Anfahrt: Ettlingen - A5 - Basel - A2 - A1 - Bern - A12 - Montreux - Aigle - Col du Pillon in 4:20 h mit Staus bei Bern
Wetter: Wolkenlos, +8 bis 0°C
Schnee: 50 bis ca. 200 cm Alt- und Nassschnee
Anlagen in Betrieb: Alle außer PB Reusch-Oldenegg, Talabfahrt Reusch schneemangelbedingt gesperrt
Wartezeit: keine
Gefallen: Schweizer Frühjahrsski vom Feinsten, tolles Panorama der Walliser Alpen, Abfahrt durch die Combe d'Audon
Nicht gefallen: Gletscherpisten zu flach
Bewertung: 6 von 6 Punkten
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Dieser Beitrag ist Bestandteil des Reports über meine viertägige Skifahrt vom 16. bis 19. März 2017:
Les Diablerets / Glacier 3000 16. März 2017
Leysin 16. März 2017
Chamonix / Grands Montets 17. März 2017
Courmayeur / Val Vény 17. März 2017
Via Lattea / Montgenèvre und Clavière 18. März 2017
Via Lattea / Sestrières - Sauze d'Oulx - Sansicario - Pragelato 19. März 2017
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Es ist wieder März, und wie so oft gehe ich nach unserem Faschings-Familienurlaub auf eine Soloskifahrt. So viel Zeit habe ich für die Planung aufgewendet ... und zwei Routen für eine Skifahrt durch die Ostalpen ausgearbeitet - vom Arlberg über den Raum Innsbruck, das Salzburger Land und Kärnten oder über Südtirol und Bergamasker Alpen in Richtung Slowenien. Aber es wäre nicht Harzwinters Skifahrt, würde nicht an Tag Nr. 3 von 4 das Wetter kippen. Alle geplanten Ziele ab Tag 3 würden gemäß Prognose im Regen versinken. Also gebe ich meinen Plan einen Tag vor Fahrtantritt mal wieder zähneknirschend in den Ausguss und fange von vorn an. Im Alpenraum südlich von Turin soll das Wetter besser bleiben. Die Webcambilder aus den Alpi Mondovi zeigen leider, dass dort für das Wochenende ein letztes Mal der restliche Schneematsch zu befahrbaren Haufen zusammengekratzt wird, danach wird wohl Schluss sein. Also muss ich höher hinaus. Dafür bietet sich die Via Lattea an, wo ich noch nie Ski gefahren, aber schon gewandert bin. Um dort am Tag Nr. 3 aufzuschlagen, dem Samstag, kann ich den Donnerstag und Freitag in der Westschweiz und im Montblanc-Gebiet verbringen, das passt. Also geht es am Donnerstag nach Les Diablerets/Glacier 3000 und ein Nachbargebiet und am Freitag nach Chamonix zu den Grands Montets und/oder Courmayeur.
Auf dem Gletscher von Les Diablerets wollte ich eigentlich schon seit Jahren den Saisonabschlusstag Ende April verbringen, für einen Tagesausflug von Baden aus ist es dann doch zu weit. Bei ca. 3 Stunden Anfahrt ist bei mir für einen Tagesausflug Schluss, Les Diablerets braucht von Zuhause aus 4:20 h. Und so freue ich mich, dieses überfällige Ziel nun in eine Skifahrt integrieren zu können. Die Kombination mit einem Skigebiet im Raum Gstaad erweist sich gemäß Webcamimpression als sinnlos, dort sieht es schon recht grün aus. Und so stehe ich um kurz nach 9 Uhr an der Pendelbahn auf dem Col du Pillon. Die Pendelbahn ab Reusch, mit der ich lieber gestartet wäre, ist wegen abgetauter Talabfahrt leider schon im Saisonschluss.
