



Ramsau am Dachstein hatte ich an jenem 12.08.2012 hinter mir gelassen und näherte mich nun meinem eigentlichen Ennstal-Ziel, das mir schon lange vorschwebte, während sich der Kulmberg und die Schlepper unterhalb der Südwandbahn spontan ergeben hatten.
Bereits bei meinen frühen Besuchen Anfang & Mitte der 1990er Jahre am Hauser Kaibling war mir bei der Abfahrt zum damaligen Gumpenberglift (heute 4KSB Höfi-Express I
Als ich 2008 mal im Sommer am ehem. Knapplhoflift herumstiefelte, fiel mir der Lift gegenüber erneut auf – es war ein alter Stemag-Schlepper. Vier Jahre später hat es nun endlich einmal geklappt, diese Einzelanlage da oben zu besuchen.
Lt. Karte müsste das der Peterberg sein und der Lift steht bei einem „Schwaigerhof“. Der Ort am Fuße des Bergs heißt Höhenfeld. Ich hab auch noch ne alte Karte aus'm 70er-Jahre-Skiatlas. Dort ist zu sehen, dass der Stemag da oben wirklich vollkommen alleine herumgestanden hat. Am Ortsrand im Tal unten muss es am Straßenrand aber auch noch einen Lift gegeben haben, der aber entgegen dem oberen abgebaut worden ist. Es war dort rein gar nichts mehr zu sehen.

Bei der Anfahrt noch ein kurzer Halt an der Talstation der 2000 erbauten 8EUB ins Skigebiet Hauser Kaibling hinauf. Von 1981-2000 hatte es hier eine 4EUB mit silbernen Kabinen.

Trassenblick – früher gab es oben NUR Schlepper – jetzt außer dem Übungslift und dem Ennslingalmlift keinen mehr.
]Was atmete ich auf, als ich oben feststellte, dass der alte Stemag etwas versetzt zum nächsten Bauernhof steht. So konnte ich meinen Renault außer Sichtweite am Straßenrand abstellen und unbemerkt zum Lift hochlaufen.
Hier der Zoom hinüber zur Talstation der 4KSB Höfi I neben dem Knapplhof, von wo aus ich den Stemag ursprünglich entdeckt hatte.

Gleichzeitig war ich natürlich froh, dass der Lift noch stand! Hätte ja leicht sein können, dass man die alte Ruine nun doch abträgt – wie unlängst jene in Kramsach oder am Wank.

Es war bereits die zweite Stemag-Ruine, welche mir an jenem Tag ins Netz ging.

Tja, der dürfte bestimmt nicht mehr laufen
Talstation mit Ennstal im Hintergrund.

Zoom zum LSAP-Kulmberglift. (Der lange Schlepper, also nicht die Ruine am Hang rechts davon.) Dahinter der Rittisberg, wo eine 4SB und ein Schlepper noch am Leben sind.

Diese Kühe haben sogar einen Pool. Aus dem benachbarten Bauernhof hörte man anschließend jemanden seinen Hund rufen. Es war eindeutig jemand aus Sachsen und er hatte irgendwie die gleiche Stimme wie der Schauspieler Wolfgang Stumph (Go Trabi Go). Ich musste schon schmunzeln, wie ich da in der Mittagssonne die Trasse hinauftappte und von unten in Sächsisch nach dem Waldi gerufen wurde. (Soll jetzt aber kein Seitenhieb auf die Leute von dort sein. Ich fand das Ganze halt nur irgendwie komisch.)

Blick in die Waldschneise, die schon lange nicht mehr besucht worden ist. Da wird wohl seit den 90ern keiner mehr hochgezogen worden sein?

Schnell nochmal mit Anti-Zeckenspray aufgefrischt und los geht’s!

Stemags haben halt irgendwie auch was...

Blick zurück in die ehemalige Schlepptrasse...

Weiter oben geht es wieder über die Wiese, ehe wieder so ein Dschungelabschnitt auf einen wartet.

Zuerst dachte ich, der Lift geht über die Geländekante drüber, doch mitten im Wald entdeckte ich im Zoom die Bergstation.

Das Seil ist auch nicht mehr da, wo es sein sollte.



Auch hier war wieder das LSAP-Sense gefragt, ob die Vegetation aus dem Weg zu räumen

War da schon jemand vor mir da?



Es war einmal eine Skiabfahrt.

Ein Sonntagnachmittag in Österreich....




Die Trasse von ganz oben aus.

Ich hatte ein Quartier für die erste Nach gefunden

Das frühe Aufstehen, die lange Anfahrt und das Hinauflaufen hatten sich gelohnt. Gerade, weil die Ruine noch so dasteht, während bei den meisten LSAPs nur noch Fundamente oder allenfalls mal ein Liftlerhäusl zu sehen sind.



