Plan für Mobility Pricing in der Schweiz für Landverkehr

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Chlosterdörfler
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Plan für Mobility Pricing in der Schweiz für Landverkehr

Beitrag von Chlosterdörfler »

Bundesrätin Doris Leuthard arbeitet an brisanten Plänen: Ihr Verkehrsdepartement (Uvek) arbeitet zurzeit an einem Konzept zur Einführung von Mobility Pricing in der Schweiz. Die Idee: Wer stark genutzte Verkehrswege befährt, soll dafür mehr bezahlen – sowohl auf der Strasse als auch im öffentlichen Verkehr. Ziel des neuen Bezahlsystems ist es, Staus und überfüllten Zügen entgegenzuwirken sowie die künftige Strassen- und Bahninfrastruktur mitzufinanzieren.

Umsetzung ist ein Stufenweises Vorgehen
In einer dritten Phase würde man dann auf dem gesamten ÖV-Netz inklusive Schiffe und Seilbahnen Mobility Pricing einführen. Die Tarifgestaltung wäre die gleiche wie beim Zonenpricing. Wenn man auf einem stark belasteten Netzteil unterwegs ist, in Zeiten hoher Verkehrsbelastung, müsste man also mehr zahlen.
Quelle: http://bazonline.ch/schweiz/standard/Le ... y/13966079

Test der Ticket-Technologie im ÖV-Netz in der Region Zug
Einsteigen in den Bus, umsteigen auf den Zug und zwar ohne vorher ein Ticket zu lösen: Ab Mitte 2017 soll dieses «Reisen mit GA-Komfort» in der Region Zug möglich sein. Der Kanton Zug, die Zugerland Verkehrsbetriebe AG (ZVB) und die SBB haben am Donnerstag das Bibo-Projekt (be in be out) vorgestellt.
Statt immer wieder ein Ticket lösen zu müssen, besitzen die Fahrgäste der Zukunft eine Chipkarte. Damit werden alle Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln automatisch registriert und der Preis für die gefahrene Strecke berechnet und belastet.

Die Abrechnung soll über Kreditkarte, Prepaid-Guthaben oder eine monatliche Abrechnung möglich sein.

Infos: http://www.luzernerzeitung.ch/nachricht ... t93,435389
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j-d-s
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Re: Plan für Mobility Pricing in der Schweiz für Landverkehr

Beitrag von j-d-s »

Ein Vorteil für Autofahrer in einem ansonsten Autofeindlichen Land :ja:.

Finde es schon interessant, wie leistungsbasierte und damit unsoziale Systeme immer öfter als "fairer" dargestellt werden als soziale "Flatrate"-Bezahlsysteme, bei denen jeder unbegrenzte Nutzung zum Festpreis bekommt.
Schleitheim
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Re: Plan für Mobility Pricing in der Schweiz für Landverkehr

Beitrag von Schleitheim »

Was für ein Vorteil für Autofahrer. Die sind davon auch betroffen.
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3303
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Re: Plan für Mobility Pricing in der Schweiz für Landverkehr

Beitrag von 3303 »

"Interessantes" System - besonders "interessant" dürften der Technikaufwand in den Fahrzeugen und an den Trassen sowie der öffentliche "Verwaltungsaufwand" werden. :wink:
Interessant auch die Begründung, dass stark befahrene Routen quasi entlastet werden sollen.
Man sollte sich da mE lieber in der Raumplanung zusätzliche Gedanken machen, wie man das Siedlungs- und Infrastrukturnetz sinnvoll weiterentwickelt.
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Re: Plan für Mobility Pricing in der Schweiz für Landverkehr

Beitrag von j-d-s »

Schleitheim hat geschrieben:Was für ein Vorteil für Autofahrer. Die sind davon auch betroffen.
Also da steht zwar drin, das man Autofahrer auch belasten will, wie ist mir aber schleierhaft. Da müsste man ja das Vignettensystem abschaffen und Mautstellen errichten wie in F/I, sonst kann man ja nur Dinge tun die selbst Big Brother neidisch machen würden.

