Man kann auch getrost davon ausgehen, dass DM nicht ohne Grund die komplette Seilbahnsparte von Thyssen-Krupp aufgekauft hat. DM hätte diesen Kauf nie vollzogen, wenn sich daraus nicht ein Gewinn für das eigene Unternehmen ergeben hätte.
Also bei dem Konglomerat an Firmen die DM zusammengekauft hat, kann es nie und nimmer um die Technik gegangen sein. m.E. ging es dabei v.A. um wirtschaftliche Interessen, nämlich darum, potentielle Konkurrenten vom Markt zu entfernen. Oder was hat es ihnen gebracht, sich Von Roll, Hölzl und Garaventa einzuverleiben? Anständige Pendelbahnen konnten sie spätestens nach der Von Roll-Übernahme bauen, die Fusion mit Garaventa hat aus technischer Sicht überhaupt nichts mehr gebracht.
Interessanter Leserbrief übrigens, Karl Brändle muss doch auch schon recht alt sein, oder?
Dresdner hat geschrieben:Keine Ahnung, wer der Verfasser ist; zumindest schlussfolgert er sehr einseitig.
Wenn man sich das Feld der Großkabinenbahnen anschaut, hat DM sein Know-How nicht primär aus der Schweiz, sondern aus Germany.
Thyssen-Krupp hat alles an den Österreicher verscherbelt einschiesslich des kompletten Bleichert-Pohlig-Heckel-Nachlasses. Kein Wunder, dass DM wie der Teufel auf das Weihwasser reagiert, sobald man auch nur in die Nähe dieser "Geschäfsbeziehung" kommt.
Was die alten Großkabinenbahnen betrifft, sind in D vernünftige Lösungen gefunden; die Österreicher haben eh schon alles vermodernisiert, genau wie die Südtiroler und die Schweiz erhält zum Glück ihre Blumenpflückstandseilbähnlis.
Wenn jetzt ja die älteren Bahnen nicht dieket die EU vorschften einhalten müssen bekommt jetzt Les Diablerets Gondelbahn eine Bessere chanse? Sie hat durchaus potenzial erhalten zu werden. Immerhin können die Sicherheits spinnernicht vorwerfen das man aus der Bahn einfach rausfallen kann wie bei Weissensten. Und die im Dorf mögen die "misteriösen roten Eier" ja auch oder liege ich da ganz falsch??
Ich hoffe das der besitzer kein Ekelpacket wie der SWAG ist.
Ich hoffe immernoch das die Schweiz nicht nur Blumenpflückstandseilbähnlis erhält.
Die Grundlage für den Bau großer PB durch DM wurde schon durch die Zusammenarbeit und spätere Übernahme des südtiroler Traditionsunternehmens Hölzl gelegt. Spätestens seit diesem Zeitpunkt besaß DM auch die entsprechenden Voraussetzungen, derartige Anlagen zu errichten. Siehe dazu auch unter http://www.bergbahnen.org/lexikon/hersteller/hoelzl.php.
Pilatus stimme ich partiell zu, dass es bei den Übernahmen auch um die Ausschaltung etwaiger Konkurrenten gegangen ist. Im Fall TKF dürfte dieser Aspekt jedoch eher marginal sein, da - aus unternehmensstrategischen Erwägungen heraus - das Seilbahngeschäft bei TKF vom Umsatz her nur noch ein Randgeschäft war. Wichtig war für DM schon der ingenieurtechnische Aspekt - sowohl jenen, den Hölzl, die schweizer Übernahmen als auch TKF einbrachten.
Dresdner hat geschrieben:Die Grundlage für den Bau großer PB durch DM wurde schon durch die Zusammenarbeit und spätere Übernahme des südtiroler Traditionsunternehmens Hölzl gelegt. Spätestens seit diesem Zeitpunkt besaß DM auch die entsprechenden Voraussetzungen, derartige Anlagen zu errichten.
Übernahme der von Roll-Seilbahnsparte war 1996, Hölzl wurde erst 2002 übernommen. Das Funifor kommt von da, ansonsten konnte ich abgesehen von ein paar Kleinpendelbahnen im Südtirol nicht finden, was nach Ex-Hölzl-Technik ausschaut.
Allerdings ist der Autonomiestatus von Doppelmayr Italia ziemlich interessant. Während DM ansonsten im europäischen und asiatischen Markt praktisch überall die exakt selben Anlagen aufstellt, scheinen die da immer noch ein eigenes KSB-Programm zu haben?
Dresdner hat geschrieben:Wichtig war für DM schon der ingenieurtechnische Aspekt - sowohl jenen, den Hölzl, die schweizer Übernahmen als auch TKF einbrachten.
Als 1990 das Seilbahngeschäft der ehemaligen PHB bzw. PWH under dem Label O&K wieder aufgebaut werden sollte, gab es in deren Referenzliste 78 Pendelbahnen für Personenverkehr. Davon entstanden 41 Pendelbahnen bereits vor dem zweiten Weltkrieg. Bis 1969 wurden regelmäßig Pendelbahnen gebaut, meist nach dem Baumuster Bleichert-Zuegg.