Zwei Sektionen Pendelbahn bringen den Besucher vom Col du Pillon (deutsch Pillhuhnpass?) über Felswände und Talsenken auf die Kuppe Scex Rouge am Rande der Diablerets-Gletscherkuppe. Hier oben beschäftigen drei flache Gletscherschlepplifte und eine Sesselbahn die Skifahrer. Wichtiger jedoch ist die anspruchsvolle Abfahrt Combe d'Audon, die auf die Nordseite des Massivs zurückführt, wo eine Sesselbahn eine weitere Abfahrt erschließt.
Da ich wegen der kurzfristigen Neuplanung der Tour keine Zeit mehr hatte, Forenberichte über den Gletscher von Diablerets aufzufrischen, bin ich an der Bergstation vom unglaublichen Panorama der Walliser 4000er begeistert. Sauber aufgereiht steht da die komplette Mannschaft Walliser Viertausender - Weissmies/Fletschhorn/Lagginhorn, die Mischabelgruppe, Weisshorn, Zinalrothorn mit Nachbarn, Matterhorn, Dent d'Herens usw. - nebeneinander, und weiter westlich schließt sich direkt das Montblanc-Gebiet an. Toll! Selbst ein Stück Berner Alpen ist gut auszumachen. Hier könnte ich den ganzen Tag nichts Anderes machen als Berge anzuschauen.
Das Skifahren auf dem Gletscher ist erwartungsgemäß nicht ganz der Bringer - zu flach ist das Plateau, auch wenn es schön ist, den Blick immer wieder über das Panorama schweifen zu lassen. Immerhin lockern Sportflugzeuge, die auf dem Gletscher landen, die skisportliche Unterforderung auf. Die Abfahrt vom Gletscherplateau durch die Combe d'Audon ist erfreulicherweise das Gegenteil - eine knackige schwarze Strecke, von deren Ende man mit einer Rückbringer-Sesselbahn zur Oldenegg auf der Nordseite des Massivs transportiert wird. Die schwarze Abfahrt von dort nach Reusch ist leider geschlossen. Abwechslung bietet auch die Abfahrt von der Pendelbahn-Mittelstation Cabane zur Oldenegg, sogar über eine kurze Schutzgalerie vor Steinschlag verfügt sie.
Nach zwei weiten Runden über Gletscher und Combe d'Audon hab' ich's gesehen. Beim Warten auf die Pendelbahnkabine für die Talfahrt zum Col du Pillon betrachte ich eine Gruppe Gleitschirmflieger mit Ski, die sich den Nordhang des Scex Rouge hinunterstürzt. Wo Felsen sind, wird geflogen, wo schneebedeckte Hänge sind, wird aufgesetzt und gefahren - faszinierend. Vom Col du Pillon mache ich mich auf den Weg nach Leysin.
Fazit:
Skifahrerisch und von der landschaftlichen Impression her hat mir der Besuch im Gebiet Glacier 3000 wesentlich besser gefallen als erwartet. Sollte sich die Gelegenheit noch einmal bieten, ist es auf jeden Fall eine Wiederholung wert.
Fotos:
Pistenplan Les Diablerets / Glacier 3000 an der Mittelstation Cabane.
Blick vom Parkplatz am Col du Pillon - die Pendelbahntrasse überwindet kühn eine Felsstufe.
Bergfahrt mit der ersten Pendelbahnsektion vom Col du Pillon zur Mittelstation Cabane.
Zweite Pendelbahnsektion von Cabane zur Bergstation Scex Rouge. Blick ins "Weiße Hochland" von Gstaad, das Mitte März aber schon arg grün geworden ist.
Ausfahrt der Pendelbahnkabine aus der Bergstation Scex Rouge.
Sesselbahn Ice Express an der Bergstation Scex Rouge. Das Pendant zu Engelbergs Ice Flyer. Hier oben steht Europas wohl höchste schienengeführte Sommerrodelbahn, deren Schienen im Winter freilich zugeschneit sind.
