Irgendwie ist es für Davoser wie mir paradox, zum Skifahren ihr Stammgebiet zu verlassen und über 2 Stunden fort zu fahren. Aber für Cardada hat sich die Reise auf alle Fälle gelohnt!
Wie kam es aber so weit? Wir waren schon zwei Mal im Sommer auf Cardada und ich war damals schon fasziniert von diesem Berg. In wenigen Minuten kann man hier vom schönen Locarno mit dem Lago Maggiore und den Palmen eine alpine Landschaft mit einer irrsinnigen Aussicht erreichen. Natürlich schaute ich mir im Sommer auch die Skilifte an und fragte mich, ob es dort in diesem Gehölze tatsächlich möglich ist, Ski zu fahren.
Letzten Sommer vernahmen wir während unseren Tessin-Ferien, dass der Skibetrieb auf Cardada gefährdet sei. Falls die Pisten diesen Winter tatsächlich geschlossen worden wären, hätte ich mich geohrfeigt. Zum Glück aber hat es doch noch geklappt und die Skilifte wurden geöffnet. Bei den derzeitigen Schneeverhältnissen war es für mich dann sonnenklar, dass man diese Chance packen muss und dem Tessiner Aussichtsberg einen Besuch abstatten muss.
So nahmen mein Vater und ich die Reise über den San Bernadino in die Sonnenstube der Schweiz um ca. 8:30 in Angriff. In Locarno angekommen, vertraten wir uns noch schnell am See die Füsse und nahmen früh unser Mitagessen im ein. Dann ging es mit einer Halbtageskarte um 12:15 mit der Mario Botta-Bahn hoch.
Anlagen:
Offen:
40-PB Orselina-Cardada
2-SSBK- Cardada Cimetta
2-SL Cimetta
2-SL Vegnasca
Geschlossen:
Ponylift
Pisten:
Alle offen.
1 Cimetta (blau)
2 Vegnasca (blau)
3 Vegnasca (Rot)
4 Cardada (Rot)
Wetter:
Genial, kaum Wolken. Auf Cimetta auch eher kühl
Pistenzustand:
Die Piste unter der Sesselbahn war ziemlich schnell weich und sulzig, aber das ist ja nicht so schlimm. Die blaue Vegnasca-Piste war sehr gut zum fahren. Die rote Vegnasca-Piste war wegen ihrer Lage noch lange Zeit hart und nicht so groffi, aber später dann tip top zum fahren. Die Schneehöhe ist dort auch schön, bis Cardada gab es keinen einzigen Stein oder sonst ein Problem!
Andrang:
Viele Leute waren nicht gerade unterwegs. Manchmal musste man 1-2 Bügel anstehen, mehr nicht. Die talfahrende Kabine um 16:00 war dann aber doch sehr voll...
Wie schon geahnt sind die Parkplätze dort sehr rar und man muss entweder früh kommen, kleine Wegstrecken in Kauf nehmen oder in Locarno parkieren und das Funi benutzen.
Pistenplan:
Den Skilift Cimetta braucht es eigentlich gar nicht, denn die einzige Piste, die er erschliesst, wird auch vom Skilift Vergnasca erschlossen. Aber trotzdem ist er nützlich
Das Wetter während der Autofahrt liess schon Vorfreude aufkommen.
Am Lago Maggiore. Im Sommer wimmelt es hier nur so von Leuten und der See ist mit Böötchen übersäht. In den Wintermonaten wirkt hier alles etwas verschlafen.
Aussicht von Orselina aus.
Von der Pendelbahn habe ich keine Fotos, aber da findet man sonst genug davon im Internt. Von der Bergstation dieser Bahn muss man zur Talstation der Sesselbahn ca. 400 Meter zu Fuss laufen. Auf dem Rückweg kann man aber ein Stück mit den Skiern befahren.
Bei der Bergfahrt mit der Sesselbahn tut sich ein wunderbarer Blick über das Maggio-Delta und den angrenzenden See auf.
Die Sesselbahn ist grösstenteils ein Neubau von Doppelmayr aus dem Jahre 1999. Auch wenn die Anlage nur eine Förderleistung von 300 Pers/h hat, reicht das völlig aus, obwohl sie auch als Beschäftigungsanlge verwendet wird.
Skilift Vegnasca. Das Trassee ist ziemlich schmal präpariert, aber dem geübten Bügellift-Fahrer macht das nichts aus. Auch die Kurzbügel konnten uns nichts anhaben
Skilift Vegnasca von Garaventa. Baujahr 1961! Im Winter 2008 zerstörte eine Lawine Teile des Lifts. Darauf wurde er originalgetreu wieder aufgebaut
Die Bergstation mit Antrieb auf Cimetta.
Die Bergstation des kürzeren Skilift "Cimetta" mit Aussicht nach Nord-Westen
Aussicht von Cimetta nach Süden
Aussicht von Cimetta nach Osten
Die letzte Stütze des Skiliftes "Cimetta" (verzeiht mir den Finger im Bild). Der Lift ist ebenfalls von Garaventa aus dem 66.
Die blaue Piste Vegnasca. Zeitweise sehr flach, aber im unteren Teil sehr schön. Zuunterst führt die Piste über einen Ziehweg zum Skilift Vegnasca.
Unterhalb vom Cimetta auf der roten Hintenrum-Piste.
Präparieren können die da schon nicht so gut wie die Davoser...
Für mich fast die schönste Abfahrt: Die rote Piste nach Cardada. Hier im oberen Teil eine schöner Hang, unten ein rasanter Ziehweg. Da kommt man auch am Platz vorbei, auf dem wahrscheinlich die Talstation des ehemaligen Skilifts "Pian di Üsei" gestanden haben muss.
So weit die Berichterstattung. Wer sich für die Vergangenheit des Skibetriebs am Cimetta interessiert, dem ist folgendes empohlen:
-Prospekt über die alte PB nach Cardada: http://www.seilbahnbilder.ch/foren/berg ... ardada.pdf
- Die italienisch und französische Seite: " Gli sci-lift abbandonati di Cardata" http://binarimorti.altervista.org/cardada/index.htm
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