Wiener Nordwestbahnhof als 'Wiener Schneepalast'

Lost Places im Schnee: Historische Seilbahnen, geschlossene Skigebiete (LSAP) und die Geschichte alter Liftanlagen in den Alpen.
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Schani
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Wiener Nordwestbahnhof als 'Wiener Schneepalast'

Beitrag von Schani »

Wer wusste es? ;)
Die erste Skihalle der Welt wurde 1927 in Wien am
Gelände des ehemaligen Nordwestbahnhofes als
„Wiener Schneepalast“ eröffnet. Die 4000 m2 große
„Wiener Skiwiese in Permanenz“ bestand aus einer
70 m langen Rodelbahn, einer Skipiste in zwei Wellen
und einer Schanze, auf der Sprünge bis zu 20 m
möglich waren. Der englische Chemiker Ayscoughs
fabrizierte aus Soda künstlichen Schnee,
die Rodeln wurden mittels elektrischen
Motors nach oben gezogen, die hell erleuchtete
Halle war täglich von 10:00
bis 22:00 Uhr geöffnet.
-> http://www.wien.gv.at/bezirke/brigitten ... hnhof.html
Der Nordwestbahnhof
Als letzter der Wiener Kopfbahnhöfe wurde 1870 bis 1873 der Nordwestbahnhof nach Plänen des Architekten Wilhelm Bäumler errichtet.

Nutzung als "Schneepalast"
Nachdem der Personenverkehr nach Mähren erlahmte, wurde er 1924 eingestellt und auf den Nordbahnhof verlegt. Die leerstehende Halle adaptierte man daraufhin für politische und kulturelle Veranstaltungen. Mit der Eröffnung am 26. November 1927 verwandelte sich das Gebäude in einen "Schneepalast". Durch den Engländer Laurence Clarke Ayscough und seiner geheimen Schneemixtur konnte man bald auf einer schiefen Ebene dem winterlichen Vergnügen frönen. Sogar eine Sprungschanze wurde in die Halle gebaut.
Bild

-> http://de.wikipedia.org/wiki/Skihalle
Mit dem Schneepalast wurde am 26. November 1927 durch den Bürgermeister Karl Seitz die erste Skihalle der Welt in Österreich eröffnet. Sie befand sich im ehemaligen Nordwestbahnhof in Wien. Die Piste im 3000 Quadratmeter großen Skigelände ging über eine Holzrampe hinunter. Eine Sprungschanze machte Sprungweiten bis zu 20 Meter möglich. Die Skifahrer mussten zu Fuß den „Berg“ hinaufgehen, da es keine Aufstiegshilfe gab. Rodeln konnten jedoch mit einer elektrisch betriebenen Anlage hinauf gezogen werden. Der Kunstschnee wurde vom englischen Chemiker Ayscoughs aus Soda hergestellt.

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Mt. Cervino
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Re: Wiener Nordwestbahnhof als 'Wiener Schneepalast'

Beitrag von Mt. Cervino »

Sehr interessant. War mir komplett neu.
Die Hangneigung in der alten Halle sieht steiler aus, als man das in manchen aktuellen Hallen vorfindet.
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Re: Wiener Nordwestbahnhof als 'Wiener Schneepalast'

Beitrag von Quis »

Auf krone.at gibt es sogar noch einen ausführlicheren Bericht.
Erste Skihalle in Wien eigentlich schon anno 1927
"Schneepalast"
14.01.2009, 11:17

Dass Wien im Herbst 2012 seine erste Skihalle erhalten soll, ist derzeit in aller Munde - und nicht ganz korrekt. Denn in der Bundeshauptstadt wurde bereits vor 81 Jahren dem Indoor- Kunstschnee- Vergnügen gefrönt. Am 26. November 1927 eröffnete der "Schneepalast" in der Nordwestbahnhalle. Mit großem Pomp und Trara weihte Bürgermeister Karl Seitz das eigenwillige Konstrukt ein. Das "Illustrierte Sportblatt" widmete sich dem urbanen Unikum ausführlich und titelte: "Kitzbühel im Nordwestbahnschnee?"

"Künftighin wird die Natur im Winter überhaupt nichts mehr zu tun haben", warf die beliebte Sportzeitung einen verblüffend kühnen Blick in die Zukunft. "Der englische Chemiker Ayscoughs fabriziert aus Soda künstlichen Schnee, der so weiß, so weich und gleitfähig ist, wie der natürliche. Ein riesiges Brettergerüst hat sich in eine richtige Winterlandschaft verwandelt. Eine große 'Skiwiese' ist da, eine Rodelbahn und für ganz Waghalsige sogar eine Sprungschanze. Eine Bahn ist von der anderen durch Bäumchen und Gesträuch getrennt; mit einiger Phantasie also kann man glauben, man ist irgendwo in den Bergen."
3.000 Quadratmeter Pistengelände

Das Ski- Gelände in dem zur Allzweckhalle umfunktionierten Inneren des 1870 erbauten und im Zweiten Weltkrieg zerstörten Nordwestbahnhofs maß 3.000 Quadratmeter, "das bald in sanften, bald in steileren Hängen gute Gelegenheit zur Ausübung aller Schneesports bietet". Auf einer der seltenen Aufnahmen in der Illustrierten "Wiener Bilder" ist eine schräge Rampe zu sehen, auf der die Stadtskifahrer zu Fuß "bergauf" gehen, während sich hinter den Absperrungen Hunderte von Schaulustigen drängen.
Nachtbetrieb mit 25.000 Watt starken Lampen

Der "Schneepalast" hatte aber auch jede Menge moderner Annehmlichkeiten zu bieten: So wurden etwa die Rodeln mittels elektrischen Motors nach oben gezogen, und die Sprungschanze erlaubte Weiten von bis zu 20 Metern. Die Halle wurde bei Einbruch der Dunkelheit sowie bei nebeligem Wetter auch bei Tag durch 25.000- Watt- Lampen beleuchtet. Geöffnet war die Anlage täglich von 10 bis 22 Uhr.

Natürlich ließ es sich der Reporter des "Illustrierten Sportblattes" nicht nehmen, die Bahnhofspiste selbst auszuprobieren: "Erst wenn man mit dem Gesicht nach vorne stürzt, dann schmeckt es nicht nach Wasser, sondern nach Soda. Dafür wird man nicht nass. Aber es juckt ein bisschen. Norwegerhosen und offene Blusen sind im Interesse des zuschauenden Publikums besonders empfohlen."
Quelle: http://www.krone.at/Welt/Erste_Skihalle ... ory-129170

Hier gibt es noch ein Foto: http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno? ... e=4&zoom=2
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