Anfahrt: Val des Dix - Arolla ca. 0:25 h
Wetter: Sonnig, unten ein paar Nebelwolken am Berg, -7°C bis +3°C
Schnee: 50-200 cm Altschnee
Anlagen in Betrieb: Alle 5, abgesehen vom stillgelegten Stangenschlepper oberhalb Arolla-Dorf
Wartezeit: Keine
Gefallen: Skifahren vor Gletschern, kaum Besucher, große Abgelegenheit
Nicht gefallen: Die Hälfte der Abfahrten aus dem Pistenplan ist gar nicht erst vorhanden bzw. präpariert; keine Ausschilderung
Bewertung: 5,5 von 6 Punkten
Homepage: http://www.arolla.org/ski/
Pistenplan: http://www.arolla.org/ski/map.php
Dieser Bericht ist Teil der Serie meiner viertägigen Skifahrt im März 2016:
Kiental und Kandersteg 10. März 2016
Aletschgebiet 11. März 2016
San Domenico und Alpe Devero 12. März 2016
Arolla und La Forclaz 13. März 2016
In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren waren meine Eltern als Mitglieder der Frankfurter Naturfreundegruppe zweimal in Arolla im hinteren Val d'Herens im Wallis. Gewohnt wurde in "Hotels", die seinerzeit eher noch rudimentäre Unterkünfte mit zusammenbrechenden Möbeln waren. Teils fuhr die Skigruppe an den damals schon vorhandenen Stangenschleppern, teils wurden Touren mit Hüttenübernachtung gegangen. Die Leute hatten jedenfalls viel Spaß.
1981 machten meine Eltern und ich von der Bettmeralp aus einen Tagesausflug nach Arolla, um nachzuschauen, was sich geändert hatte. Meine Eltern grinsten vor Ort: Nichts hatte sich geändert, selbst die muffigen alten Hoteliers waren noch da.
Da ich ja gern auf den touristischen Spuren der eigenen Familie wandele, stand Arolla schon seit einigen Jahren wieder auf dem Programm meiner Skifahrten. Schon 2012 war ich im Val d'Herens, fuhr vormittags in Evolène, und für den Nachmittag stand Arolla auf dem Plan. Aber das Wetter spielte damals nicht mit - es zog zu, und so fuhr ich stattdessen in Anzère. Diesmal hat's geklappt.
Meine Unterkunft hatte ich über ein Buchungsportal im Val des Dix, einem Seitental des Val d'Herens, gewählt, weil für Schweizer Verhältnisse "günstig" (ha, ha ...). Auch von dort fährt man noch rund eine halbe Stunde nach Arolla im Talende, über dem der mächtige Mont Collon steht. In Arolla laufen heute fünf Stangenschlepplifte. Der Talstationsbereich befindet sich etwa 500 m neben dem kleinen Ort. Zwei Stangenschlepper bedienen unten die Übungshänge, zwei bilden die sehr lange Liftkette über 1000 Höhenmeter von Arolla bis in die Scharte La Forclaz auf 3000 m, und einer sorgt im Beschäftigungsgebiet dafür, dass man nach Befahren der "Hintenrum"-Abfahrt aus dieser Scharte nicht bis ins Tal abfahren muss, sondern zum oberen langen Schlepper zurückfahren kann. Ein sechster Stangenschlepper steht stillgelegt am Hang überm Dorf herum und diente wohl früher als Rückbringer von weiteren Abfahrtsvarianten.
Viele Abfahrten sind im Pistenplan von Arolla eingetragen, aber bei meinem Besuch war nur etwa die Hälfte davon tatsächlich unterhalten und präpariert. Die Pisten sind wie vor 30 Jahren ab und zu mit einer dünnen Holzstange markiert ... bei Nebel braucht man im baumfreien Gelände nicht zu versuchen, sie zu finden. Die Abfahrten von 3000 auf 2000 m sind recht lang. Entlang der Liftkette ist die Abfahrt einfacher, die Abfahrt aus der Scharte hingegen ist anspruchsvoller und vermittelt höheren Spaßfaktor. Beim Rückblick nach dem Skifahren stellte ich fest, dass aus der Scharte La Forclaz wohl zwei Abfahrten präpariert worden waren. Den Einstieg zur zweiten habe ich mangels Schildern und Skifahrern aber nicht gefunden. Wer mag, kann aus dem Beschäftigungsbereich durch eine Senke einen Schlenker zu den seitlich gelegenen Hotels von Arolla fahren und gelangt über einen Ziehweg durch den Arven- und Lärchenwald wieder zurück zu den Liftanlagen. Diese Abfahrt ist im Pistenplan nicht einmal eingetragen.