Per Schussstrecke quert man zum Gletscherplateau. Hinten die Walliser 4000er.
Zoom auf Mischabelgruppe (4545 m), Weisshorn (4505 m) und Zinalrothorn (4221 m).
Und hier Dent Blanche (4357 m), Matterhorn (4478 m) und Dent d'Herens (4171 m). Insbesondere bei der Dent Blanche beachte man die Höhendifferenz zum Talboden rechts darunter - das müsste ungefähr bei Les Hauderes im Val d'Herens auf rund 1400 m sein. D.h. da sind fast 3000 m Höhendifferenz zu sehen! Vorn die Gletscherschlepplifte auf dem Plateau von Les Diablerets.
Gletscherschlepplift Dôme, wenn ich mich nicht irre. Die drei sehen alle ähnlich aus.
Skilift Tsanfleuron auf dem Gletscherplateau, ein klassischer von Roll-Gletscherschlepplift wie die beiden anderen Anlagen hier oben auch.
Gletscherschlepplift Quille du Diable, der einzige von den dreien, der wenigstens im obersten Teil ein paar etwas steilere Hänge bedient.
Derselbe Skilift mit Blick übers Gletscherplateau gegen die Berner Alpen, von denen später ein Zoomfoto kommt.
Und das ist sie - die Quille du Diable, übersetzt Teufelskegel. Daneben hat man die hässliche Blechkastenhütte "L'Espace" gestellt, ...
... von deren Terrasse man einen unglaublichen Blick über den steilen Felsabsturz und das siedlungslose Hochplateau Derborence, das Tal der Lizerne und das Rhonetal ins Skigebiet Quatre Vallées mit dem Grand Combin darüber hat. Noch weiter rechts (außerhalb des Bildes) sieht man schön den Montblanc.
Blick von Gletscherplateau übers Rhonetal auf den Ort Nendaz, eine erschreckende, mahnende Wucherung aus Schweizer Zweitwohnungsboom und fehlenden Walliser Baurestriktionen. Wie man sieht, ist quasi der ganze (!) Hang unter der Dent de Nendaz, dem kleinen Berg über der Baumgrenze, zugebaut. Die schwach ausgebildete Pyramide oben in Bildmitte ist der Mont Fort über Verbier, der dicke Gletscherberg oben rechts der Grand Combin.
Zoom zum Grand Combin, 4314 m. Beeindruckend!
Zoom von der Terrasse der Hütte "L'Espace" zum Montblanc (4808 m) in Schulbuchperspektive.
Am "Steilhang" des Skilifts Quille du Diable.
Gletscherschlepplift Tsanfleuron.
Zoom in das ganze Gezackel der Berge von Chamonix. Darin enthalten sind Mont Dolent, Tour Noir, Grandes Jorasses, Aiguille d'Argentière und Les Droites. Links vom Montblanc die Aiguille Verte, unter der ich am Folgetag Ski fahren werde.
Gletscherschlepplift Tsanfleuron mit Viertausenderparade: Weisshorn, Zinalrothorn, Monte Rosa, Obergabelhorn, Grand Cornier, Dent Blanche und Matterhorn.
Und dann geht es vom Gletscherplateau steil hinunter in die Combe d'Audon!
Wunderbare Abfahrten und Steilhänge in der Combe d'Audon ...
... bis der flache Talboden erreicht wird. Knapp rechts oberhalb der Bildmitte erkennt man schon die Oldenalp, wo die Rückbringersesselbahn startet.
Rückbringersesselbahn Olden.
Sausteil fährt die Sesselbahn Olden den Hang hinauf. Blick zurück aufs Bergrestaurant Oldenalp.
Seilbahnkomplex Oldenegg.
Und von der Oldenegg fährt die laaaange 4KSB Cabane hinauf zur Mittelstation der Pendelbahn vom Col du Pillon.
Hier quert die 4KSB Cabane ihre interessante, aber z.T. schattige Abfahrt.
