Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

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Dachstein
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von Dachstein »

baeckerbursch hat geschrieben:
Warum waren dann aber die Gemeinden nicht selbst (da nicht auf Rendite angewiesen) in der Lage, die Bergbahnen verlustfrei zu betreiben?
Weil der Staat kein guter Unternehmer ist.
Das ist zu pauschal gesagt. Vielfach ist es so, dass der Staat herabgewirtschaftete Infrastruktur übernehmen muss, weil die private Hand nicht in der Lage war, richtig zu wirtschaften oder ihr das Geld ausgegangen ist. Gleichzeitig kommt meist der Aufschrei, wenn der Staat als Konkurrenz auftritt. Das Schema bis heute lautet: Gewinne privatisieren, Verluste verstaatlichen. Auch bitte ich zwischen Staatseigentum und Gemeindeeigentum zu differenzieren, auch wenn beides Gebietskörperschaften sind.

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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von Arlbergfan »

Eine sehr interessante Diskussion, die hier geführt wird und wieder einmal mehr aufzeigt, weshalb ich dieses Forum schätze und liebe!

Ich möchte nochmal zurück zu dem ursprünglichen Zeitungsartikel kommen. Schließlich sind hier einige - und auch aus gutem Grund - abgewichen von der ursprünglichen Thematik.
Dass die schweizer Tourismusbranche in diesem Winter ein Minus einfahren würde, war allen im Vornhinein klar. Dass es aufgrund des guten Winters einigermaßen gering ausfiel ist ein kleiner Wehrmutstropfen, den viele Unternehmen sicher gerne als Vorwand zur Pressemitteilung hinnehmen. Das ursprügnliche Problem, das in dem Artikel auch angesprochen wird, liegt aber viel tiefer. Die Schweizer Bergbahnen haben sich einfach zu lange auf dem Ruhm und Erfolg der frühen Tourismusgeschichte ausgeruht. Und das rächt sich nicht jetzt sofort, sondern eben schleichend, dafür umso beständiger. Schon lange ist klar, dass die Liftanlangen mit dem Konfort und der Moderne der österreichischen Skigebiete nicht mithalten können. Wettgemacht wurde dies bisher mit der weitaus besseren Höhenlage. Fallen aber mehrere schlechte externe Faktoren zusmamen, dann kommt eben irgendwann der große Big Bang. Der kam dieses Jahr noch nicht - weil eben der Winter schneemäßig so gut war, dass sich viele doch überlegt haben, sich die 2 Bretter unterzuschnallen. Aber was passiert erst, wenn der Schnee ausbleibt und die Leute überhaupt nicht motiviert sind, skifahren zu gehen? Dann kommt auf einmal alles zuammen und die Skigebiete fahren nicht nur ein fettes Minus ein - nein - es kommt gezwungenermaßen zum Investitionsstau, der im Falle der Schweiz tödlich ist.

Die Frage ist doch die - wie lässt sich der infrastrukturelle Rückstand, den die Schweiz definitiv hat, einigermaßen abfedern? Die Antwort liegt in der Konzentration aufs Wesentliche. Nur wenn es gelingt, den Kunden den klaren Wettbewerbsvorteil mit der deutlich sicheren Schneelage zu verdeutlichen (und ich spreche jetzt von Naturschnee), dann schafft man auch externe Effekte einigermaßen auszugleichen. Bisher ist das nicht passiert. Man wirbt mit Pistenvergnügen, mit dem gleichen Ansatz, der auch wenige 100km weiter östlich in der Skiwelt gefahren wird. Ich muss doch als Schweizer Skigebiet das bewerben, was mich einmalig macht - und das ist nunmal die Höhenlage.

Ich weiß, durch Marketing ist der infrastrukturelle Rückstand nicht wett zu machen, aber er lässt sich vertuschen. Meiner Meinung nach muss die Schweiz auf dieses Pferd setzen, um auch nur den Hauch einer Chance zu haben, gegen Österreich zu bestehen. Denn da läuft die Marketing Maschinerie auf Hochturen - und das mit großen Erfolg. Da brauchen wir nicht nur Ischgl zu nennen. Da fallen auch Gebiete wie Schladming, Serfaus und selbst die von mir gehassten Zillertaler Skigebiete drunter. Sie alle schaffen es, durch geschickte Kommunikation ihre Schwächen zu verstecken und auf das wirklich Gute in ihrer Destination zu setzen. Wieso fällt mir in disem Zusammenhang kein einziges Skigebiet in der Schweiz ein?

