Anfahrt: Ettlingen - A5 - Basel - A2 - Luzern - Stans - Engelberg in 2:39 h
Wetter: Vorhergesagt: 12 Stunden Sonne. Vorgefunden: 1 Stunde Sonne, Graupelschauer, Titlisgipfel meist im Nebel, am Berg ca. -3°C bis +5°C
Schnee: Auf 1800 m (Trübsee) >100 cm fester Altschnee, Talabfahrt geöffnet (!)
Anlagen geöffnet: alle außer Etage Gerschnialp/Untertrübsee sowie SSB/PB Angel Eyes
Wartezeit: Bei der morgendlichen Fahrt auf den Titlis 1-2 Pendelbahnkabinen, sonst keine
Gefallen: Talabfahrt nach Mitte April befahrbar, Waterslide Contest
Nicht gefallen: Fehlprognose deutscher und Schweizer Wetterbericht, dicke Bewölkung, schlechte Präparation Laubersgrat, Restaurant Trübsee bauarbeitsbedingt geschlossen
Bewertung: 3 von 6 Punkten wegen Wetter, schlechter Kontursicht und vormittags miserabel befahrbarer Pisten
Eigentlich wollte ich erst am Wochenende des 25./26. April 2015 meine Abschlussfahrt der Skisaison begehen. Doch wegen wackliger Langfrist-Wetterprognose entschloss ich mich, die Aktion eine Woche vorzuziehen. Frau Harzwinter musste erkältungsbedingt leider aussetzen. Wegen der vielen Autofahrerei für Skifahrten und Familienbesuche in den letzten Monaten hätte ich wegen der kürzeren Fahrstrecke gern dem Oberstdorfer Nebelhorn, das üblicherweise bis zum 1. Mai geöffnet bleibt, den Vorzug gegeben. Doch an diesem 19. April sollte ein Tunnel der Autobahn 8 hinterm Albaufstieg bis morgens 8 Uhr gesperrt bleiben. Mit der Zuverlässigkeit solcher angekündigten Aufhebungen von Autobahnsperrungen habe ich bereits meine Erfahrungen gemacht. Also ging es statt zum Nebelhorn einmal mehr nach Engelberg in der Zentralschweiz. Es lockten Vollbetrieb oberhalb 1800 m mit 10 Bahnen, die offiziell noch geöffnete Talabfahrt und eine Wetterprognose mit viel Sonnenschein. Alternativ war neben dem Haldigrat noch der Gemsstock in Andermatt in Betrieb, dies allerdings mit einem Drittel des Angebots und 20 Minuten mehr Anfahrt. Andermatt hatte vom vorangegangenen Schlechtwettertag 10 cm Neuschnee gemeldet. Das würde so sicherlich auch fürs Engelberger Höhenskigebiet zutreffen ... hoffte ich.
Schon nach der Ausfahrt aus dem Belchentunnel im Schweizer Jura traten erste Sorgenfalten auf die Stirn. Zwar war an der Alpenkette viel blauer Himmel zu sehen, die hohen Gipfel der Berner Alpen verschwanden aber in einer Wolkendecke. Doch je weiter die Anfahrt in die Zentralschweiz führte, desto geringer wurde die Bewölkung. Auch im Engelbergertal dominierte zunächst Sonnenschein, nur die Skihänge am Titlis blieben von unten gesehen schattig. Na gut, das wird schon noch, dachte ich mir und träumte weiter von den Hochglanz-Frühjahrsskitagen der letzten Jahre am Titlis.
