Dabei waren dieses mal schon die Vorraussetzungen völlig andere als sonst. Die bedeutendste, die Zusammensetzung der Gruppe. Wer will schon eine ganze Woche alleine unterwegs sein? So stand von vornherein eine Bedingung – Après Ski sollte es geben, natürlich auch eine winterliche Kulisse sowie selbstredend eine Unterkunft im Ort, höchstens ein paar Schritte vom Lift entfernt. So stand schnell das Ziel fest – Obertauern sollte es sein. Letztendlich bedeutete dies auch: keine „Skisafari“ – das Auto blieb die ganze Woche über in der Tiefgarage, Skiurlaub im „Normalmodus“ also.
Die lange Anfahrt verlief weitgehend stressfrei – auch wenn die Außentemperaturen, in München zeigte das Autothermometer +18°C an, zumindest zeitweise für große Augen sorgten. Immerhin blieben uns so winterliche Straßenverhältnisse erspart denn auch in Obertauern, auf über 1700m Seehöhe gelegen, herrschte zum Zeitpunkt unserer Ankunft starkes Tauwetter. Der große Wetterumschwung, vielleicht der bisher bedeutendste dieses Winters, war aber bereits im Anmarsch.
Obertauern
Obertauern befindet sich auf der Passhöhe des Radstädter Tauernpasses (1740m) im Süden des Landes Salzburg. Die im typischen Alpenkitsch gehaltene Retortensiedlung liegt direkt auf dem Alpenhauptkamm, welcher in dieser östlichen Lage jedoch keine großen Höhen mehr erreicht. Entsprechend erreichen die umgebenden Gipfel kaum die 2500m Marke. Entsprechend der Lage des Skigebietes sind die Höhendifferenzen eher überschaubar (was aber bekannt war).
Der tiefste Punkt des Skigebietes liegt nur unwesentlich tiefer als die Passhöhe (Talstation Kehrkopf 1635), der höchste Punkt an der (Bergstation Gamsleiten II 2313m). Diese Höhendifferenz ist allerdings nicht in einem Rutsch fahrbar, zumal Gamsleiten II aufgrund meiner wenig wintersporterprobten Begleitung und meiner eher geringen Affinität zu Buckelpisten sowieso nicht auf dem Plan stand. Entsprechend „kurz“ sind also auch die meisten Abfahrten – zumindest für nicht sauerlanderprobte (da haben wir das wichtigste Wort). Ausnahmen bilden lediglich die Abfahrten von Seekareck/Seekarspitze zur Talstation der Gründwaldkopfbahn sowie an der Zehnerkargondel (je über 500 Höhenmeter).
Es finden sich 26 Liftanlagen, zumeist moderne Sessel. Jedoch erschließen nicht alle Bahnen auch wirkliche oder eigene Hänge. So haben (mindestens) zwei Sessellifte reine Zu- bzw. Rückbringerfunktionen. Hinzu kommen (mindestens) drei weitere Bahnen deren Pisten auch von anderen Liften aus erreichbar sind (Pisten doppelt erschlossen). Die wenigen erhaltenen Schlepper, sieben an der Zahl, haben haben lediglich Skischul- oder Zubringerfunktionen. Tut aber nichts zur Sache ich, bzw. vor allem wir, waren schließlich nicht zum Liftgucken vor Ort… Trotzdem ist die Anzahl der Lifte, im Vergleich zur Anzahl der Pisten, sehr hoch.
Tag 1 – So, 11.01.2015 Wintereinbruch
Schon in der Früh setzte bei deutlich sinkenden Temperaturen, starker Schneefall ein. Dieser hielt bis zum folgenden Morgen an. Dank des kräftigen Windes wurde jedoch das groß des Niederschlages kräftig verblasen. Glücklicher Weise landete aber dennoch ein Tel des weißen Goldes auf den Abfahrten. Auch wenn bereits zuvor (fast) alle Abfahrten über eine ausreichend dicke Schneedecke verfügten – ein Segen. Die hohen Temperaturen und möglicherweise auch Regen an den Vortagen hatten auf einigen Pisten deutliche Spuren in Form von Eisplatten hinterlassen. Mancherorts schimmerte die Piste gar bläulich (und tat dies dank des Windes auch weiterhin)….