Am Ende stimmt wohl doch das Sprichwort: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!"
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Vadret
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von Vadret »

Arlbergfan hat geschrieben:Die Frage ist doch die - wie lässt sich der infrastrukturelle Rückstand, den die Schweiz definitiv hat, einigermaßen abfedern? Die Antwort liegt in der Konzentration aufs Wesentliche.
Genau das ist es aber, was einige hier im Forum als "Serviceabbau" ansehen.
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von 3303 »

Jetzt besteht aber die Möglichkeit, dass aneinander vorbei geredet wird.

Was also versteht Ihr unter "Konzentration auf das Wesentliche"?
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HBB
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von HBB »

@Arlbergfan:
Mit Deiner Analyse der Situation hast du zu 100% recht. Es ist sicher richtig, dass man im Marketing die Vorzüge der Schweiz mehr herausstellen müsste - nach dem Motto: "Wir brauchen keine Vollbeschneiung o.ä., weil bei uns die Berge 1000m höher sind" oder "Bei uns ist das Erlebnis noch alpiner" - so in die Richtung halt. Allerdings wird dies das Preis-Problem nicht lösen. Selbst wenn ich auf Beschneiungsanlagen keinen Wert legte und mich damit zufrieden gäbe, mit fixgeklemmten Liftoldtimern entschleunigt durchs hochalpine Gelände zu gondeln, würde ich mich dennoch fragen, warum mich das so viel mehr kostet (für rein ökonomisch gesehen viel weniger "Leistung") als z.B. in Österreich. Dieses Dilemma wird man auch nicht durch ein gutes Marketing auflösen können.
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Vadret
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Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von Vadret »

@3303: Für mich heisst das Stillegung von "unwichtige" resp. schlecht fequentierten Anlagen welche Pisten erschliessen die von anderen Anlagen auch erschlossen werden, Stillegung von irrelevanten Pisten, dafür Ausbau von beliebteren Pisten etc.. Was aber nicht heissen soll dass ich ein solches Vorgehen auf jedem Fall befürworte um Kosten einzusparen.
Es ist von Fall zu Fall abzuwägen. Wie z.B. die Streichung einer Mauritius-Piste auf Corviglia für mich nicht "schmerzhaft" ist aber eine Stillegung von Lagalb doch negative Auswirkungen hätte, trotz "Kompensation" der Hahnensee Erschliessung.
Zuletzt geändert von Vadret am 10.05.2012 - 09:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von Arlbergfan »

Also ich spreche dabei von dem, was die Natur der Schweiz gegeben hat. Und das sind nun mal die höheren Berge und das alpinere Umfeld. Der Schweiz muss es gelingen, dieses Alleinstellungsmerkmal mehr in den Vordergrund zu stellen, denn auf allen anderen Ebenen verliert man gegen Österreich deutlich. Die Preise sind deutlich höher, wieso soll ich als Gast diesen Preisunterschied bezahlen? Ist Skifahren in der Schweiz wirklich besser als in Österreich? Ist ein Lacoste Hemd wirklich so viel besser als eins von Adidas? Natürlich nicht. Das Geheimnis steckt in der Marke. Gelingt es der Schweiz bzw. einigen Destinationen, mithilfe dem Gegebenen ein starkes Image aufzubauen, zahlt der Gast auch gerne mehr.

Vielen deutschen Gästen ist doch der Großteil der Schweizer Skigebiete völlig unbekannt. Wieso? Hier wurde nicht nur in der Infrastruktur geschlafen, sondern auch im gesamten Tourismusmarketing!
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Pilatus
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von Pilatus »

