Das Skigebiet Pizol hat eine durchaus ungewöhnliche Struktur. Ganz unten im Rheintal starten in Wangs und Bad Ragaz je zwei lange Liftketten, welche oben auf dem Mugger Chamm beinahe zusammenkommen. Erst im Jahre 2000 hatten es die beiden Seiten geschafft, einen Verbindungslift zu bauen. 2007 respektive 2009 konnten mit Hängen und Würgen die beiden veralteten Zubringer durch zwei neue Gondelbahnen ersetzt werden. Nun suchte ich dieses Skigebiet auf, um nach etlichen grauen Tagen wieder mal richtig an die Sonne zu kommen. Dabei war die Seite von Bad Ragaz für mich gänzlich Neuland.
Pistenplan Skigebiet Pizol
Vom IR-Bahnhof Bad Ragaz aus kommt man per Bus zur neuen Talstation Matells, die nicht im Dorf sondern im Niemandsland gebaut wurde. Während der dreieinhalb Kilometer langen Bergfahrt nach Pardiel liessen sich einige Gämse beobachten. Da es an der Gondelbahn selber keine Pisten gibt, muss man zwangsläufig in Matells ins Skigebiet einsteigen, will man denn alle grösseren Bahnen benützt haben. Oben gibt es mit der Sesselbahn Laufböden vor allem eine Beschäftigungsanlage.
Talstation Matells
Bergstation Laufböden
die 4er Sesselbahn mit der Starttraverse
Panorama über das Rheintal
sonnige Aussicht ins Bündnerland
In schrägem Verlauf erschliesst die Laufböden-Bahn diverse Pisten an diesem breiten Hang, mit ihren 600 Höhenmetern ergeben sich durchwegs längere Abfahrten. Leider führt das stark nach rechts abfallende Trassee dazu, dass alle Pisten entweder am Anfang oder am Schluss Ziehwege und Traversen beinhalten. Nach den trüben Tagen im Wallis freute ich mich vor allem über die strahlende Sonne und die schöne Aussicht. Dass es ziemlich windete, war keine Überraschung, denn mit seiner Lage am St. Galler Rheintal ist das Skigebiet stets dem Föhn ausgesetzt.
Bergfahrt mit der Sesselbahn, darunter die Piste Zanuz
2.5 km lang ist diese Sesselbahn
Station Pardiel auf 1600 m.ü.M.
Panorama auf der blauen Piste
ein Blick zurück
Ich wählte die schwarze Piste Arvenegg, um hinunter zum Schwammlift zu kommen. Neben der Sesselbahn ist er die zweite Beschäftigungsanlage der Hälfte von Bad Ragaz, daneben gäbe es noch den kurzen Übungslift Prodboden an der Station Pardiel. Er befindet sich unterhalb der Station Pardiel, auf beiden Seiten des eher steilen Skilifts gibt es nette und leere Waldpisten. Leider hatte der Lift grössere technische Probleme, so dass er immer wieder minutenlang still stand.
tief verschneite Wälder unten am Schwamm-Lift
Skilift Schwamm
Piste Schwamm mit viel Platz
die Gondelbahn, gebaut 2007
hier ein menschenleerer Steilhang
Schnell bildeten sich lange Schlangen und Wartezeiten im zweistelligen Minutenbereich. Logisch, da es ja nur zwei richtige Lifte hat. Aber es gibt ja genügend Pisten, so verteilten sich die Leute gut. Bis auf die notwendigen Traversen waren alle Pisten schön und abwechslungsreich trassiert, inklusive einiger Steilhänge. Wegen dem sehr breiten, offenen Hang sieht alles ruhiger und flacher aus, als es wirklich ist. Woran ich mich aber nicht so recht gewöhnen konnte war die ständige Schräglage.
oben durch war es ziemlich windig
wieder auf der 4KSB, gebaut 1999
auf dem Weg zur anderen Hälfte
Verbindungslift Pizol
Wegen der Wartezeiten konnte ich nicht so viel fahren, wie ich mir das vorgestellt hatte. Einige Pisten leider nur einmal. Um halb eins entschied ich mich trotzdem, die Seite zu wechseln, und begab mich zum Verbindungsskilift in Richtung Pizolhütte. Diese Wangser Hälfte ist allgemin viel enger als ihr Nachbar, ist sie doch vorwiegend an einem Kamm entlang angelegt. Die Liftkette von Wangs bis hinauf zur Pizolhütte besteht aus einer Gondelbahn in zwei Sektionen, plus zwei eher kürzere Sesselbahnen, ergänzend erschliesst der SAC-Skilift die obersten 200 Höhenmeter. Wenn man über den Verbindungslift auf diese Seite kommt, hat dies den ungewöhnlichen Effekt, dass man das Skigebiet für einmal von oben herab und nicht von unten herauf erkunden kann.
