
Nur 70km muss ich fahren um das kleine Skigebiet der Ebenalp im Appenzellerland zu erreichen, und doch habe ich mich bisher noch nicht dort blicken lassen. Das sollte sich heute ändern. Verhältnismäßig gute Wetterprognosen und die gute Schneelage haben mich dazu bewogen noch einen Skitag einzulegen. Wie viele kleinere schweizer Skigebiete macht die Ebenalp in der Nebensaison nur noch an Wochenenden und am Mittwoch auf.
Obwohl die Bahn ab Wasserauen laut Fahrplan schon um 8.30 Uhr ihre ersten Runden dreht, war ich um 9 Uhr der erste Gast. Ich durfte 34 Franken für den Tagespass berappen und bekam dafür ein altertümliches Liftticket, welches im Prinzip nur durch das Liftpersonal kontrolliert werden kann. Kartenleser gibt es an keiner Anlage.
Lediglich drei weitere Skifahrer traten mit mir die Bergfahrt an. Und da auch das Personal ein paar Minuten brauchte um die Skilfte oben in Betrieb zu nehmen, ließ ich es ein wenig langsamer angehen und schaute mir schonmal ein paar Fotomotive aus für den Fall dass sich das Wetter bessern würde. Davon bin ich zu dem Zeitpunkt noch ausgegangen. Es war nich wirklich schlecht Morgens. Es hingen ein paar Wolkenfetzen im Berg und der blaue Himmel blinzelte immer wieder durch. Aber mit den Fotos, so dachte ich, hätte ich noch ein wenig Zeit bis das Wetter noch besser wird. Das sollte sich leider als Trugschluss erweisen. Je später der Tag, desto höher zogen die Wolken vom Appenzellerland auf das Alpsteinmassif zu.
Entschädigt wurde ich zum Teil durch traumhaften Pulverschnee. Meine erste Abfahrt führte mich über die unter der Pendelbahn hindurch über die schwarze Piste zum Schlepplift Gartenwald. Die Piste war bis zu dem Steilstück präpariert. Ab dort erwarteten einen 20-30cm frischen Neuschnee. Bis ca. 13 Uhr Pulver. Und da bis halb elf auch nur Insgesamt 6 Leute im Skigebiet unterwegs waren, wie mir der Liftwart sagte, hielt sich der Hang noch lange in einem schönen Zustand. Der Lift selbst ist wie der andere Lift oben auf der Ebenalp ein Habeggerprodukt und im Mittelteil sehr steil.
Nicht zuletzt ob der Steilheit des Lifts, der nach ein paar Fahrten ordentlich in die Oberschenkel zieht, entschloss ich mich alsbald den Schlepplift Chlus im hinteren Bereich des Gebietes anzusteuern. Eine kleinere Nebelbank im Mittelteil löste sich bald auf und so lag der Lift herrlich in der Sonne. Eindrucksvoll eingerahmt zwischen Felswänden wähnt man sich hier gar nicht im Appenzellerland. Erst Recht nicht, wenn man von dem Ausstieg des Liftes nochmal 20m zum Grat aufsteigt, an dem sich auch die Umlenkung des Liftes befindet. Dort oben eröffnet sich ein wunderbarer Blick auf die schroffen Wände des Alpsteinmassifs. Ich war hier schon vor ein paar Jahren im Sommer. Aber die Landschaft ist immer wieder eindrücklich.
Die Pisten am Schlepplift Chlus sind schön zu fahren und wie in den meisten Skigebieten die ich diesen Winter besucht habe, nicht besondert modelliert. Die Pistenraupen waren anfangs noch unterwegs um die letzten Abschnitte zu präparieren. Offensichtlich hat man die letzten zwei Tage während der Schneefälle gar nichts an den Pisten gemacht. Aber auch hier ließ man den obersten steileren Teil der Piste unpräpariert.
Was am Vormittag eine schöne Sache war um ein paar Schwünge im "Tiefschnee" zu ziehen, entwickelte sich hier, wie auch an der schwarzen Piste zum Schlepplift Gartenwald, aber im Tagesverlauf eher zu einer Unannehmlichkeit. Durch die steigenden Temperaturen und die Skifahrer die die Hänge zerfahren haben, musste man auf diesen Pisten nunmehr mit aufgeworfenem Bruchharsch zurecht kommen.
Zeit also die Talabfahrt in Augenschein zu nehmen. Wir schreiben den 27. März und die Talabfahrt bis zu einer Seehöhe von 850m ist noch offen! Und zwar in einem gar nicht mal so schlechten Zustand. Nur an einer Stelle kam ein wenig Dreck heraus. Dennoch ist die Abfahrt nicht allzu spannend. Ganz nett, aber nichts was man öfter machen müsste.
Das liegt vor allem auch daran, dass man vom Ende der Talabfahrt in Schwende nur per Bähnli wieder zurück nach Wasserauen gelangt, von wo aus die Luftseilbahn zur Ebenalpe startet. Die Bahn kommt jede Stunde um .37 und ist im Skipass inbegriffen. Auch wenn das mal eine ganz nette Erfahrung ist, macht das die Talabfahrt doch etwas umständlich.
Als ich dann wieder oben war, hat sich das Wetter spürbar verschlechtert. Die Wolken zogen, wie gesagt, höher den Berg hinauf anstatt sich aufzulösen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.
Also suchte ich das einzige Restaurant im Skigebiet auf, mit der Absicht mich etwas aufzuwärmen und mich zu stärken. Man erreicht es nur zu Fuß von der Bergstation des Schlepplift Gartenwald. Umständlicherweise muss man von dort aus einige Meter aufsteigen. Die Lage der Hütte ist aber wohl vor allem der Aussicht geschuldet. Bei guter Sicht muss man von dort wohl einen guten Blick in Alpsteinmassif wie auch das Appenzeller Alpenvorland haben. Beides konnte ich bei dichtem Nebel leider nicht mehr bewundern.
Im Restaurant waren zu dem Zeitpuntk wohl fast alle Gäste die sich an dem Tag auf die Ebenalp verirrt hatten. Ungefähr 10 Leute saßen in der großen Hütte und trotzdem brachte es die Bedienung nicht zu Stande meine Essensbestellung aufzunehmen. Nach der anfangs servierten Rivella beschloss die Bedienung wohl, mich keines Blickes mehr zu würdigen. Ich versuchte mehrmals auf mich Aufmerksam zu machen aber die Dame setzte sich lieber an den Tisch von Bekannten oder zupfte bei leeren Tischen an den Tischdecken herum. Da es mir zu blöde war darum zu betteln bedient zu werden, stand ich auf und zahlte meine Rivella bei ihr und ging ohne gegessen zu haben.
So gerne ich bei den Eidgenossen Ski fahre, das war nicht der erste gastronomische Totalausfalls in schweizer Skigebieten. Meiner Erfahrung nach ist es in der Schweiz häufig sehr schwer ein vernünftiges gastronmisches Angebot zu finden. Da könnten sie sich von den Österreichern wirklich mal ne Scheibe abschneiden. Auch was Gastfreundschaft betrifft. Vielleicht liegts aber auch nur daran, dass ich Hochdeutsch spreche. ...
So fällt das Fazit auch gemischt aus. Insgesamt hatte ich mir etwas mehr erwartet. Das Wetter war also durchwachsen mit ein paar schönen Pulverschnee-Stunden am Vormittag. Gen Nachmittag wurden die Schneeverhältnisse dann aber schnell anstrengend. Das Skigebiet selbst bietet auch nich all zu viel Abwechslung. Ein halber Tag reicht hier vollkommen aus. Und wenn das Wetter gut ist, hat man hier sicherlich sehr schöne Tiefblicke. In näherer Zukunft zieht es mich aber wohl nicht mehr an die Ebenalp.
Anbei der Pistenplan

