Ein Grund dafür ist die Distanz, da es sich von Sils aus doch etwas zieht, und man mit Corvatsch-Furtschellas ja schon ein tolles Gebiet direkt vor der Tür hat, und man auch mit Corviglia-Marguns ein viel größeres Gebiet schnell erreichen kann.
Das bringt mich dann auch gleich zum zweiten Punkt, der dazu führt, dass ich mich manchmal beschwere um Diavolezza aufzusuchen: mit nur zwei großen Pendelbahnen und einer kleinen Sesselbahn ist das Gebiet sehr klein, und Pendelbahnen sind nicht gerade die bequemsten Anlagen: Skis aus- und anziehen, Treppen steigen, während der gesamten Fahrt stehen (außer man erwischt mal eine Bank) und auf die Abfahrt der Seilbahn warten.
Der wohl wichtigste Grund für mich war aber häufig der, dass die eine Urlaubswoche oft verdammt schnell um ist. Wenn man dann z.B. drei richtig sonnige Tage hat und vier Tage mit Schnee oder Nebel, so möchte man an den sonnigen Tagen die größeren Gebiete natürlich voll ausreizen, und an den "schlechteren" Tagen (wobei Schneetage durchaus auch Charme haben können) macht Diavolezza dann eigentlich auch nur wenig Sinn. Da fahre ich dann z.B. eher gemütlich ein wenig die Furtschellas Talfahrt durch den Wald, und vielleicht noch weiter bis zu Rabgiusa.
Dieses Jahr hatte ich aber das riesengroße Glück, bereits drei Tage mit fantastischem Wetter hinter mir zu haben, und auch für die nächsten Tage sieht die Meteo noch vielversprechend aus. Also zog es mich diesmal wirklich stark nach Diavolezza-Lagalb!
Und ich wurde wirklich nicht enttäuscht. Auf Diavolezza hatte ich bereits großen Spaß. Die Abfahrten waren perfekt präpariert, das Wetter war gut und die Pisten abwechslungsreich. Die Kabinen waren gut gefüllt, fuhren einigermaßen regelmäßig und auf den Pisten verteilten sich die Personen gut.
Noch mehr begeisterte mich jedoch anschließend die Lagalb. Zuerst fuhr ich die Bernina Piste, welche mich landschaftlich einfach umhaute (zum Glück nur symbolisch). Dieser Blick auf die Hoch-Seen welche sich in der Sonne spiegelten, kombiniert mit dem bewaldeten Tal, war aus der Höhe unglaublich. Und als die Piste dann nach und nach auch von tieferen Blickwinkeln her immer wieder an dieses Seitental heranführte, war ich einfach total verzaubert.
Anschließend habe ich natürlich auch die direkteren Abfahrten Giandas und Minor ausprobiert. Die haben mich vom Skifahren her dann genauso begeistert wie die Bernina Piste von der Landschaft her: völlig breite Pistenautobahnen mit ordentlichem Gefälle, wenigen Leuten, keinem einzigen Stein oder Eisplatte, und einfach jede Menge Platz um sich gehen zu lassen.
Lustigerweise habe ich später die Bernina Piste noch einmal wiederholt, und da konnte sie ihren Zauber nicht mehr ganz so entfalten: da die Seen nicht mehr beleuchtet waren, war der Funken nicht mehr da, zudem wehte dann ein kräftiger Wind, so dass mir die Lust stehenzubleiben und die Landschaft zu genießen eher verging.
So entschied ich mich dann, den Rest des Tages auf Giandas und Minor zu verbringen. Hier war eigentlich nur die obere Passage stark dem Wind ausgesetzt (so dass man ordentlich gesandstrahlt … oder besser geschneestrahlt wurde). Die eigentlichen Pistenhänge waren aber gut geschützt, so dass man hier wirklich nach Lust und Laune den eigenen Rhythmus und Fahrstil ausleben konnte.
Was ich auch noch super fand, war dass die Lagalb-Bahn praktisch durchgehend fuhr. Die Seilbahn benötigt etwa 8 Minuten pro Fahrt, und hält ca 2 Minuten, so dass alle 10 Minuten eine Kabine abfuhr. (Außer ganz am Ende des Nachmittags, wo wegen "Windbetrieb" auf langsamere Fahrten und einen 15-Minuten Takt gewechselt wurde.) Im Endeffekt gelang es mir so bei der Lagalb besser meinen "Bahn-Piste-Rhythmus" zu finden als auf der Diavolezza.
Fazit: Ich bereue den Tagesausflug ins etwas andere Gebiet keine Sekunde. Ganz besonders dieses Jahr, wo ich wetterbedingt nicht das Gefühl habe, die anderen Gebiete kämen dadurch zu kurz. Selbst die geringe Anlagen- und Pistenanzahl störten mich nicht, weil diese Aspekte durch die Pistenlänge, die tolle Streckenführung der Seilbahn (besonders Diavolezza), das Gefühl des Bernina-Hochgebirges kompensiert wurden. Und irgendwie fühlte es sich sogar recht sportlich an, immer wieder Treppen zu laufen, und in den Großkabinen kommt man auch mal mit anderen ins Gespräch.
Dennoch: das Gebiet ist gut für einen Tag Abwechslung. Ich könnte mir unter Umständen sogar einen Wiederholungstag im Laufe des Urlaubes vorstellen. Aber morgen freue ich mich wieder auf viele kuppelbare Sesselbahnen in Corviglia
Offene Anlagen: alle (außer Übungslift Alp Bondo)
Offene Pisten: alle, außer Ravulaunas, der Verbindungspiste und der Morteratsch Abfahrt.
Gefallen:
+ Fantastische Pisten
+ Landschaft (allgemein, und ganz besonders bei der ersten Bernina Abfahrt)
+ Wenig Wartezeit zwischen Seilbahnfahrten, ganz besonders bei Lagalb
Nicht gefallen:
- Kann nichts nennen. Wenn man nach Diavolezza fährt akzeptiert man, dass man VIELE Pendelbahn-Fahrten auf sich nimmt, und das tue ich auch.
- Dass die Verbindungspiste von Diavolezza nach Lagalb zu war ist zwar schade, aber bei der derzeitigen Schneelage völlig verständlich.
Hier einige Eindrücke von der Diavolezza:
Lagalb: Bernina Piste:
Giandas und Minor Pisten:
Sonnenuntergang auf dem Rückweg:
(Inklusive Signalbahn im Hintergrund…)