Im Januar verbrachte ich bereits eine Woche in Zinal, und schneller als erwartet war ich wieder zurück. Diesmal einfach Samstag und Sonntag. Beim letzten Besuch war die neue Verbindungsbahn noch nicht in Betrieb. Völlig klar, dass darum dieses Wochenende im Zeichen dieser neuen Bahn stand. Schnee war noch mehr als genug vorhanden, gesperrt waren bloss Piste de l'Aigle, Route d'Abondance, La Bonvin und die Route nach St.Jean. Dementsprechend fuhr ich vor allem auf jenen Pisten, die im Januar noch geschlossen waren. Und so soll dieser Bericht eine Ergänzung zu jenem aus dem Januar sein...
http://alpinforum.com/forum/viewtopic.php?f=53&t=49927
Wettermässig war alles da: Sonne, Nebel, Regen, Schneefall und Sturm. Temperaturen zwischen +15° und -5°. Leute hatte es - etwas überraschend - recht viele, vor allem am Sonntag. Darum 25 Minuten warten an der Talstation in Zinal. Aber hey, hier hat man sich daran gewöhnt und geht völllig entspannt damit um. Danach gings los auf eine Reise quer durchs neue, doppelt so grosse Skigebiet.
Standardblick vom Sorebois aufs Skigebiet
auf der Sesselbahn Chiesso
wie immer: super Pistenzustand
Wolkenstimmung
Garde de Bordon mit den Pisten am Combe Durand.. und das war das nächste Ziel
Starthang am Combe Durand, einwandfrei präpariert
Piste Barthélémy. Dank Nordhanglage hier super Schnee. So war diese Piste noch beliebter als jeweils in der Hochsaison.
Geländekammer Combe Durand, mit drei unterschiedlichen, tollen Pistenvarianten.
Barthélémy, ein Steilhang par excellence. Ist die Lieblingspiste vieler regelmässiger Zinal-Besucher.
Klar, landschaftlich kann das Kerngebiet von Zinal nicht mithalten mit Grimentz und St. Luc. Das grosse Plus ist aber die Vielzahl von sportlich-anspruchsvollen Abfahrten, sei es am Combe Durand, an der Corne oder am Tsarmettaz, dessen rote Piste mir je länger je besser gefällt. So wird es hier nie langweilig, während man z.B. in Grimentz nach 3 Tagen das Skigebiet "gesehen hat".
Kommen wir nun aber zum neuen Herzstück des Skigebiets, der neuen Luftseilbahn. 1100 m Höhendifferenz, 3.5 km lang, 7 min Fahrzeit, 825 p/h sind die Kennzahlen. Die Bahn habe ich bereits im Januar im News-Topic dokumentiert:
http://alpinforum.com/forum/viewtopic.p ... 5#p4959007
Nachdem sie schon ein paar Wochen in Betrieb war, wurde sie während des Wochenendes offiziell eingeweiht und gesegnet. Ausser bei starkem Andrang ist Betrieb im 15-Minuten-Takt. Sie ist nun eine der grössten Seilbahnen der Schweiz, und wird auch entsprechend mit Musik etc. inszeniert. Eine Fahrt mit ihr ist ein spektakuläres Erlebnis: zunächst wird man minutenlang steil hinaufgezogen, immer weiter, immer weiter hoch, bis man aufs Skigebiet von Grimentz runter sehen kann, gleichzeitig Tiefblick auf Grimentz. Anschleissend schwebt man in luftiger Höhe über zwei Geländekammern hinweg bis zur Bergstation.
Bergstation
eine riesige Bahn
Talstation in Grimentz
Tiefblick auf Grimentz
Blick auf Piste Chamois nach unten
und nach oben
Bergstation
Ich freute mich auch speziell darauf, wieder mal die Piste de Chamois fahren zu können. Eine sehr lange Abfahrt in eigener Geländekammer. Normalerweise ist sie Ende Januar / Anfangs Februar noch geschlossen, darum ist dies für mich eine eher rare Gelegenheit. Nach der luftigen Einfahrt per ausgesetztem Ziehweg ist es vor allem ein langer, langer Steilhang. Dann einige Übergänge, die Einfahrt in den Wald, bis auf 2020 m.ü.M. Anschliessend ein langer Ziehweg, bis man auf dem Parkplatz von Grimentz ankommt. Trotz der neuen Seilbahn immer noch ein imposantes Erlebnis. Der Ziehweg war allerdings stellenweise kaum mehr fahrbar wegen mangelndem Schnee. 3 mal fuhr ich sie, kurz nachdem ich sonntags runter war, wurde sie wegen Lawinengefahr und Schneemangel endgültig gesperrt für den Rest des Winters.