Startstück der 4KSB Pizolhütte
die untere 4KSB mit Panorama
nochmals die 4KSB Gaffia, beide Sesselbahnen wurden 1991 gebaut
schöne Hänge an der oberen Sesselbahn
Wie schon am Morgen am Pardiel traf ich auch hier super Schneebedingungen an. Die obere der beiden Sesselbahnen ist mit ihren coupierten Pisten besser geeignet für Wiederholungsfahrten, denn an der unteren Sesselbahn gibt es eigentlich nur eine Piste, die teilweise recht eng ist. Allgemein ist es hier nicht allzu spektakulär. Das schöne ist aber, dass man bei jeder Abfahrt neu entscheiden kann, wie weit runter man fahren möchte, ähnlich wie beispielsweise auf der Lauchernalp. Das Plus von Wangs-Pizol sind sicher die grossen Höhenunterschiede.
Aussenrum-Piste Täli
auf der oberen Sesselbahn
erneut die untere Sesselbahn, mit dem prägnanten Berghotel Gaffia
coupierte Pisten am SAC-Skilift
auf der roten Piste Dreieck in Richtung Maienberg
Ein Besuch am Pizol lohnt sich vor allem dann, wenn es vor kurzer Zeit geschneit hat, es nicht zu mild ist und kein Föhn herrscht. Dann besteht die Möglichkeit, von der Pizolhütte auf über 2200 m.ü.M. bis ganz hinunter ins Rheintal zu fahren, wo Wangs gerade mal noch auf 500 m.ü.M. liegt. Der Abschnitt von Furt nach Maienberg beinhaltet knackige Steilhänge, leider war ich hier nicht der einzige. Ganz unten geht die Piste dann quer über Wiesen und Strassen, an Höfen vorbei. Natürlich gabs auf dieser Höhe braune Flecken und apere Stellen, aber abschnallen musste ich nur wenige zwei, drei Mal.
typische Tiefblicke aus dem Skigebiet
Mittelstation Maienberg
Talabfahrt nach Wangs
auf dem Weg ins Sarganserland
auch auf 500 m.ü.M. noch genügend Schnee
Da es zwischen Furt und Maienberg stets viele Leute hatte und auch noch eine Piste für Rennfahrer abgesperrt war, blieb ich am späten Nachmittag meistens an der oberen Sesselbahn und am SAC-Skilift. An letzterem liess sich der Tag gemütlich an der Abendsonne ausklingen, bevor ich mich nochmals auf die halbstündige Fahrt ins Rheintal machte. Diesmal versuchte ich mich nach Maienberg auf der Abfahrtsroute, die ich leider nicht immer fand. Naja, ein wenig Improvisieren zum Schluss war trotzdem ganz lustig.
Blick von der Station Furt auf das Skigebiet
Gondelbahn mit Tiefblick - auch dieser Zubringer hat 3km Länge
kurz vor vier Uhr auf dem SAC-Lift
Streckenübersicht...
... und die letzten Minuten Sonne für heute
Abfahrtsroute Maienberg-Wangs
Endlich wieder ein Skitag an der Sonne, allein das war die Reise wert. Die beiden Teile des Skigebiets ergänzen sich ganz gut. Ansonsten muss natürlich schon angemerkt werden, dass die Wangser Seite nicht über wirklich viele Pisten verfügt, und man den Tiefblick ins Rheintal auch irgendwann "gesehen hat". Wie schon angemerkt finde ich auf der Wangser Seite die grossen Höhendifferenzen spannend, und das dürfte den Pizol schliesslich auch von vielen anderen Voralpen-Gebieten unterscheiden.