NeusserGletscher hat geschrieben:
baeckerbursch hat geschrieben:Weil der Staat kein guter Unternehmer ist.
Zahlreiche Fälle von heruntergewirtschafteter Infrastruktur in privater Hand sprechen auch nicht gerade dafür, dass private Unternehmer generell besser wirtschaften. Und die Schweizer Eisenbahnen sind ein herausragendes Beispiel dafür, dass auch der Staat ein guter Unternehmer sein kann. Züge gelten dort schon als voll, wenn alle Sitzplätze besetzt sind.
Du bringst hier ja eigentlich ein Gegenargument. Es ist ja nicht so, dass die Bundesbahnen trotz gutem Service einen riesen Gewinn erwirtschaften. Das ganze System ist massiv mit Steuergelder unterbuttert. Da ist es eigentlich das mindeste, dass man mit dem ganzen Geld auch was anständiges macht. Staatsunternehmen ziehen nicht. Selbst die vielgelobte SUVA hat einen höheren Verwaltungsaufwand als die gescholtenen privaten Krankenversicherer.
Gibt es eigentlich Stimmen in der Schweiz, die den EU- und nachfolgenden Währungsunion-Beitritt fordern und als Grund für die Misere in der Schweiz argumentieren, dass sie ja gerade nicht den Euro haben?
Die gabs zahlreich bis zur Eurokrise, aber das ist jetzt ziemlich vorbei. Von einer Misere der Schweiz zu sprechen ist in anbetracht der Situation in Europa sowieso ein schlechter Witz. Es gibt in Westeuropa kaum ein Land, das so gut druch die Krise gekommen ist wie die Schweiz. Es ist ja auch nicht so, dass der komplette Tourismus in der Krise stecken würde. Europa geht es schlecht und folglich bleiben die europäischen Touristen aus. z.B. bei den Chinesen gab es trotz Krise einen starken Zuwachs (meinte gestern etwas von 30% gelesen zu haben). Das sind mittelfristig sowieso die angenehmeren Touristen, da man mit denen viel mehr Geld mit einer vernünftigeren Infrastruktur verdienen kann.

Den Euro haben wir dank der Wechselkurs-Untergrenze ja eigentlich auch eingeführt...
Anpassungen - welch' ein Wort - nach unten bei den Löhnen in der Schweiz geht in diesem Kontext gar nicht (= absolutes no-go).
Da die Schweiz als kleines Land niemals alle arbeitswilligen europäische Arbeitskräfte adsorbieren kann, wird sich das Niveau dank Personenfreizügigkeit automatisch nach unten anpassen, keine Angst... Den Trend erkennt man ja schon daran, dass das Bruttoinlandprodukt pro Kopf im Begriff ist zu sinken, obwohl die Wirtschaft wächst. Bevor es so weit ist, werden die Gewerkschaften aber noch für eine Bürokratisierung des Arbeitsmarktes sorgen, damit wir dann gleich dran sind wie unsere südlichen Nachbarländer...

Wo GMD die Vorteile von tiefen Löhnen sieht, ist mir auch nicht ganz klar. Ich verdiene lieber mehr und zahle höhere Preise. Wenn ich dann nämlich Reisen gehe, kann ich von den hohen Löhnen profitieren, während dem dieser Vorteil mit tiefen Löhnen quasi gratis aufgegeben wird.
Zuletzt geändert von Pilatus am 10.05.2012 - 10:54, insgesamt 1-mal geändert.
molotov
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von molotov »

Wobei die Marketingmaschinerie langsam Fahrt aufnimmt, Graubünden hat da ganz gut angefangen, einheitliches, destinationsübergreifendes Auftreten mit guten im gedächtnisbleibenden Kampagnen. Auch das Auftreten von Schweiz Tourismus finde ich so schlecht nicht, aber es bleibt das Preisproblem.
Das dumme ist halt das in Durchschnittswintern oft auch ein paar 100hm nicht weiterhelfen, da die östlichen Nordalpen oft doch mehr Schnee abbekommen. Dann wird die Differenzierung noch schwieriger... Aber grundsätzlich ist der Ansatzpunkt schon nicht schlecht, abgesehen von einigen Tiroler Gebieten fehlt in Österreich das alpine Feeling schon ein wenig.
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von Emilius3557 »

Schon lange ist klar, dass die Liftanlangen mit dem Konfort und der Moderne der österreichischen Skigebiete nicht mithalten können. Wettgemacht wurde dies bisher mit der weitaus besseren Höhenlage.
Woran machst Du das fest (den 2. Satz)? Für Destinationen wie Samnaun, St. Moritz (Corviglia), Lenzerheide, Davos (Jakobshorn), Zermatt, 4Vallées (Verbier), Flumserberge gilt m.A. nach das Liftkomfort-/Modernitätsargument nicht.
Wettbewerbsvorteil mit der deutlich sicheren Schneelage zu verdeutlichen (und ich spreche jetzt von Naturschnee)
Entschuldigung, das ist mir viel zu pauschal. "Höhenlage = natürliche Schneesicherheit" stimmt so einfach nicht. 1300 m im Wallis sind etwas vollkommen anderes als 1300 m im Ennstal. Wenn man, wie der OECD-Report 2007, die (natürliche) Schneesicherheit allein an ziemlich pauschalen Höhengrenzen festmacht, kommt die Schweiz als Ganzes, und v.a. natürlich das Wallis und Graubünden gut weg (v.a. im Vergleich zu Ostösterreich). Inneralpine Trockenzonen, das kontinentalere Klima in den Ostalpen und südlichere Lage tun ihr übriges aber dazu, dass man diese bei Touristen beliebte Faustformel eben nicht anwenden kann.
Meines Erachtens ist für das Gros der Skitouristen Schneesicherheit tatsächlich ein entscheidendes Destinationswahlkriterium (und nicht Liftkomfort, das rangiert in Gästebefragungen seit Jahren relativ weit hinten in der Prioriotätenliste), aber bekanntlich wird diese seit bald zwei Jahrzehnten v.a. durch Beschneiungsanlagen gesichert. Der kometenhafte Aufstieg bspw. von SFL ist das Musterbeispiel hierfür.

