, war ich doch recht früh aus München herausgekommen. So entschied ich mich spontan, schon bei Wolfratshausen die Autobahn zu verlassen, um auf der B 11 meinen Weg ins Schigebiet fortzusetzen. Unterwegs machte ich immer wieder neben der überaus schwach befahrenen Strasse Halt, um die ersten Bilder dieses sonnigen Sonntags einzufangen...
Doch ab diesem Stopp fuhr ich ohne Unterbrechung weiter – schließlich war nun 9 Uhr vorbei und mich zog es wie von unsichtbarer Hand gezogen zum Schifahren
Nach der Kurverei zwischen Kochel- und Walchensee endlich am Parkplatz angekommen. Ich konnte es kaum erwarten, endlich oben anzukommen. In gespannter Erwartung an einen urigen Tag in diesem irgendwie kuriosen Schigebiet packte ich meine sieben Sachen zusammen und bewegte mich ob des Glatteises vorsichtig in Richtung Talstation der Pendelbahn.
Vorne noch das Standardmotiv eines jeden Herzogstandbesuchs – die Stütze mit den beiden Sesseln der alten Bahn – einem ESL, bei dem man seitwärts rauffuhr. Leider hab ich den verpasst. 1994 wurde er von der Pendelbahn auf gleicher Trasse ersetzt.
Zuletzt war ich im März 2011 hier gewesen, als ich an einer überaus interessanten Führung durch die Betriebsräume der Bahn mit anschließender Pistenraupenfahrt teilgenommen hatte. Wahnsinn, wie schnell die Zeit seither vergangen ist. Musste ich damals noch wehmütig die schneebedeckte Piste und den aufgebügelten Schlepplift unbenutzt zurücklassen, so konnte ich diesmal ENDLICH dort oben schifahren...
Blick auf die steile Pendelbahnstrecke. Auf der anderen Seite des Berges verläuft der Schlepplift- die einzige Aufstiegshilfe am Herzogstand nebst der Seilbahn - mit der dazugehörigen Piste.
Die Talabfahrt war leider offiziell nicht geöffnet, was etwas schade war. Aber ein Liftmitfahrer erzählte mir später, dass wohl das allerletzte Schlussstück zu wenig Schnee aufwies, so dass man halt noch auf einen gescheiten Wintereinbruch hoffen muss, ehe sich auch mal die Befahrung der wohl recht langen und landschaftlich wunderschönen Talabfahrt machen lässt.
Nicht desto trotz kamen recht viele Tourengeher die Piste hochgelaufen und fuhren sie später auch wieder herunter. Für die Alpinschifahrer kam dies nicht in Frage – man hätte dann im Tal unten die 4 km zur Talstation der Seilbahn zurücklaufen müssen, die bei geöffneter Abfahrt durch einen Pendelbusverkehr überbrückt werden.
Aber dieser Wermutstropfen verflüchtigte sich bei der Auffahrt recht schnell. Die Vorfreude stieg mit jedem Höhenmeter und ich konnte es kaum erwarten, endlich zum brutal steilen Fahrenbergschlepper abzufahren.
Vor dem Anfahren der Bahn nutzte ich die Zeit noch für zwei Schnappschüsse...
Nachdem noch ein weiterer Schifahrer und ein Mann von der Bergwacht mit seinem Kind die Kabine betreten hatten, ging es los. Man bedenke: Es war Sonntag und ein Traumtag in den Bergen! Woanders standen sich zur gleichen Zeit sicherlich die Schifahrer an den Zubringeranlagen die Beine in den Bauch, nachdem sie den Anfahrtsstau und eine lange Parkplatzsuche hinter sich gelassen hatten, um anschließend auf vollen Pistenautobahnen abzufahren...
Blick auf den Walchensee. Das Glücksbarometer näherte sich dem oberen Anschlag
Oben angekommen – bald war ich vollkommen allein am Bahnsteig und mit der Nikon in der Hand genoss ich erst mal den Ausblick in vollen Zügen...