An der Talstation der Titlisbahnen herrschte Dank vieler asiatischer, aber auch vieler Schweizer Besucher erstaunlicher Andrang. Die Schweizer Wetterberichte hatten offenbar ebenfalls Schönwetter für den Titlis prognostiziert. Dies sollte übrigens meine letzte Fahrt mit der von Roll-6EUB von 1984 zum Trübsee werden - bis zur nächsten Wintersaison wird ja die Nachfolgebahn fertig gestellt und die alte Bahn demontiert. Ich bin nicht traurig darüber; in der vollbesetzten Kabine der alten Bahn hocken die sechs Skigäste wie die Ölsardinen. Von der Pendelbahnplattform am Trübsee wäre der Blick zum Kleintitlisgipfel möglich gewesen. Doch der steckte mittlerweile in einer Wolke, und überhaupt hatte die Bewölkung überm Skigebiet inzwischen deutlich zugenommen. Mir wurde klar, dass es so mit den von Wetteronline prognostizierten 12 Stunden Sonnenschein nichts werden würde. Aber gut, Bergwetter kann ja bekanntlich schnell wechseln. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Die Rotair-Kabine zum Kleintitlisgipfel machte ihrem Namen diesmal keine Ehre und rotierte nicht. Von der Gipfelplattform gab es für mich zum allerersten Mal keinen Panoramablick auf die Berner 4000er, sondern nur kurze Spots ins meist nebelverhangene Gadmental. Das obere IceFlyer-Drittel steckte ebenfalls in der Gipfelwolke. Am Rotegg-Schlepper kam kurz die Sonne durch, anschließend blieb es dort trüb. Also schnell wieder nach unten. Die Skiroute Stand bot diesmal Standardbuckel mit merkwürdigen Hartschneekugeln garniert; Spaß hat das nicht gemacht. Also weiter zu den Laubersgrat-Abfahrten, die sporadisch einen kleinen Sonnenfleck abbekamen. Leider waren alle drei Pisten am Stand und am Laubersgrat vormittags eine Blankeis-Fläche mit Niveauunterschieden zwischen den einzelnen Raupenspuren. Vom am Gemsstock gemeldeten Neuschnee war hier keine Spur. Die schlechte Präparation ergab zusammen mit der unfreiwillig schnellen Piste und den konturlosen Sichtverhältnissen einen gefährlichen Mix. Durch das trübe Wetter und die schlechten Pistenverhältnisse stellte sich bei mir schon vormittags eine gewisse Mutlosigkeit ein. Ich überlegte, zum Haldigrat zu wechseln, aber die Wolkenfelder hatten sich mittlerweile bis ins Alpenvorland geschoben.
Das Trübsee-Restaurant war laut Mitarbeiterauskunft wegen der Seilbahnbauarbeiten geschlossen, entfiel also für die Mittagseinkehr. Seine Terrasse war auch nicht mit Tischen bestückt. Die vielen asiatischen Gäste wurden ersatzweise im Panoramarestaurant auf dem Kleintitlis verköstigt, das dadurch wahrscheinlich an seine Kapazitätsgrenze kommen würde und für die Mittagspause ebenso ausschied wie die Skihütte Stand mit ihrem begrenzten Angebot. Das Alpstübli am Trübsee war schon im Saisonschluss. Da blieb nur noch die Jochpasshütte, und dort fand heute der Waterslide Contest statt. Also gab es am Jochpass eine sehr frühe Mittagseinkehr - eine gut Entscheidung, denn das Küchenpersonal des SB-Restaurants erwies sich nicht eben als schnell (später gab es dort eine mächtige Warteschlange). Auch ohne Sonne wollte ich lieber draußen auf der Terrasse essen und wurde dafür mit einem Graupelschauer "belohnt". Schon vor dem offiziellen Start durften die Teilnehmer des Waterslide Contest einen Testlauf einlegen. Die erste Probandin nahm sofort ein Vollbad in dem ca. 4°C warmen Wasser ...
Schon von der Terrasse der Jochpasshütte hatte ich gesehen, dass irgendwann der Jochstock-XPress ausgefallen war. Die Skigäste hingen wohl eine runde Dreiviertelstunde darin fest. Mit der gleichzeitigen Landung des Rettungshubschraubers auf dem Jochpass hatte das aber nichts zu tun. Also fuhr ich zunächst ein paarmal die Engstlensee-Pisten, die inzwischen aufgefirnt waren. Zusammen mit ein paar sonnigen Minuten waren das die ersten angenehmen Abfahrten des Tages. Später war der Jochstock-XPress wieder einsatzbereit. Hier und auf den Jochpass-Abfahrten ließ es sich auf Firn ebenfalls recht gut fahren. Zwischendurch legte ich immer mal wieder einen Zuschau-Stopp beim Waterslide Contest vor der Jochpasshütte ein. Dort fiel mehrfach der Strom aus, was zum Aussetzen der Moderation und zum Erschlaffen und Zusammenfallen des lüftgefüllten Durchfahrttors führte
Einige kurze sonnige Abschnitte am Laubersgrat motivierten mich, noch einmal auf diese Seite des Trübsees zu wechseln und sogar noch einmal zum Kleintitlis hochzufahren. Letzteres hätte ich mir komplett sparen können; es blieb dort bis hinunter zum Einstieg in die Skiroute Stand neblig. Die Abfahrten am Laubersgrat waren nachmittags inzwischen aufgefirnt und somit besser zu fahren als am Vormittag. Sonne gab es dort aber kaum noch.