Wie auch immer, den Sonntag nutzten wir ein wenig zum einfahren. Auch wenn die äußeren Bedingungen dank des aufgefahrenen Neuschnees , Nebel und stürmischen Windes, für unerfahrene Wintersportler am ersten Urlaubstag, wenig freundlich waren - immerhin gab es keine Wartezeiten
Entsprechend endete dieser bereits am frühen Nachmittag in der Schirmbar.
#1 Das einzige Bild zum ersten Skitag.
Tag 2 – Mo, 12.01.2015 Sonnendurchbruch
Am zweiten Skitag versprach bereits der morgendliche Blick aus dem Fenster deutliche Besserung.
#2 Blick aus dem Fenster: Viel pulvriger Neuschnee (ca. 50cm)- aber die Fahnen an den Autos zeigen es deutlich, stark verblasen.
Schon am Morgen verzogen sich die Wolken, die Sonne begann zu lachen. Auch wenn die meisten Hänge nach den nächtlichen Schneefällen nicht noch einmal frisch gewalzt wurden, die Steigerung zum Vortag war deutlich. Das wesentlichste - man konnte das Skigebiet endlich auch mal sehen.
#3 Ein paar Schritte aus dem Skikeller - und rein in den Lift (hier Gamsleiten I). Hinten Links der Hauptkessel des Skigebietes, rechts die Carvinghänge an der Edelweißbahn.
#4 Zügig wechselten wir auf die Sonnenseite des Skigebietes (hier an der Plattenkarbahn). Der Große Vorteil von Obertauern im Januar - mit Ausnahme der beiden Gamsleiten- und der Zehnerkarbahn liegen selbst zu dieser dunklen Jahreszeit quasi alle Hänge in der Sonne (so sie denn scheint). Genau mein Fall!
#5 Am Seekareck, der letzten fixgeklemmten Bahn im hinteren Skigebiet.
Spätestens am Mittag vertrieb die Sonne auch die letzten Wolkenfetzen. Auch wenn der Wind blieb, der Skitag konnte nur wenig perfekter sein.
#6 Auch die Hauptabfahrt an der Grünwaldkopfbahn gefiel, war sie doch weit weniger zerfahren als die übrigen Hänge. Im Hintergrund die (schattigen) Abfahrten an der Zehnerkarbahn.
#7 Gelb oder blau? Lang oder kurz? Steil oder Flach? Seekarspitz- und Hochalmbahn (in fast voller Länge). Wobei letztere mir fast schon überflüssig erscheint.
#8 Wechsel zum Rand des Skigebietes, hier an der langsamen Monte Flu Bahn in welcher wir uns am Vortag noch den Arsch abgefroren hatten. Gemütliche Lifte, gemütliche Abfahrten. Dank des hier liegenden Funparks auch mit der höchsten Snowboarderdichte. Vielleicht lag es an der Ü30 Woche - dennoch, so wenige Snowboarder wie in Obertauern habe ich noch nie gesehen. Sterben die langsam aus?
#9 Zurück an der Seekareckbahn mit ihrer schwarzen Abfahrt. Schön zu fahren, wenn auch sehr verbuckelt. Entsprechend aufgewärmt waren die Oberschenkel im Tal.
#10 Unterer Bereich Seekareck. Schaut hier schön kuppiert aus. Fakt ist trotzdem, beinahe jede Piste in Obertauern in schwer modelliert. Man beachte außerdem die Schneefahnen an den Graten, der Wind war weiterhin ein ständiger Begleiter.
#11 Autobahn an der Kringsalmbahn. Hier konnte man auch zu später Stunde, trotz aufgefahrener Piste, noch carven. Im Hintergrund Schönalm- und Hundskogelbahn.
#12 Gamsleiten II, das "Wahrzeichen" von Obertauern (mit der für unseren Aufenthalt typischen Windfahne).