Anschließend begann ich mit dem Aufstieg ins Schigebiet. Das liegt wie vorhin angemerkt auf der anderen Seite des Berges, so dass man erst einmal mit den Schiern in der Hand einen geräumten und gekiesten Wanderweg noch oben steigen muss. (Die ganzen Leute, die nach beheizbaren Sesselbahnen schreien, wären hier spätestens umgekehrt und weiter nach Kaltenbach gefahren...)
Aber ich genoss die kleine Frühsporteinheit und ließ mir Zeit – schließlich hatte man zu seiner Linken einen 1A-Ausblick und den muss man schon mal eingehend genießen, wenn es am Abend wieder in die Großstadt zurück gehen wird.
Zoom ins Nachbarschigebiet – wer kennt's?
MSB
Von der Kälte war nun nichts mehr zu spüren – doch ich war wenigstens bestens für den Tag aufgewärmt.
Bereits aus einiger Entfernung hörte ich den Dieselmotor rattern – hier drinnen befindet er sich. Der Antrieb des ultrasteilen Fahrenberglifts...
Der hier heraufkommt und im Zusammenspiel mit dem Kochelsee ein super Motiv abgibt.
Flachlandzoom...
Noch einmal den Lift geknipst...
Hier beginnt das kleine Schigebiet – auf einem schmalen Fahrweg geht es zur Hauptpiste, die beim Berggasthof Herzogstand unten beginnt. An dem Steilhang darunter hat es in den 50ern den allerersten Schlepplift gegeben, ehe der Fahrenberglift folgte und Ende der 60er noch einmal nach unten auf den jetzigen Zustand verlängert wurde.
Von solchen Traumtagen kann man immer gar nicht genug bekommen, finde ich. Vor allem, weil ich am Samstag fast gar nichts von der Sonne hatte, denn am Spitzingsee herrschte Schneefall und erst recht spät sollte es am Taubenstein dann auflockern. Aber ich darf nicht meckern – bereits in der Woche zuvor hatte ich am Brauneck Sonne pur genießen dürfen...
Da geht es gut runter...
Blick in die andere Richtung – unten kann man wieder den Kochelsee erkennen.
Die ersten Kohorten von Tourengeher schlich sich bereits den Berg hinauf. Einige nahmen den Schlepper und drückten dem Liftler 1 € - Stücke in die Hand.
Da sollte ich recht bald nebenan im Berggasthof Herzogstand einkehren – aber erst mal ein paar Abfahrten...
Hier kommt man vom Schleppliftausstieg heruntergefahren, um dann rechts in einen Steilhang einzufahren.
Perfekte Bedingungen – da musste man sich beherrschten, nicht durchzudrehen
Links nach dem Steilhang geht es in einen weiteren kurzen Ziehweg, ehe ein weiteres steileres Stück folgt, ehe man dann nach einer flacheren Passage die Talstation des Schleppers erreicht. Rechts geht es über einen Ziehweg unter dem Schlepper hindurch zur Talabfahrt. Man konnte hier auch am Sonntag ein Stück weit fahren, um dann quer durch den Wald zum Lift zurück zu gelangen.
Hier fuhr ich den Ziehweg rechts, der in die Talabfahrt übergeht und wo den ganzen Tag über die Tourenschigeher heraufkamen.
Hier sieht man, wie steil das untere Stück den Fahrenberglifts ist. Übrigens stand an dieser Stelle, wo der Ziehweg unter dem Lift hindurchgeht, früher die Talstation, ehe man den Schlepper 1969 nach unten verlängerte.
Hier würde man weiter ins Tal hinab fahren, doch leider musste ich nach links in den Wald abbiegen, um zum Schlepper zu gelangen. Aber sobald die Piste mal geöffnet hat, werd' ich das nachholen...
Zoom
Da geht er hoch und nun sollte es endlich mal mit einer Fahrt klappen...
