Wie es scheint, hat das Paket umfangreicher Gesetzesvorlagen mit dem etwas pathetisch wirkenden Namen "Sblocca Italia" ("Entblockiere Italien") mitsamt der in letzter Sekunde reingewerkelten Abschaffung der "Fine di vita tecnica" von Seilbahnen das Parlament passiert.
Das neue Gesetz dürfte die Seilbahnlandschaft in Italien grundlegend und diesmal zum positiven hin beeinflussen.
Bislang mussten seit 1985 Skilifte nach 30 Jahrem, Sessellifte und Gondelbahnen nach 40 Jahren und Seilbahnen nach 60 Jahren de facto abgerissen und neu gebaut werden. Ausnahmen hierzu konnten Regionen mit Autonomen Statut (Bozen/Trient, Aosta, Sardinien, Sizilien, Friuli-Venezia Giulia ) zwar erwirken, was aber in der Praxis nur Bozen tat (zb. Leiteralm).
Durch die bisherige faktische Lebensdauerbegrenzung sind nicht nur sehr viele auch historisch interessante Anlagen verschwunden (welche zB. in der Schweiz wohl gut gepflegt noch heute fahren würden), sondern es sind ebenso unzählige kleinere und mittlere Skigebiete geschlossen worden da die Eigentümer (meist Gemeinden) den Luxus einer kontinuierlichen KSB'sierung nicht stemmen können.
Seilbahnen können ab jetzt nicht beliebig alt werden, es gelten nach wie vor die periodischen kleinen und grossen Prüf- und Revisionsvorschriften. Neu ist lediglich, dass (wie in afaik in allen EU Ländern) das Alter per se kein faktischer Stillegungsgrund mehr ist. DIe Entscheidungskompetenz und Verantwortung der Überwachungsbehörden nimmt damit zu.
Mal sehen was nun kommt, wie es scheint sind zwar die übergeordneten Gesetze im Parlament angenommen. Was aber noch Überraschungen mit sich bringen könnte sind die einzelnen Durchführungsbestimmungen....
Eine Wurstelei ist es aber auch diesmal geworden, denn offenbar soll das Dekret nur für Anlagen gelten, die noch nicht abgelaufen sind + max. 2 Jahre. Das ist bei einigen Kandidaten aber bereits der Fall, zB.Korblift in Oropa (Neue Elektrik 2014!) oder auch die ESL+Korbliftkette Prada Costabella
http://www.lastampa.it/2014/10/23/edizi ... agina.html
Für die den ESL in Lagdei betreibende Gemeinde scheint das neue Gesetz hingegen in letzter Sekunde die Rettung des LIftes zu bedeuten. Einer der letzten Leitner ESL, welcher sonst mangels Geld und üblichen Expansionsmöglichkeiten gewiss nicht ersetzt werden würde:
http://www.parmadaily.it/Notizia/77379/ ... itive.aspx
Vieles in Italien ausserhalb der grossen Skigebiete ist bereits verlorengegangen, aber wenn das Gesetz umgesetzt wird, ermöglicht dies den Fortbestand unzahlreicher weiterer Anlagen, die ansonsten verschwinden würden. Zb. die Seilbahn Monte Faito südlich von Neapel....
Nicht im Seilbahnbereich:
Auch, so scheint es, wurde der in Italien allgegenwärtigen (weil privatisierten) Sicherheitsmanie ein kleiner Dämpfer verpasst, indem in Sicherheitsfragen bzgl. öffentliche Bauten bei Vorhandensein von Europäschen Normen diese nicht beliebig übertroffen werden dürfen, was in Italien als "overdesign" gehandelt wird. Beispiel hierzu sind die in meinen Augen grässlichen kilometerlangen überhohen Leitplanken in doppelter und dreifacher Ausführung die an und für sich schöne Landstrassen massiv verunstalten.
Hurra sag ich mal über mein Heimatland!