Anfahrt: Karlsbad - A8 - Stuttgart - Ulm - A96 - Bregenz - Bludenz 3:40 h. Bludenz - St. Gallenkirch 0:20 h.
Wetter: Samstag: Schön mit löchriger Hochnebeldecke auf 1800 m, ab 14:30 h Eintrübung. Sonntag: Vormittags Schneefall, nachmittags größere Aufhellungen. Tal 0°C, Berg -5°C.
Schnee: Tal 10 cm, Berg 40 cm Pulverschnee. Pisten mit harter Kunstschneeunterlage. Talfahrt St. Gallenkirch geöffnet, Gaschurn gesperrt. Skirouten am Berg waren großenteils gesperrt, wenn ich das richtig gesehen habe.
Anlagen geöffnet: Im Verbund Silvretta Montafon alle außer SCHL Lifinar in Partenen und SCHL Kapell am Hochjoch = 35 von 37.
Wartezeit: Keine bis 1 min
Gefallen: Gebirgslandschaft des Rätikons; Höhendifferenz des Skigebiets; wenig Geländeplanierung; freundliches Personal überall; Wetter am 24.1.; Rodelbahn Garfrescha.
Nicht gefallen: Viele langsame fixgeklemmte Sesselbahnen; Betriebsschluss fast aller Bahnen bereits um 15:45 Uhr (!); keine Verbindung von Neuschnee und altem Kunstschnee auf den Pisten (dadurch schnell aufgefahren); uninteressante Ziehweg-Talabfahrt Valisera.
Bewertung: 4,5 von 6 Punkten wg. nicht gefallen
Unsere Firmenskifahrt der Saison 2014/15 führte mich diesmal ins Montafon; es war mein Erstbesuch dort. Keine Ahnung, warum ich es mit meiner Frau noch nie an einem Wochenende dorthin geschafft habe. Mit dem Firmenteam wohnten wir im Val Blu Resort in Bludenz, einem Hotelbetrieb im Bludenzer Bäder- und Fitnesskomplex im Stil einer modernen Jugendherberge. Die Pkw-Anfahrt von dort nach St. Gallenkirch dauert rund 20 Minuten. Da man für die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zweimal hätte umsteigen müssen, war das keine Option. Wunschprogramm war eigentlich, samstags im Nova-Gebiet und sonntags am Hochjoch zu fahren. Wegen des Schneefalls und der schlechten Sicht am Sonntagvormittag kniff jedoch die Mehrzahl der Kollegen, und die wenigen Mitstreiter wollten nicht ans Hochjoch. Darum auch der Berichtstitel, obwohl es das eigenständige Teilgebiet Silvretta Nova seit dem Betreiberzusammenschluss mit dem Hochjoch eigentlich nicht mehr gibt.
In St. Gallenkirch hing am Samstagmorgen Hochnebel im Tal, der noch keinen schönen Tag versprach. Einige Kollegen hatten sich bereits am Vortag in dicker Nebelsuppe über die Hänge gekämpft und wurden etwas missmutig. Doch je weiter es mit der EUB Valisera bergauf ging, um so löchriger wurde der Hochnebel und gab schließlich die Sonne frei. Im Kollegengedränge an der EUB-Bergstation gelang es mir gerade noch, mich der Hochgeschwindigkeitsgruppe anzuschließen, die sich bereits absetzte. Bis zum Mittag ging es meist bei Sonne nonstop über die Nord- und Südhänge der Valisera und zwischendurch zweimal auf die Talabfahrt und wieder mit der EUB hinauf. Nach dem Mittagessen auf der Terrasse des Restaurants Bella Nova fuhren auch die etwas langsameren Kollegen mit, und es ging hinüber ins Gaschurner Versettla-Gebiet. Die Talroute nach Gaschurn war schneemangelbedingt gesperrt. Einen Wechsel ins Hochjoch-Gebiet am Nachmittag über die Grasjochbahn schlossen die Montafon-erfahrenen Kollegen mit Verweis auf die zu lange Dauer aus. Gegen 14:30 Uhr quollen die Hochnebelreste auf der Gaschurner Seite schnell wieder auf, weshalb wir den Skitag lieber auf den Valisera-Abfahrten ausklingen ließen, wo sich die Sonne länger hielt.
Der Schneefall intensivierte sich am Samstagabend. Vor dem gemeinsamen Essen stand die Rodelabfahrt an der Garfrescha auf dem Programm. Ab 18 Uhr wird dort die zwischenzeitlich wieder präparierte Talabfahrt bei Flutlicht zur Rodelstrecke umfunktioniert. In der DSB Garfrescha von 1969 kommt Retro-Feeling auf - bei der Bergfahrt in Dunkelheit und Kälte hat man viel Zeit, sich mancher DSB-Fahrten in den 1970er und 1980er Jahren zu erinnern, denen man wie ein Eiszapfen entstieg ... so auch hier.
