Trotz guter Schneeverhältnisse sind die Berner Oberländer Skigebiete wieder mal reichlich lethargisch: Wie so oft bietet fast nur die Elsigenalp durchgehenden so früh Skibetrieb an. Höchste Zeit also, das Angebot auch mal zu nutzen. Die nahe Engstligenalp, ebenfalls im Adelbodner Tarifverbund, ist quasi das Gegenteil: Das Teilgebiet ist bekannt für einen immer sehr späten Saisonschluss, oftmals im Mai.
Das Vintage-Ski-Gefühl beginnt schon bei der Anfahrt: Ein enges Strässchen mit Kreuzungsbuchten und Felspartien führt von Achseten (zwischen Frutigen und Adelboden) nach Elsigbach.
Man hat nicht das Gefühl, dass man hier richtig ist und das einzig offene Skigebiet weit und breit korrekt anpeilt – aber kaum will man Google Maps starten, steht man auch schon auf dem Parkplatz der Gondelbahn. Nach der Fahrt mit der 1985 sanierten PB öffnet sich vor einem die Hochebene der Elsigenalp…
… die Bindungen klicken, und los geht der Genuss. Dank einer Inversionslage ist es hier oben beinahe schon frühlingshaft mild, an den exponiertesten Hängen wurde der Schnee am Nachmittag sulzig.
Für Skiliftnostalgiker ist dieses Gebiet ein Mekka. Keine einzige Sesselbahn stört die Bergbahnidylle – einzig die Schneekanonen wirken etwas gar modern. Aber da drücken wir ein Auge zu; dank der Kunstschneeunterlage mit Naturpulverauflage sind die Pisten trotz der nicht sehr dicken Schneedecke schlicht umwerfend. Die vereinzelten leicht aperen Stellen oder einige Erd- und Steinkrümel kann man problemlos umfahren.
Die beiden Hauptanlagen sind die parallel verlaufenden Habegger- und Küpfer-Skilifte aus den Jahren 1966 und 1979 – solide Thuner und Steffisburger Arbeit “wie geng”:
Der Habegger-Lift wurde laut dem Schild bei der Talstation von "F. Zurbrügg & Sohn Frutigen" montiert. Natürlich fehlt auch der obligate Regierungsratsbeschluss nicht:
Geschlossen waren heute die beiden modernen Garaventa-Bügellifte Elsighorn und Wilderhubel, mit denen Mitte der 1990er-Jahre das Gebiet erweitert wurde. Dafür surrte oben der Küpfer-Tellerlift Hohmatti (Jahrgang 1976), der einige nette Pisten "hingerdüre" erschliesst:
Eines der Lifthighlights des Berner Oberlandes ist aber der fast 1.5 Kilometer lange, schwere Habegger-SLHöchst-Metschalp im zweiten Teil dieses Skigebietes, der eher Adelboden zugewandt ist. Als Spezialität weist die heuer 42 Jahre alte Anlage Kurzbügel auf, die "verkehrtrum" hängen (90 Grad verdreht wie eigentlich sonst Selbstbedienungs-Langbügeln):
Leider hat keiner der Lifte hier oben mehr die quietschenden und röhrenden Habegger-Gehänge aus den Anfangszeiten. Aber dafür haben wir ja z.B. den Skilift Faltschen oder eine Anlage im Selital.
Nebst den altehrwürdigen Liften (mehr Technisches dazu hier von ATV) gabs an diesem wunderbaren Vorsaisontag aber natürlich auch noch ein Schnipo und schönes Abendlicht.
Kurz: Wer dieser Tage dem Büro entfliehen kann, soll es unbedingt tun. Es gibt keine unbeschwerteren Skitage als in der Vor- und Nachsaison, wenn die Angefressenen unter sich weilen. Hier noch das Video des Tages (für einiges reichte leider der Akku nicht mehr):
Die Fotogalerie auf skiliftfotos.ch ist hier zu finden.