Noch in Ruhe ein paar Detailbilder geknipst, ehe es wieder nach unten gehen sollte, wo ich mich mit dem Schnürsenkel meines Wanderschuhs an einem Stacheldrahtzahn (die Nikon in der Hand) verheddern sollte und dabei wahrscheinlich ein saudummes Bild abgab. Aber es war wenigstens keiner unterwegs und ich konnte mich nach zwei, drei Minuten wieder befreien, ohne dass etwas passierte. (Am Seidlalmkopf in Kitzbühel hatte ich mir bei so was noch zwei Löcher in die Jeans gerissen.)

Da hasste ich meinen rechten Schnürsenkel gerade immens

Nun betrat ich absolutes Neuland, denn in jene Gegend ab Haus im Ennstal kannte ich absolut nicht. Ich sah nun zu, nach Windischgarsten zu gelangen, wo noch ein ESL seine Runden dreht...
Ungeduldig stand ich hier – ich glaube in Liezen – im Stau, doch ich kam noch rechtzeitig an und schaffte es darüber hinaus, auch die lange LSAP-Schneise am Berg oben zu erkunden...

Ankunft am ESL. Endlich! Windischgarsten, St. Corona und Lilienfeld waren ja gewissermaßen die Eckpunkte meines Österreicht-Trips, denn die drei ESL wollte ich unbedingt nochmal gefahren sein, ehe ihre leeren Trassen im LSAP-Forum auftauchen.

Netter, uralter Swoboda-ESL hier am Wurbauerkogel – müsste Baujahr 1958 lt. Liftworld sein...

Retro-Kasse an der Talstation...

ESL als DSB...

Wieder stand eine Liftfahrt vor mir, was ja grundsätzlich erfreulich ist. Dann aber noch ein ESL – nur steile Schlepper sind besser...


Vorne scheint man eine neue Stütze eingepflanzt zu haben. ESL nur mit Rundrohstützen kenn ich noch voll Kellerjoch, wobei ja der untere momentan stillgelegt ist.

Ich genoss die Auffahrt richtig...


Die meisten – es war gut was los – waren natürlich wegen der Sommerrodelbahn hergekommen und nicht wegen dem urigen Lift. Im Winter gibt es hier ja gar keinen Betrieb mehr, denn die 2 oder 3 Schlepper oben hat man abgebaut.

Nachdem es eher flach über die Straße und neben diversen Sommerrodelbahnen herging, kam nun eine steile Waldschneise.

Der Lift läuft ganz schön schnell

Oben hat es noch eine Portalstütze.


Schnapsschüsse vom Berg oben...



Am Vorabend war ich noch per Googleearth überm Wurbauerkogel geschwebt und gleich fiel mir eine lange Waldschneise auf, die sich bis in ein Seitental hinunterzog. Zweifelsohne kam hier mal ein recht langer Schlepper herauf.

Wieder der übliche Quatsch...

Scheint auch schon lange nicht mehr in Betrieb gewesen zu sein.

Da war noch alles in Ordnung. Doch...

Hier zweigte dann rechts von der Hauptschneise eine weitere ab, in der ebenfalls Fundamente zu sehen waren. Die Hauptschneise bin ich dann nicht mehr weiter, denn es kam auf einmal hohes Schilfgras, der Boden wurde weich und ich wollte ja schließlich noch die ESL in St. Corona und Liliefeld erLEBEN...

Hier die Schneisengabelung. Ein Kurvenlift? Ein Vorgänger? Am Rückweg stellte ich fest, dass sich die zwei Schneisen oben kreuzten. Das spricht eher für einen kürzeren Vorgänger, denn die rechte Schneise endete nach 200 m, während die linke „kilometerlang“ bis in ein malerisches Seitental hinab führte.

Fundamentrest in der rechten Schneise.

Ich lief nochmal zur (linken) Hauptschneise, doch da war kein Durchkommen.

Da ging es hier schon besser weiter.

Da muss mal ein Lift gewesen sein...

Am Ende der „Nebenschneise“. Hier der Blick nach oben. Hinterrücks standen hohe Bäume und der Lift scheint nicht weiter runter gegangen zu sein. Ich lief trotzdem weiter, stieß auf einen Forstweg und gelangte wieder zur Hauptschneise weiter drüben.

Blick nach oben.

Nach unten. Leider wuchs überall sehr hohes Gras und der Boden war total aufgeweicht. Ich versuchte es über den angrenzenden Wald und stapfte dort immer weiter in jenes Seitental hinunter.