Eindrucksvoller als das Skifahren ist in Arolla natürlich die Aussicht auf die Gletscherberge, geprägt von Mont Collon, Pigne d'Arolla und Mont Blanc de Cheilon gegenüber vom Skigebiet. Obwohl man ihnen in Arolla ganz nahe ist, kann man aus dem Skigebiet keinen einzigen Viertausender sehen, wenn man von einem kleinen Stück Dent d'Herens absieht, das von der Scharte La Forclaz auf 3000 m aus einsehbar ist. Man muss halt mit Bergen zwischen 3600 und 3800 m vorlieb nehmen.
Insgesamt hat mir das Skifahren in Arolla wegen der urigen, abgelegenen Atmosphäre Spaß gemacht. Mittags ging es dann weiter ins Skigebiet von La Forclaz.
33 Fotos aus Arolla:
Anfahrt durchs dünn besiedlte, obere Val d'Herens nach Arolla.
Pistenplan Arolla.
Liftkasse in Arolla. Die Talstationen der Stangenschlepper befinden sich ein Stück neben dem Dorf.
Der lange Skilift Fontanesses 1 und der Anfängerlift Torrent starten im Tal einträchtig nebeneinander.
Rückblick aus dem SCHL Fontanesses 1.
Mit dem Skilift Fontanesses 1 fährt man am SCHL Roimenzete im Beschäftigungsgebiet vorbei.
Sehr lange Strecke des SCHL Fontanesses 1.
Zoom übers Tal auf die Felsnase Aiguille de la Tsa, nach der in Arolla auch ein Hotel benannt ist.
Blick aus dem Skigebiet auf die stark vergletscherte Pigne d'Arolla.
Strecke SCHL Fontanesses 3 (Nr. 2 ist der längere Übungslift unten im Tal). Von den Wolken umspielt werden die Bouquetins und der Mont Collon.
Urlange Strecke des SCHL Fontanesses 3.
Bergstation Fontanesses 3 mit Pigne d'Arolla.
Arolla ist eher ein Skitourengebiet. Wohin man an diesem Sonntag auch schaut - wegen niedriger Lawinenwarnstufe wimmeln alle Hänge von Tourengängern.
Blaue Abfahrt Fontanesses 3 mit Pigne d'Arolla und Mont Blanc de Cheilon. Die anderen Abfahrten aus dem Pistenplan waren nicht präpariert.
Bergstation Fontanesses 1 und Talstation Fontanesses 3, die im riesigen Gelände fast verschwinden. Gegenüber die Aiguille de la Tsa.
SCHL Fontanesses 1, 2067 m lang.
SCHL Fontanesses 1 gegen Bouquetins und Mont Collon.
Abfahrt am SCHL Roimenzete gegen Bouquetins und Mont Collon.
Vor dem Mont Collon klebt die Bergstation einer Material-Pendelbahn am Berg, wohl für irgendwelche Kraftwerksanlagen.
Talabfahrt Fontanesses.
Übungslift Fontanesses 2 mit Mont Collon.
Im Übungslift Fontanesses 2.
Talstation Fontanesses 3.
Schöne Hintenrum-Abfahrt aus der Scharte La Forclaz gegen die Aiguille de la Tsa. Sie hat eigentlich mehrere Varianten, ich habe aber nur die schwarze gefunden.
Ein wenig Freeride vor dem mächtigen Mont Collon.
Talstation SCHL Roimenzete.
Trasse SCHL Roimenzete mit Bouquetins und Mont Collon.
Talstation SCHL Fontanesses 3, 1770 m lang.
Bergstation Fontanesses 3 gegen Pigne d'Arolla und Mont Blanc de Cheilon.
An der Bergstation Fontanesses 3 befindet sich das einzige Bergrestaurant des Skigebiets von Arolla.
Zoom aus der Scharte La Forclaz an der Bergstation Fontanesses 3 zur Dent d'Herens, einziger aus dem Skigebiet von Arolla sichtbarer Viertausender.
Hintenrum-Abfahrt aus der Scharte La Forclaz gegen Aiguille de la Tsa.