Aber generell ist das System sehr unsozial und wird vor allem nicht funktionieren. Wenn die Leute zur Rush Hour zur Arbeit müssen, müssen sie zur Arbeit, egal ob das jetzt 2 Franken kostet oder 5. Ist genauso absurd wie die Versuche, den Tabakkonsum durch höhere Preise zu reduzieren - der geht vor allem deshalb zurück, weil man (zumindest in D ist das so) in den Schulen etc. gute Präventionsarbeit leistet.

Von daher führt so eine Abkehr vom "Flatrate"-System nur zu einer Mehrbelastung der sozial Schwachen.
Chlosterdörfler
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Re: Plan für Mobility Pricing in der Schweiz für Landverkehr

Beitrag von Chlosterdörfler »

Da moderne PKW immer weniger Treibstoff brauchen oder Elektrisch fahren gehen dort die Erträge zurück. So wird man andre Wege suchen die Strassen finanziell im Schuss zu halten.

Eins ist sehr wahrscheinlich das das Schweizervolk an die Urnen gerufen wird wenn es zu einem System Wechsel kommt bei der Verkehrsfinanzierung.
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j-d-s
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Re: Plan für Mobility Pricing in der Schweiz für Landverkehr

Beitrag von j-d-s »

Elektroautos sind momentan nicht annähernd auf einem Level mit normalen Autos und ich glaube auch nicht, dass sich das so schnell ändert. Die Ölmultis wollen ihr Geschäft schließlich nicht verlieren.
Chlosterdörfler
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Re: Plan für Mobility Pricing in der Schweiz für Landverkehr

Beitrag von Chlosterdörfler »

Der nächste Schritt ist gemacht worden vom Bundesrat um die Stimmung zu testen.
Der Bundesrat erste Modelle für eine leistungsabhängige Verkehrsabgabe skizziert und einen Konzeptberichts zum Mobility Pricing in eine Anhörung geschickt. «Mobility Pricing erlaubt es, die bestehenden Kapazitäten von Strasse und Schiene besser zu nutzen und Verkehrsspitzen zu brechen», heisst es im 68-seitigen Bericht.

Auszug aus dem Bericht

Was bzw. welche «Art» wird bepreist? (Pricing Objekt 2)

Personenverkehr
Pricing Objekt sind Personentransporte im öV.

Seilbahn
Pricing Objekt ist der eidgenössisch konzessionierte Seilbahnverkehr der dem Bundesgesetz über Seilbahnen zur Personenbeförderung (Seilbahngesetz, SebG, SR 743.01) unterliegt, folglich alle Seilbahnen, die der Personenbeförderung dienen, namentlich Luftseilbahnen, Standseilbahnen, Skilifte sowie ähnliche Transportanlagen mit Seilantrieb.

Nächste Schritte

Mit der Kenntnisnahme des Entwurfs des Konzeptberichts hat der Bundesrat dem UVEK den Auftrag erteilt, eine Anhörung durchzuführen. Diese dauert bis Mitte September 2015. Danach werden die Rückmeldungen ausgewertet, damit gestützt darauf eine breite gesellschaftliche und politische Diskussion geführt werden kann.
Zum Bericht und Fragebogen: http://www.astra.admin.ch/themen/00901/ ... ml?lang=de
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3303
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Re: Plan für Mobility Pricing in der Schweiz für Landverkehr

Beitrag von 3303 »

Manchmal sind die Schweizer mit ihren bürokratischen Konstrukten selbst den Deutschen voraus ;)
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Re: Plan für Mobility Pricing in der Schweiz für Landverkehr

Beitrag von j-d-s »

Das Konzept ist so dermaßen daneben, das ist echt unglaublich. Aber vermutlich nehmen die Schweizer so einen Unfug bei ner Abstimmung trotzdem an.

