Anfahrt: St. Jakob in Haus - Fieberbrunn - Kitzbühel in 0:35 h
Wetter: zunächst heiter, dann sehr schneller Wetterzusammenbruch mit Gewitter, Graupelsturm und Regen, +2°C bis +7°C
Schnee: 0-80 cm nasser Altschnee
Anlagen in Betrieb: Alle
Wartezeit: Nur auf Abfahrt PB Kitzbüheler Horn, sonst keine
Gefallen: PB Kitzbüheler Horn, Abfahrt Raintal
Nicht gefallen: Furchtbar langsame DSB Raintal, Talabfahrt schneemangelbedingt gesperrt, Wetterzusammenbruch
Bewertung: 3 von 6 Punkten
Dieser Bericht ist Bestandteil meiner viertägigen Skifahrt im März 2018:
Hochkössen / Unterberghorn 11. März 2018
Loferer Almwelt 11. März 2018
St. Jakob in Haus / Buchensteinwand 12. März 2018
Kitzbüheler Horn 12. März 2018
Schnalstaler Gletscher 13. März 2018
Sulden 14. März 2018
Ungeplant finde ich mich nach dem Vormittagsbesuch an der Buchensteinwand also auf dem Parkplatz der Kitzbüheler Hornbahn wieder und ärgere mich zunächst, dass die Parkgebühren Kitzbühel-typisch unverschämt sind. Dass das Parken für Benutzer der Seilbahn wahrscheinlich kostenlos ist, werde ich erst hinterher im Alpinforum lesen ... vor Ort wird nicht darauf hingewiesen. Auch einen Nachmittags-Skipass gibt es nicht. Ganz schön kundenunfreundlich.
Der Plan ist, nach der Bergfahrt mit der ersten EUB-Sektion zur historischen Horn-Pendelbahn von 1955 zu wechseln. Die ersatzweise Benutzung von zweiter EUB-Sektion und Sesselbahn erscheinen mir arg lang. Nun, Pech gehabt. Ich verpasse die Pendelbahn knapp und muss ganz allein eine Viertelstunde auf die nächste Bergfahrt warten. Erst zur Abfahrt der Kabine leistet mir ein Vater mit ca. 10jährigem Sohn Gesellschaft, und so fahren wir in der betagten Kabine gerade mal zu viert (inkl. Personal) auf den Berg.
Etwas besorgt schaue ich bei der Bergfahrt mit der Pendelbahn zu, wie der gegenüberliegende Wilde Kaiser allmählich in dunklen Wolken verschwindet, aber gemäß der nordöstlichen Zugrichtung der Niederschläge sollte Kitzbühel ja knapp davonkommen. An der Bergstation auf dem Kitzbüheler Horn genieße ich zunächst das Panorama. Dann geht es auf die Abfahrt der Sesselbahn Raintal, schön gelegen in einem langen Nebental. Doch oh je ... die fast 2000 m lange DSB Raintal erweist sich als 50 Jahre alt (Bj. 1967), sogar noch mit Schwenk-Fußrastern und Kunststoff-Wetterschutzüberzügen - eigentlich lustig, aber die Bahn ist urlangsam. Die Abfahrt ins Raintal ist zwar schön, aber eine Viertelstunde klappernde Uralt-DSB-Fahrt ist für meinen Geschmack Verschwendung wertvoller Skizeit - jeder größere Schlepplift fährt spürbar schneller. Und so kommt es, wie es kommen muss: Kurz nachdem ich mich dem quälend langsamen Dinosaurier anvertraut habe, verschwindet die Antenne auf dem Kitzbüheler Horn in einer dunkelgrauen Wolke. Das kann doch nicht ... 