Hotels in Downtown Arolla.
Vom Dorf Arolla fährt man über eine im Pistenplan nicht eingetragene Abfahrt durch den Wald zu den Liftstationen.
La Forclaz 13. März 2016
Anfahrt: Arolla - Les Hauderes - La Forclaz 0:20 h
Wetter: Sonnig, +3°C bis +6°C
Schnee: 20-100 cm Altschnee
Anlagen in Betrieb: alle 3
Wartezeit: Keine
Gefallen: Kuriose Liftanlagen; tolle Abfahrt am SCHL Le Tsaté; Panorama
Nicht gefallen: Als Besucher weiß man nicht, wie man parken und zur Liftkasse gelangen soll.
Bewertung: 6/6 Punkten
Homepage: http://www.laforclaz.com/index.php/acti ... s-skiables
Pistenplan: http://www.skiresort.de/uploads/tx_mgsk ... orclaz.jpg
Dieser Bericht ist Teil der Serie meiner viertägigen Skifahrt im März 2016:
Kiental und Kandersteg 10. März 2016
Aletschgebiet 11. März 2016
San Domenico und Alpe Devero 12. März 2016
Arolla und La Forclaz 13. März 2016
Nach dem Skivormittag in Arolla stand als letztes Ziel meiner 4-Tages-Tour das kleine Skigebiet von La Forclaz bei Les Hauderes im Val d'Herens auf dem Programm, das letzte im Tal, das ich noch nicht kannte. Auf der Anfahrt von Les Hauderes fährt man am Hauptlift vorbei, aber da ist kein Parkplatz. Im Ort La Forclaz gibt es zwar ein paar kostenpflichtige Parkplätze, aber keinen Hinweis darauf, wie man von dort zu einem Lift oder zur Kasse kommt. Nach einigem Hin- und Herfahren durch den Ort beschloss ich genervt, zum Hauptlift zurückzufahren und dort - wie inzwischen drei weitere Fahrzeuge - einfach stumpf am Rand der Zufahrtsstraße von Les Hauderes nach La Forclaz zu parken.
Der Liftmann am Hauptlift Le Tsaté freute sich sichtlich über einen Besucher. Der Skipass aus Arolla gilt auch in La Forclaz und in Evolène ("Espace Dent Blanche"). Handschriftlich notierte der Mitarbeiter meine Skipassnummer für die Abrechnung unter den Liftgesellschaften, denn Lesegeräte wird es in La Forclaz sicherlich niemals geben.
Der Skilift Le Tsaté ist die reinste Wuchtbrumme. Schnell und steil transportiert die uralte, lange von Roll-Anlage den Skifahrer über ihre meist durch den Wald gezogene Trasse ... wehe, man muss (so wie ich) allein im Kurzbügel fahren - das ist sehr anstrengend. Irgendwann habe ich den Bügel zwischen die Beine genommen, das funktionierte auf den steilen Abschnitten besser. So abwechslungsreich wie die Lifttrasse sind auch die Abfahrten links und rechts der Anlage, auf einer Seite rot, auf der anderen schwarz. Das Panorama ist schön, man schaut durch den größten Teil des Val d'Herens, nach Nordwesten übers Rhonetal auf Diablerets und Oldenhorn, nach Südwesten auf die Gletscherberge über Arolla, und man kann das Skigebiet von Evolène einsehen.
Wenn man in La Forclaz ist, ist die Besichtigung der beiden Dorflifte ein Muss. Hier fahren der auf Tellergehänge umgerüstete, uralte WSO-Schlepplift La Terraz ... und - ebenfalls mit recht jungen Tellergehängen aktualisiert - ein Unikum mit niedrigen Rundrohr-Portalstützen, wohl so alt wie das Skigebiet selbst - der Skilift La Forclaz. Beide haben eher Zubringercharakter zum Hauptlift Le Tsaté. Fast niemand fährt hier Ski, und es gibt auch nur eine leichte Abfahrt, die beide Lifthänge umrundet und miteinander verbindet.
Mit dem Besuch der beiden Dorflifte versteht man dann endlich auch das Park- und Kassenkonzept fürs Skifahren in La Forclaz: Beide Dorflifte laufen völlig ohne Personal. Ihre Benutzung ist somit für die erste Fahrt kostenlos. D.h. es ist vorgesehen, dass man im Dorf auf einem Bezahlparkplatz parkt, mit einem der beiden Dorflifte zum Hauptlift hinüberfährt und dort den Liftpass für alle Anlagen kauft. Nur steht das nirgends.