#13 Am Abend gabs dann Nachtskilauf an der Edelweißbahn (auf ca. 2 Abfahrten). Endlich mal auf einer glatten Piste. Am Lift war es nicht gerade leer. Wartezeiten bis zu 5min. Im Vergleich zum Tage waren fast nur schnelle Skifahrer unterwegs. Der Rest ist wohl gleich im Schirm geblieben.
#14 Später am Schirm, die neue Variante der GoPro. Zeigt auf perfekte Art und Weise den (Un)Sinn dieser Geräte.
Tag 3 – Di, 13.01.2015 Tauernrundentag
Der dritte Tag brachte dann endlich makellose Äußere Bedingungen. Auch die Pisten waren bestens präpariert. Als Einstieg in das Skigebiet wählten wir heute den kurzen Pernerlift. Dieser arg kurze und auch gar nicht mal so flache Schlepplift dürfte quasi eine reine Zubringerfunktion besitzen. Für Skischulen ist die Piste beinahe schon zu steil. Wie auch immer, für einen beträchtlichen Teil der Gäste wird durch diese Anlage ein Fußmarsch vermieden. Von der Bergstation führt dann ein Ziegweg zur Talstation der Zentralbahn. Diese liegt zwar zentral, ist jedoch vom übrigen Skigebiet vergleichsweise (im Verhältnis) schwierig zu erreichen.
#15
Pernerlift von dem gleichnamigen Hotel.
#16
Zunächst standen auf den jungfräulichen Pistenteppichen der Zentralbahn einige Wiederholungsabfahrten an - genau das war es, was ich an den Vortagen vermisst hatte. Das untere Schussstück, im Verhältnis zur Pistenlänge zu lang, schmälert die Freude doch ein wenig und verlängert zudem die Bergfahrt. Nach einigen Abfahrten starteten wir von hier aus unser Tagesprogramm, die legendären Tauernrunden
#17
Kaiserwetter über Obertauern. Links die Bergstation der Gründwaldkopfbahn, rechts die Seekareckbahn mit ihrer markanten Gratabfahrt.
#18
Weiter über die rote Tauerrunde auf der Direktabfahrt am Seekareck. Kurz, aber nett.
#19
An der Seekarspitze. Die "Hintenrumabfahrt" ist wirklich klasse - wahrscheinlich eine der schönsten im hinteren Gebiet, wenn auch schwer modelliert. Der Blick zur Dachsteinsüdwand ist wirklich toll.
#20
Dachsteinmassiv. Die Bergstation der Südwandbahn ist soeben zu erkennen - muss ich auch noch...
Beide Tauernrunden sind übrigens locker an einem Tag zu fahren, auch mit Anfängern da keine wirklich fordernden Abfahrten dabei sind. Immerhin fährt man so nicht planlos von Lift zu Lift und sieht mal jede Ecke des Skigebietes sowie die Hotelsiedlung aus allen Himmelsrichtungen.
#21
Tiefblick vom Zehnerkar. Unten rechts der Kehrkopf/Monte Flu Bereich. Am Horizont das Tote Gebirge/Berchtesgadener Alpen.
#22
Zehnerkarbahn, die einzige Gondel im Gebiet und einige der wenigen Abfahrten mit alpin anmutenden Höhendifferenzen.
#23
Gamskarlift oberhalb der Schaidbergbahn, irgendwie skitechnisch etwas über - muss aber trotzdem mitgenommen werden.
#24
Rückbringerweg vom Gamskar, vorbei an der Geisterbahn - wirklich nett!
Wie schon geschrieben lassen sich beide Tauernrunden locker an einem Tag fahren. Entsprechend fuhren wir noch etwas im Gebiet herum.
#25
Seltener Anblick in einem Gebiet in dem praktisch alles durch KSB ersetzt ist - Tellerlift und Doppelsesselbahn Sonnenlift 3 bzw 1. Wieso der Sonnenlift 1 noch eine DSB ist? Im Gegensatz zu manch anderer Bahn findet man hier durchaus einige schöne Wiederholungsabfahrten - da kann der ein oder andere Lift in Obertauern nur von träumen.
