Wie vor jedem Ausflug gab ich am Vorabend das Ziel in den Routenplaner von Michelin ein. Ponte Tresa nach Zuoz 3h Route via San Bernardino und Julier. Öhhhhhm und was ist mit Chiavenna? Diese Route gab mir der Routenplaner mit über 4h an. Das kann doch nicht sein. SBB Fahrplan angeschaut da gibt es einen Bus von Lugano nach St. Moritz, der hat etwas mehr als 3h besitzt aber 20min Pause in Chiavenna und haltet auch sonst an jeder Hundsverlocheden. Wo verlier ich da so viel Zeit? Durch Lugano berechnet er 45min! Aber nicht morgens um 6 Uhr. Danach geht’s mit 50 oder 30er Tempolimiten durch Italien und am Comersee entlang. Da sollte doch noch was rauszuholen sein.
Um 6 Uhr gings los. Ohne Probleme durch Lugano und über die Grenze. Vorbei an einer kilometerlangen Autokolonne die in die andere Richtung in die Schweiz zur Arbeit wollte.
Flotterweise hatte ich einen Italiener vor mir, welcher die Tempolimiten eher als Richtwert auslegte und an den man sich halten in genügendem Vorwarnungsabstand halten konnte. Ab Menaggio ging es durch einen längeren Tunnel welcher mit Tempo 70 belegt ist. Ich fuhr 90 und wurde dennoch über doppelte Sicherheitslinien überholt. Nach etwas mehr als einer Stunde war schon Chiavenna erreicht. Nochmals eine halbe Stunde später der Malojapass nach ca 2,5h erreichte ich Zuoz eine halbe Stunde bevor die Lifte öffneten. Von Wegen 4h 26min. Das hat man wenn man zur Stosszeit durch den Verkehrskollaps in Lugano fährt.
Das Wetter war vielversprechend, die Schneelage sehr gut. Alle Anlagen in Betrieb.
Das Skigebiet an sich bietet für einen halben Tag genug Abwechslung. Es besteht aus einer 3KSB einer 4SB und 3 Skiliften. Wobei der Grund für den Besuch einzig und alleine der Skilift Albanas war. Den Rest des Skigebietes ist Mittelmass, Standartkost wie man so schön sagt. Eine typisch österreichische kindersichere 4SB oberlahm und scheiss unbequem ohne Fussrasten. Das man sowas überhaupt bauen darf? Die 3KSB bietet für Speedfahrer 2 landschaftlich schöne aber spätestens nach dem dritten Mal langweilige Pisten. Allgemein ist die Ausrichtung der Hänge überall gleich.
Am interessantesten ist sicher der Skilift Albanas. Leider auch die letzte Saison dann wird er durch eine 4KSB ersetzt. Damit rutscht Zuoz leider auch ins allgemeine Engadiner Mittelmass ab.
Am Nachmittag gings noch nach Maloja und Casaccia. Siehe dazu die Standallone Berichte:
Maloja: http://www.alpinforum.com/forum/viewtop ... 53&t=50696
Casaccia: http://www.alpinforum.com/forum/viewtop ... 53&t=50698
Rückreise wiederum über Chiavenna mit Stau diesmal in die andere Richtung aus der Stadt Lugano hinaus.
Zu den Anlagen:
TSL Cresta
Der Skilift Cresta ist ein ca 250m lange Tellerlift der Firma WSO, der Trainerlift erfüllte bis zum Bau des Skilift Survih auch die Verbindungsfunktion zum Skilift Pizzet. Das Trasse über 85 Höhenmeter besitzt 4 Stützen. Der Antrieb befindet sich im Tal. Heute dient der Lift vor allem als Anfängerlift. Mit dem Bau der neuen 4KSB ist er akut Abbruchgefährdet.
BSL Survih
Der Neuste Schlepplift in Zuoz wartet mit einer Besonderheit auf, eine Zwirbelkurve. Dabei wird das rücklaufende Seil zwei mal abgelenkt. Die Anlage stammt aus dem Jahre 1984. Gebaut hat sie WSO. Der 640m lange Lift besitzt vor allem eine Zubringerfunktion zum Skigebietsteil Pizzet. Daneben erschliesst er auch zwei flache Anfängerpisten. Aufgrund der Lawinenzone ist die Bergstation in einem Betonbunker untergebracht.
4SB Chastlatsch
2006 als Neuerschliessung gebaut dient die Anlage als Zubringer vom Tagesparkplatz ins Skigebiet. Die 4SB von Garaventa besitzt als eine von 3 Anlagen in der Schweiz eine Doppelmayr Steuerung. Während der Antrieb in der Bergstation und die Talstation noch aus Beständen von Garaventa stammen, sind die Stützen und Sessel von Doppelmayr. Als Spezialität besitzt die Bahn verriegelte Schliessbügel ohne Fussrasten. Die Piste zum Lift ist sehr flach. Die Anlage selber extrem langsam.
3KSB Pizzet
Ebenfalls 2006 gebaut besitzt diese Anlage ein Vorgängerleben. Von 1984 bis 2001 lief der Lift als 3KSB Corviglia in Celerina. Danach lag die Anlage mehrere Jahre brach in einer Kiesgrube bei S-chanf bevor sie in Zuoz ein neues Leben bekamm. Die Mechanik stammt von Von Roll musste allerdings an die neue Doppelmayr Steuerung angepasst werden. Ebenfalls neu ist die Bodenverkabelung der Stützen (Typisch Österreich Grabenfräsen) und die Podeste von Doppelmayr.
Die Anlage mit durchwegs praktisch der gleichen Steigung überwindet 600 Höhenmeter auf 1600m Strecke. Die Pisten dazu laden zum blochen ein.
BSL Albanas
Leider die letzte Saison. Der Skilift Albanas. Gebaut von Karl Brändle lauf Firmenschild in der Talstation 1953. Davon sind aber wahrscheinlich nur noch die Stützen übrig. Alle Rollenbatterien sowie die zwei letzten Stützen und die Umlenkstation stammen von WSO. Das Antriebsrad von Habegger. Ebenfalls steht auf der Firmentafel eine HD von 603m was allerdings nicht ganz stimmen dürfte. Dennoch zeiht der Lift mit seinen 1600m Streckenlänge doch Ordentlich hinauf. Typisch für Brändle auch hier die langen Spannfelder. Der Lift besitzt nur 13 Stützen auf 1,6km wobei 2 davon als Doppelstützen ausgeführt sind. Normalerweise Faustregel pro 80m eine Stütze. Der Seilscheibenausstieg im Berg wurde leider kastriert zum Kurzausstieg. Jedenfalls ein toller Oldtimer der nun leider auch schon Geschichte ist. Damit rutscht Zuoz auch ins übliche Engadiner Mittelmass. Leider hat schon jemand alle Firmenschilder geklaut. Zum Glück hatte ich sie 2006 schon abgelichtet.
Album: http://www.stahlseil.ch/gallery/main.ph ... mId=402853
Pistenplan und Webseite: https://www.engadin.stmoritz.ch/winter/ ... en/pizzet/
Im Gedenken an unseren verstorbenen Seilbahnfreund Karl Brändle 1920- 18 Feb. 2014