Denn das grundsätzliche Problem bei einer sowieso sehr unsozialen Abkehr von einem Flatrate-Modell ist, dass es massiv verkompliziert und bürokratisiert wird. Wenn man individuell je nach Auslastung abrechnen will, muss doch im Endeffekt jeder einzeln abgerechnet werden und dafür dann Nutungsprofile erstellt werden, was darauf hinausläuft, dass man den gläsernen Bürger schaffen muss, indem man Bewegungsprofile erstellt. Das ist der feuchte Traum jedes NSA- oder Stasispitzels. Bürgerrechte werden mit Füßen getreten, Privatsphäre effektiv abgeschafft.

Und dabei haben wir über die Kosten eines solchen Systems noch gar nicht geredet, wodurch der Zweck der Idee, nämlich bessere Finanzierung, völlig verfehlt wird. Individuelle Abrechnung auf Basis von Bewegungsprofilen und Kostenermittlung aufgrund von Auslastung ist ein bürokratisches Monstrum, das selbst unsere CSU nicht mehr befürworten würde (und die sind eigentlich immer für mehr Bürokratie und Überwachung). Damit gehen enorme Kosten einher, so hohe Kosten, dass es vermutlich günstiger wäre, wenn man einfach die entsprechenden Verkehrsmittel ausbauen und auf Spitzenlast ausbauen würde. Das ist auch die eigentliche Aufgabe der Regierung, das sicherzustellen, aber wenn man es einfach und gerecht haben, dann sind die natürlich lieber für die unsoziale, komplizierte, teure und überwachungsstaatliche Lösung.
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Re: Plan für Mobility Pricing in der Schweiz für Landverkehr

Beitrag von Wurzelsepp »

Ich kann mir nicht vorstellen, dass so ein (ganzheitliches) Mobility Pricing in den nächsten 10 Jahren kommen wird, das hat sowohl technische als auch politische Gründe. Wo ich es mir leider vorstellen kann, ist im ÖV: So wird halt die Fahrt Bern-Zürich am Montag morgen zwischen 6 und 8 Uhr teurer sein als am Montag zwischen 9 und 11 Uhr. Die Hoffnung wird sein, die Spitze zu brechen und die Fahrten etwas besser zu verteilen. Die Widerstände dagegen sind (noch) gross und bleiben es hoffentlich! Ein grosser Erfolg des schweizer ÖV-Systems ist die einfache Tarifstruktur: Ich kaufe ein Ticket Bern-Zürich für einen Tag und kann damit zu einem beliebigen Zeitpunkt fahren. Wenn ich mir hingegen den Kauf eines französischen Zugtickets am Automaten vorstelle, so überkommt mich das Grauen: Das dauert mindestens 5 Minuten und man muss jeden einzelnen Zug ganz genau angeben, nicht nur, dass man auf direktem Weg von A nach B fahren will.
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Re: Plan für Mobility Pricing in der Schweiz für Landverkehr

Beitrag von TPD »

^^
Bitte denkt daran.
Ab Sommer 2015 wird der sogenannte SwissPass eingeführt. (Nicht zu verwechseln mit dem SwissPass für ausländische Touristen).
Obwohl aktuell nur das GA oder Halbtax auf diese RFID-Karte geladen werden müssen, kann man 1 und 1 zusammenzählen um die zukünftige Strategie zu erahnen...

Aber ich denke für die Einführung des MobilityPricing wird schlussendlich das Volk das letzte Wort haben. Somit können da die Politiker und Behörden noch lange tolle Pläne entwickeln.
Wenn ich mir hingegen den Kauf eines französischen Zugtickets am Automaten vorstelle, so überkommt mich das Grauen: Das dauert mindestens 5 Minuten und man muss jeden einzelnen Zug ganz genau angeben, nicht nur, dass man auf direktem Weg von A nach B fahren will.
Oh ja, das kommt mir bekannt vor. :lol: Wobei in einigen Fällen ist das Ticket dann trotzdem in allen Zügen gültig und man kann die aufgedruckte Verbindung getrost ignorieren.
https://www.skichablais.net, seit 20 Jahren über Bergbahnen der Region Chablais und Umgebung.
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