Tag 4 – Mi, 14.01.2015
Der nächste sonnige Tag, wenn auch nicht ganz so perfekt wie am Vortag. Am späten Nachmittag zogen von Norden her schnell Wolken herein, die auch etwas Neuschnee bringen sollten. Da am Vortag der Meister auf der Alm sein Liedgut zum Besten gab, blieb die beiden etwas langsameren Skifahrer etwas länger im Bett so das heute etwas gebolzt werden konnte. Die Bedingungen dafür waren gegeben.
#26
Autobahn an der Kringsalm.
#27
Zentralbahn (vorne) und Seekareckbahn (links) vom Gamsleiten aus.
#28
Auch der kurze Übungslift nahe der Schaidbergbahn musste dran glauben.
#29
Die schwarzen Abfahrten an der Schaidbergbahn sind toll zu fahren....
#30
Die roten und schwarzen Abfahrten an der Plattenkarbahn sind sehr ähnlich.
#31
Die Formschöne Steinfeldspitze. Rechts Sonnenlift 1 und Grünwaldkopfbahn.
#32
Kichbichllift - einziger etwas längerer Schlepplift im Gebiet. Hier trainierte ich eine Weile für den kommenden AFWC
#33
Hochalmbahn - kurz & flach, eher ein Zubringer.
#34
Außenrumabfahrt (8e) am Gründwaldkopf. Die Steilheit kommt hier schlecht rüber, dafür aber das Gemüse samt Felsen mitten in der Piste. Von oben und vom übrigen Skigebiet aus nicht zu erkennen. Die einzige Abfahrt im gesamten Gebiet mit mangelnder Schneeauflage - war soweit ich weiß an den Vortagen auch nicht geöffnet.
#35
Langsame Monte Flu Bahn, dahinter Kirchbühellift. Es zog sich zu.
Tag 5 – Do, 15.01.2015 Großeck-Speiereck
....
Tag 6 – Fr, 16.01.2015 Finale
Wettertechnisch noch einmal toll. Ab dem frühen Morgen föhnunterstützter Sonnenschein, der erst zum Nachmittag durch von Süden hereinziehende Wolken abgelöst wurde. Dazu recht warm - der Pulverschnee hielt sich jedoch noch den ganzen Tag. Wir fuhren noch einmal die favorisierten Pisten
#36
Das Obertaurer Dreigestirn - Plattenspitz, Gamskarlspitz und Gurpitscheck, dazu die Abfahrten an Plattenkar- (links) und Schaidbergbahn (rechts). Vorne die Achenrainbahn (Zubringer).
#37
Nochmal die Hintenrumabfahrt an der Seekarspitzbahn
#38
Grünwaldkopf Standardabfahrt.
Abschlussfazit:
Für die Gruppenzusammensetzung war Obertauern genau das richtige Skigebiet. Abwechslungsreiche, meist breite, nicht zu schwere Pisten. Weder zu groß und noch zu klein (wobei, ohne den Tag am Speiereck doch eher zu klein) und mit einem schönen, nicht zu plumpen Après Ski Angebot ausgestattet. Dazu kommt, dass von unserer Unterkunft aus gleich mehrere Lifte Fußläufig zu erreichen waren, ja sogar eine Abfahrt bis unmittelbar vor das Hotel möglich war. Wie auf den Bilder zu erkennen waren auch die äußeren Bedingungen nahezu perfekt, die Kulisse schön.
Trotzdem wird es Obertauern bei weitem nicht in meine persönlichen Top 10 schaffen, dafür ist das Gebiet zu ordinär, die Abfahrten zu kurz & austauschbar sowie das Panorama zu wenig Hochalpin. Aber wie auch immer, will man nicht alleine Fahren muss man eben auch bereit sein Kompromisse einzugehen. Von daher, lieber Spaß zu 4. als Safari allein - am Ende ist der Spaß mit Gesellschaft doch der größere.
Was mir noch aufgefallen ist, die Preise in Obertauern sind im Vergleich zum Gebotenen recht hoch. Sowohl bei Unterkunft und Gastronomie. Am Speiereck gabs das bessere Essen und das gleiche Bier für -20%.