Natürlich verbrachte ich auch einige Stunden im Skigebiet von Grimentz. An beiden Tagen fuhr ich je einmal die Pisten Tsa, Couloirs und Lona. Die beiden letzteren waren im Janur auch noch nicht geöffnet. Da alles längere Abfahrten sind, ging die Zeit wie im Flug vorbei. Hier in Grimentz war das Wetter jeweils deutlich schlechter als drüben in Zinal.
in der Geländekammer Lona
Skilift Lona 2, musste hier aus einem Schneebrett ausgegraben werden.
schwarze Piste Couloirs. Von zuoberst bis nach Bendolla doch ordentlich lang, wenn auch nicht speziell anspruchsvoll. Hier wars immer düster, darum nur ein Bild.
Dann die Piste Lona: Fast 1300 Höhenmeter in der Lona-Geländekammer. Geht als "Hintenrum-Abfahrt" immer weiter weg vom Skigebiet; zwei, drei Steilhänge, welche die schwarze Markierung mehr als rechtfertigen, bevor dann schliesslich der abschliessende Ziehweg in die Talabfahrt von Grimentz einmündet, welche hier unten sehr sulzig war.
Nochmals zurück ins Gebiet von Zinal. Am Sonntag Nachmittag wars hier wieder schön, und es zeigten sich auch die Viertausender im Talschluss. Das gehört halt auch zum Val d'Anniviers.
Bishorn, Weisshorn, Schallihorn und Zinalrothorn
Standardpanorama
schwarze Gipfelpiste "Corne". Hier mag ich auch das flache Startstücke, weil sich nach und nach der Blick öffnet auf die Gipfel der Walliser Westalpen, bis man schliesslich (bei schönem Wetter) freie Sicht hat vom Weisshorn über Dent Blanche und Grand Combin bis zum Mont Blanc. Übrigens: leicht angefirnt war der anschliessende Steilhang super zu fahren.
Lac de Moiry, kaum mehr Wasser drin.
und noch ein Bild aus Zinal mit dem allgegenwärtigen Besso
Abschliessend ein paar persönliche Einschätzungen zur neuen Bahn:
- Auch dank der dezenten Bergstation passt die neue Bahn halbwegs vernünftig in die Lanschaft.
- Zweifellos eine spektakuläre Anlage, die für viele Leute eine Attraktion darstellt. Es waren auch viele Fussgänger unterwegs: Bergfahrt, anschliessender Spaziergang zum Restaurant Marmotte, Bergfahrt mit Pistenfahrzeug und anschliessende Talfahrt per Bahn scheint eine attraktive Sonntags-Combo zu sein.
- Auch wenn sie steil berghoch führt, muss man sich das als Verbindungsbahn vorstellen: Viele Leute, die von Zinal nach Grimentz wechseln, benützen die Luftseilbahn tatsächlichlich auch für die Talfahrt, weil dies schneller geht als auf der Piste.
- Dadurch wird die Piste de Chamois nicht ganz so häufig befahren, wie ich das befürchtet hatte. Dennoch ist sie nicht massentauglich, und der Schnee war vielenorts knapp. So wie ich das während des Winters beobachtet hatte, wird die Piste immer 2 bis 3 Tage geöffnet, und dann wieder geschlossen, um sie zu schonen. Wird interessant zu sehen sein, wie man zukünftig versucht, dieses Problem zu lösen.
- Wiederholungsfahrten auf der Chamois werden zwar möglich, sind aber nicht die Regel. Die Verbindungsbahn bewirkt viel mehr, dass man nun frei und spontan wechseln kann zwischen den beiden Sektoren. Man hat jetzt wirklich das Gefühl, in einem einzigen, grossen Gebiet zu sein. Am Samstag wählte ich die Chamois dann auch als Talabfahrt, um anschliessend per Skibus zurück nach Zinal zu kommen.
- Wie zu erwarten war, fahren nun die meisten Tagesgäste nach Grimentz. Darum wurde der Parkplatz im Talschluss kräftig ausgebaut, sah aber noch etwas provisorisch aus.
- Wie ich auch erwartet hatte, sind nun verhältnismässig mehr Leute im Teilvon Zinal und verhältnismässig weniger im Teil von Grimentz untwerwegs. So gab es an den Sesselbahnen Chiesso und Corne meistens Wartezeiten. Hier muss man die Anstehbereiche evtl. anpassen, da sie doch sehr abfallend sind, was unangenehm ist. Spürbar war natürlich, wenn oben eine neue Kabine ankommt, und 100, 150 Leute aufs Mal losfahren.
- negative Punkte: es stehen jetzt recht viele Liftstationen nebeneinander in Zinal. Und entweder rentiert die neue Bahn nicht, oder es wird voller im Skigebiet.
Bis zum nächsten Mal!