Anfahrt: Ettlingen - A8 - Ulm - A7 - AS Oy/Wertach - Oberjoch - Schattwald in 2:10 h (Rückfahrt ab Nesselwängle in 2:47 h)
Wetter: Bis 13 Uhr wolkig mit Aufhellungen, in der Höhe stürmischer Wind, ab 13 Uhr sonnig, -5°C bis 0°C
Schnee: Ca. 40-70 cm harter Altschnee, oben mit 5-10 cm Pulverschnee-, unten mit Feuchtschneeauflage
Anlagen in Betrieb: Alle außer DSB Neunerköpfle in Tannheim
Wartezeit: Keine
Gefallen: Erstbesuch; vier benachbarte Kleinskigebiete; Talabfahrten Neunerköpfle und Füssener Jöchle
Nicht gefallen: Teils mäßige Pistenpflege; wenig Abwechslungsreichtum Schattwald/Zöblen und Nesselwängle/Krinnenalpe
Bewertung: 5 von 6 Punkten
Den Neujahrstag nutze ich nach kurzer Nacht gern für einen Ausflug in beliebte, andrangsbelastete Skigebiete, wenn es das Wetter zulässt, denn an diesem Tag ist das Aufkommen an Tagesausflüglern gering, und viele Urlauber vor Ort müssen erst mal ausnüchtern. So auch am 1. Januar 2018. Wegen erneut mäßiger Wettervorhersage für den Schwarzwald wählte ich das Tannheimer Tal aus, das sich auf neujahrsleerer Autobahn bestens erreichen ließ. In der Tat meldete der Wetterbericht am Neujahrsmorgen um 7 Uhr Sprühregen am Feldberg. Im Ostallgäu und Umgebung sollte der morgendliche Schneefall dagegen schnell nachlassen und sich ab dem Mittag die Sonne zeigen.
Entsprechend wählte ich die Anreise über das Oberjoch mit Start im Skigebiet Schattwald/Zöblen aus. Hier im wohl unergiebigsten der vier Skigebiete des Tannheimer Tals war der Beginn des Skitages bei noch mäßigem Wetter am ehesten zu verschmerzen. Um 10 Uhr stand ich in Schattwald an der 3SB Wannenjoch. 6 Stunden für 4 Skigebiete ergab nach Adam Riese 1,5 Stunden pro Gebiet abzüglich ein paar Minuten fürs Umsetzen mit dem Auto - jeweils ausreichend für ein Kleinskigebiet mit 3-4 Seilbahn- bzw. Liftanlagen und vorwiegend nur einer Abfahrt pro Anlage. Die wenigen Skirouten ersparte ich mir diesmal wegen des harten Untergrunds. Bis aufs Skigebiet am Füssener Jöchle sind alle Skigebiete im Tannheimer Tal nach Norden ausgerichtet. Wie schon ein paar Tage zuvor in Nesselwang und Wertach würde der Skitag im Tannheimer Tal also vorwiegend im Schatten verlaufen.
Das kleine Skigebiet von Schattwald/Zöblen mit 3SB Wannenjoch, dem Skilift Stuiben und der 4KSB Rohnenspitze vermochte mich nicht so recht zu überzeugen. Die Präparation an Wannenjoch und Rohnenspitze war teils unbefriedigend (Haufengeneratorschnee auf Hartfläche, vereiste Raupenkettenrinnen), den abgelegenen Verbindungs-Skilift Stuiben hatte ich mir weiter oberhalb, länger und seine Abfahrt attraktiver vorgestellt, die Sesselbahn Rohnenspitze endet zu tief unten am Berg, insgesamt fehlen die gefühlten Höhenmeter, und die langen Verbindungsziehwege machen das Gebiet auch nicht interessanter. Lediglich die Lage des Skilifts Stuiben ist schön und die Abfahrt der 4KSB Rohnenspitze ganz nett. Obwohl besonders am Stuibenlift noch der Südsturm fauchte, gab es im Gebiet immerhin bereits die ersten Aufhellungen, was hoffen ließ.