Ich finde das Schweizer Tourismusmarketing (ohne ein Experte auf diesem Gebiet zu sein) jetzt pauschal auch nicht schlecht. Mir sind auch die Stärken und USPs der Schweizer Destinationen bekannt. In den letzten Jahren wollte ich auch immer wieder mit meiner Partnerin nach Samnaun in den Skiurlaub fahren: beide Mal hat Italien (einmal Livigno, dann Alta Badia) den Vorzug erhalten: mindestens vergleichbares Ski-Angebot, aber deutlich günstigere Unterkünfte, unsere Zahlungsbereitschaft war einfach nicht so hoch.
Besinnung auf die Kernkompetenzen - altbewährte Dummschwätzerei...
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intermezzo
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von intermezzo »

Sorry, Pilatus:

Ist wirklich nur als guter Tipp, keineswegs besserwisserisch, gemeint - Krise schreibt sich Krise (und nicht Kriese), dann lieber Kretze:-) Ansonsten gehe ich mit Dir einig, dass - wer hier von einer Misere in der Schweiz spricht - völlig übertreibt. Und einig bin ich mit Dir auch, dass die Schweiz in wirtschaftlicher Hinsicht vergleichsweise sehr gut aufgestellt (ich nenne da als krasses Gegenbeispiel auf die Schnelle nur Frankreich) ist.

Klar, hat insbesondere der Schweizer Wintertourismus etliche offene Baustellen, wie bereits hier mehrfach beschrieben - sowohl hausgemachte als auch fremdgesteuerte. Andererseits amüsiert es mich auch immer wieder, wenn das ewige Klagelied auf den angeblich unmittelbar bevorstehenden Untergang des heimischen Tourismus immer wieder von Neuem mit viel Verve angestimmt wird!

Es sind noch keine drei Jahre her, da sprach man hierzulande vielerorts von der besten Wintersaison aller Zeiten - und jetzt soll, nicht zuletzt auch dank Eurokrise, alles wieder im Eimer sein??? Sicherlich ist es unbestritten, dass es einzelnen Regionen und Dienstleistern in den Bergregionen wirtschaftlich nicht gut geht und dass das für die Direktbetroffenen nicht wirklich Gaudi pur ist.

Möchte aber nur mal rasch in Erinnerung rufen, dass Ende der 90er, Anfang der Jahrtausendwende es auch schon fast verzweifelte Hilfeschreie in der Schweiz gab, dass die heimische Tourismusindustrie ganz schweren Zeiten oder gar dem Kollaps entgegensteuere - was aber geschah danach? Der Rest der Geschichte ist bekannt...

Man braucht kein Ökonom zu sein, um zur lapidaren Feststellung zu kommen, dass Wachstum eben auch endlich ist bzw. es immer wieder Wechselphasen zwischen Aufschwung und Niedergang gibt.
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von Pilatus »

Ist wirklich nur als guter Tipp, keineswegs besserwisserisch, gemeint - Krise schreibt sich Krise (und nicht Kriese), dann lieber Kretze:-)
*hust*, das hab ich doch zu oft falsch geschrieben, um es komplett auf die langweilige Vorlesung zu schieben, in der ich gerade sitze.. :lach:
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von intermezzo »

Stark! Während der Vorlesung...

