Ich geriet in Verzauberung, in einen autohypnotischen Zustand, wenn man das Verzauberung nennen kann; dem Gedächtnis entsprangen, wie aus einem Zauberhut rollten längst vergessene Ereignisse, die ich auch gleich erzählte, ohne auf den Zusammenhang zu achten...
(geklaut bei Dominik Tatarka: „Allein gegen die Nacht“)
Früh am Morgen des 01.03.2014 – auf ungewohnter Route hatte ich mich von München aus zum Skifahren begeben, indem ich diesmal auf der A 94 und der B 12 gen Osten fuhr. Die Landeshauptstadt lag noch im Dunkeln und es ging dem Morgengrauen auf leeren Strassen entgegen. 370 Kilometer Anfahrt lagen vor mir, die mich vom ESL Polster Classic und dem Skigebiet Präbichl trennten, Stunden voller Vorfreude...
Wie immer fand ich es ungewohnt, durch Österreich zu fahren, ohne links und rechts Berge um mich herum zu haben. Hier irgendwo in der Einöde lachte beim billigen Tanken noch die Sonne, doch kaum fuhr ich auf der Autobahn Wels entgegen, kamen immer mehr Wolken und schließlich Nebel auf. Unmittelbar vor Wels sperrten sie dann auch noch einen Tunnel und ich lenkte den Wagen die Ausfahrt hinaus, um durch die Stadt zu fahren. Natürlich fehlten an den entscheidenden Stellen wieder mal die Schilder für ortsfremde Durchreisende, aber einmal halfen mir Straßenarbeiter und ein andermal eine Tankstellenkassiererin weiter. Vielleicht sollte ich mich mal doch der Moderne anpassen und endlich ein Navi kaufen...
Nach Wels ging es noch eine gefühlte Ewigkeit auf einer Landstrasse dahin, ehe ich endlich wieder auf die Autobahn gelangte und nun Graz entgegen fuhr. Bald verzogen sich die Wolken und der Weg führte durch frühlingshaft grüne Täler...
Bei der Fahrt zwischen Autobahn und Vordernberg stellte ich fest, wie anders hier in der Steiermark im Vergleich zu Tirol die Gegend wirkte. Unverschandelte Ortschaften, viele alte Häuser, man wähnte sich in den 70er oder 80er Jahren...
Kurz vorm Präbichl-Pass verdichteten sich wieder die Wolken, aber mir war das nun egal. Unten gab es schon keinen freien Parkplatz mehr, so musste ich ein Stück weit den Pass hinauf, um an der Bergstation des Arenalifts meinen Clio endlich abstellen zu können.
Der erste gespannte Blick zum ESL: Er lief! Dafür – aber das hatte ich schon aus dem Internet erfahren – hatte man 2011 oder 2012 den Polster Basic-Schlepper weiter links abgetragen. Ein lachendes und ein weinendes Auge...
Uriger Einstieg an der Bergstation des Arenalifts.
Ich kaufte mir eine Tageskarte und ließ die 4KSB Grübl-Quattro (hat lt. Wikipedia zwei SL ersetzt) gleich mal links liegen – auf zum ESL! Doch da musste ich noch zunächst mit der anderen 4KSB Polster-Quattro hinauf.
Hier standen nicht ganz so viele Leute wie bei der anderen 4KSB an, die den ganzen Tag sehr gut besucht sein sollte. Aber ich ahnte eh, dass am ESL kaum was los sein sollte, was sicherlich vermehrt der Tatsache geschuldet ist, dass der zwei Skirouten mit nicht so ganz flachen Abfahrten bedient...
Übrigens gefiel mir hier in der 4KSB der Trassenverlauf ganz gut – über die Passstrasse rüber, durch den Wald, wieder an Berghütten vorbei...
(Die Bahn war, glaube ich, eine Neuerschließung seinerzeit?)
Rüber zum ESL auf einsamen Ziehwegen – die Vorfreude stieg...
Da juckte gleich die LSAP-Nase...ehem. Bergstation des steilen Polster-Basic-Schleppers.
Da stand die Umlenkung – ganz früher übrigens ca. 150 m weiter oben, wie ich später sehen sollte.
Kein guter Anblick. Vor allem kurz vorm Ausstieg war der unglaublich steil. Um 2, 3 Jahre verpasst...
Aber wenigstens schwebte nebenan das Trostpflaster vorbei...
Der untere Abschnitt des abgebauten Schleppers – von der Talstation war nix mehr zu sehen. Den Blick nach oben gibt es später, denn als ich dieses Foto knipste, wusste ich noch nicht, dass da der Lift hinaufkam. Das ergab sich erst später. Hier unten war die Schneedecke schon sehr dünn, aber wenigstens mangels Sonne gut angezogen. Beim ersten Mal kurvte ich noch den Ziehweg unterm ESL runter, später dann immer frei über die Wiese.
Urige Momente am Präbichl...
Endlich am Ziel! Der ESL wurde übrigens 1985 errichtet und hat einen ESL von 1948 ersetzt. Die Sitze scheinen aber schon älter wie 1985 zu sein. Sind die gar noch original?
