In Österreich gibt es noch so einige außerhalb der Reichweite von Tagesausflügen liegende Ziele und die Gegend um Bad Kleinkirchheim steht schon seit zig Jahren auf meiner Liste. Noch hat es dort ja etliche alte Schlepper und weitere interessante Bahnen und bevor der Modernisierungswahn oder das LSAP-Virus diesen Liften ein Ende bereiten wird, lauerte ich seit geraumer Zeit ungeduldig auf eine Möglichkeit...
Die ergab sich anhand der Wettervorhersage für den vorherigen Samstag und so machte ich mich schon am Freitag im Morgengrauen auf den Weg von München nach Kärnten...
Aber leider musste ich mich wie fast an jedem Skitag in dieser Saison erst einmal mit schlechtem Wetter und glatten Strassen herumärgern. Dass es so extrem werden würde, hätte ich nicht gedacht. In Oberbayern war der Schnee über Nacht auf den Straßen liegen geblieben und so ging es erst einmal recht langsam über die lastwagenverseuchte A8 bis Salzburg. Beim Chiemsee herrschte dickes Schneetreiben und man kam sich vor, als würde man mit dem Auto über eine Skipiste fahren – während links auf der Überholspur aggressive LKW-Fahrer vorbeidonnerten und für zusätzliches Vergnügen sorgten.
Eben einen dieser Truck-Rowdies (aber die haben halt wahrscheinlich auch einen entsprechenden Druck von oben, schnell zu fahren...) drehte es bei Salzburg auf der A10 um die eigene Achse und es gab 10 km totalen Stau. (Ein „bisschen“ Diesel lief auch noch aus...) Dort wurde ich dann in der Schlange beim „stop and go“ von meinem Hintermann unentwegt bedrängt, so dass ich in Höhe Golling erst mal eine Pause brauchte, um auszuschnaufen. Aber wenigstens sollte es dann ab Flachau weniger Verkehr werden und nach dem Katschbergtunnel war die Strasse trocken.
Nach über 5 Stunden erreichte ich am späten Vormittag Bad Kleinkirchheim. Die Sonne schien und ich war längst wieder guter Dinge – doch dann liefen fast alle Bahnen nicht wg. eines Sturms! Nur die Maibrunn-4KSB bewegte sich, die beiden DSBen gegenüber verharrten still, ebenso die Nockalmbahn weiter hinten im Tal. Ich hielt nach einer versteckten Kamera Ausschau – aber leider war das die bittere Realität. 5 Stunden fährst du da hinunter, durch Schneetreiben und vorbei an total wahnsinnigen LKW-Fahrern und dann so was! Ich überlegte, was ich tun sollte und zoomte erst mal noch zur leeren Trasse des abgebauten Lärcheggschleppers...
Am nächsten Tag sollte es ja perfektes Wetter geben und so würde ich noch genug Zeit haben, Bad Kleinkirchheim und St. Oswald zu erkunden. Aber wohin an diesem angebrochenen Freitag? Falkert? Keine gute Idee bei diesem Wind. Hochrindl? Ich versuchte es mal damit und zunächst sah es viel versprechend aus. Die Sonne schien hinter einem dünnen Wolkenschleier und wenn auch der Sturm kräftig wehte, so war doch die Strecke trocken.
Doch als ich von der Bundesstrasse Richtung Turracher Höhe abzweigte und Kurs nach Hochrindl nahm, versuchte das Schicksal erneut, mich von Skifahren abzuhalten. Der geschmolzene Schnee hatte Pfützen auf der schmalen Strasse den Berg hinauf hinterlassen, die nun wieder gefroren waren. Kein Vergnügen, da mit dem Auto hinaufzufahren, während sich der Wald im Wind nur so schüttelte und dann auch noch Lastwägen entgegen gerast kamen, die mit Baumstämmen beladen waren. Doch ich blieb tapfer und fuhr immer weiter die mir völlig unbekannte Strasse hinauf und hoffte, in Hochrindl Skibetrieb vorzufinden. Endlos zog sich das Gekurve durch den Bergwald.
Als auf einmal über der Strasse Vierersessel regungslos verharrten und an einem Traumhang dahinter ein langer Schlepper still stand bzw. dessen Bügel lediglich im Wind schaukelten, anstatt hinauf und hinunter zu fahren, schlug ich erst mal mit der Faust aufs Lenkrad und fluchte. Das durfte doch nicht wahr sein!
Ich wollte schon umkehren und zur Maibrunnbahn zurückkehren, als sich auf einmal das Blatt wendete. Ich bekam das nicht gleich sofort mit, aber im Nachhinein gesehen geschah es genau zu diesem Zeitpunkt dort oben hinten, als ich mit laufendem Motor verzweifelt auf der vereisten und schneeverwehten Höhenstrasse stand. Kein Mensch war zu sehen, niemand schien nach Hochrindl zu wollen und der Sturm pfiff mir um die Motorhaube...
Ich fand keine Stelle zum Wenden und fuhr die Strasse weiter, als ich auf einmal meinen Augen nicht traute. Weiter vorne in einem Waldstück ging ein Schlepper über eine Brücke rüber und war in Betrieb! Ich hatte keine Ahnung, ob das jetzt ein Einzellift war oder wie viele Anlagen es sonst noch da oben hinten gibt. Ich hatte mich im Internet eigentlich nur vorab über die Anfahrt informiert und wollte den Rest einfach auf mich zukommen lassen. So fuhr ich auf einen Parkplatz zwischen Lift- und Pistenbrücke. Ich kletterte einen Abhang hinauf, um Ausschau zu halten, doch man konnte keine anderen Leute oder weitere Lifte sehen. Einsam stand ich da und sah dem Schlepper zu, wie dessen Bügel unverrichteter Dinge den Wald hinauf schwebten. Ich zog meine Ski an und beschloss, auf gut Glück einfach mal zur Talstation hinabzufahren, die aber von hier oben auch nicht zu sehen war.