Eine bessere Impression vermochte das Skigebiet Neunerköpfle in Tannheim zu hinterlassen. Die EUB hat eine lange und nicht anspruchslose Talabfahrt, und Doppelschlepplift Gund und DSB Neunerköpfle (die bei meinem Besuch leider außer Betrieb blieb) sind als die einzigen längeren Höhen-Beschäftigungsanlagen mit guter Abfahrt im ganzen Tannheimer Tal anzusehen. Die Pistenverhältnisse waren am Neunerköpfle spürbar besser als in Schattwald/Zöblen, was sicherlich auch der größeren Höhe geschuldet ist. Die Präparation der schönen Talabfahrt war jedoch nicht ganz gelungen, weil teilweise knollig. Vom Neunerköpfle gibt es bereits einen Blick auf die felsigen Tannheimer Berge mit Roter Flüh, Gimpel und Köllenspitze. Den Vilsalpsee sieht man dagegen sowohl aus der EUB als auch von der Talabfahrt nur kurz. Bei meinem Aufenthalt kam wie prognostiziert zumindest schon in der Westhälfte des Tannheimer Tals die Sonne heraus, die Tannheimer Felsberge blieben aber zunächst noch unter einer grauen Wolkendecke.
Als Nummer Drei stand das südausgerichtete Skigebiet am Füssener Jöchle in Grän auf dem Programm. Hier waren wir schon einmal im Sommer im Rahmen eines Wanderwochenendes, als wir die EUB als Aufstiegshilfe zur Otto-Mayr-Hütte im Musauer Tal nutzten und fast den Liftschluss verpassten. Passend zur Hangausrichtung schien die Sonne inzwischen aus allen Knopflöchern. Die lange Abfahrt vom Füssener Jöchle ist in der oberen Hälfte dank Bergpanorama, Sonnenschein und schöner Trassierung ein einziger Genuss, die untere Hälfte verläuft etwas aussichtslos im Wald, ist aber immerhin recht gut zu fahren. Hier gab es die beste Pistenpräparation des Tages. An der Bergstation hat man am nordseitig gelegenen Beschäftigungshang Jochalpe die früheren beiden kurzen Schlepplifte durch eine ebenso kurze 6KSB ersetzt. Ich weiß nicht, ob das dem Beschäftigungscharakter gut tut ... nach einer halben Stunde ist man mit dem Hang durch. Das Allgäuer Alpenvorland, in das man von der Jochalpe schaut, war im Gegensatz zu meinem Besuch im Ostallgäu ein paar Tage vorher inzwischen wieder abgetaut und ergrünt. Die schöne Talabfahrt vom Füssener Jöchle kann man um die Weiterfahrt zum etwas tiefer gelegenen, relativ langen Übungs-Doppelschlepper Schachen verlängern. Tipp: Unbedingt den rechten Lift der Doppelanlage nehmen, weil deutlich flotter als der lahme linke. Von der Außenabfahrt des Schachenlifts kommt man direkt zur EUB-Talstation zurück.
Von Grän ging es dann zum vierten und letzten Skigebiet des Tannheimer Tals, der Krinnenalpe in Nesselwängle. In diesem Kleingebiet fühlt man sich in die 1980er Jahre zurückversetzt, werkeln hier doch lediglich eine 30 Jahre alte Doppelsesselbahn und je ein kurzer Schlepper am Berg und im Tal. Skifahrerisch ist das dezemberschattige Gebiet nicht die Erfüllung, zumal bei meinem Besuch auch die Präparation verbesserungsbedürftig war. Am Almbodenlift am Berg musste man schon ein wenig suchen, wo man langfahren konnte und wo besser nicht, und die Talabfahrt war mit Eisplatten durchsetzt. Eigentlich mag ich solche Old-School-Kleinskigebiete, aber hier holt man aus dem Potenzial arg wenig heraus. Dem Gebiet würde eine zweite Beschäftigungsanlage am Berg guttun. Der Bonus des Skigebiets Krinnenalpe ist eher, dass man genau vis-a-vis der Tannheimer Felsberge fährt, was landschaftlich sehr eindrucksvoll ist. An der Krinnenalpe setzt man inzwischen offenbar mehr auf Rodler - hier befindet sich die längste Rodelbahn des Tannheimer Tals, die mehrfach die Skipiste kreuzt. Schauen wir mal, ob hier in 10 Jahren überhaupt noch Skibetrieb ist.
