Jener Samstag bot sich ideal für ein Abklappern diverser Einzellifte im Alpenvorland an – im Radio wollten die Staumeldungen in Anbetracht der beginnenden Faschingsferien gar nicht mehr enden, während es bis ins Flachland hinein besten Schnee hatte und das Wetter wenn nicht wolkenlos, so doch wenigstens niederschlagsfrei ausfallen sollte. (Heute, acht Tage später wollte ich wieder los, aber es schneit und Glättewarnungen residieren im Internet – da ich meinen Schutzengel beim Unfall vor einem Monat und bei einer nächtlichen Horrorheimfahrt im Schneetreiben auf der B12 Mühldorf-München neulich schon genug strapaziert habe, lass ich es heute wahrscheinlich lieber bleiben...)
Ziel I – Skilift Beuerberg:
Zugegeben – der Lift ist kurz & flach – warum fährt man da extra hin? Nun – es ist ein alter Kurzbügler mit Liftomat 2000. Außerdem müsste es von München aus der am Nächsten gelegene Schlepper sein – der Hanslmühlelift in Moosburg dürfte weiter weg liegen. Früher gab es ja sogar im S-Bahn-Bereich einen richtigen Lift – jenen in Seefeld-Hechendorf. Aber der ist schon seit langem LSAP...
Außerdem – mit dem Beuerberglift begann mein Interesse an Einzelliften, LSAP-Suchen im Oberland und dergleichen gewissermaßen. Ich kannte den Schlepper ursprünglich von einer Vorbeifahrt im Jahre 2004 (die Umlenkung steht direkt an der Landstrasse) und an einem übermäßig warmen Apriltag im Jahre 2007 kam ich auf die Idee, einfach mal dorthin zu gurken, um mir das Ding aus der Nähe anzusehen. (Danach ging es dann noch auf die erfolgreiche Suche nach dem LSAP-Schlepper am Peißenberg, zum Gelände der ehem. Schnaidberglifte bei Schongau und dem Schloßberg in Peiting – so hatte sich damals irgendwie recht spontan die allererste klassische Schlepper / LSAP – Erkundungstour ergeben.)
Leider waren bei der Anfahrt die Straßen doch noch recht glatt und ich machte einen Riesenfehler, bei der Bergstation zu parken. Ich wusste nicht, dass man dies auch an der Talstation tun konnte. Denn der Parkplatz zwischen Landstrasse und Liftumlenkung oben liegt in einer Mulde und war eigentlich nicht zu befahren. Bereits bei meiner Ankunft waren die sicheren Plätze am Bauernhof oben vergeben und der erste arme Kerl musste unten bereits von einem Geländewagen aus dem Schnee herausgezogen werden. Vor lauter Liftgier fuhr ich Depp auch auf den Parkplatz hinunter. Ich nahm noch extra Schwung, um nicht stecken zu bleiben. Da kam plötzlich Familie Völlig-Doof angeschlendert und wanderte gemütlich vor mein Auto und zwang mich, das Lenkrand nach rechts zu reißen, um sie nicht zu überfahren. Man blieb stehen, glotze und rührte natürlich keinen Finger, als ich stecken blieb. Eine Einheimische kam schließlich her und schob mich zusammen mit ihrem Mann in eine Parklücke. Familie Hirnaus-Degeneriert gaffte und schlenderte gemütlich weiter – auch das nächste auf den Parkplatz einfahrende Auto zu einer Bremsung zwingend. Ich stieg aus und schimpfte erst mal wie ein Rohrspatz über die überaus intelligenten Mitmenschen.
„Mei, manche Leut sind halt einfach net g'scheit!“, meinte einer der Helfer.
Aber ich zog mir flugs die Schi an, machte drei Fotos und schon ging es mir wieder besser
Blick zur Umlenkung, die man von der Landstrasse Seeshaupt – Beuerberg sehen kann, die ca. 50 Meter weiter oberhalb verläuft.
Skifahren in Beuerberg....
Leicht schiefer Blick nach Beuerberg...
Irgendwann erreicht man dann endlich mal die Talstation
„In Beuerberg stehst doch immer so lang an, dass eigentlich gleich selbst rauflaufen kannst“, sollte später noch ein Mitfahrer im Bromberglift von sich geben...
Nun hat es endlich mal geklappt...
Am Gipfel oben angelangt...
Retro-Liftler an der Bergstation...
Die andere Abfahrt direkt am Lift – nach vier Fahrten beschloss ich, weiter nach Habach zu düsen.