Blick von der Mittelstation Cabane auf die zweite Sektion der Pendelbahn mit Bergstation Scex Rouge.
Am Nordhang des Scex Rouge ziehen diese Gleitschirmflieger über die Flanke. Wo Schnee liegt, wird kurz aufgesetzt und Ski gefahren, wo Fels ist, wird geflogen.
Cabane des Diablerets mit Bergstation Scex Rouge.
4KSB Cabane mit schöner roter Abfahrt Martisberg und Blick in die Berner Voralpen.
Abfahrt Martisberg mit Schutzgalerie.
Seilbahnkomplex Oldenegg. Die Abfahrt von hier hinunter nach Reusch war schneemangelbedingt leider geschlossen, die Pendelbahn von Reusch außer Betrieb, sonst wäre ich von dort hinaufgefahren statt vom Col du Pillon.
Zweite Sektion der Pendelbahn mit Gipfelstation Scex Rouge.
Seilbahnplattform auf der Mittelstation Cabane.
Blick von der Mittelstation Cabane nach Leysin und in das Skigebiet des Ortes. Die beiden markanten Berge sind Tour d'Aï und Tour Mayen. Im Dunst oberhalb der Bildmitte wäre der Genfersee zu sehen.
Zoom zum Tour d'Aï über Leysin. Links davon und unterhalb erkennt man die Pisten und Liftanlagen von Leysin, wo ich am Nachmittag Ski fahren werde. Das geübte Auge erkennt, dass vom Tour d'Aï sogar eine (natürlich schmale und ausgesetzte) Skiabfahrt in Gratnähe möglich ist, die unten in Bildmitte ins Skigebiet von Leysin zurückführen würde. Hätte man den Tour d'Aï damals erschlossen, wäre die Abfahrt heute ein Hit!
Zoom nach Osten ins Oberwallis oberhalb Brig und Mörel. Der Höhenzug, der sich aus der unteren Bildmitte zum linken Bildrand zieht, ist das 2992 m hohe Bettlihorn, ein Oberwalliser Aussichtsberg par Excellence. Wer genau hinschaut, erkennt an dessen Auslauf in der Bildecke unten rechts die Chaletsiedlung Rosswald mit Skigebiet, zu erreichen per Seilbahn von Brig-Glis. Die Berge hinten: Pizzo Cervandone, hinter dem das italienische Skigebiet Alpe Devero liegt, dann 2x Vorder Helsen und schließlich Helsenhorn, hinter denen das italienische Skigebiet San Domenico liegt.
Auf dem flachen Gletscherplateau landen und starten immer wieder Sportflugzeuge, was das Skifahren dort ein Stück unterhaltsamer macht.
Nochmal der Gletscherskilift Quille du Diable.
Und hier ein Zoom vom höchsten Punkt, der Bergstation Tsanfleuron auf knapp über 3000 m, zu den Berner Alpen: Die vier höchsten Punkte sind Aletschhorn, Breithorn, Nesthorn und Bietschhorn.
Noch mehr Zoom vom Gletscherplateau zum Bietschhorn über dem Walliser Lötschental.
Und damit die Zoompracht komplett ist, hier noch der Monte Leone überm Simplonpass. Der Pass selbst ist von davorliegenden Bergen verdeckt.
Sportflugzeug auf dem Gletscher mit Bergstationskomplex Scex Rouge und der Hängebrücke zwischen den beiden Gipfeln. Ich war nicht drauf, sondern bin lieber Ski gefahren.
Nochmal in die Combe d'Audon hinunter.
Rückbringer-Sesselbahn Olden.
Bergrestaurant Oldenalp.
Zurück zur Oldenegg ...
... und final hoch zur Pendelbahn-Mittelstation Cabane.
Mit der Pendelbahn geht es wegen der bereits geschlossenen Talabfahrt in Reusch wieder zurück zum Col du Pillon.