Zu der Zeit, als ich noch an der Uni war, gabs bekanntlich noch keine mobilen Kommunikationsmittel. Ansonsten wäre ich wohl auch dauernd in Ski- und Seilbahnforen tätig gewesen...vor allem, wenn ich mir wieder vor Augen führe, wie schreiend langweilig die Mehrheit der besuchten Vorlesungen war:-)
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von 3303 »

Vadret hat geschrieben:@3303: Für mich heisst das Stillegung von "unwichtige" resp. schlecht fequentierten Anlagen welche Pisten erschliessen die von anderen Anlagen auch erschlossen werden, Stillegung von irrelevanten Pisten, dafür Ausbau von beliebteren Pisten etc.. ...Erschliessung.
Zwar bin ich natürlich kein Maßstab, aber das wäre dann genau der Zustand, in dem ich entweder gar nicht mehr Skifahren würde oder das Gleiche in Italien zum halben Preis in Anspruch nähme. Falls es dann eine gering frequentierte Morteratschabfahrt noch geben sollte, würde ich gelegentlich mal bei der Diavolezza vorbeischauen. Morteratsch dürfte allerdings kaum Frequenz haben. Rechnet man so, sind alle besonderen Abfahrten per se unwirtschaftlich und wären zu Gunsten von Hochfrequenzpisten mittelfristig stillzulegen. Deshalb bin ich auch kein Anhänger der reinen Frequenzenphlosohie als Qualitäts- oder Kundenakzeptanzmaßstab. So ähnliche Argumente hat ja Arlbergfan auch bereits für die Schweiz formuliert.
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von GMD »

@TPD: Natürlich besteht diese Gefahr. Darum sollten ja auch Preise und Löhne im gleichen Umfang fallen, damit keine Kaufkraft verloren geht. So ganz nebenbei gesagt: Weil in der Schweiz die Löhne schon seit langem nicht im gleichen Umfang wie die Preise steigen, findet de facto bereits ein Kaufkraftverlust statt. Es wäre nötig, hier Gegensteuer zu geben. Nur sollten eben nicht die Gehälter angehoben werden, weil dadurch die Schweiz als Exportland erst recht verlieren würde.

@Pilatus: Denk doch mal über die Schweizer Grenze hinaus! Es geht um den Export von Schweizer Gütern. Warum soll jemand im Ausland ein Schweizer Produkt kaufen, wenn er dasselbe von einem europäischen Hersteller billiger bekommt? Warum made in switzerland teurer ist, liegt sehr oft an den höheren Personalkosten. Ist dir jetzt der Vorteil von tieferen Löhnen klar? Wie bereits oben erwähnt, müssen dann natürlich auch die Preise in der Schweiz runter.
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von Pilatus »

@ GMD: Wir haben das ja nicht erst seit gestern. Und trotzdem haben wir die tiefste Arbeitslosigkeit weit und breit. Punkt ist, dass wir seit Jahren selbst mit hohen Löhnen sehr gut gelebt haben. Wir würden besser unsere Standortvorteile vehementer verteidigen.
Zu der Zeit, als ich noch an der Uni war, gabs bekanntlich noch keine mobilen Kommunikationsmittel. Ansonsten wäre ich wohl auch dauernd in Ski- und Seilbahnforen tätig gewesen...vor allem, wenn ich mir wieder vor Augen führe, wie schreiend langweilig die Mehrheit der besuchten Vorlesungen war:-)
Naja, normalerweise ist das Internet desshalb während den Vorlesungen absolut tabu... ;) Aber nachdem ca. 3/4 der Kommilitonen den Vorlesungssaal bereits verlassen hatten, dachte ich, ich könnte mir das ausnahmsweise mal gönnen... :lach:
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von GMD »

Wir haben tiefe Arbeitslosenzahlen weil wir die Langzeitarbeitslosen (Ausgesteuerte) nicht in der Statistik erfassen. Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst verfälscht hast! :twisted:
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von Fab »

Die Schweiz bietet, ähnlich wie D, innovative und hochwertige Produkte an, bei denen der Preis nicht das einzige Kriterium ist. Man muss auch die Lohnstückkosten hernehmen, in die neben dem eigentlichen Lohn noch allerhand einfliesst (z. b. Arbeitszeit, Steuern , Sozialabgaben etc.). Frankreich z. B. leistet sich die 35-Stunden-Woche - der schweizer Industriearbeiter arbeitet schlicht einen Tag mehr in der Woche und weniger Urlaub hat er auch.