Doch wie aus dem Parkplatz herauskommen? Leider waren zwei zusätzliche Hindernisse dazugekommen – direkt links hinter meinem Wagen war ein BMW verhockt – die entsprechende Familie hatte es aber offenbar vorgezogen, einfach Ski zu fahren anstatt das Auto aus dem Weg zu schaffen. Dass sie dabei etliche andere Fahrzeuge blockierten, schien ihnen zeitgemäß egal zu sein. („Wir haben doch Kinder dabei!“
Die andere Ausfahrt wurde von einem stecken gebliebenen Familien-VW-Bus blockiert. Ich sehnte mich nach einem Leo, denn mit dem wäre ich wohl herausgekommen und hätte sowohl den BMW als auch den Bus gebührend geplättet. Aber mit einem alten Renault Clio geht das eben irgendwie nicht so. Ich wartete, bis sich einige neu angereiste Leute verzogen hatten, um erst mal mit Schwung rückwärts aus der Lücke zu gelangen. Doch dann steckte ich natürlich fest und es ist einem absolut hilfsbereiten Familienvater zu verdanken, dass ich wieder heraus kam. Er nahm sich Zeit und schob mich immer wieder an. Ein zweiter Mann kam hinzu und half ebenso. Sie gaben mir noch allerlei Tipps, während wir zu dritt Kriegsrat hielten und darüber diskutierten, wie ich am besten aus dem Schlamassel kommen konnte. Es bleib mir nichts anderes übrig, als durch den aufgewühlten Rübenacker zu fahren, da die direkte Aufahrt durch den Bus verstellt wurde. Sie klopften mir noch aufmunternd auf die Schultern, dann ging es los und ich schaffte es irgendwie. Grenzenlos erleichtert erreichte ich die Teerstrasse bei Bauernhof. Ich stieg aus und bedankte mich erst Mal bei meinen Helfern (eine hinzukommende Frau hatte sich sogar auch noch zum Anschieben bereit erklärt). Es ist einfach super, dass es solche Leute gibt! Wäre eine Gastwirtschaft direkt nebenan gewesen, hätte ich denen ein Bier oder einen Kaffee spendiert. Im Erleichterungstaumel furh ich dann vorsichtig nach Habach.
Ziel II – Leitenlift in Habach:
Ich wusste von einer sommerlichen Besichtigung von vor zwei Jahren noch, dass die Abzweigung zum Lift nicht bei der Gaststätte am östlichen Ortsrand liegt. Trotzdem fragte ich im Dorf noch irgendwelche Passanten, die mir dann den Weg beschrieben und mir bestätigten, dass man hinter der Unterführung an der westlichen Abfahrt von der B472 durch musste. Wenigstens war hier die Straße geräumt und zum Teil auch mit Kieselsteinen beschmückt worden.
Aber auf den Parkplatz traute ich mich diesmal nicht – auch wenn dort besser geräumt war und das Gelände ebenerdiger lag. Am Ende der Straße hatte der Schneepflug diesen Platz frei gemacht und dankbar stellte ich meinen Wagen dort ab. Ich dachte mir schon, dass gleich irgend ein Brezensalzer herkommen würde („He, was parkst denn da? Fahr auf den Parkplatz!“), doch nichts tat sich dergleichen.
Blick von unten auf den Lift und die Piste – ein alter Heuss-Schlepper neben einem Hang, der für zwei Stunden wirklich ganz in Ordnung ist. Links vom Schlepper kann man übrigens auch noch runter fahren und ganz weit rechts gab es noch guten Tiefschnee.
Immer wieder kam die Sonne hervor und wurde oft von den Wolken erneut verdrängt.
Dieselantrieb? Schepperte zumindestens danach...
Im Lift...
Als ich 2011 hier mit Münchner herumgestiefelt bin, lag hier oben plötzlich ein Mann mitten im Gras auf der Wiese und sonnte sich. Die restliche Zeit sah man dann immer seinen Kopf zwischen den Halmen hervorschauen – kritischen Blicks. Dass erwachsene Männer mit Kameras im Sommer Skilifte fotografieren wird ihn sicherlich verwundert haben. („Mein Gott, neulich in Habach lag ich in der Sonne auf der Wiese und da...“)
Für ein paar Schwünge zwischendrin passt das hier wirklich – in Beuerberg hingegen ist wirklich nur für Anfänger und Kinder Platz.
Habach-Zoom
Flachland-Zoom – am Bildrand erkennt man noch die alte Bundesstrasse mit den Alleebäumen – die heutige B 472 führt am Ort vorbei.
Schade, dass man hier schon auf Langbügel umgestellt hat. Aber ich darf nicht maulen – so viele dieser Einzelschlepper haben längst aufgehört zu schnaufen...