Nach einem finalen Wechsel ins Jochpassgebiet, wo sich die Sonne zumindest ab und zu zeigte, ging es auf die noch offiziell geöffnete Talabfahrt. Diese war auf den oberen drei Vierteln sehr gut zu befahren. Im Serpentinenteil im Wald änderte sich das grundlegend, hier waren die Schneereste z.T. auf 10 cm Breite geschrumpft. Auf dem letzten Teilstück über die Wiesen oberhalb Engelbergs hieß es dann dreimal 5 Meter übers Gras laufen ... oder Abschnallen. Die letzten 20 Meter Schnee führten aber tatsächlich bis zum Parkplatz hinunter.
Fazit:
Vielleicht liest ja jemand vom deutschen oder Schweizer Wetterdienst mit: Wer in meiner Firma so dermaßen fehlerhafte Leistung abliefert wie den Wetterbericht vom 19. April für Engelberg, wendet sich üblicherweise zügig "neuen Herausforderungen außerhalb des Unternehmens" zu. Bei nur annähernd richtiger Prognose wäre ich nicht nach Engelberg gefahren, denn Frühjahrsski ohne Frühjahrssonne ist für die Tonne. Die Fotos unten sehen nicht unbedingt danach aus, weil ich die besten herausgesucht und bearbeitet habe, aber das war für mich im wahrsten Sinne des Wortes ein Saisonabschlusstag zum Abgewöhnen - dies um so mehr, wenn man weiß, wie toll die Skibedingungen am Titlis im April und Mai sein können. Zwecks Seelenmassage werde ich mir nun zuhause die Schönwetterfotos der Vorjahre anschauen ... Allen Forenmitgliedern und Mitlesern, die in der laufenden Woche zum Titlis fahren und dort tatsächlich gutes Wetter genießen können, wünsche ich viel Spaß bei besseren Verhältnissen! Der Schnee wird noch länger halten, und das Jochpassgebiet ist bis einschließlich 26. April 2015 in Betrieb (die Hänge am Titlis bis in den Mai). Meine Saison ist beendet; Ende November/Anfang Dezember 2015 geht es im Mittelgebirge hoffentlich wieder los.
60 Fotos vom Skitag am Titlis:
Anfahrt durchs Engelbergertal bei unverdächtigem Wetter, ...
... und die olle Wolke da überm Titlis wird sich bestimmt auch noch verziehen. Dachte ich zumindest.
In Engelberg entsteht bereits der Rohbau des künftigen Talstationsgebäudes. Auch die künftige Seilbahntrasse ist bereits links im Bild zu sehen.
5 Minuten Warteschlange an der alten 6EUB zum Trübsee.
Wie jedes Jahr zum Saisonabschluss grüßt das ergrünte Brunni-Gebiet von den Engelberger Südhängen.
Die Gerschnialp ist noch ziemlich weiß. Man könnte wohl noch Ski fahren, aber der Skilift ist schon abgebügelt. Die beiden Skifahrer im Bild kamen von der Liftbergstation. Ob sie wohl vom Laub abgefahren sind? Aber wie sind sie morgens um 9:15 Uhr dort hingekommen??
Gerschnialp.
Blick vom Perron der Stand-Pendelbahn in ein paar Sonnenstrahlen. Ansonsten ist es überm Titlis bereits bedeckt.
Weiterfahrt mit der Pendelbahn zum Stand.
Blick durch die verschmutzte Scheibe der PB Rotair ins Tal. Meine Kabine rotierte nicht.
Das übliche Fotoshooting der asiatischen Besucher an der Bergstation Kleintitlis. Wenigstens haben die hier nicht die Skifahrer für ihre Fotos abgegriffen.
Ein kurzer Blick von der Aussichtsplattform auf dem Kleintitlis ins Gadmental. Wo oben die Wolke hängt, sollten eigentlich die Berner Viertausender zu sehen sein ...
Der obere Teil des IceFlyer-Hangs steckte in der Gipfelwolke des Kleintitlis.
Rotegg-Gletscherlift unter einer dicken Wolkenbank, die schnell bis ins Alpenvorland zog. Auch an meinem Alternativziel, dem Haldigrat, hätte es Schatten gegeben.
Über dem Gletscherskilift Rotegg reißt die Bewölkung kurz auf.
Der Gletscherlift Rotegg hat sonst nur im Hochwinter Schatten ...
Rotegg Gletscherpiste.
Skiroute Stand, diesmal bestand sie aus Standardbuckeln mit merkwürdigen Hartschneekugeln.
Blick zurück zum IceFlyer.