Wir sollten in der Diskussion beim Tourismus bleiben, ist schon komplex genug.
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von Foto-Irrer »

ok, kommen wir zurück zum Marketing
Arlbergfan hat geschrieben:Ich weiß, durch Marketing ist der infrastrukturelle Rückstand nicht wett zu machen, aber er lässt sich vertuschen. Meiner Meinung nach muss die Schweiz auf dieses Pferd setzen, um auch nur den Hauch einer Chance zu haben, gegen Österreich zu bestehen. Denn da läuft die Marketing Maschinerie auf Hochturen - und das mit großen Erfolg. Da brauchen wir nicht nur Ischgl zu nennen. Da fallen auch Gebiete wie Schladming, Serfaus und selbst die von mir gehassten Zillertaler Skigebiete drunter. Sie alle schaffen es, durch geschickte Kommunikation ihre Schwächen zu verstecken und auf das wirklich Gute in ihrer Destination zu setzen. Wieso fällt mir in disem Zusammenhang kein einziges Skigebiet in der Schweiz ein?
Was kennt man denn hier oben fernab der Alpen, von wo Leute kommen, die nicht nur Appartement und 3* sondern auch mal 4 und 5* buchen. Das, was man sich gegenseitig erzählt und z.B. erzählt man sich dann vom "Pitztal"-Stand mit der netten Hoteliertochter, die vom höchsten Gletscher Tirols erzählt. Und das schön im Sport-Karstadt an der Mönckebergstrasse vorm Hauptbahnhof. Zermatt und St. Moritz sind noch Begriffe, wo sich die High Society trifft, aber ob man dort Skifahren kann und es z.B. einen Gletscher gibt, weiß doch niemand. Bei Messen wie Du und Deine Welt habe ich noch nie einen Schweizer Stand gesehen.

Und TOP-Beispiel! Vorletzte Woche in Dubai in der größten Mall der Welt, war auf einem der großen Plätze 4-5 Reiseanbieter, nämlich USA, Philippinen, Australien, irgendwas und... ÖSTERREICH!
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von NeusserGletscher »

Alljährlich zu Saisonbeginn präsentieren sich in der Skihalle in Neuss verschiedene Skigebiete. Vor 2 Jahren war mal Disentis mit Leckereien, Infomaterial und einem Teil der Skilehrer da, ganz zu Anfang mal die Bettmeralp. Überwiegend aber kommen dort Österreicher hin. Also ein bisschen was tun sie schon. My switzerland ist auch immer ganz emsig.

Vielfach aber blockieren sich die Gebiete durch ihre Eigenbrötlerei gegenseitig. So etwas wie den Dolomiti Superskipass gibt es meines wissens nach in der Schweiz nicht. Und wenn es ihn gäbe, dann wäre er vermutlich so teuer, dass ihn niemand kaufen würde. Wahrscheinlich muss erst mal wieder ein Holländer kommen und den Eidgenossen zeigen, wie man so etwas durchzieht (kleiner Insiderjoke, siehe Gründungsgeschichte der Rhätischen Bahn) :D :D
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von Whistlercarver »

Dann will ich auch einmal.
Beherbergungsstätten: Kenne nicht wirklich viele :wink: 3 in Tirol und 3 in der Schweiz.
Zuerst etwas zu denen in der Schweiz: Sehr einfach ausgestattet, wobei das eine Hotel sehr altmodisch war und von uns inzwischen durch ein anderes ersetzt wurde. Man merkt den Hotels an das schon länger nichts mehr investiert wurde auch vom Service könnte man mehr erwarten, sprich Frühstücksbüffet, Abendessen.
In Tirol war ich in einem Hotel, einer ferienwohnung und einer Pension. Das Hotel wurde vor ein paar Jahren renoviert, nur innen. Hat einen kleinen Wellnessbereich (Sauna, Solarium ob mehr weis ich nicht da nicht genutzt :wink: ). Das Frühstücksbüffet und Abendessen war ganz gut, da wenn ich dort bin das ganze Hotel von einer Gruppe belegt ist gibt es zum Abendessen für alle das gleiche aber mehr als genug und auch eher viele möglichkeiten. Die Pension ist nicht ganz so modern, ist schon etwas länger her als sie Renoviert wurde. Frühstück eher klein und gemütlich aber alles was man dafür braucht. Fereinwohnung: Sehr neu! Keine 5 Jahre würde ich sagen. Klar fürs Essen waren wir selbst zuständig :wink:

Was in der Schweiz und Österreich gleich war waren die Zimmergrößen. Da wurde selbst in Österreich noch nichts unternommen in Richtung Neuzeit. Skikeller und sonstiges Ski spezifisches zeug lass ich hier weg da nicht alle Hotels in der Nähe von einem stehen.

