Besuch liegt schon einige Wochen zurück, und von vs_ski_vt kursiert schon ein Grächen-Bericht im Forum. Da ich einen etwas anderen Eindruck gewonnen habe, hier trotzdem noch meine Einschätzung...
Grächen gehörte nicht zu den Skigebieten, in die ich "unbedingt mal hin wollte". Andererseits war ich diesen Winter noch nie im Wallis, und da in vielen anderen Skigebieten interessante Pisten wegen hoher Lawinengefahr geschlossen waren, ging es durch die NEAT ins Mattertal hinein. Wie Saas Grund nebenan ist Grächen sehr trocken (300 Sonnentage pro Jahr) und entsprechend auf künstliche Beschneiung angewiesen. Wie im News-Topic nachzulesen will sich Grächen derzeit "für die Zukunft rüsten", wie es so schön heisst, das Skigebiet wird entsprechend umstrukturiert. Die neue Hannigalp-Bahn führt als nun einziger Zubringer schärg hinauf ins Skigebiet.
Wetter:
morgens schön, nachmittags stark bewölkt, Schneefall und Regen, gar ein wenig Gewitter
Temperaturen:
oben Minusgrade, unten Plusgrade
Schnee:
überall genug, unten harschig, später sulzig - oben ziemlich pulvrig
Gefahrene Lifte:
8EUB Hannigalp (3 mal)
4KSB Bärgji (8 mal)
2SL Furggen 2 (5 mal)
2SL Paradiesli (1 mal)
2SL Härdera 1 (1 mal)
4KSB Stafel (6 mal)
2SB Plattja (5 mal)
Nicht gefahren:
1SL Härdera 2
1SL Furggen 1 (war nicht in Betrieb
Pistenplan Skigebiet Grächen
Die Hänge an der Hannigalp bieten weit weniger, als es den Anschein macht, auch weniger, als ich erwartet hatte. Im Prinzip ist da alles eine einzige Schneise im Wald, die von verschiedenen Liften erschlossen wird. Trotz des steilen Geländes und einigen Übergängen bietet dies recht wenig Abwechslung, auch der anspruchsvolle aber schnurgerade Bärgji-Hang wirkt nicht allzu attraktiv. Aufgrund der warmen Temperaturen blieb ich den ganzen Morgen im unteren Teil des Skigebiets, um die Pisten vor dem Aufsulzen fahren zu können. Die Talabfahrt ist entlang der Gondelbahn angelegt und wegen deren (bereits angesprochenen) schrägen Trassierung entsprechend planiert. Schade, dass der Skilift Furggen 1 mangels Andrang geschlossen war, denn an einem Stangenschlepper hätte ich auch hier meine Freude gehabt.
Um halb eins dann Wechsel in Richtung Seetalhorn. Dabei kommt man am stillgelegten Skilift Wannihorn vorbei, der zusammen mit dem Kurzlift Sputnik zwei Pisten erschloss, welche auch heute dem Gebiet gut tun würden. Ähnlich wie die Hannigalp-EUB ist die Stafel-KSB quer zum Hang trassiert. Das Gelände dort ist alles andere denn geeignet für Skipisten: meterhoher Felsschotter, auftauender Permafrost-Boden, rutschender Untergrund. Nicht gerade die übliche Gegend für ein Skigebiet. Zusammen mit der zweiten Anlage am Seetalhorn - der 2SB Plattja - muss man zuerst einen steilen, engen "Starthang" bewältigen. Erstaunlicherweise trieben sich hier viele Anfänger wiederholt herum und versperrten die schmale Piste. Da fragt man sich schon, warum diese nicht z.B. bei der Mittelstation der Stafel-4KSB aussteigen...
Wegen des einsetzenden Schneefalls wurde es am Seetalhorn unwirtlich, so zog es mich wieder hinunter zur Hannigalp. Hier waren insbesondere die Bärgji-Piste aufgeweicht und ausgefahren, doch mit Trick 57 ging es am Pistenrand trotz stark eingeschränkter Sicht ganz gut zu fahren. Positiv zu vermerken sind die langen Öffnungszeiten - um halb Fünf gab es die letzte Fahrt vom Furggen nach Grächen. Notabene über den Stafelalp-Ziehweg, denn dieser Weg verlängerte die Talabfahrt und machte sie abwechslungsreicher (sic!) als die Standard-Piste zur Hannigalp.
Gondelbahn Hannigalp
steile Piste Bärgji
Station Hannigalp - im Hintergrund Matterhorn und Weisshorn, links das Skigebiet in Richtung Seetalhorn
im kurzen Skilift Paradiesli, macht etwa 150 Höhenmeter
Bergstation desselben, im Norden grüsst das Bietschhorn
Schlusshang der schwarzen Piste Bärgji
einseitige Mittelstation der Sesselbahn für die schwächeren Skifahrer
steile Anlage mit immerhin 500 Höhenmetern
Blick hinüber zum Seetalhorn
Weisshorn (4506 m.ü.M.) - für viele der schönste Berg der Alpen
Anfängerlifte Härdera
auf der Talabfahrt, stets in Begleitung der neuen Gondelbahn, gebaut 2011
Grächen, sonnigstes Dorf der Schweiz
Skilift Furggen 1 in der Totalen
nebenan im Furggen 2
nochmals auf der Talabfahrt
enges Schlussstück in Grächen, bereits jetzt ziemlich sulzig
Blick von der Bergstation Furggen ins Saastal
einer der vielen stillgelegten Lifte: Wannihorn
Sesselbahn Stafel
über Stock und Stein geht es 650 Höhenmeter bergwärts
einer der schönen Hänge der einzigen Stafel-Piste
einseitige Mittelstation mit Kurve
ungewöhnliches Trassee im meterhohen Schotter
Starthang am Seetalhorn
Piste Stafel
sehr unstabiler Untergrund, scheinbar musste die Strecke freigebaggert werden
Sessellift Plattja mit stärker werdender Bewölkung
auf der 2er Sesselbahn - auch hier sind die Pisten weisse Bänder im Felsschutt, obwohl eigentlich recht viel Schnee liegt
Bergstation auf nicht ganz 2900 Metern
düstere Stimmung am Seetalhorn mit ehemaliger Station der Gondelbahn und ehemaligem Restaurant
zurück an der Hannigalp - hier wieder der Skilift Furggen 2
düstere Abendstimmung bei einsetzendem Regen
Fazit:
Unten in der Waldschneise, oder oben zwischen den Felsblöcken: An beiden Orten fühlt man sich eingeengt, die wenigen Pisten können nicht verlassen werden. Das ungewöhnliche Gelände macht das Installieren von Pisten aufwändiger als anderswo, und so verfügt das Skigebiet strenggenommen über gerade mal vier Pisten. Trotz der eigentlich interessanten Hangneigung schränkt dies die Abwechslung halt drastisch ein. Auch wegen des schlechten Wetters waren dann die letzten Stunden für mich mehr Zeitvertreib den Spass. Dafür kann man gespannt sein, wie sich das Skigebiet entwickeln wird und welche neuen Anlagen tatsächlich gebaut werden. Das suboptimale Gelände dürfte man aber auch damit nicht wettmachen können.