Der Schneefall des Samstagabends dominierte auch den Sonntagvormittag, was den Großteil der Kollegen dazu verleitete, nicht mehr auf die Ski zu steigen (Warmduscher ...
Fazit:
Silvretta Montafon versucht zwar, mit der Grasjochbahn und Anlagenerneuerungen eine "Skiarena" zu werden, aber aus meiner Sicht hat das Montafon hier keine Chance. Keiner meiner Kollegen, die jahrelang Wochenenden oder Urlaub im Montafon verbracht haben, hat erwogen, untertags per Seilbahn von der Nova zum Hochjoch zu wechseln, weil Hin- und Rückfahrt zu lange dauern. Gargellen und Golm werden sich ohnehin nicht anbinden lassen. Darum erinnert mich die Konstellation eher ans Val d'Anniviers mit seinen vier Einzelskigebieten und der Verbindungsbahn Grimentz-Zinal - mit dem Unterschied, dass im Montafon die Tallagenhöhe der Wintersportorte Vandans, Schruns/Tschagguns und St. Gallenkirch so bedenklich niedrig ist wie in der Skiwelt Wilder Kaiser. In St. Gallenkirch lässt die Topographie leider keine guten Talabfahrten zu - die Grasjochbahn wird keine bekommen, und die der Valiserabahn ist so umständlich und ziehweglastig wie die vom Rastkogel in Lanersbach. Generell scheint mir die infrastrukturelle Grundplanung des Verbundgebiets überholt zu sein: Die Montafon-Bahn als eigentlich attraktiver ÖV-Hauptzubringer ab Bludenz endet nicht am größten Montafoner Skigebiet in St. Gallenkirch, sondern vorher in Schruns. Wenn man zusätzlich Skibus fahren muss, wird die Bahnbenutzung unattraktiv. Statt in Schruns die Hochjochbahn in eine leistungsfähige EUB umzubauen, wurde mit der Zamangbahn zusätzlich eine EUB ohne Talabfahrt neben den Ort gestellt. Die Erhaltung der Anbindung des Nostalgie-Kleinskigebiets Kristberg in Silbertal scheint nur optional verfolgt zu werden (Diskussion Erhaltung Kapallbahn). Gaschurn hat trotz seiner Höhenlage von 1000 m seit Jahren keine offizielle Talabfahrt mehr, dabei waren es früher sogar drei. Das frühere Kleinskigebiet Grabs in Tschagguns und die schwarze Direktabfahrt Vermunt/Trominier in Partenen wurden bereits aufgegeben - schade. Immerhin: Im Nova-Gebiet habe ich keine Überfüllung der Abfahrten durch zu viele Beschäftigungsanlagen bei zu wenigen Pisten feststellen können - diesen Sachverhalt haben im Topic "Silvretta Montafon - eine Skiarena entsteht" mehrere Forenuser beanstandet.
Trotz oder wegen der oben genannten Punkte werden wir uns das Montafon in den nächsten Jahren sicherlich über spontane Wochenend-Skiausflüge mit Übernachtung erschließen, wenn die Bedingungen dort absehbar gut sind. Da das Montafon jedoch weiterhin vorwiegend aus separaten Einzelskigebieten bestehen wird, kommt es bei uns für einen einwöchigen Familienskiurlaub nicht in Frage, so lange Klein Harzwinter in der Skischule ist. Den Montafoner Hoteliers kann das völlig egal sein - die freuen sich über neuerdings noch zahlreichere Besucher aus der Schweiz.
Fotos:
Da die Skigebiete des Montafons im Alpinforum hinlänglich dokumentiert sind, gibt's im folgenden 40 subjektiv ausgewählte Impressionen aus der Nova vom 24. Januar ohne Anspruch auf vollständige Abdeckung des Gebiets:
Trübe Morgenstimmung analog dem Vortagswetter an der Talstation der EUB Valisera in St. Gallenkirch. Gegenüber verschwindet die Grasjochbahn im Hochnebel.
An der Mittelstation der EUB Valisera sieht das noch nicht deutlich besser aus, ...
... aber das ändert sich knapp unterhalb der Bergstation deutlich. Kabinenscheibe und Hochnebelfetzen wetteifern, wer das Sonnenlicht stärker streut.
Während die EUB den SCHL Jöchle quert, tauchen die Berge des Rätikon aus dem Hochnebel auf.
An der Bergstation Valisera sorgen Hochnebel und ausfallende Luftfeuchte für diesen eindrucksvollen Halo.