Zu den Liftanlagen ist es sehr schwer etwas zu sagen. da kommt es vorallem darauf an in welches Gebiet man geht. es gibt in der schweiz genauso moderne Skigebiete mit fast nur kuppelbaren Anlagen genauso wie es in Österreich eher alte Gebiete gibt mit vielen Fixen Anlagen. Da kann sich also jeder das aussuchen was ihm gerade zu seinem Standpunkt passt. Meiner meinung nach sind LAAX und Les Crosets moderne Skigebiete während Verbier eher ein veraltetes Skigebiet ist.

EDIT: Habe noch was vergessen zum Marketing zu schreiben. Die Österreicher sind ja im TV auch sehr präsent mit ihrer Werbung während ich mich nicht wirklich an eine schweizer Werbung fürs Skifahren im TV erinnern kann. Aber es gibt auch bekannte Werbung aus der Schweiz. Beim Skilehrerlehrgang rief aufeinmal einer "Carbon statt Kondition" und jeder in der Gruppe wusste was gemeint ist. Die Bündner Steinböcke natürlich. Wenn die jetzt noch im deutschen TV kommen würden in der Werbung, ich denke dann hat man schon ein großes Stück aufgeholt.
Zuletzt geändert von Whistlercarver am 10.05.2012 - 19:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von Fab »

Marketing:
Nach meiner persönlichen Wahrnehmung sind österr. Skigebiete aktiver. Habe schon mehrfach Werbung verschiedener Gebiete, auch aus Südtirol u. Trentino, gesehen. Schweiz weitgehend Fehlanzeige. Ausnahmen Z u. Moritz, die häufig im Fernsehen zu sehen sind.
Liegt evtl. auch daran, dass ich in (Nord)Bayern lebe. Vielleicht versuchen schweizer Skigebiete wg. der Nähe Bayerns zu Österreich gar nicht erst hier zu werben.

Nachdem in D vieles, wenn nicht fast alles über den Preis läuft, hat die Schweiz mit dem Hochpreisimage spätestens seit dem Frankenanstieg ein schweres Problem.

Dazu kommt, das muss ich jetzt bemerken, dass die deutschenfeindlichen Medien- u. Politikerkampagnen nicht dazu beitragen in D neue Kunden zu werben.
Als langjähriger Gast in der Schweiz weiß ich, dass das im Alltag völlig irrelevant ist. Aber wer noch nicht da war fühlt sich nicht willkommen.
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von saas-zer »

Nachdem ich in den letzten Jahren viele "Top-Skiregionen" im Sommer beim Wandern und einige auch im Winter sowohl in der Schweiz als auch in Österreich gesehen habe, bleibt festzuhalten, dass in Österreich mir Abstand radikaler in Skigebieten in die Natur eingegriffen wird als in Österreich. So ist es in Österreich Standard grundsätzlich einen Bauweg zur Berg- bzw. Talstation zu bauen. Dies gilt für faktisch jede Höhenlage und auch für Neuerschließungen (vgl. Prangert Zillertal 3000). Die Schweizer gehen viel rücksichtsvoller mit ihrer Natur um, was die Kosten in die Höhe treibt aber langfristig, neben der fehlenden Infrasturkturförderung den Anschluss an die Nachbarländer immer größer werden lässt.
Vielleicht gibt es ja eine Statistik über die Gesamtförderung von Seilbahnanlagen in Tirol. Ich würde die Behauptung aufstellen, dass ein großer Teil der Neuinvestitionen, vor allem in den kleinen Skigebieten als Steuermitteln finanziert wurde und wird. Auch in Österreich könnten die meisten Bergbahnen den Modernisierungswahn nicht finanzieren. Nur wird, anders als in der Schweiz, dort eine andere Philosophie verfolgt. Das Resultat wurde in der NZZ beschrieben.

Man beachte dazu z.B. folgendes Beispiel:


