Die Meteorologen taten sich schwer diese Woche: Höhenkaltluft sorgte für schwer vorhersehbares Wetter. Anfang Woche sah der Mittwoch nach einem sicheren Treffer aus. Was aber erwartete uns am Mittwochmorgen? Verhangene Berge, grau in grau. Also verlängerten wir schon einmal das Hotel um eine Nacht und verschoben die Termine vom Donnerstag. Das nennt man Prioritätensetzung!
Schliesslich war es dann ab Mittwochmittag doch schön - die Berichte hatten das vorhergesehen, so richtig glauben wollten wir's aber nicht. Nun denn, gerade Plattjen erwies sich als Geheimtipp. Oben eine plane Pulverfläche, ab der Mitte toller Sulzschnee ohne Haufen. Im Gletscherskigebiet wurde man als Pistenfahrer nicht so recht warm - 10-15cm verfahrener Pulverneuschnee, Typ "haufig"... na ja. Und die Talabfahrt dann Sulz-Sülze, Typ "extrem haufig". Was soll's.
Der Donnerstag dann war einer der tollsten Tage dieses Winters.
Und er versöhnte mich definitiv mit dem Gebiet von Saas Fee. Klar: Nach wie vor fehlt eine vernünftige Verbindung zwischen den Teilgebieten um Morenia und Längfluh. Nach wie vor finde ich die Anordnung der Liftanlagen seltsam bis unlogisch, sind die Gehwege unnötig lang (vor allem in jenen Gebäuden und Stollen mit dem Charme einer Eisenerzmine auf einem entlegenen Planeten, wo jederzeit Alien um die Ecke fauchen könnte). Nach wie vor nerven mich Skiorte, in denen ich ins Postauto statt den Zug steigen muss (und in einer Halle mit dem Charme eines Bunkers ankomme), die bis weit in den Winter im Schatten liegen und wo die Lifte "irgendwo" beginnen, nur nicht da, wo man im Dorf ankommt.
Doch so langsam schätze ich den verschrobenen Charme der vielen architektonischen 1970er-Reminiszenzen und die Herzlichkeit der Drei-Sterne-Hotel-Besitzer, die ihre renovationsbedürftigen Buden mit den abgewetzten Teppichen, 80er-Badezimmern und 60er-Skiräumen liebevoll hegen und pflegen. Dass der Skibus nicht kommt, obschon der Fahrplan etwas anderes sagt (vermutlich - besonders "usable" ist er nämlich nicht), sagte uns im März der nette Apotheker, der extra zu uns raus kam: "Ach, es warten immer wieder Leute vergeblich vor dem Geschäft, da helfe ich jeweils gerne." Und das "einen ganz schönen Tag wünsche ich Ihnen" der Bügelgeber unten im Tal kann durchaus den Ärger darüber aufwiegen, dass man auf dem Gletscher oben kaum zu den Schleppern schaut, Einstiege nicht flach anlegt und die Bügel durch den Neuschnee schwappen lässt, damit man auch einen richtig kalten Hintern hat während der Fahrt. Und dass die meisten Lifte etwa 200m zu früh aufhören.
Schon früher erwähnt: die Natur ist halt schon grandios. Die Gletscher, die Egginer-Wände, die Aussicht bis weit in den Osten. Die Pistenpräparation ist sehr überzeugend. Ich bin fast sicher, dass die Bergbahnen den Geldsegen aus ihrer cleveren Aktion gescheit einsetzen und ein paar Verbesserungen vornehmen. Und dass die Hotels unterhalb des Luxussegmentes merken, dass sie bald einmal mehr als einen Pinsel in die Hand nehmen sollten. Wobei dann das Argument der Zeitreise zurück nach etwa 1983 wegfallen wird - was soll's.
Ähm, wo war ich?
Ach ja, beim Donnerstag. Skifahren "at its best", oben tiefster Winter mit Pulverschnee, unten anfangs toller Sulzschnee, der erst ab etwa 14 Uhr zur Tortur wird. Wenig Volk. Unverfahrene Bully-Spuren bis 16 Uhr. Nebelmeer bis am Mittag, darüber stahlblau.
Und heute Freitag? Genau: Wir haben nochmals verlängert, weil's so schön war. Erstaunlicherweise immer noch relativ leere Pisten. Ansonsten dasselbe: oberhalb Morenia/Längfluh Powder, der etwas feuchter wurde als am Donnerstag - darunter akzeptabler bis toller Sulzschnee, je nach Tageszeit. Wenn das Wetter stimmt, mache ich die Zeitreise vielleicht sogar nochmals bis Saisonschluss am 22. April.
Alle Bilder in diesem Album - hier das Best Of:
Folgende zwei Bilder: Wenig perfektionistische Pflege der Gletscherlifte... Einstieg nicht flach, Bügel holen sich nette Fudikühlung in Form von Schnee am Boden. Schaufel in die Hand nehmen? Fehlanzeige.
Wie gesagt: Alle Bilder in diesem Album bei Bedarf nach mehr.