Es wurde immer düstrer und ich war vollkommen allein. Als das Gelände dann immer steiler abfiel, machte ich einen Rückzieher und ging wieder nach oben. Schließlich wollte ich ja auch noch eine Talfahrt mit dem ESL mitnehmen, der wenigstens bis 17:30 Uhr seinen Dienst verrichtet.

Dann das. War das etwa das Talstation-Häusl? Ging der Schlepper doch nicht bis ins Seitental hinunter?

Die total von Spinnweben umwucherte Tür ließ sich nur schwer offen halten und so stemmte ich dieses orange Teil notdürftig dazwischen. Doch ich bleib eh lieber an der Schwelle stehen, denn ein Baum lag längs auf dem eingerdrückten Dach und die ganze Hütte sah sehr danach aus, jeden Moment zusammenzubrechen.




Uralte Gasflaschen find ich immer richtig toll...
(Würde der Kettenraucher noch unter mir auf dem Balkon alle fünf Minuten eine rauchen gehen, hätte ich da vielleicht noch eine Verwendung gehabt....)



Ich war wirklich überzeugt gewesen, Reste der ehem. Talstation gefunden zu haben. Schließlich war ich ja schon ewig weit hinunter gelaufen. Doch weiter drüben dann im Wald...

Der Schlepper kam wirklich von ganz unten hoch und war bestimmt gute 1,5 km lang gewesen. Hier vorne war schon ein Tal der Trasse weggeruscht. Weiter hinunter wollte ich nicht – die Beine wurden nun schwer, es war einfach kein Ende in Sicht und ich musste noch ein ganzes Stück zum ESL wieder hinauf steigen. So nahm ich wir vor, später noch mit dem Auto in jenes ominöse Seitental hineinzufahren, um von unten aus nach dem LSAP-Schlepper zu suchen.

Hier beim Hinauflaufen fiel mir dann auf, dass es da zwei Schneisen auch weiter oben gab. Beim genauen Betrachten bei Googleearth ein paar Tage später bestätigte sich es auch, dass sich da zwei Trasse kreuzen. Wer kennt diese Lifte noch?

Als ich endlich wieder feste und vor allem gemähte Wiese unter den Füßen hatte, war ich recht froh, diesem Dschungel da unten entronnen zu sein. Ich breitete meine Jacke aus, legte mich in die Sonne und ruhte mich aus. Ich hatte doch noch etwas Zeit bis zum Betriebsschluss des ESL. Auf einmal fielen mir dann aus der Ferne diese Fundamente auf – sofort erhob ich mich und sah nach. Da gab es sogar noch einen Lift!

Er wollte nur leider nicht mehr anspringen

An diesem Hang kam er herauf und unten sieht man noch ein Häusl stehen, wo die Talstation gewesen ist. Leider waren nun meine Beine zu schwer, um da hinunter und vor allem wieder hinauf zu wandern. So beließ ich es – ich hatte an jenem Tag ja schon genug gesehen.

Eins noch...

Nette Sommerabendstimmung am Wurbauerkogel. Sie entsprach auch meiner Laune. Dafür sehnte ich mich nun nach einer Dusche und einem kühlen Bier.



Wirklich ein netter Lift, wobei der ESL in St. Corona und vor allem natürlich der am Muckenkogel in Lilienfeld noch Steigerungen sind, wie ich finde.

Trotz später Stunde fuhren dann immer noch ein paar Rodler rauf.


Waldschneisen-Szene...


Ich bin noch nie mit ner Sommerrodelbahn gefahren, fällt mir grad ein...



Das Foto wäre eigentlich mit kürzerer Belichtung interessanter gewesen, denn die junge Dame mit dem weißen Oberteil sah wirklich sehr ansehnlich aus.

Geschafft. Nun machte sich aber der lange Tag, das viele Autofahren, die LSAP-Wanderungen und vor allem das Aufstehen „mitten in der Nacht“ bemerkbar. Hatte ich ursprünglich noch weiter fahren wollen für die Übernachtung, beschloss ich nun, mir eine Bleibe in Windischgarsten zu suchen.


Hier noch mal ein Trassenbild vom Ort aus. An einem Gasthaus lachte mir ein „Zimmer frei“ entgegen und so sah ich da mal nach. Zuerst dachte ich, man könne direkt in dem altehrwürdigen Haus in der Ortsmitte übernachten, doch da stand was von einer Gartenpension in „unmittelbarer Nähe“. Der Weg war am Stadtplan angezeichnet und auch eine Telefonnummer ausgewiesen. So rief ich an.
Die Frau bestätigte mir, dass noch ein Zimmer frei wäre. Sie hätte nur gerade keine Zeit und wäre nicht in der Pension. Ich solle doch einfach hineingehen, den Schlüssel für die Nr. 2 nehmen und um halb Acht Uhr würden wir uns zum Frühstück je sowieso dann sehen. Ich war etwas verunsichert, ehrlich gesagt, doch ich hatte andererseits auch keine Lust, noch ewig weiter herumzufahren. Außerdem war da ja noch die Sache mit diesem Seitental, aus welchem der 10km lange LSAP-Schlepper heraufgekommen war. So willigte ich ein und fuhr zur „Gartenpension“:

Schnitt. Wir schreiben nun mehr das Jahr 1985, zumindest was die Pension betrifft. Aber irgendwie fand ich das auch schon wieder spannend – einfach in ein fremdes Haus hinein, durch die dunklen Gänge tappen, vergebens nach jemandem rufen, um Totenstille zu ernten, die allenfalls von den lautgedrehten Fernsehgeräten vom Seniorenheim gegenüber verdrängt wurde, dazu der Geruch und die Einrichtung einer Zeit, als ich noch ein kleiner Junge war, die Telefone Wählscheiben besaßen und Karl-Heinz-Köpke die Abendnachrichten verlas, danach ein Schimanski-Tatort oder ansonsten Dalli-Dalli, die Schwarzwaldklinik oder Wetten-Das mit Frank Elstner....

Aber leider war ja nach wie vor 2012. Hätte es nun wirklich 1985 gehabt – meine Frau hätte bestimmt vier Wochen oder mehr auf meine Rückreise warten müssen bei den vielen, alten Liften in jener Zeit...

Jedenfalls musste ich zumindest schmunzeln ob dieses Retro-Anblicks irgendwo in Windischgarsten. Ich stellte meine Sachen ab, steckte den Schlüssel vorsichtshalber ein und fuhr mit dem Wagen noch in Richtung „LSAP-Seitental“, denn ich hatte mit einer Waldschneise noch eine Rechnung offen

Nette Abendidylle in Windischgarsten. Das LSAP im Visier (und an die Madame von der Rodelbahn denkend

Hier hinten war es wirklich sehr gemütlich, dazu das fotogene Abendlicht...


Ich beeilte mich jedoch dann, denn ich wusste nicht, wie weit ich hinter laufen musste, ehe ich zum Beginn der Schlepperschneise gelangte.

Hier war ich gerade an einer Art Einsiedlerhäusl vorbeigekommen, wo ich beim üblichen Neugierde-Blick ins weit geöffnete Fenster hinein in die erstaunten Gesichter eines alten Ehepaars geblickt hatte. Die beiden sahen mich an, als sei ich der Sensenmann, der sie holen wollte. Doch wenigstens war ich hier drei Meter weiter schon wieder außer Sichtweite. So konnte ich die ehemalige Schlepperstrecke knipsen – wenn auch es schon begann, dämmrig zu werden. Doch zur Trasse rüber konnte ich nicht, weil da ein Bach floss und ich meine Stelzen im Auto liegen gelassen hatte.

So musste ich weiter. Ich hatte dummerweise die Wanderstiefel in der Gartenpension zurückgelassen und nur meine Joggingschuhe an. Doch nach längerem Suchen fand ich eine Stelle, wo man über die Steine trockenen Fußes ans andere Ufer gelangen konnte.

Als Belohnung gab es noch das Liftlerhäusl zu sehen. Ich hatte ja schon auf eine gescheite Talstation spekuliert, aber was soll's...

Irgendwo da oben im Dickicht war ich eben noch herumgeturnt. Der Schlepper muss aber wirklich recht lang da durch den Wald raufgegangen sein. Schade drum...

Nun hatte ich von LSAPs für diesen Tag genug und sah zu, dass ich in die Gartenpension zurückkam.

Einfach schön...


Ich hatte noch eine geöffnete Tankstelle gefunden und war wieder zurück in die 80er, äh... zur Gartenpension gefahren. Noch immer hatten die Senioren von gegenüber ihre Fernseher voll aufgedreht, doch mein Balkon lag auf der anderen Seite, wo ich nichts davon mitbekam. Im Büro hinterm Emfpang bekam ich beim Durchschreiten des kleinen Foyers endlich mal einen anderen Menschen zu sehen – es war ein älterer Mann, der eine Zigarette rauchte (das durfte man in den 80ern noch in Pensionen

Mein Abend-Menü
Ich saß dann doch noch einige Zeit faul auf dem Balkon herum und genoss den angenehmen Sommerabend. Irgendwo im Haus ging pünktlich zum Tatort-Beginn ein Fernseher an und ich zuckte beim plötzlichen lauten Ertönen der Titelmelodie in meiner Bierruhe zusammen, doch recht bald wurde ein Fenster geschlossen und ich hatte wieder meine Ruhe...