Laubersgratbahn am Vormittag mit steinhart gefrorenen Pisten und gefährlichen Niveauunterschieden zwischen den Raupenspuren.
Piste DSB Rindertitlis. Wenigstens die war morgens nicht total vereist.
Blick von der Rindertitlis-Abfahrt über die Gerschnialp aufs frühjahrsgrüne Engelberg und den Risetenstock.
Für den Wechsel zum Trübseehopper steht nur noch der Steilhang zur Verfügung. Die Umfahrung wurde für den Seilbahnbau gesperrt.
Lichtspielchen am Bitzistock mit seinem schon ewig aufgelassenen Schlepper.
Bergfahrt zum Jochpass mit dem Zweck einer frühen Mittagspause in der Jochpasshütte. Hier ist es ziemlich grau.
Jochpasshütte in einem lichten Moment.
Während ich auf der Terrasse der Jochpasshütte sitze, kommt ein Graupelschauer herunter.
Der Jochstock-XPress hatte über Mittag eine Panne. Ungefähr 50 Skigäste mussten rund eine Dreiviertelstunde lang darin ausharren.
Jochstock-XPress. Später lief die 6KSB wieder.
Wegen der Panne des Jochstock-XPress fuhr ich zunächst ein paarmal am Engstlensee.
Eigenartige Lichtstimmung auf der Engstlensee-Piste. Weiter südwestlich trübte es ein ... ich erwartete schon den Wetterzusammenbruch, der aber ausblieb.
2KSB Engstlensee. Habe erst bei diesem Besuch bemerkt, dass das eine Leitner-Bahn ist.
Der Waterslide Contest sorgte für viel Publikum auf dem Jochpass.
Testlauf beim Waterslide Contest am Jochpass. Eine halbe Sekunde später war die Teilnehmerin patschnass. Zu viel Rückenlage schadet nicht nur auf der Piste ... Zufällig sieht man auf dem Bild, dass am Frühnachmittag der Kleintitlisgipfel kurzfristig wolkenfrei war - natürlich dann, als ich möglichst weit von dort entfernt war.
Beim Waterslide Contest erschlafft in Folge Stromausfalls das von einem Kompressor am Leben gehaltene Durchfahrportal.
Die tollkühnen Teilnehmer des Waterslide Contest 2015.
Platsch!
So wird's gemacht!
Jochpassabfahrt, nachmittags schön zu fahren.
4KSB Jochpass. Wer genau hinschaut, entdeckt links der Stütze im sonnenerleuchteten Fleck ein paar Skifahrer, die sich auf die Talabfahrt begeben.
Nachmittags ging es noch einmal zum Laubersgrat. Die Baustelle der künftigen Trübsee-EUB hat gegenüber Dezember noch einmal an Hässlichkeit gewonnen.
4KSB und Piste Laubersgrat.
Eine Fahrt zum Kleintitlis gab ich mir noch, wenn auch völlig vergeblich. Oben war nur noch Nebel. Hier die neue Rotair-Kabine mal ganz auf Weiß, nämlich vor der Gipfelwolke. So braucht man sie für Bildbearbeitungszwecke nicht mühsam auszuschneiden.
Abfahrt vom Stand zum Trübsee.
Verengte Abfahrt kurz vor dem Trübsee-Komplex. Ein Teil der Piste wurde bis auf den Boden abgefräst und wird als Baustraße genutzt.
Noch eine Fahrt zum Jochpass.
An der Bergstation Jochstock. Gegenüber bekommt nun auch der Risetenstock eine Gipfelwolke.
Ein letzter Blick Richtung Engstlensee und Melchsee-Frutt, wo es mehr Sonnenschein gab als am Titlis, aber leider keinen Skibetrieb mehr.
Noch einmal auf der Jochpassabfahrt, die immer weicher und schwerer wurde.
Und dann ging es auf die immer noch offiziell geöffnete Talabfahrt. O.k., es sollte ihr letzter Öffnungstag sein.
Einstieg ins Kanonenrohr der Talabfahrt.
Kanonenrohr, gut zu fahren.
Tadelloser Zustand der Talabfahrt bis Untertrübsee und sogar noch ein Stück weiter.
Auf dem Serpentinenstück im Wald wurde die Talabfahrt matschig und dreckig.
Ja, es wird Frühling in Engelberg ...
Beschneiungsreste auf der grünen Wiese.
Ein weißes Band auf grünem Grund weist den Weg.
Flachstück der Talabfahrt mit Krokussen.
Es war wirklich der letzte Öffnungstag der Talabfahrt.
Vor der EUB-Talstation war für mich die Skisaison 2014/15 beendet.