Die wichtigen Entwicklungsschritte bei den Pendelbahnen aus der Zeit Ende der 60er-Jahre, die vor allem zu größeren Kabinen und höheren Förderleistungen führten, wurden nicht mehr durch die PHB mitgeprägt. Heute sind Errungenschaften wie z. B. treppenloser Zugang, abgestufte Tragseilbremsen, lange seilschonende Stützensättel, Direktabspannung und Führung der Zugseile sowie Festabpannung der Tragseile selbstverständich. Entwicklungen in diese Richtung gab es allenfalls noch bei Zugspitz- und Hausbergbahn in Garmisch-Partenkirchen. Aber auch der Zugspitzbahn sagen Fachleute oft nach, dass sie am Tag der Eröffnung gemessen an der Förderleistung bereits 10 Jahre alt war. Trotz allen ist sie natürlich ein ingenieurtechnisches Meisterwerk!
Die Rofanbahn als letzte Bahn dieses Herstellers war nach Inbetriebnahme ein einziges Sorgenkind und hat den guten Ruf der Traditionsfirma endgültig ruiniert. Auch im Detail betrachtet wüsste ich nicht, was Doppelmayr an Zeichnungen und Konstruktionen der ehemaligen PHB noch verwerten konnte. Es ging auch aus meiner Sicht nur darum, zu verhindern, dass ein Hersteller eventuell wieder auf den Markt drängt. Wenn jemand andere Informationen hat, ich lasse mich gerne eines Besseren belehren...
Dem ist nichts hinzuzufügen. Das man diese Info lieber unter dem Deckel hält liegt mehr daran, dass man sich schämt in sowas investiert zu haben. Von den Beispielen gibts ja in der Seilbahnsparte einige. Beispiel die Seilbahnsparte von ABB oder die Technik von Gfeller. Bsp. GTB30. Usw.
"Seilbahnsparte von ABB "
Bei wem ist das Know-How gelandet eigentlich? Wer hat den Service übernommen sofern dieser abgegeben wurde nach der Einstellung dieser Sparte?
Die Seilbahnsparte von ABB wurde bis Anfang 1990er (1992?) von ABB als sehr kleine Abteilung weitergeschleift, aus BBC-Passion vielleicht oder der Werbewirksamkeit der Anlagen im Hochgebirge wegen. Hinzu kam in die Seilbahnsparte die Tunnelautomation. Untergebracht war die Abteilung zuletzt in der Sparte Process Automation im (damaligen Grundlagen-)Forschungszentrum Dättwil, wo sie nie so richtig reinpasste. Die Tunnelautomation könnte es noch geben vielleicht...
Das Knowhow auf Papier ging nach Stans, die einzig verbliebene Person zur Konkurrenz, welche auch den Unterhalt für die noch bestehenden Anlagen sicherstellt. Für die BBC waren die Seilbahnen eigentlich nur Werbung wie für VR eigentlich auch.
ATV hat geschrieben:Für die BBC waren die Seilbahnen eigentlich nur Werbung wie für VR eigentlich auch.
Deshalb sind ehemalige Mitarbeiter der VR-Seilbahnabteilung gar nicht so unglücklich bezüglich der Übernahme durch DM. Dort sind Seilbahnen Kerngeschäft.
Für die BBC waren die Seilbahnen eigentlich nur Werbung wie für VR eigentlich auch.
An dieser Stelle kann man getrost ergänzen, dass das voll und ganz auch auf TKF zutrifft, hier hat man sogar den Eindruck, dass die Seilbahnsparte zuletzt nur noch ein "lästiger Klotz" war, den man loswerden wollte.
Was die Rofanseilbahn betrifft - ob diese den Ruf von TKF völlig ruiniert hat, kann ich beim besten Willen nicht bestätigen. Ich hatte im Sommer 2012 die Gelegenheit, mich dort ausführlich zu informieren und es wurde bestätigt, dass die Anlage in der Anfangszeit nicht immer stabil lief. Dies lag aber auch daran, dass die Bahn technische Eigenschaften besitzt, welche zumindest für Österreich Neuland waren und da ist es wohl nicht nur bei Seilbahnen normal, dass man nachjustieren muss.
Nochmal ganz allgemein zur Diskussion: das mit den schweizer Blumenpflückstandseilbähnlis habe ich nicht despektierlich gemeint, solche Bahnen wie die http://www.erlebnis-sonnenberg.ch/bahn.htm finde ich einfach nur ästhetisch genial und es ist für die Nachwelt ein großes Glück, dass diese erhalten werden..
Ansonsten geht es auch nicht darum, jemanden zu belehren oder hinsichtlich der "Kategorien besser oder schlechter" Zuegg, Bleichert, Pohlig, Heckel, ME, PHB, Hölzl, Roll, TKF, DM etc. zu vergleichen. Jeder Erfinder und Hersteller hat seinen Platz in der Geschichte und die heutigen Anlagen sind das Produkt der gesamten Entwicklung.
