Flugzeugabsturz Glungezervovo hat geschrieben: Ist nicht da oben irgendwo Anfang der 1960er eine Linienmaschine beim Anflug auf Innsbruck abgestürzt? Die Leute auf einer nahen Berghütte sollen ja davon gar nichts mitbekommen haben, so heftig muss damals ein Schneesturm getobt haben.
Meine Eltern erzählten mir davon, und das noch viele Jahre später immer wieder Reste des Flugzeuges an jenem Hang gefunden wurden...
Ich habe Auszüge der Texte eingesetzt, den ganzen ausführlichen Bericht mit Bildern und Karten in mehreren Teilen findet man auf den Seiten der Bergrettung.
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Der Todesflug der Britannia 312
von Herbert Feichtner & Helmut Kohler, Tulfer Gemeindeblatt
Bei Tulfes in der Nähe von Innsbruck ereignete sich das bisher schwerste Flugzeugunglück Österreichs. Das viermotorige britische Verkehrsflugzeug Britannia 312 zerschellte unterhalb des Glungezergipfels. Dem katastrophalen Crash am 29. Februar 1964 mit 83 Toten folgte einer der schwierigsten Alpin-Einsätze aller Zeiten, bei dem ausschließlich Leichen und Leichenteile geborgen werden mussten.
Zur Erinnerung an die Vorgänge vor fast genau 45 Jahren bringen wir eine mehrteilige Serie über diese Katastrophe mit teilweise noch nie veröffentlichten Fotos.
Der Tragödie erster Teil
Auch wegen der 9. Olympischen Winterspiele vom 29. Jänner bis 9. Februar 1964 war die Alpenmetropole in aller Munde und lockte auch nach dem sportlichen Großereignis zahlreiche Touristen nach Tirol. So vielleicht auch die Passagiere der Britannia 312, die sich wahrscheinlich alle schon auf ihren Urlaub in Tirol freuten.
Start in London-Heathrow
Am 29. Februar 1964 startete um 13.04 Uhr Innsbrucker Ortszeit die britische Maschine mit der Flugnummer 802 vom Flughafen London-Heathrow aus mit dem Flugziel Innsbruck. Der 40-jährige Pilot Ellis Wyn Williams (der am 23. März 1964 41 Jahre alt geworden wäre), galt als Routinier im Anflug auf den schwierigen Alpenflughafen Innsbruck, auf dem er vorher bereits neun Mal gelandet war.
Erster Funkkontakt über Ramstein
Neben ihm saßen noch der 41-jährige Co-Pilot Michael Metcalfe Davison sowie der 33-jährige Bordmechaniker und Flugingenieur Andrzej Rusin, ein gebürtiger Pole, im Cockpit. Fünf Stewardessen sorgten für das Wohl der 75 Passagiere. Die Maschine befand sich im Eigentum der Fluggesellschaft British Eagle International Airlines Ltd. Über Ramstein in Deutschland trat die Britannia 312 erstmals mit dem Flughafen Innsbruck in Funkkontakt und erhielt sogleich die Wettermeldungen aus dem Raum Innsbruck, Kufstein, Seefeld und Scheiben.
Der Todesflug der Britannia 312 - Österreichischer Bergrettungsdienst
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Teil 2 unserer Serie: 83 Tote bei Flugzeugabsturz in den Tiroler ...
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Teil 3 der Serie zum Flugzeug-Crash von 1964: Wie kam es zur ...
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Die Links ließen sich hier eingesetzt nicht direkt anklicken. Darum habe ich die richtigen Suchbegriffe hier hingetippt. Kopieren, in die Google-Suche eingeben, und *plupp* - sind die Texte da!
Es lohnt die Mühe, es ist der ausführlichste Bericht, den es über das Unglück gibt.
Die Homepage der Bergrettung bietet eine Suchfunktion ganz unten am Ende der Seite. Mit Suchbegriff "Glungezer-Flugzeugabsturz " werden aber nur Teil 2+3 angezeigt.
Auszug von Teil 3
von Herbert Feichtner & Helmut Kohler, Tulfer Gemeindeblatt
Die großen Fragen waren – sofort nach Bekanntwerden des Todes aller 83 Flugzeuginsassen: Wie war der genaue Ablauf? Warum crashte die große britische Verkehrsmaschine am 24. Februar 1964 in die Ostwand des 2.800 Meter hohen Glungezer in der Nähe von Innsbruck? Eine mangelhafte Fliegerkarte - auf der nur der niedrigere Patscherkofel eingezeichnet war - wurde Monate später als eine der Ursachen ermittelt.
"Bowtie-Holding“: Dieses Verfahren ist mit einer liegenden Acht zu vergleichen. Der Pilot fliegt den VOR-Sender an (in unserem Fall das VOR Patscherkofel). Wenn das Instrument im Cockpit den Überflug des Senders anzeigt, drückt der Pilot auf die Stoppuhr und fliegt eine Minute lang geradeaus. Dann macht er eine 220 Grad-Linkskurve und fliegt das Funkfeuer wieder an. Nach erneutem Überflug fliegt er wieder eine Minute geradeaus und macht anschließend eine 220 Grad Rechtskurve. Der Irrtum war, dass der Sicherheitsabstand zum Boden auf den Patscherkofel bezogen war und nicht ausreichte, weil der Glungezer 433 Meter höher ist. Diese Höhe war auf den der Besatzung zur Verfügung stehenden Karten nicht eingezeichnet.
Nach Aufrufen der Behörden in Radio Tirol über Wahrnehmungen der Bevölkerung meldete sich wenig später schon die Wirtin der Glungezerhütte, Agnes Ferchl. Leiter der Flugunfallkommission des Innenministeriums war Dr. Franz-Josef Koepf, der schon nach seiner Anreise vom Gendarmerie-Posten Hall in Tirol die Hüttenwirtin über Funk das erste Mal kontaktierte.
Die Frau gab an, sie habe nach 15.00 Uhr längere Zeit die Motorengeräusche eines Flugzeuges gehört – jedoch nicht gesehen, weil zum Zeitpunkt des Unglücks über dem Bergmassiv dichter Nebel mit Schneetreiben lag. Die Motorengeräusche seien mehrmals näher gekommen, dann hätten sie sich wieder entfernt. Als sie den Flieger zum letzten Mal hörte, habe sie gedacht, die Flughöhe sei schon unterhalb der Glungezer-Hütte. Einen Aufprall habe sie nicht gehört. Im Hüttenbereich erzeugte der starke Höhenwind an diesem Tag regelrechte Sturmgeräusche.
Skitourengeher hörten Britannia ebenso
Ebenso schilderten in einer späteren Zeugenaussage zwei Skibergsteiger, die sich in mehr als 2.000 Metern Seehöhe beim Aufstieg auf den Glungezer befanden, dass sie ein Flugzeug zwei Mal von Südwesten kommend und in einer Rechtskurve nach Süden abbiegend am Samstagnachmittag gehört hätten. Beim zweiten Mal sei es – gefühlsmäßig im dichten Nebel - schon so niedrig geflogen, dass die Skitourengeher die Bemerkung machten, „das Flugzeug wird bald den Berg mitnehmen”. Sie konnten nicht ahnen, wie recht sie haben sollten. Die Sichtweite betrug laut ihren Angaben kaum fünf Meter.
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Gedenkstein für die Opfer am Glungezer
http://www.s379033404.online.de/Fotosho ... 01964.html
Grüße von
Amarra64