Nur eine einzige Auffahrt, das hatte genügen müssen. Zwar wäre es der ESL Hochsölden mehr als wert gewesen, dort einen ganzen Tag zu verbringen, aber zu groß war das Risiko in Sölden von verruchten Paparazzi erkannt zu werden. Es sollte weitergehen, bis in die hinterletzten Ecken dieses liftetechnisch übererschlossenen Tales. In Vent, so sagte man, solle die Welt noch in Ordnung sein. Dort, wo sich DSB und SL noch gute Nacht sagen, wollten münchner und Zyste nocheinmal Kräfte sammeln, um sich danach zurück nach Sölden und auf die dortigen Pisten zu wagen.
[Zyste] Oberste Priorität hatte der Besuch des ESL Hochsölden, für den restlichen Tag war ich aber recht flexibel und hatte nichts weiter fest geplant. münchner erzählte im Vorfeld der Tour von einem kleinen Skigebiet weit hinten in den Bergen mit einer Hand voll alter Lifte. Sofort stimmte ich einem Besuch dort zu und war gespannt auf die Stunden am gefühlten 'Ende der Welt'. Nachdem wir also die ESL-Fahrt in Sölden erfolgreich absolviert hatten, packten wir erneut unseren Kram zusammen und machten uns auf den Weg nach Vent. Kurz vor Passieren der letzten Häuser vermeldete der Tank, dass er so langsam mal wieder zu befüllen sei. Getreu dem Motto 'Ach, so weit kann das doch garnicht sein' fuhren wir dennoch weiter und verpassten der Spannung auf das nächste Gebiet so noch einen Hauch von Abenteuer. Abenteuerlich war die Straße nach Vent wirklich, stellenweise ging es steil nach oben, dann folgte eine Serie von fiesen Schlaglöchern und komplett geräumt war es auch nicht. In Vent selbst gibt es neben ein paar Pensionen und Hotels (und natürlich den Liftanlagen) nichts, auch keine Tankstelle. Dennoch und das hatte ich schon in Sölden neidisch bemerkt, hat man sogar in dieser Einöde das nötige Geld, um die Bushaltestelle mit einer digitalen Anzeigetafel auszustatten. Hier im Pott findet man dies nur an den größeren Haltestellen wie HBFen etc. …
[münchner] Mich reizen kleine Gebiete oder Einzellifte, die gefühlt irgendwo im Nichts liegen und recht unbekannt sind. Beispiele dafür sind z.B. die Rofanlifte am Steinberg, ein Stück weit auch Maseben oder eben Vent. Sölden als magischer Anziehungspunkt für vermeintlich hochwertigen (Après-)Schisport hat das Ötztal relativ fest im Griff, so kann man in Hochoetz, Gurgl und natürlich gerade Vent die andere Seite genießen. Fast am Ende eines Seitentals gelegen, präsentiert sich das kleine Bergdorf dem Schifahrer mit vier Liften, von denen einer - nämlich der interessante Ochesnkopflift - aktuell stillgelegt ist, da man sich wieder irgendwie nicht einig wird ( http://www.tt.com/csp/cms/sites/tt/Nach ... C3%A4t.csp ). So bleibt ein weiterer Kurzbügler, die von einem Wopfner-ESL umgebaute DSB und oben ein recht neu wirkender Schlepper. Genug für ein paar Stunden, da die Piste am Schlepper oben ein tolles Panorama und genügend Variationen zum Carven bietet. Lediglich bei den astronomischen Liftpreisen überlegten wir für einen Moment es sein zu lassen. Stundenkarten gibt es nicht und die Mittagskarte kostet auch noch knapp 30 Euro - für eine DSB und zwei Schlepper. Aber gut, nun waren wir hier und investierten das Geld, obwohl mit dem übel gelaunten Liftler an der Talstation noch ein weiterer Grund für die sofortige Abfahrt gegeben war. Im Nachhinein wurde uns klar, dass wir auch den Vormittag problemlos in Sölden und den Nachmittag hier hätten verbringen können, so viel teurer wäre das auch nicht gewesen.
m: Obwohl das Dorf so klein ist, muss man die Zufahrt zum Parkplatz ein wenig suchen. Nach etwas Hin und Her standen wir dann am Lift und freuten uns über ein paar Stunden in der Sonne.
m: Blick zum Gampenlift, einem kurzen Kurzbügler auf der anderen Seite des Bachs
m: Aus der DSB erkennt man sofort den Ochsenkopflift, der eine tolle Piste erschließt. Und ja ich weiß, ist man den nicht gefahren, war man nicht in Vent.
m: Sölden und Vent sind ein Betonwald
m: Blick auf die Talabfahrt. Hier noch interessant, stellenweise aber immer wieder ein Ziehweg.
^Z: Bis zum Erreichen der DSB Bergstation verzichtete ich aufs Fotografieren. An der Talstation, nachdem wir uns über die überzogen hohen Preise für den Liftpass geärgert hatten, unterlief mir der nächste major fail das Tages. Noch vor Passieren der ersten Stütze verlor ich meinen rechten Ski
^Z: Dem Liftler an der Bergstation rief ich zu, er solle doch seinen (urfreundlichen...) Kollegen an der Talstation bitte anrufen, dass er mir den verlorenen Ski in Kriechnähe der Talstation nach oben schicken solle. Eigentlich war der Typ an der Bergstation sogar wirklich nett, aber irgendwie wollte er mir den Gefallen nicht tun (die haben hier wohl keine Festnetzflat?!) und beruhigte mich damit, dass der Liftler unten das schon alles gesehen und von sich aus tun würde. Außer münchner und mir hatte aber keiner diese Peinlichkeit bemerkt und beim Kauf der Liftkarte hatte der Kollege unten auch nicht den motiviertesten Eindruck gemacht... Nach meiner vierten, nun etwas deutlicheren Bitte, kam er dieser endlich nach und nach etwa 20 Sesseln hatte ich meinen Ski zurück.^
m: Wir mussten dem Liftler oben schon wirklich gut zureden, damit er sich die Mühe machte und das Telefon benutzte. Dass sein grimmiger Kollege im Tal den Schiverlust von Zyste nicht bemerkte, machte ihn nur noch unfähiger.