Eindeutig Schirak
Die Ski konnte man nicht anlassen, was ein bisserl nervig gewesen ist.
Eine Hand am Ski, die andere an der guten, alten Kompaktknipse.
Hier schwebt man an der LSAP-Bergstation von eben vorbei und kann von der Seite erkennen, WIE steil der Lift gewesen ist.
Der Liftler verschwand sofort wieder – so konnte ich in Ruhe knipsen.
ESL mir Erzberg mit Hintergrund – die Aussicht auf dieses Abbaugebiet fand ich recht imposant und verlieh dem Skifahren hier oben eine gewisse Note.
Ich war von unten aus gesehen nach rechts gewandert, weil ich dort während der Sesselliftauffahrt eine Gruppe Skifahrer entlanglaufen gesehen hatte. Doch anstatt der erhofften Piste erreichte ich diesen Punkt und überlegte mir schon, umzukehren.
Der Wind blies und von anderen Skifahrern hier oben war nichts mehr zu sehen. Da entdeckte ich weiter links ein Skiroutenschild und so wagte ich mich mit den Brettern unterm Arm noch diesen Weg bis zur Geländekante hinunter.
Kurz nach dem Anschnallen...
Der ehemals weiche Schnee war gefroren, aber nicht zu eisig. So hatte man gut Halt und nach anfänglichem Flauegefühl im Magen kam der Hunger auf Nachschub.
Doch zuvor wollte ich noch die andere Seite des kleinen Skigebiets am Präbichl erkundigen.
Ehemalige Bergstation eines der beiden Schlepper neben der Grüblbahn? Da muss es früher den Grübllift und den FIS-Lift gegeben habe. Kennt noch jemand deren Verläufe?
Blick zurück zum Polster mit den Trassen des ESL und des abgebauten Schleppers links davon. Noch weiter links eine einsame Waldabfahrt bis auf halbe Höhe, die ich später noch fahren sollte. Die Gipfelabfahrt von eben fand oberhalb des Bergstation der 4KSB weiter rechts statt. Man sieht da noch die Einfahrtstützen und oberhalb eben den Steilhang.
Ich war schon gespannt auf den Weidtallift weiter hinten...
Man hörten einen Dieselmotor und sah Rauch aufsteigen – was will man mehr?
Lt. Liftworld in den 70ern gebaut, bald stillgelegt und erst vor wenigen Jahren wieder zum Leben erweckt.
Das Telefon wirkte viel zu modern
Passt doch, würde ich sagen...den parallelen Lift links hat man anscheinend nie hinzugefügt.
Hier ging es dann steil hinauf...
Mir gefallen solche Lifte viel besser, wenn sie durch Wälder oder zwischen den Häusern hindurch verlaufen als nur in hochalpiner, baumloser Lage.
Zoom zur Abfahrt gegenüber an der Polster-Quattro-Bahn.
Dann wieder gegenüber vom ESL und dem abgebauten SL...
Nach ein paar Fahrten im Weidtallift probierte ich noch den flachen, aber für einen Übungsschlepper recht langen Arenalift, den man erst in den 2000ern errichtet hat.
Keine Besonderheiten...
Dann schwebte ich wieder mit der Polster-Quattro-Bahn hinauf, um zum ESL zu gelangen. Hier die Abfahrt neben der 4KSB.
Am Nachmittag wurde es hier doch noch weich und wegen der ganzen Leute häuften sich die Haufen. Es war wie am Spitzingsee – die beiden 4KSBen zogen die Massen an und außen herum hatte man seine Ruhe.
Die weit über 300km Anfahrt hatten sich gelohnt...
Geknipse in der Bergstation, ehe ich in der Polsterhütte nebenan eine Gulasch-Suppe zu mir nahm.
Der Schildtext beschreibt es... die Abfahrten waren wirklich sehr steil, aber bei der Schneebeschaffenheit am 1. März sicherlich viel leichter zu meistern wie bei totalem Sulz oder hohem Neuschnee.
Während der Mittagspause gab es ein Sonnenintermezzo – als ich fertig war und wieder Ski fahren wollte, versteckte sich dieses blöde Ding wieder hinter den Wolken über der Steiermark. Aber dafür blieb des Schnee fest.
In der Hütte – die wirklich überaus urig ist. Alles steht mit Utensilien und Gerümpel voll und der Wirt wirkt so, als ob er gerade erst von einem Rucksack-Trip in die Mongolei zurückgekehrt wäre.
Alles stand voll, meist Flaschen alkoholischen Inhalts...aber irgendwie fand ich das total nett. Mal was anderes und die ganzen glasstählernen Panoramarestaurants in den Massenschigebieten kann man für die Polsterhütte total vergessen. Der Wirt ging von Tisch zu Tisch, kannte anscheinend alle anderen Gäste, redete mit ihnen und brachte mir schließlich eine gute Suppe, dazu ein Bier als Vorspeise...
Draußen nach der Pause hatte es noch ein bisserl Sonne, was ich für eine kleine Knipsrunde nutzte.
Hier sieht man auch die Betonstation weiter oben des abgebauten Schleppers.