Fazit:
Es hat mir Spaß gemacht, alle vier Skigebiete im Tannheimer Tal kennen zu lernen. Bei einem Folgebesuch werde ich mich aber wohl auf die Gebiete Neunerköpfle und Füssener Jöchle konzentrieren.
Es folgen insgesamt 64 Fotos von meinem Neujahrsbesuch im Tannheimer Tal:
Pistenplan Tannheimer Tal.
14 Fotos aus dem Skigebiet Rohnenspitze-Stuibental-Wannenjoch ("8-er Runde") in Schattwald-Zöblen:
Talstation 3SB Wannenjoch in Schattwald. Über Nacht sind ca. 5 cm Neuschnee gefallen.
Sehr gemächliche Fahrt in der gähnend leeren 3SB Wannenjoch. Zaghaft zeigt sich erster blauer Himmel.
Rückblick aus der Sesselbahn nach Schattwald.
Blick von der Bergstation Wannenjoch über das noch graue Tannheimer Tal.
Gemütliche Voralpenabfahrt vom Wannenjoch unter ein paar Wolkenlücken, leider mäßig präpariert, was man auf dem Foto nicht sieht.
Steilerer Schlusshang vor der 3SB-Talstation in Schattwald.
Verbindungsschlepplift Stuibental, leider kurz und ohne interessante Abfahrt. Farblose Impression - stürmischer Südwind peitscht durch das Joch und schiebt immer noch graue Wolkenküche heran, die erst überm Tannheimer Tal aufreißt.
Wechsel hinüber zur 4KSB Rohnenspitze. Fortsetzung der Farbtristesse.
Das kindergartenbunte Stationshäuschen des Übungsschleppers Mühlhang in Zöblen peppt die Farbmonotonie gehörig auf. Die Benutzung des Lifts erspart das Schieben zur Sesselbahnstation.
Talstation 4KSB Rohnenspitze in Zöblen. Roter Strich im Landschaftsgrau.
Aber auf der Sesselbahntrasse zeigt sich wieder blauer Himmel über dem westlichen Tannheimer Tal, ...
... über dem östlichen Teil noch nicht. Piste Rohnenspitze, schöner zu fahren als die am Wannenjoch, aber z.T. mit argen, gefrorenen Präparationsrinnen.
Flache Verbindungsabfahrt zurück zur Wannenjochbahn ...
... mit immerhin zum Teil gemütlich-schönem Verlauf.
17 Fotos aus dem Skigebiet Neunerköpfle in Tannheim:
Talstationsbereich Neunerköpfle mit EUB und Übungsschlepplift.
Talstation und postgelbe Kabinen.
Waldtrasse der EUB, die hier ordentlich Höhenmeter macht.
Toller Rückblick über die EUB-Trasse und das Tannheimer Tal. Die Wetterbesserung setzt sich am späten Vormittag durch.
Die Schneehöhe auf dem Neunerköpfle sollte erst mal ausreichen.
Zoom hinüber zur Abfahrt vom Füssener Jöchle in Grän, das nächste Teilskigebiet für den Nachmittag.
Zoom vom Neunerköpfle zum noch arg grauen Zugspitzstock mit der markanten Gipfelbebauung.
Fahrt hinüber zum Doppelschlepplift Gund gegen Haldensee, Gimpel und Köllenspitze.