Sehr sorgfältige Pistenbeschreibung an der Bergstation Valisera - hab' ich so bislang nirgends gesehen.
Quer durch die Nova geht's zur ...
... Madrisellabahn, ...
... aber die ist unseren Montafon-Experten zu voll, also wird stattdessen die 3KSB Schwarzköpfle benutzt.
Blick aus der Sesselbahn ins Novatal und zur Alpe Nova, nach denen das Teilgebiet benannt ist.
Und wenn man dann wieder über den Hochnebelresten steht, macht die Digicam aus der Sonne auch keinen Breifleck mehr. Blick vom Ausstieg der Schwarzköpflebahn über die Rinderhüttenbahn nach Süden.
6KSB Rinderhütte mit Piste.
4SB Heimspitzbahn.
Bergstation der Madrisellabahn knapp über den Hochnebelresten.
Querung von der Madrisella- in Richtung Schwarzköpflebahn, ...
... vor der die Abfahrten 42 ...
... und 24 ...
... in Richtung Alptobel und Talabfahrt führen.
Vorher geht es mit der DSB Garfrescha II von 1972 wieder auf den Berg in Richtung Valisera, ...
... wobei man an diesem stylischen Heustadel vorbeischwebt.
Schöne Abfahrt 27 an der 3SB Älpli, ...
... mit der wir im blendenden Gegenlicht von Hochnebelresten wieder hinauf zur Bergstation der EUB Valisera fahren.
Auch die Abfahrten unter ...
... der Valisera-EUB machen viel Spaß.
Mittelstation Valisera mit sehr kurzem ÜbungsSCHL - ein Objekt zum Wegsparen für die Banken der Seilbahngesellschaft.
Krasser Kontextsprung hinauf auf den Grat zur Bergstation der Sonnenbahn mit ihren gelben Bubbles, die den Gampabing-Doppelschlepper ersetzte und angeblich auch nicht deutlich länger geworden ist, weil sich unterhalb der Talstation ein Naturschutzgebiet befindet. Das moderne Bergstationsgebäude gefällt mir gut. Die Hochnebelreste halten sich eisern.
Blick von der Bergstation der Sonnenbahn über den Grat zu den Stationen von Madrisella- und Schwarzköpflebahn.
Über die Abfahrt 41 fahren wir in Richtung der Gaschurner Versettla-Seite, ...
... zu der uns die 6KSB Nova hinaufbringt. Oben links ist bereits der wuchtige Gebäudekomplex des Bergrestaurants "Nova Stoba" zu sehen.
Aus der Sesselbahn bietet sich ein schöner Blick ins Novatal, über dem die Hochnebelreste das Sonnenlicht streuen.
Fahrt ins Licht mit der kurzen 4SB Spatla ...
... und dann hinunter zur Mittelstation Versettla, wo sich der Hochnebel wieder stärker bemerkbar macht. Die Talroute hinunter nach Gaschurn war schneemangelbedingt gesperrt. Peinlich, dass man hier seit Jahren keine offizielle Talabfahrt mehr zustande bekommt.
An der Abfahrt der EUB Versettla II verschwindet die Sonne bereits wieder hinter dem Grat, und im Schatten leidet die Konturensicht.
Warum ist das Bergrestaurant Nova Stoba auf der Gaschurner Seite eigentlich so dermaßen groß?
Weil es dort noch sonnig ist, geht es zurück zu den Valisera-Hängen. Hier eine Lichtimpression von der 3KSB Schwarzköpfle.
Nach der Zwischen-Bergfahrt mit der unspektakulären Vermielbahn machen wir uns über das wunderschön gelegene Almdorf Garfrescha auf in Richtung Talabfahrt. Einen eventuellen ersatzlosen Wegfall der DSB Garfrescha I, wie er hier im Thread "Silvretta Montafon - eine Skiarena entsteht" diskutiert wird, halte ich für ausgeschlossen. Dann wäre das Almdorf, das immerhin aus rund 35 Gebäuden mit großenteils touristischer Nutzung besteht, im Winter nicht nutzbar. Alternativ müsste man die Talabfahrt aufgeben und als Zufahrtsstraße freihalten. Beides ist undenkbar.
Ziehweg-Talabfahrt Valisera. Wahrlich kein Highlight.
Auslauf der Talabfahrt am Talstationskomplex in St. Gallenkirch.
Abends brachte uns die DSB Garfrescha nochmals für eine Rodelpartie auf den Berg.
Gerodelt wird auf der Ziehweg-Talabfahrt. Dafür ist sie wesentlich besser geeignet als fürs Skifahren. Im Sommer ist das übrigens die Autostraße hinauf zum Almdorf Garfrescha.