Zitat aus : http://www.fuegen.at/gr_protokolle/Geme ... _06_22.pdf

3.Investitionsvorhaben Fügen Bergbahn

Bgm. Höllwarth berichtet über die geplanten Erweiterungsvorhaben und Strukturverbesserungen
bei der Fügen Bergbahn. Die Gesamtinvestitionsvorhaben sind in mehreren Etappen
geplant und die Gesamtkosten dafür werden auf 33 Millionen Euro geschätzt.
Geplant ist der Neubau der Gondelbahn von der Talstation bis zur Bergstation in 2 Sektionen
mit ca. 18 Millionen Euro. Weiters soll über das Wildaueck bis zur Mittelstation eine neue
Abfahrt mit den nötigen Beschneiungseinrichtungen angelegt werden. Ebenso ist eine Erweiterung
des Speicherteiches vorgesehen. Gesamtkosten dafür 3 Millionen Euro.
In weiterer Folge soll vom Arzjoch über das Schigebiet Geols zur Hochfügenerstraße im Bereich
Talegg Graben eine neue Bahn errichtet werden und die bestehende Abfahrt Geols
entsprechend verlängert werden. Der alte Geolser Lift wird dann abgetragen. Kosten 12 Millionen
Euro. Durch diese Maßnahme kann in Verbindung mit dem Schibus Hochfügen eine
Bewerbung mit Anschluss an das Schigebiet Hochfügen erfolgen.
Auf Grund der vorgenannten Maßnahmen ist eine Aufstockung der KG‐Einlagen um 10 Millionen
Euro geplant.
Dazu soll der Tourismusverband Erste Ferienregion im Zillertal 3,5 Mio €, die Gemeinde Fügen
4,5 Mio € und die Gemeinde Fügenberg 1,5 Mio € aufbringen.
Die Vollversammlung der 1. Ferienregion hat bereits am 29.4.2009 die Kapitalaufstockung
bei der Fügen Bergbahn GesmbH&CoKG in Höhe von € 3,500.000,‐‐ (Einbringung in drei Jahresraten)
beschlossen. Bedingung ist, dass sich an der Kapitalerhöhung auch die Gemeinde
Fügen mit € 4,500.000,‐‐ und die Gemeinde Fügenberg mit € 1,500.000,‐‐ beteiligen. Mit
dem zugeführten Kapital dürfen nur Neuinvestitionen in Anlagen und Pisten finanziert werden
– keine Instandhaltungen bzw. Reparaturen.
Der Bürgermeister betont, dass die Spieljochbahn ein wesentlicher Motor für die Wirtschaft
für Fügen, Fügenberg und die umliegenden Gemeinden ist und eine Modernisierung und
Schigebietserweiterung unbedingt notwendig ist.
Er ersucht daher den Gemeinderat um Zustimmung zu der geplanten KG‐Aufstockung zur
Durchführung der vorhin angeführten Investitionen zur Stärkung der Fügen Bergbahn. In
welcher Höhe eine KG‐Aufstockung bei den Banken und den Privaten möglich ist, muss erst
abgeklärt werden. Die Banken haben bereits positive Aussagen zu Beteiligungen gegeben.

Rechnet man alles zusammen, wird den Bergbahnen einen Bahn aus Steuermitteln geschenkt, da auch die Spieljochbahn keine Dividende zahlen kann ...
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von TPD »

@TPD: Natürlich besteht diese Gefahr. Darum sollten ja auch Preise und Löhne im gleichen Umfang fallen, damit keine Kaufkraft verloren geht.

Ich habe dich schon verstanden.
Die Idee sieht auf den ersten Blick genial aus. Aber das ist ein Nullsummenspiel mit ungeahnten Folgen.
Durchaus denkbar, dass dadurch der Franken noch stärker wird. Da kann die SNB gerade so gut die Notenpresse einschalten, um den Franken zu entwerten. :roll:
So ganz nebenbei gesagt: Weil in der Schweiz die Löhne schon seit langem nicht im gleichen Umfang wie die Preise steigen, findet de facto bereits ein Kaufkraftverlust statt.
Unbestritten. Aber den Kaufkraftverlust kann man durchaus auch positiv betrachten. Findet dadurch, die von den linken Kreisen geforderte, Angleichung zwischen den reichen und armen Staaten statt. ;)
Wir haben tiefe Arbeitslosenzahlen weil wir die Langzeitarbeitslosen (Ausgesteuerte) nicht in der Statistik erfassen. Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst verfälscht hast! :twisted:
Meines Wissens sind in D die Harz IV-Empfänger auch nicht in der Arbeitslosenstatistik enthalten.
Somit kann man selbst bei den geschönten Zahlen behaupten, dass die Schweiz im internationalen Vergleich immer noch auf recht gesunden Beinen steht.
https://www.skichablais.net, seit 20 Jahren über Bergbahnen der Region Chablais und Umgebung.
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Re: Bei den Bergbahnen rächen sich die Versäumnisse

Beitrag von Wombat »

TPD hat geschrieben:Durchaus denkbar, dass dadurch der Franken noch stärker wird. Da kann die SNB gerade so gut die Notenpresse einschalten, um den Franken zu entwerten. :roll:
Hat sie bereits getan. Nur merken wir aber im Moment, durch den starken Franken, nichts davon. Aber wehe...

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