Anfahrt: Karlsbad - Ulm - Füssen - Fernpass - Imst - Sölden 5:30 h durch schrecklichen Dauerregen
Wetter: Bewölktes Tiefdruckwetter mit Schnee- und Aufhellungspassagen, 0 bis -15°C
Schnee: 5-30 cm Neuschnee oberhalb 1800 m
Anlagen geöffnet: Gletscherskigebiet alle, Winterskigebiet keine
Wartezeit: 0 min an Schleppliften bis 5 min an EUBn
Gefallen: Saisonstart im Neuschnee
Nicht gefallen: Skibustakt zum Gletscherskigebiet, Massenbetrieb auf zu geringer Pistenfläche, Bergrestaurants u.v.m.
Bewertung: 3 von 6 Punkten
Das alljährliche Firmen-Skiwochenende meines Unternehmens fiel im Winter 2015/16 erstmals in den November. Zum zweiten Mal ging es dabei nach Sölden; insgesamt war es mein dritter Aufenthalt dort. Für mich persönlich ist Sölden nicht erste Wahl, aber darum geht es bei einer Firmenskifahrt ja nicht.
Exakt zu unserer Ankunft endete der sonnige und warme Spätherbst in den Alpen, was uns einen Wintereinbruch im Söldener Gletscherskigebiet bescherte - zwar mit wenig Sonne, aber dafür mit Pulverschnee und deutlich sinkenden Temperaturen. Unten in Sölden blieb der Schnee nicht liegen. Das Winterskigebiet blieb geschlossen.
Einige Kollegen waren bereits morgens für einen Skitag am Freitag, 20. November, angereist ... und beließen es bei einer einzigen Abfahrt bei 10 Metern Sicht im Gletscherskigebiet - es hatte an diesem Tag keinen Sinn. Ich reiste gottseidank erst zum Freitagabend an.
Am Skisamstag versuchte es unsere Skigruppe mit der Auffahrt zum Gletscher per Söldener Skibus. Die große Menschenmenge an der Haltestelle vermochte der einzige gesichtete Bus nicht zu bewältigen. Nach einer halben Stunde Wartezeit verließ die Hälfte der Kollegen genervt die Bushaltestelle und fuhr mit dem Pkw zum Gletscher. Ein Teil der verbliebenen Gruppenmitglieder kam nach 40 Minuten Warten mit dem Folgebus mit, der Rest leider nicht. Kann doch nicht sein, dass eine Wintersportdestination wie Sölden seine Skigäste nicht ins Skigebiet transportiert bekommt ... hallo?
Oben war die Sicht nach nächtlichem Schneefall und mit viel Bewölkung nicht prickelnd, aber gerade akzeptabel. Wegen der besseren Eignung für schwache Sichtverhältnisse verzog sich meine Teilgruppe unmittelbar auf den Tiefenbachferner. Dort gab es zwar Pulverschnee, aber der wurde von den schieren Menschenmassen auf dem Söldener Gletscher schnell zu Haufen aufgefahren ... es steckte wohl noch einige Restfeuchte darin. Mit 5 Minuten an den EUBn und gar keinen an den Schleppliften waren die Wartezeiten kein Problem.
Der Versuch der Mittagseinkehr im Bergrestaurant Tiefenbach um 12 Uhr war ein einziges Desaster. Wie auch auf den Hauptabfahrten gab es hier einfach viel zu viele Leute. An einen Tisch war nicht zu denken. Glücklicherweise trafen wir Kollegen, die vor uns eingetroffen waren, und durften nach einer halben Stunde Wartens neben ihrem Tisch deren Plätze einnehmen. Andere Gäste gaben die Tischsuche auf und nahmen ihre Mittagsmahlzeit auf dem Teppich oder dem Steinfußboden ein. Solche Verhältnisse in einem Bergrestaurant habe ich in >40 Jahren Skifahren noch nicht gesehen. Angeblich war es im Bergrestaurant Rettenbachferner nicht anders, berichteten Kollegen.
Durchhalten lohnte sich am Skisamstag - um 15 Uhr wurden die Wolken dünner, und blauer Himmel und verschneite Ötztal-Hänge wurden sichtbar. Viele Gäste hatten schon aufgegeben, und so gab es trotz guter Sicht leere Pisten mit schönem Schnee.
Wegen der schlechten Erfahrungen mit dem Söldener Skibusservice bevorzugte mein Firmenteam am Skisonntag die weniger umweltfreundliche Variante und fuhr mit den Pkws zum Gletscherskigebiet. Über Nacht waren nochmals 30 cm Neuschnee gefallen. Der Vormittag bot noch recht gute Sichtverhältnisse mit der Sonnenscheibe hinter dünnen Wolken, deren Obergrenze ich auf 3500-3600 m schätzte. Auf eine Mittagseinkehr im Bergrestaurant verzichteten wir wegen der am Vortag vorgefundenen bösen Verhältnisse dankend. Gegen 14 Uhr wurde die Sicht schlechter, also beendeten wir den Skitag vorzeitig und begaben uns auf den Heimweg. Eine gute Entscheidung, denn Kollegen, die nur eine Stunde später starteten, vermeldeten via Whatsapp einen langen Unfallstau auf der Fernpassstraße bei Heiterwang, als wir uns bereits Stuttgart näherten.
Fazit: Für eine Firmenskifahrt ohne eigene Entscheidung zu Termin und Destination war der Aufenthalt in Sölden ein guter Start in die Skisaison und eine schöne Sache. Privat würde ich keinesfalls im November für ein Wochenende ins Söldener Gletscherskigebiet fahren - das Verhältnis von Skigebietsgröße und Massenauflauf passt einfach nicht. Dann lieber Stubaier oder Pitztaler ... der Hintertuxer ist von meinem Standort aus für ein Wochenende zu weit entfernt.
15 Fotos vom Neuschnee im Söldener Gletscherskigebiet:
Ja, wir sind in Sölden!
Nächster Ameisenhaufen: Das gnadenlos überfüllte Bergrestaurant Tiefenbachferner. Mittagspause im Arabian Style auf dem Teppich.
Typische Impression für mein Skiwochenende vom Tiefenbachferner - die Sonne hinter der Wolkenschicht.
Panoramalift mit schönem Neuschnee.
Blick durch leichten Schneefall über den Übungslift am Tiefenbachferner auf die sonnenbeschienene andere Söldener Talseite.
Lichtimpression an der Bergstation der Tiefenbachbahn.
Neuschnee am Mutkogllift mit Ötztaler Bergen dahinter.
Mutkogllift mit leeren Hängen, nachdem die meisten Gäste mangels Sonnenschein vorzeitig aufgegeben hatten.
Talstation Tiefenbach nachmittags fast verwaist.
Kurzfristiges Panorama am SCHL Seiterjöchl nachmittags ... man sieht schön die Wolkenobergrenze auf ca. 3500-3600 m.
SCHL Seiterjöchl mit Pulverschnee.
Blick von der Gletscherstraße nach Sölden - bis ganz unten sind nur ein paar Schneekrümel gekommen.
5 Minuten Wartezeit an der EUB Schwarze Schneid.
Herrlich leerer Hang mit Neuschnee und Sonne am Mutkogl am Sonntagvormittag.
Nochmal ... leider hielten die guten Bedingungen nur eine Stunde. Gegen 14 Uhr zog es immer mehr zu.