Schlimmer konnte es ja nicht werden, also los!
Auf der anderen Seite einige Häuser im Wald – aber kein weiterer Lift, geschweige denn andere Menschen. Dazwischen ging die frisch präparierte Abfahrt hinunter und im Hintergrund konnte man einen weitläufigen Blick auf bewaldete Bergrücken genießen.
Nochmals der Blick zurück. Ich überlegte mir schon, mit den Skistöcken zu versuchen, einen Bügel zu angeln, doch dann fuhr ich doch auf der Piste nach unten.
Auf der Piste – gespannt fuhr ich der Talstation des unbekannten de Pretis-Schleppers entgegen, der da irgendwo zwischen den Lärchen und eben diese Brücke den Wald hinauf führte.
Der Liftler meinte, dass drei lange Schlepper in Betrieb seien – der Tellerlift, die 4SB und eben der dahinter liegende lange Lift würden leider aus bleiben. Karten konnte man hier unten allerdings nicht erwerben, aber ich durfte freilich umsonst nach oben. Das war doch mal was! Meine Verzweiflung verflog wie die sturmgetriebenen Wolken am Kärntner Mittagshimmel und als ich im Schlepper durch den Lärchenwald hinaufgezogen wurde, war ich wieder bester Laune.
Doch erst mal noch ein paar Fotos...
Unterhalb der Bergstation an der Strasse steht diesen Haus – hmmm... Ich denke, dass das eher zufällig nach ner LSAP-Talstation aussieht. Ich glaube nicht, dass der alte de Pretis-Schlepper nen Vorgänger hatte. Da fehlte auch eine entsprechende leere Schneise im Wald weiter oben...
Das finde ich immer recht aufregend – in einem unbekannten Gebiet irgendwo hinunter zu fahren, ohne zu wissen, was einen erwartet und wie weit der Lift hinunterreicht...
Ich war hier Anfangs komplett alleine unterwegs und nach dem Kauf einer 4 Stunden-Karte für 23 EUR sollte ich auch nicht recht vielen anderen Skifahrern begegnen. Doch erst mal fuhr ich ja noch einsam im Kegellift hinauf...
De-Pretis-Lift und Lärchenwald...
Oben geht es lange recht flach dahin, aber ich fand den Kegellift trotzdem sehr nett...
Links vom Ausstieg steht weiter hinten die Bergstation der 4SB, doch die war ja außer Betrieb.
Ich war auf die beiden anderen Schlepper gespannt...
Ausblick vom Skigebiet Hochrindl....
Da vorne steht die Bergstation der langen Stoichartlifts...
Hier blies der Wind ziemlich stark, während ich ihm mutterseelenallein entgegenrutschte, um zur Abfahrt zu gelangen. Allerdings nicht zum Stoichartlift, sondern zum anderen Schlepper, wo ich ja an der Talstation noch eine Liftkarte zu kaufen hatte. Den Namen hab ich bloß wieder ganz vergessen...Ach! Zirbenlift 1 und am Anfang begleitet ihn parallel noch ein Tellerlift, der Zirbenlift 2.
Jedenfalls auch er ein de Pretis – Lift mit schrägen T-Masten wie alle Schlepper hier oben.
Hier der Ausblick vom Ausstieg der Zirbenlifts1 auf die Hauptpiste im Gebiet. Das Bild entstand später, denn bei meiner Ankunft war hier außer mir niemand und er Wind blies so stark, dass ich die Nikon lieber im Rucksack ließ.
Weiter hinten fällt dieses Bergmassiv auf....
Unten im Ortszentrum
Da geht der flache Zirbenlift 1 an der Pension Karoline vorbei den Berg hinauf, wo er recht bald in einem Waldstück verschwindet...
Der Zirbenlift 2 recht daneben war nicht in Betrieb, aber das konnte ich im Gegensatz zum langen Schlepper gegenüber der 4SB locker verschmerzen...
Der Liftler passte ganz gut in dieses urige, abgelegene Areal – verzweifelt versuchte er, sich im Wind seile Malboro anzuzünden....
Liftler der Saison? Kommt fast hin. Letztes Jahr gewann den Titel der Typ mit langen Haaren, Spiegelsonnenbrille und ständig wechselnden Sprüchen am Buchberglift in Bad Tölz...
Im Zirbenlift 1...
Blick zurück...
Was war das nur für ein wahnsinniger Tag! Erst das große Chaos, dann die Verzweiflung und nun das hier! Bester Schnee, fast keine Leute und drei Schlepper irgendwo im Nirgendwo....
Der Stoichartlift erwies sich als recht langer Lift mit allerbester Piste daneben!
Der Sturm umtoste mich, trieb immer wieder Schneewindhosen über die Piste und wirbelte allerlei Geäst auf. Anfangs war kein Mensch hier und nur der leise surrende Schlepper erinnerte mich daran, nicht irgendwo in totaler Wildnis zu stehen...
Ein paar einzelne Leute kamen nach meiner ersten Abfahrt dann nachgefahren, aber Anstehen war an jenem verrückten Freitag ein Fremdwort.
Der untere Hangabschnitt war der Beste, wobei eigentlich die komplette Stoichartabfahrt 1A ist..
Die Talstation – anscheinend mal erneuert...
Mit starkem Rückenwind ging es dann im milchigen Sonnenschein nach oben...
Blick zurück – geht ganz gut weg...
Fortsetzung folgt!