Die letzten Stützen der Luftseilbahn vor der Bergstation. Darunter die schwarze Abfahrt zum Schlepplift Gartenwald.

Im unpräparierten Steilhang der Piste. Hier lagen sicherlich zwischen 20 und 30cm Neuschnee.

Von hier aus hätte man im Prinzip auch einen schönen Blick ins Appenzellerland.

Tatsächlich gab es noch andere Gäste im Skigebiet. Mehr als 30 waren es über den Tag verteilt aber wohl nicht.

Blick zur Geländekammer des Schlepplift Chlus. Noch befindet sich eine Wolkenbank im Hang. Im Hintergrud lugt der Säntis mit seiner Antenne hervor.

Rückblick zum Schlepplift Gartenwald. Die Sonne scheint sich zu diesem Zeitpunkt noch durchzusetzen.

Skiweg vom Bereich Gartenwald zum Schlepplift Chlus.

Talstation Chlus.

Im Lift. Teilweise wird noch präpariert.

Der obere Steilhang blieb aber den ganzen Tag unpräpariert.


Die Umlenkung ist am Grat befestigt.

Zwischenzeitlich ist das Wetter wirklich noch besser geworden. So fuhr ich über eine nette Waldabfahrt wieder zum Schlepplift Gartenwald ab. Schön steile Trasse. Allerdings nur ca. 800m lang.

Unpäparierter Steilhang links des Schlepplift Gartenwald von unten.

Ausstieg Gartenwald mit Säntis und Schäfler. Darunter liegend die Bergstation Chlus.

Hinter dem Schlepplift Gartenwald droht schon ungemacht.

Bergstation Gartenwald.

Geländekammer Chlus in voller Pracht.

Hier herrscht noch Winter. Und die Pistenbullys waren immer noch mit der Präparierung beschäftigt.

Trasse Chlus von oben.

Zoom zum Schlepplift Gartenwald.


Die Talabfahrt ist zwar nicht sehr anspruchsvoll, dafür aber landschaftlich sehr schön. Im Hintergrund der Hohe Kasten.


Die Talabfahrt endet am Skilift Horn im Ort Schwende. Der Lift hat seine Saison leider bereits beendet, sonst hätte man hier nochmal fahren können so lange man auf die Bahn nach Wasserauen zurück wartet. Da dies der einzige Weg zurück zu Pendelbahn ist, habe ich ein bisschen mehr Zeit eingplant, war dann aber viel zu früh wieder im Tal. Der Zug nach Wasserauen fährt nur einmal die Stunde immer um .37.

Die Talstation des Hornlifts wird derweil als Geräteschuppen genutzt.

An der Haltestelle in Schwende. Ich weiß nicht ob der Knopf wirklich nötig ist, wenn man sich für den Zugführer offensichtlich an den Bahnsteig stellt. Ich habe ihn aber sicherheitshalber trotzdem mal gedrückt.

Bahn aus Wasserauen kommend.

Nettes Talstationsgebäude der Ebenalpbahn. Parkplätze sind hier kostenlos.

Wieder oben angekommen kroch der Nebel immer höher wie dieses Bild von der Bergstation Chlus verdeutlicht.

Ein paar Höhenmeter über dem Ausstieg des Skiliftes Chlus am Grat gibt es aber eine tolle Aussicht ins Alpsteinmassif. Der Weg dort hoch war allerdings doch recht anstrengend.

Umlenkung Chlus von oben.

Mit einem versöhnlichen Bild vom sonnigen Altmann beende ich diesen Bericht.