Nachdem wir bereits 2011 von der BZB eingeladen wurden, einen hochinteressanten Tag mit vielen einzigartigen Blicken hinter die Kulissen auf der Zugspitze zu verbringen (Bericht hier), durften wir im September erneut zu Gast sein auf der Zugspitze und uns sowohl die Baustelle der neuen Eibseeseilbahn als auch die Wankbahn anschauen.
Tobias Benthin von der Bayerischen Zugspitzbahn, der auch den letzten Tag auf der Zugspitze organisiert hatte, konnte wieder ein hochinteressantes Programm für uns auf die Beine stellen und hatte mit Martin Hurm (dem Projektleiter der neuen Eibseeseilbahn), Verena Lothes (Pressesprecherein) und dem Betriebsleiter der Wank-Bahn fachkundige Experten zur Seite, die uns hochinteressante Einblicke gewährten und sämtliche Fragen beantworten konnten
Nach dem Treffen am Zugspitzbanhof ging es mit der Zahnradbahn bis zur Talstation Eibseeseilbahn, wo wir von Matrin Hurm und Verena Lothes bereits erwartet wurden. Dort bekamen wir dann einen ersten Überblick über das Projekt, das sich über die nächsten Jahre erstrecken wird:
2015: Bauvorbereitungen im Tal (Bauplatz räumen, Zufahrtsstraßen bauen bzw. ausbauen), Materialseilbahn, Baukran Bergstation, Fundamente an der Bergstation errichten
2016: Bau der Talstation inkl. Seilbahntechnik, Vorarbeiten Bergstation
2017: Abriss Wartehalle alte Bahn, Seilzug und Endmontage neue Bahn, Beginn Skisaison: Inbetriebnahme neue Bahn
Nach diesem Projektüberblick gings auch gleich zur alten Bahn, wo wir nochmal eine technische Führung in der Talstation der bestehenden Eibsee Seilbahn bekamen.
Dabei ist die Technik der 60er Jahre nach wie vor sehr beeindruckend, zudem wird die neue Bahn nicht schneller als die bestehende Anlage fahren (10 m/s).
Die Antriebseinrichtung sowie die Steuerung sind mit BJ. 2003 noch relativ neu, dafür findet sich in irgend einer schweren Materialseilbahn sicher Verwendung.
Dabei werden auch manche spezielle technische Finessen wie zwei unabhängige Steuerungen, pneumatische Bremsen als auch die spezielle Antriebsanordnung mit Differenzial geschliffen.
Durch die dicke Hochnebeldecke war uns leider nie der Blick auf die gesamte Bahntrasse gewährt. Die alte Bahn ist voraussichtlich noch bis Mai 2017 in Betrieb.
Das technisch geniale Laufwerk der bestehende Bahn mit 2 Zugseilen mit Abwurfvorrichtung.
Blick auf die Talstation der Materialseilbahn die parallel zur PB hinauf zum Gipfel führt.
Nahezu alles was auf den Berg muss wird mit der Materialbahn zum Gipfel gebracht.
Über den Wolken an der Bergstation angekommen.
Tiefblick hinab in die Wolkendecke.
Links die westliche Spur der bestehenden Bahn, in der Mitte die östliche Spur.
Rechts erkennt man die Doppeltragseile der Materialseilbahn.
Die Kabine überwindet eine wahnsinnige Steigung mit über 100% über der Nordwand der Zugspitze.
Nach einem kurzen Video mit einigen Erklärungen durften wir direkt die Baustelle besichtigen.
Die neue Bahn wird an der Bergstation eine engere Spur als die bestehende Anlage besitzen. Die neue Bahn sitzt also "zwischen" der alten Anlage.
Dadruch können viele Arbeiten auch während des Betriebs bereits gemacht werden - man könnte glatt denken, die Ingenieure, die die alte Bahn geplant haben, haben bereits berücksichtigt, dass diese irgendwann mal ersetzt werden müsste
Blick hinab in die "Baugrube" - nur was für Schwindelfreie.