Doppelschlepplift Gund - schöne Beschäftigungsanlage am Neunerköpfle.
Piste Gund gegen Haldensee und Tannheimer Berge.
Schönes Skiterrain am Doppelschlepplift Gund.
Bergstationsensemble von EUB und DSB (außer Betrieb) auf dem Neunerköpfle gegen das Tannheimer Tal mit Blick nach Westen.
Talabfahrt Neunerköpfle - oberer Teil, der für Wiederholungen von der bei meinem Besuch außer Betrieb befindlichen DSB zusätzlich erschlossen wird.
Dito - mit viel Spaß zu fahren! Bei viel Andrang dürfte hier ein ordentliches Gewusel herrschen.
Blick von der Talabfahrt Neunerköpfle zum Vilsalpsee.
Nochmals die sportliche Talabfahrt vom Neunerköpfle, hier schon weiter unten ...
... und noch einmal für eine letzte Impression aus dem Gebiet. Den Übungslift an der Talstation bin ich nicht gefahren.
19 Fotos aus dem Skigebiet Füssener Jöchle in Grän:
Talstation EUB Füssener Jöchle.
Rückblick aus der EUB weiter unten ...
... und weiter oben. Sonne!
Bergstation Füssener Jöchle mit ... hmmm ... wohl Köllenspitze und Roter Flüh.
Blick nach Süden in die Tiroler Berge. Prominentere Berge sind hier eher nicht zu sehen, trotzdem ist's schön.
Blick nach Norden über den kurzen Skihang Jochalpe ins ergrünte Allgäuer Alpenvorland mit dem Hopfensee.
6KSB Jochalpe, ersetzte zwei ebenso kurze Schlepplifte.
Dezemberskifahren am Nordhang der Jochalpe - Sonne-Schatten-Spielchen.
Bergstation 6KSB Jochalpe gegen die abziehenden Restwolken.
Gratpiste am Füssener Jöchle. Hinten rechts Köllenspitze und Gimpel.
Und dann schwenkt die Abfahrt der Sonne entgegen ...
... wie eine Rennbahn ins Tannheimer Tal hinab, herrlich zu fahren!
Die Piste verläuft ein Stück neben der EUB entlang.
Rückblick zum Füssener Jöchle.
Weiter unten im Wald ist die Abfahrt weniger aussichtsreich, aber immer noch schön zu fahren.
Die Talabfahrt lässt sich zum Übungs-Doppelschlepplift Schachen verlängern, ...
... der sogar relativ lang ist.
Seine blaue Piste ist sanft geschwungen ...
... und bietet einen schönen Blick zurück zu den schattigen Abfahrten von Rohnenspitze und Wannenjoch in Zöblen und Schattwald.
Und noch 13 Fotos aus dem Skigebiet Krinnenalpe in Nesselwängle:
Talstationskomplex Krinnenalpe in Nesselwängle.
Übungsschlepper Tennenberglift und Trasse der DSB Krinnenalpe.
Rückblick aus der DSB Krinnenalpe auf den Übungshang und auf Nesselwängle.
Gegenüber die Tannheimer Felsberge Gimpel und Köllenspitze. Enorme Lichtkontrastgegensätze am Nachmittag.
Letztes Streckenstück der DSB vor der Bergstation gegen Krinnenspitze.
Bergstation mit einsamem Liftler.
Gimpelhaus (unten links im Bild) gegen die mächtige Köllenspitze auf der anderen Talseite in der Nachmittagssonne.
Skilift Almboden, leider der einzige hier oben und nicht sonderlich lang.
Querung zum Berggasthaus Krinnenalm.
Krinnenalm. Sieht gemütlich aus.
Talabfahrt gegen die mächtigen Tannheimer Kletterberge im Spätnachmittagslicht zum Ersten, ...
... zum Zweiten ...
... und zum Dritten. Landschaftlich eindrucksvoll!