Ja, hier fuhren auch Leute hinunter. Ich getraute mich jedoch nur weiter rechts...
Dieser Hüttengast hatte dem Wirt erzählt, er fahre die Rinne noch bis zu seinem 80. Geburtstag in drei Jahren hinunter, dann sei Schluss. Ich merkte mir die Route, da hier keine Schilder mehr den Weg nach unten wiesen und machte mich an den Steilhang...
Zwischenzeitlich zog es wieder zu. Ich kam ganz gut durch und irgendwie machte es totalen Spaß, den Hang hinunter zu fahren. Zwischendrin musste man quer nach links zwischen Bäumen hindurch kurven, um dann an der ehem. Schlepper-Bergstation wieder anzukommen. Bei der ersten Abfahrt ließ ich die Kameras brav im Rucksack und konzentrierte mich voll aufs Fahren.
Wieder am ESL angekommen...
Weiter unten fand ich dann diese Stelle, wo der Schlepper einst zum finalen Steilhangritt durch den Wald ansetzte.
Da kam er herauf – unten war nichts mehr von einer Talstation zu erkennen.
Leider ist der nicht mehr...
Vom Liftler argwöhnisch beobachtet knipste ich noch in der Talstation herum, ehe es an eine von etlichen weiteren ESL-Auffahrten gehen sollte.
Später wagte ich es dann mal, die Kompaktknipse zu ziehen, als ich im Steilhang hing...
Querfahrt rüber zum Ex-Schlepper...später sah ich andere geradeaus weiter fahren und kapierte, dass man nach einem weiteren steilen Stück, das ich für einen unüberwindbaren Abhang gehalten hatte, eine andere Talabfahrt zum ESL erreichen konnte.
Da unten sieht man den LSAP-Beton von der ganz alten Schlepper-Bergstation.
Reste des 1948er-ESL...
LSAP....
Weiter hinten der Erzberg...
Nochmals ein Telezoom (da stand ich aber noch oben bei der Polster-Hütte) zur LSAP-Trasse.
Telezoom zum Erzberg.
Sonne gab es irgendwann auch mal wieder...
Hier unter der Polsterhütte schnallte man die Ski an...
Zoom zur Bergstation des Weidtallifts...
Zoom in die Ortschaft Eisenerz...
Hier sah ich die Leute – wie vorhin erwähnt – einfach weiterfahren. So versuchte ich es und es ging ganz gut. Etwas außer Atem pausierte ich weiter unten und mühte mich auf der unpräparierten Route weiter ab.
Seufz-Pause auf der alten Schleppertrasse.
Das Wetter schlug um – es wurde immer düstrer und der Wind oben nahm zu. So beschloss ich, es mit dem ESL-Wahnsinn sein zu lassen und genehmigte mir noch ein paar Fahren gegenüber...
Links der ESL-Bergstation die Polster-Hütte.
Noch ein letzter LSAP blick...aber es sollte nicht der einzige Out-of-Order Schlepper an jenem Tag bleiben, wie die Heimfahrt zeigte...
Endlich keine Massen mehr an der Grüblbahn, die hier über einen Speichersee führt...
Einmal noch zum Weidtal-Schlepper...
Ich musste dann noch den Arenalift bei Betrieb erwischen, weil mein Auto ja oben stand...
So gehörte die letzte Schlepperfahrt am Präbichl dem flachen Übungslift.
Nochmal ein Knips bei der Polster-Quattro-Bahn...
Schon bei der Herfahrt hatte ich auf halbem Weg zum Pass einen alten Stemag entdeckt – so unternahm ich hier noch eine Wanderung in der Dämmerung. Neben der Talstation spielte eine Frau mit ihrer kleinen Tochter im Schnee. Ich rief ihr zu, ob ich den Lift knipsen dürfte und sie reagierte total freundlich. (lief vor Begeisterung schreiend in den Wald
So konnte ich – unter Beobachtung von vier Augen – mich in aller Ruhe ans Werk machen. Leider vergaß ich, gleich nachzufragen, ob der Lift noch läuft oder seit wann eben nicht mehr – als mir das einfiel, war die Frau schon wieder verschwunden.
Passende Abendstimmung, um einen alten Stemaglift zu knipsen.
Wohl LSAP...
Ein passender Abschluss eines interessanten Skitages – wenn auch die Müdigkeit nach der langen Anfahrt und den kraftzehrenden Steilhangabfahrten nun Gedanken an ein warmes Bett aufkommen ließ und den Stemag abspenstig machte...
Mist, hätte ich doch kein Hotelzimmer buchen müssen
Stimmung an der Bergstation...
Der Liftler hat noch sein Radio zurückgelassen – wer also grad eines benötigen sollte...
So stapfte ich wieder zur Siedlung nach unten, wo mein Auto stand.
Ich hatte am Vorabend ein Hotelzimmer in Leoben gebucht. So hatte ich noch ein kurzes Stück mit dem Auto zu fahren, ehe ich mich dann endlich erholen konnte, drei Salamisemmeln aus dem Spar verdrückte und bald nach den Simpsons einschlief...