Hier wird ein massiver Betonturm für die östliche Spur errichtet der später die Tragseilpoller und die gesamte Seilbahntechnik tragen wird.
Dieser Trum wird auf ca. auf halber Höhe nach hinen abgespannt - dadurch werden die Seilkräfte auf die Südseite des Gipfels abgeleitet.
Auf der westlichen Spur wird dasselbe gemacht, der leiche Versatz der einzelnen Spuren bleibt auch bei der neuen Bahn erhalten, wenn auch nicht so groß wie derzeit.
Wie angenehm die Bauarbeiten in dieser Höhe sind, zeigt der Schnee auf den Spritzbeton - Säcken.
Das Bahnsteig - Niveau bleibt das selbe wie jetzt, nur wird die Station wesentlich weiter über die Nordwand hinaus ragen sowie höher werden.
Die alte Bahn fährt direkt an der Baustelle vorbei.
Aufwändige Fundamtierungsarbeiten für die westliche Spur der neuen Bahn.
Auch auf der Baustellenwebcam waren wir zu sehen!
Abspannbauwerk auf der Südseite. Drei der vier Fundamente sind bereits fertig, auch die alte Bahn ist auf der Stüdseite abgespannt, man kann die Tragseile vorne erkennen.
Bergstation Gletscherbahn, von hier aus kann man die Bauarbeiten auf der Südseite sehr gut begutachten.
Wir waren natürlich vorbildich ausgerüstet worden.
Zu den interessanten Orten kommt man natürlich nur mit Körpereinsatz.
Fundament für die Abspannung der Betontürme auf der Südseite, man kann ungefähr die Größe erkennen.
Im Hintergrund die Tragseile der bestehenden Eibsee Seilbahn
Auch die Materialseilbahn ist auf der Südseite abgespannt, zudem befindet sich der Windenantrieb der Bahn hier.
Abspannung der Tragseile der Materialseilbahn.
Diese Tragseile haben den selben Durchmesser (47mm) wie jene der bestehenden Pendelbahn, sind aber neu.
Man kann sich in etwa denken was alleine die Materialseilbahn kostet.
Antrieb der Materialseilbahn mit Teilen von der ehemaligen PB Meran 2000, die Materialseilbahn ist von Moosmair
Aber auch die Gletscherbahn hat für den Bau der Eibseeseilbahn einen Seik auf der östlichen Spur bekommen.
Damit können auch Lasten mit der Zahnradbahn und dann der Gletscherbahn auf den Gipfel gebracht werden.
Der Seik bleibt auch im Personenbetrieb an der Kabine, Materialtransporte sind aber eher die Ausnahme.
Von der Terasse aus kann man den leicht ausgesetzten Kran erkennen, dieser ist das einzige Transportmedium auf der Baustelle selbst. Damit wird auch später die Bergstation zusammengebaut.
Bergstation Materialseilbahn, Nutzlast 5,5 to.
Die Lasten werden auf dem Podest vom Kran direkt übernommen.
Extrembaustelle mit Kran - Touristen - Materialseilbahn und dem Gipfel.
Das Gebäude ist während der gesamten Bauzeit für Personen zugänglich - d.h. man kann immer von der Tiroler Zugspitzbahn zur Gletscherbahn kommen.
Alpinforum - Bautrupp vor der Zugspitze, jetzt neu mit einer Materialseilbahn auf dem Panorama.
Detailbild Materialseilbahn mit Seilkran die sehr knapp an der Felswand vorbei führt.
Tiefblick, die Baustelle kann man auf den Wolken erkennen, das gibt es auch selten.
Nach dem Mittagessen ging es für uns wieder ins Tal.
Bauplatz für die 127m hohe Stütze, die ist per Baustraße erreichbar.
Die neue Stütze wird ca. doppelt so hoch wie die Stütze 1 der bestehenden Bahn (auf dem Bild)
Die Materialseilbahn bseitzt 2 große Stützen + eine kleine an der Talstation.
