freerider13 hat geschrieben:Servus!
trincerone hat geschrieben:Ich finde das einen sehr interessanten Thread. Vor mittlerweile Jahren habe ich hier die Vermutung geäußert, dass durch voll-modellierte Pisten (mit der heute üblichen Präparation) in Verbindung mit Carving-Ski das Unfallrisiko hinsichtlich schwerer und schwerster Unfälle steigen würde. Ohne Zahlen lässt sich das nicht belegen, aber die Berichterstattung legt fast 10 Jahre später nahe, dass genau dies eingetreten ist.
Ja, diese Meinung teile ich eindeutig. Ein Punkt kommt aber noch dazu: Die Leute lernen einfach nicht mehr ordentlich Skifahren. Ein Comedian hat vor ein paar Jahren mal im Radio gebracht: "Früher stellten wir uns Wochenlang in Skikursen hin und lernten das verfroren und mit großer Mühe, heute nennt sich das Carvingski; anschnallen und los gehts!"
Leider bittere Wahrheit in meinen Augen, wie ich auch (quasi als externer Beobachter Snowboarder) über die Jahre beobachten konnte: Fuhren die Skifahrer vorher mit bedacht ist einfach die Geschwindigkeit über die Jahre deutlich gestiegen. Beispielsweise konnte ich im "Nobelgebiet" Kitzbühel beobachten wie Damen, die 5 oder 7 Jahre vorher noch nicht mal Ihren schicken Overall auf eine dreckige Holzbank setzen wollten auf einmal mit 3facher Geschwindigkeit an dir vorbeigedonnert sind, die Kante nicht hielt, die 30 Meter die Piste aufm Arsch nimmt, unten aufsteht, den Schnee runterklopft und "Yehaa, weiter gehts".
Mit der Geschwindigkeit hat sich leider auch die Wahrnehmung geändert. Wir Snowboarder wurden damals noch eingebremst, die "Normalskifahrer" hatten Angst vor uns und es gab regelmäßig Schelte von wegen "rast nicht so", da ging das Gefühl für die eigene Geschwindigkeit nicht gar so verloren, man hat sich bewußter damit auseinandergesetzt. Seit die Skifahrer jedoch mit dem Carvingski nachgezogen haben ist diese "Kontrollinstanz" weggefallen. Ich denk mir auch manchmal: Shit, wiso bist du nicht mehr der schnellste am Berg und stell dann fest, daß ich auf jeden Fall nicht langsamer geworden bin.
Jetzt stelle man sich noch die gestiegene Dichte auf den Pisten vor zu der Dame die ich oben beschrieben habe, und schon geht das nicht mehr glimpflich aus. Leider die Kehrseite der Medaille bezüglich moderner Lifte mir hohen Beförderungskapazitäten.
Und letztendlich die Erwartungshaltung der Skifahrer (Ich hatte das im "Pistenfahrer vs. Tourengeher" Thema ja schon mal gebracht) immer eine perfekt präparierte Piste vorzufinden und aufs vorausschauend fahren pfeifen inzwischen.
Eine ziemlich bedenkliche Situation wie ich finde, vergleichbar mit einer deutschen Autobahn im Berufsverkehr ohne Tempolimit, Rechts-Überholverbot und Abstandsregeln: Einen gibts garantiert der mit 180 im Zickzack durchpresst und man kann darauf warten bis es kracht.
Lösung? Tja, da fällt mir auch keine ein. Skikursverpflichtung, ne Art "Führerschein" vielleicht. Wenn die Leute fahren und sich selber einschätzen können ist vielleicht das Bewußtsein für die Gefahr wieder präsenter...
Helmpflicht, Tempolimit, Pistenpolizei halt ich entweder für nicht zielführend oder nicht in der Realität durchsetzbar.
Schöne Grüße,
Jan