Blick zurück zum Pistenabschnitt oberhalb der Schlepplifttalstation.
Trassenzoom
Auf geht’s! Fürs Knipsen wartete ich, bis ich eines der wenigen Tellergehänge erwischte, denn mit dem Kurzbügel gestaltet sich das Schlepperfahren UND Fotografieren recht schwierig.
Steilstück nach dem Einstieg...
Das geht ganz schön hoch! Also dieser Schlepplift hat echt was...
Trotz Steilhangs schaffte ich den Zoom...
Seitenblick nach rechts – im Berggasthof Herzogstand wartete bereits ein Schweinsbraten auf mich
Nochmal eine Halsverrenkung...
Zoom von oben in die gesamte Trasse.
Nochmal das Kochelsee-Motiv...
Da bin ich im März schon dringestanden...
Die Tellergehänge sind ganz praktisch, denn gerade die Kleinkinder, die teilweise schneller wie ich die Piste runtergesaust kamen, warteten immer extra unten, bis wieder eins angeschwebt kam.
Am Ausstieg kann man den Bügler dem Liftler in die Hand drücken...
Der Liftler in Aktion...
Meine Spuren sind das nicht – ich blieb auf der Piste.
Nachdem der Magen schon durchhing war es Zeit für den Schweinebraten.
Im Berggasthof Herzogstand...
Der blieb nicht lange auf dem Teller
Anschließend gleich wieder auf die Piste...
Ach, war das ein Sonntag....
In Höhe der Schleppertalstation.
Suchbild: Wo ist der Liftler
Die Kinder warteten wieder auf die Teller, während ich froh war, wenn ich mit einem anderen erwachsenen Einzelfahrer nach oben konnte und dann nicht mit aller Kraft den Bügel am Leib halten musste. Aber trotzdem mag ich solche steilen Schlepper immer noch lieber, als die üblichen Massenbeförderungsanlagen...
Am Ausstieg. Übrigens konnte ich hier völlig ungestört fotografieren – manchmal gibt es in den Schigebieten ja oft komische Blicke oder gar dumme Sprüche von wegen dem alten Glump, das man da ablichtet...
Fahrenberglift mit Starnberger See im Hintergrund...
See-Zoom.
Nostalschi pur hier oben...
Trotz der geschlossenen Talabfahrt hielt ich es bis 14 Uhr ganz gut aus. Durch die sehr guten Pistenbedingungen und der kleinen Variante unterm Lift durch und zurück über den Wald reihte sich eine Abfahrt an die nächste, unterbrochen von genießenden Ausblicken in die umliegende Bergwelt und dem ständigen Ziehen der Nikon. Doch irgendwann machte sich der lange Samstag bemerkbar, als ich am Taubenstein endlos oft am Rauhkopflift abgefahren war und abends zentnerschwere Beine hatte. So beschloss ich dann, aufzuhören.
Wiederum eine kleine Wandereinheit zurück zur Pendelbahn...
Tiiiief einatmen....
An der Seilbahn tummelten sich einige Winterspaziergänger, doch auch bei der Talfahrt herrschte Entspannung statt Massenandrang. Wie es wohl um diese Zeit im Classic-Gebiet oder am Brauneck zugehen mochte?
Da endete früher der ESL.
Solche Ausblicke fehlen dann wieder im grauen Büroalltag...
Zufrieden fuhr ich nach München zurück – ich hatte also nun endlich einen Schitag am Herzogstand geschafft und obendrein bestes Wetter genossen. Für jenen Sonntag sicherlich die richtige Entscheidung, denn ich musste nie richtig anstehen, hatte Platz auf der Piste und konnte wirklich die Natur genießen. Also für einen Sonntagstrip – sei es auch nur für drei, vier Stunden, eignet sich der Herzogstand allemal und erst recht wohl, wenn dann mal die Talabfahrt geöffnet sein wird.