Nochmal der Umschlagplatz an der Talstation der Materialseilbahn, per LKW erreichbar.
Blick zurück auf die Trasse, leider immer noch kein Gipfelblick.
Auf diesen Schotterparkplatz kommt die Talstation der neun Bahn. Die wird bereits 2016 fertig gestellt werden.
Der Schiebeperon hat weniger mit Platzproblemen zu tun als viel mehr mit Passagierflussoptimierung.
Nach einer kurzen Führung in der Leitzentrale der BZB im Eibsee-Bahnhof ging es per Zahnradbahn zurück nach Garmisch.
Nach der Bauführung auf der Zugspitze haben wir noch eine Technikführung an der Wankbahn bekommen.
Die altehrwürdige 4EUB von 1982 von PHW mit Klemmen von Giovanola wird von der BZB mit viel Aufwand und Herzblut in Schuss gehalten.
Neben einer netten Aussicht gibt es vor allen Dingen eine technisch sehr interessante Anlage zu sehen.
Los ging es an der Talstation, hier geht es sehr beschaulich zu, viel war nicht los, die Kabinen drehen mehr oder weniger leer ihre Runden.
Wir durften einen Blick in die Werkstatt werfen wo die Klemmen der Bahn gewartet werden.
Die Giovanola Klemmen sind mittlerweile auch eine Rarität.
Eine Klemme im zerlegten Zustand. Die Klemme besitzt unzählige Einzelteile und setzt einiges Know-How voraus zur Wartung.
Klemme auf der Gehängestange montiert. Zum Ein-/Auskuppeln wird die Klemme mit den kleinen Lagern auf der Gehängestange angehoben.
Danach ging es weiter zur Mittelstation. Die Fahrt ist relativ beschaulich.
Mittelstation. Hier befindet sich der Unterflurantrieb für beide Sektionen. Der Notantrieb ist auf der Bahnsteigebene angeordnet, Eintrieb über ein
Ritzel direkt auf die Zahnstange.
Wir bekamen eine Technikführung und konnten die Kuppelstelle usw. besichtigen. Hier die Klemmkraftprüfung in der Ausfahrt 1. Sektion.
Antrieb für die Kunststoff - Beförderungsstange welche die Kabinen in der Station weiter fördert. Das System ist relativ einmalig aber eigentlich auch genial
- die Kabinen können zum Ein- und Aussteigen einfach händisch angehalten werden.
Das Förderersystem ist beachtlich für BJ 82, nach wie vor in einwandfreiem Zustand.
Giovanola Klemme im Einsatz, die wäre heute mit all den CEN Vorschriften und Regeln nicht mehr genehmigungsfähig, funktioniert aber hier problemlos.
Auf die vielen technischen Fragen bekamen wir kompetente Antwort vom technischen Leiter.
Bei einer neuen Hochleistungs - EUB wäre es kaum denkbar im Umlauf herum zu stehen.
Weiter ging die Tour im Keller mit den Unterflurantrieben und der elektrischen Ausrüstung. Die Anlage ist teilweise sogar redundant ausgeführt,
Sollte ein Gleichrichter einer Bahn streiken kann man diese auch mit dem Gleichrichter der zweiten Anlage betreiben.
Kurz vor Schluss sind wir noch ganz hinauf zur Bergstation gefahren.
Strecke der 2. Sektion, sehr beschaulich - nicht so extrem wie die Eibsee Seilbahn.
An der Bergstation haben wir noch eine kleine Wanderung gemacht und über alte Skigebietspläne diskutiert.
Der Wank ist doch noch ein Geheimtipp für den Winter.
Zusammenfassend war das ein wiederum hochinteressanter Tag mit einzigartigen Ein- und Tiefblicken. Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an die Verantwortlichen der BZB für diese Einladung und die perfekte Betreuung an diesem Tag!
Der Bericht stammt größtenteils aus der Feder von Jack90 - Die meisten Bilder sind auch von ihm - an dieser Stelle auch an ihn vielen Dank, dass er sich die Mühe gemacht hat!