^Z: Schon während der Auffahrt, zwischen meinen Schimpfanfällen, hatten wir schon gemutmaßt, dass es hier einen Wopfner'schen Vorgänger-ESL gegeben haben könnte. Die Bergstation sollte unserer Vermutung Recht geben
m: In Hochsölden war uns das übliche Wopfner-Gebäude verwehrt geblieben, hier war es noch erhalten. Wir überlegten die ganze Zeit, ob die Umlenkscheibe noch die gleiche war oder sich nun eine größere Ausführung dreht?
m: Hinten geht direkt der SL hoch, der diese geniale Carvingpiste erschließt. Man musste nur immer wieder aufpassen, da doch einige Anfänger unterwegs waren.
m: Nun kann ich auch von der Liste streichen, eine DSB gefahren zu sein, die früher mal ein ESL war, von Wopfner gebaut wurde, umgerüstete Betonstützen hat, deren Bergstation unverändert ist, in einem urigen Seitental liegt, es Kaiserwetter hatte, der tolle Talschlepper nicht in Betrieb war, arktische Temperaturen herrschten, etc. das vollkommen überflüssige Ziele-Bullshit-Bingo halt. Alleine das zählt: wir hatten einen super Tag.
m: Kaiserwetter
^Z: Direkt neben der DSB beginnt der erwähnte Stabeleinalmlift (Wilder Mann), der hier oben zwei traumhafte Pisten erschließt, die es sogar in meine Top Five des gesamten Urlaubes geschafft haben! Ein Wahnsinn, dass es sowas hier hinten in der absoluten Einöde gibt.^
m: Hier oben war dann endgültig Schluss für die GoPro, er war einfach zu hell. Ich habe bei der Abfahrt ein wenig an den Reglern gedreht, damit überhaupt etwas erkennbar ist.
m: Auch bei einem zweiten Video war nicht viel zu machen:
m: Hier kann man es locker einen ganzen Tag aushalten.
m: Die Sonne tat richtig gut, war es doch auch heute immer noch extrem kalt.
m: Der etwas flachere Mittelteil der Abfahrt
^Z: Eines der wenigen Bilder, die bei mir hier oben etwas geworden sind. Wie schon zuvor in Imst verweigerte meine Kamera den (brauchbaren) Dienst, da es ihr wohl zu hell war...^
m: Oben läuft der Lift flach aus, trotzdem kann man links eine super Piste mit ein paar schönen Kuppen erleben
m: Ein recht markanter Berg?
^Z: Etwas versetzt zum SL steht bei der Abfahrt linkerhand diese Hütte. Gab es hier auch eine Vorgängeranlage auf anderer Trasse?^
^Z: Von der Abfahrt nochmal der Überblick auf die Bergstation der DSB und die Talstation des SL.^
m: Der Zustand der Piste war auch hier wieder ein Traum
^Z: Die gefühlte Temperatur hier oben war um einiges kälter! Ich war froh, mir am Morgen in Sölden eine top Skimaske zum Spottpreis von 20€ bei hochmotivierten Verkäufern ergattert zu haben!^
^Z: Die Talabfahrt an der DSB ist größtenteils wenig spektakulär und ähnelt eher einem gewundenen Ziehweg.^
m: Für manchen vielleicht schon Grund genug, Vent einen Besuch abzustatten
^Z: Die vierte Anlage hier hinten, der zur Zeit stillgelegte Ochsenkopflift. Schade, das alte Schätzken hätt ich gern noch mitgenommen.^
^Z: Eine der weiterverwendeten Betonstützen der Vorgängeranlage.^
m: Es folgt ein kleines Video der Talfahrt...
^Z: Vor der Rückfahrt machten wir uns auf den Weg zum Gampenlift. Ihn zu erreichen ist nicht ganz leicht, da er zwar direkt hinter der Talstation der DSB liegt, jedoch aufgrund eines Bachlaufes nur über eine Brücke zu erreichen ist.^
^Z: Hinter Vent endet die Erdscheibe
m: Wie dieses Bild entstanden ist, gibt es gleich im Making-Of zu sehen
m: Trasse Gampenlift, es folgt das nächste - diesmal unzensierte - Video:
^Z: Gampenlift und DSB Wildspitze mit kompletter Trasse. Zwischen den Lawinenverbauungen verläuft irgendwo die öde Talabfahrt.^
^Z: Viele Brücken führen zum Gampenlift.^
^Z: Meine Kamera war mir heute nicht der beste Freund...^
^Z: Blick auf den Antrieb der DM-DSB.^
Am frühen Nachmittag erfolgte dann der finale Wechsel zurück nach Sölden. Ein Sprung von der Vergangenheit in die Moderne, von einigermaßen naturbelassenen Pisten zur Industrie, von Gut zu Böse.