Zuletzt geändert von Dresdner am 18.12.2013 - 10:30, insgesamt 1-mal geändert.
Die deutschen Seilbahnbauer hatten das Pech, mindestens 2 mal zur falschen Zeit im falschen Land ansässig gewesen zu sein. Die Erben danach ruhten sich nur noch auf den Lorbeeren aus. Der Einziger der was aus dem Erbe gemacht hat, war Hölzl. Die letzten Anlagen die PWH unter Thyssenkrupp gebaut hat, haben mit modernen Pendelbahnen aus der Zeit eigendlich nichts mehr gemeinsam (Kiste mit ein paar Rädern*) wenn man das mit anderen Bahnen aus den Anfangs 1990er Jahre vergleicht ist das wie Christoph schon gesagt hat mindestens 20 Jahre veraltet. Die Technik stammt teilweise aus Frankreich. Zur gleichen Zeit wurde beispielsweise die 125er Pendelbahn in Arosa gebaut, die Titlis Rotair Kabine, Die Luftseilbahn zum Gemsstock, usw.
Mit den wirklich Pionierbahnen von Bleichert ist nichts mehr an Doppelmayr über gegangen das man auch nur im Ansatz verwenden konnte. Es ging hier ganz klar darum zu verhindern, dass andere Hersteller in die Bresche springen können um für die noch bestehenden Anlagen von Bleichert (Gibt ja noch einige) zumindest den Ersatzteil und Unterhalt sicherstellen können.
So konnte man Anfänglich den Unterhalt von diversen noch bestehenden Materialseilbahnen sicherstellen, was allerdings in den letzten Jahren nur noch halbherzig, wenn überhaupt, gemacht wurde. Das hat nun wiederum andere Anbieter auf den Plan gerufen.
Beispielsweise liefert der Schweizer Seilbahnbauer Bartholet nun Bleichert Zweiseilumlaufbahn Laufwerke mit CE-Stempel als Replika für diverse Materialumlaufbahnen (Frick). Ebenfalls hat BMF die einzige noch bestehende Bleichert Personenluftseilbahn in der Schweiz (ZH1) generalrenoviert. Die Firma Zurbrügg ersetzte die Antriebsgruppe in Frick der Oldtimer BJ1935 ist nun wieder für 30 Jahre gerüstet.
Diese Aufträge hat man nur bekommen weil man im Gegensatz zum Marktführer nicht nur einen Neubau Angeboten hat.
Die letzten Anlagen die PWH unter Thyssenkrupp gebaut hat, haben mit modernen Pendelbahnen aus der Zeit eigendlich nichts mehr gemeinsam (Kiste mit ein paar Rädern*) wenn man das mit anderen Bahnen aus den Anfangs 1990er Jahre vergleicht ist das wie Christoph schon gesagt hat mindestens 20 Jahre veraltet.
Also die Rofanseilbahn als letzte große TKF-Anlage als "Kiste mit Rädern" zu bezeichnen ist wohl doch sehr vermessen, egal, wer diese Worte geprägt hat. Sowohl Stationen als auch FBM sind vom ästhetischen Gesichtspunkt her sehr gelungen; die Gesamtanlage fügt sich perfekt in die Landschaft ein. Zudem lässt sich nicht leugen, dass diese Anlage technische Eigenschaften aufweist, die für Österreich zum Zeitpunkt der Errichtung der Anlage Unikate waren. Wenn diese in der Schweiz etc. schon seit Jahrzehnten die Regel waren, kann man dies doch nicht für den Rest des Universums verallgemeinern.
Mit den wirklich Pionierbahnen von Bleichert ist nichts mehr an Doppelmayr über gegangen das man auch nur im Ansatz verwenden konnte.
Wenn damit aktuelle Patente gemeint sind, ist dies schon auf Grund der zeitlichen Dimension eine Selbstverständlichkeit. Trotzdem fußen alle heutigen Seilbahnanlagen auf den Erkenntnissen der Seilbahnpioniere, aus welchem Land diese auch immer kamen. Diese Seilbahnpioniere erarbeiteten die grundlegenden Erkenntnisse, auf die sich alle weiteren Entwicklungen gründen.
Zur Bemerkung, die Nichterwähnung der Übernahme der Seilbahnsparte der TKF durch DM betreffend sei dadurch begründet
dass man sich schämt in sowas investiert zu haben
halte ich diese doch für sehr arrogant und ohne das Wissen um die konkreten Modalitäten und Inhalte sowohl gegenüber TKF als auch DM unangemessen. Mir ist bekannt, dass hier im Forum Mitarbeiter der ehemaligen TKF-Seilbahnsparte mitlesen, die ihre guten Gründe haben dürften, sich nicht zu äußern. Zudem halte ich persönlich DM für so kompetent, dass geplante Firmenübernahmen sorgfältig geprüft und nur bei positiver betriebswirtschaftlicher Prognose vollzogen werden. Als Außenstehender und im Nachhinein ist es immer leicht zu kritisieren - man sollte die konkrete Bewertung jedoch jenen Leuten überlassen, die die Inhalte kennen.