Sind das vielleicht Langbügel der 1. Generation?
Ein paar neuere sind auch dabei, wie in diesem erneuten Habach-Zoom zu sehen.
Hier sieht man auch den nachträglich eingebauten Niederhalter.
Zwischendrin ließ ich die Kamera auch mal wirklich in Ruhe und düste wild den Hang hinunter, um gleich wieder im alten Heuss-Schlepper nach oben gezogen zu werden. Es hat wirklich Spaß gemacht und ich werde sicherlich mal wieder herkommen...
Ziel III – Bromberglift:
Den Lift habe ich zufällig seinerseit in Bad Baiersoien entdeckt. Dort war ich im Sommer 2007 erfolglos auf LSAP-Pirsch - lt. Skiresort hat es in jenem Ort bis 1980 einen Schlepper gegeben. Ich entdeckte auf einem Parkplatz eine alte Kompass-Wanderkarte in einem Glasfenster. Da war sogar der Lift in Bad Baiersoien eingemalt – doch heute steht am besagten Hang absolut nichts mehr. Dafür fiel mir auf der Karte noch der Lift an der Brombergalm auf und vor zwei Jahren wanderte ich im Sommer mal hinauf.
Am Samstag vor einer Woche konnte ich hier unbesorgt den Berg hinauf fahren – die Straße war 1A geräumt und der Parkplatz ebenso. Da ich gewaltigen Hunger verspürte, beschloss ich, erst einmal essen zu gehen und ließ ich die Ski erst Mal im Auto liegen. Auf dem Weg zum Mittagsmahl stapfte ich mit der Nikon in der Hand durch den Schnee den Hang hinauf zum Lift. Als Appetitanreger sozuagen...
Absolut urig!
In der Wirtschaft gönnte ich mir erst mal einen Schweinsbraten und eine Halbe – das Essensfoto muss diesmal ausfallen...
Dafür spielte ich noch ein bisserl mit der Kamera, während ich auf's Essen wartete. Die Bedienung war übrigens total freundlich. Also nicht nur so ganz nett, sondern besonders.
Zum Auto zurück lief ich dann über die Straße...
Wirklich ein total interessanter alter Stemag-Lift. Dazu auch ein ansprechender Hang mit zwei verschiedenen Abfahrten – bei der durch den Wald gibt es sogar noch eine zusätzliche Variante. Was will man mehr? Schade, dass man den Schlepper nicht noch 200 m weiter runter gezogen hat, aber so passt es ja auch noch.
Der kam am 09.02.2013 gut zum Einsatz – man musste schon immer einige Minuten anstehen, denn es war gut was los. Ein Mitfahrer meinte, dass wegen der Nähe zu Schongau und Weilheim immer viele Leute am Wochenende hier seien.
Ich unterhielt mich mit dem Mitt-Fünfziger dann noch über die Einzellifte in der Gegend. Er berichtete mir, dass er sogar selbst man eine Lifte-Safari unternommen habe. Damals sei er dann weiter nach Benediktbeuern zu den Schleppern am Strassberg. Die seien auch immer gut besucht gewesen, aber man habe sie dann um 2000 leider abgebaut. (Bin ich auch schon im Sommer herumgestiefelt – leider nix mehr zu sehen...).
Habach kannte er nur vom Vorbeifahren und völlig überraschte ihn meine Erzählung vom Schlepper in Halblech – den kannte er noch nicht. Dafür aber wieder den Buchenberg, den er auch schätzte.
Auf den Schlepper am Peißenberg kamen wir auch noch zu sprechen – leider wurde der ja vor vielen Jahren abgeholzt. Dass das ein gute Hang gewesen ist, glaubte ich dem Mann sofort – ich bin im Sommer mal die einstige Piste abgelaufen. (Dass ein ca. 500 m Langer Schlepper direkt in der Nähe von Schongau, Peiting und WM nicht geht – die Nordhanglage dazu...vielleicht hat der Bromberg-Schuft zu viel Leute abgezogen
Oben angekommen – bei guter Sicher kann man hier endlos weit ins Flache blicken...
Ein bisserl Stein muss sein....
Da geht es auf der rechten Seite des Lifts zur Waldabfahrt...
Die Variante ganz links...
Die rechte...
Ein weiterer (Leitner-)Kurzbügler hier hinten wäre noch was gewesen...
Skifahren an der Bromberalm...
Am Ende hielt sich dann die Sonne, doch meine Beine wurden immer müder.
So machte ich mich dann auf den Heimweg, der an so einem Einzelliftetag wenigstens nicht weit ausfällt....