Nach ein paar weiteren Abfahrten am Skilift Le Tsaté enden meine vier Solo-Skitage 2016 am Nachmittag. Fünf staubelastete Autostunden später bin ich wieder bei meiner Familie in Ettlingen. Die Fahrt hat sich gelohnt - 7 Destinationen, 5 davon Erstbesuche, 2 auf historischen Pfaden der Familie, und alles durchgängig bei Schönwetter. Das hatte ich in den letzten Jahren oft genug anders.
32 Fotos aus La Forclaz:
Zoom von der Straße Les Hauderes-Arolla auf La Forclaz. Der Hauptlift Le Tsaté mit seinen langen Abfahrten befindet sich links der Bildmitte und führt von links unten bis auf etwa halbe Höhe des Hangs.
Blick von der Straße nach Arolla über Les Hauderes auf die mächtige Dent Blanche.
Uralter Pistenplan La Forclaz an der Zufahrtsstraße. Der WSO-Schlepplift La Terraz fehlt noch zwischen den beiden eingetragenen Anlagen.
Der Hauptlift Le Tsaté startet an der Zufahrtsstraße nach La Forclaz, aber einen Parkplatz gibt es dort nicht.
Talstation SCHL Le Tsaté.
Einstieg SCHL Le Tsaté.
Steil fährt der alte von Roll-Schlepplift Le Tsaté durch Lärchenwald den Berg hinauf.
Weiter oben wird die Trasse etwas flacher.
Wo der SCHL Le Tsaté diese Alpsiedlung passiert, gibt es die Gelegenheit zum Zwischeneinstieg. Sich so einen Kurzbügel zu angeln, dürfte beliebig schwierig sein.
An der Bergstation des SCHL Le Tsaté gibt es sogar ein Bergrestaurant.
Von der Bergstation Le Tsaté schaut man durchs Val d'Herens bis auf die andere Rhonetalseite auf Diablerets und Oldenhorn. Das ist ein Stück Rhonetal-Südhang ohne Skigebiet, ja, so was gibt es!
Blick von der Bergstation Tsaté auf Evolène (unten rechts im Bild) und sein Skigebiet, besucht 2012.
Blick von der roten Abfahrt Le Tsaté ins Tal von Arolla mit Pigne d'Arolla und Mont Blanc de Cheilon.
Von der roten Abfahrt gelangt man zu den beiden Dorfliften von La Forclaz. Hier der SCHL La Terraz, eine WSO-Anlage.
Dorflift La Terraz in La Forclaz.
Und dann steht dort noch dieses Lift-Unikum, der Skilift La Forclaz mit dünnen Rundrohrstützen, hier gegen die Dents de Veisivi.
Portalstützendetails.
Strecke Skilift La Forclaz mit einspuriger Mini-Stütze.
Talstation Skilift La Forclaz, sicherlich runderneuert.
Fahrt im Skilift La Forclaz, der mit neueren Tellergehängen umgerüstet wurde.
Talstation Dorflift La Terraz von Städeli / WSO.
Fahrt im Skilift La Terraz in den Lärchenwald.
Vom Skilift La Terraz fährt man an Maiensäß-Gebäuden entlang hinüber zum Hauptlift Le Tsaté.
Von Roll-Skilift Le Tsaté gegen das Tal von Arolla.
Steile Waldtrasse SCHL Le Tsaté.
Stützenimpression Le Tsaté. Rechts der Stütze die Aiguilles Rouges d'Arolla.
Zoom zum Mont Blanc de Cheilon. Auf dem Hang davor scheint man die Hintenrum-Abfahrt aus der Scharte La Forclaz nach Arolla zu sehen.
Schwarze Piste Le Tsaté gegen Aiguilles Rouges d'Arolla - tolle Abfahrt!
Schwarze Piste Le Tsaté von unten.
Auf der schwarzen Piste fährt man dieser Alpsiedlung vorbei. Blick durchs Val d'Herens auf die Rhonetal-Südhänge.
Steilstück der schwarzen Abfahrt Le Tsaté.
Ausstieg SCHL Le Tsaté gegen das Val d'Herens - die Schlussimpression meiner Viertagesfahrt im März 2016.