10 Minuten vorher hingen die Schlechtwetterwolken noch ein paar Kilometer weiter nördlich auf dem Wilden Kaiser fest! Noch während ich mich der nicht enden wollenden Bergfahrt unterziehe, blitzt und donnert es am Kitzbüheler Horn schon, und mehr dunkle Wolken quellen über die Bergkante und ziehen den Gipfelhang hinab. Oh nein ... endlich oben angekommen, taste ich mich ein paar Höhenmeter durch Nebelsuppe und leichten Graupel hinunter, dann habe ich wieder Sicht in den Hornköpfl-Kessel mit seinen Beschäftigungsanlagen. Doch leider nur kurz ... exakt mit meiner Abfahrts-Geschwindigkeit sinkt die Wolkendecke tiefer. Einen Einstieg in den SCHL Eggl schaffe ich noch, dann donnert es hinter mir schon wieder, und kräftiger Graupelsturm setzt ein. Das Liftpersonal weist die verbleibenden Skifahrer darauf hin, dass wegen des sich verstärkenden Gewitters alle Gäste, die nicht in einem Bergrestaurant Zuflucht gefunden haben, zur Mittelstation abfahren müssen. Unterwegs dorthin geht der Graupel in Regen über. An der Mittelstation werden bei meinem Eintreffen aus Sicherheitsgründen aber ebenfalls keine Personen mehr befördert - weder ins Tal noch zum Berg. Also gehe ich mit ein paar Leidensgenossen zum Abwettern ins benachbarte Restaurant Adlerhütte. Ein Blick aufs Regenradar auf dem Smartphone zeigt: Das wird nichts mehr. Dem Gewitter folgt schnell eine zweite, neu entstandene Niederschlagsfront. Ich gebe mich geschlagen und trete die Talfahrt per EUB an, denn die Talabfahrt ab Mittelstation ist schneemangelbedingt gesperrt, und bei dem Sauwetter möchte ich meiner Lieblingsbeschäftigung Schneereste-Hopping nicht nachgehen. So bleibt es bei einem Drittel-Skinachmittag am Kitzbüheler Horn. Sieht aus, als müsste ich noch einmal kommen ... wenn nicht gerade Gewitter ist.
Nach Abschluss meiner Skifahrt stelle ich zuhause auf alten Plänen fest, dass es bis vor einigen Jahren am Kitzbüheler Horn noch die Horn-Standardabfahrt gegeben hat. Heute ist sie auf den Plänen nur noch als Route eingetragen und ist nicht ausgewiesen. Offiziell gibt es nur noch eine blaue Ziehwegabfahrt ins Tal. Weiß jemand, warum die Horn-Standardabfahrt als solche nicht mehr unterhalten wird? Das ist eines so bekannten Kitzbüheler Skibergs doch ziemlich unwürdig. Liegt es an der Südwestausrichtung auf geringer Höhe? Einen Forenbericht vom Kitzbüheler Horn inklusive Befahrung der Horn-Standardabfahrt habe ich nicht gefunden. Bei den Besuchen der Berichtsautoren war die Route stets geschlossen.
Für den Folgetag vermeldet die Wetterprognose schlechteres Wetter in Nordtirol, aber besseres in Südtirol. Also ziehe ich um und fahre in ca. 2,5 h über Wörgl, Innsbruck, den Brenner und Bozen in den Raum Meran. Schließlich möchte ich im Rahmen meiner Skifahrt auch Ziele besuchen, die klar außerhalb meiner Tagesausflugsdistanz liegen.
27 Fotos:
Pistenplan Kitzbüheler Horn, das isoliert vom übrigen Skigebiet Kitzbühel/Kirchberg liegt.
Talstation EUB Kitzbüheler Horn. Gegenüber der Hahnenkamm mit der berühmten Streif-Abfahrt.
Kitzbühel mit viel Schnee auf 800 m. Trotzdem war am südausgerichteten Kitzbüheler Horn die Talabfahrt gesperrt.
EUB-Mittelstation. Hier stieg ich aus, ...
... um mit der alten Pendelbahn direkt zum Horngipfel zu fahren.
Pendelbahn von 1955 (!). Natürlich zwischenzeitlich mehrfach revisioniert.
Blick aus der Pendelbahn zur EUB-Bergstation am Hornköpfl.
Gipfelbereich des Kitzbüheler Horns mit dem auffälligen Antennenaufbau.
Rückblick aus der Pendelbahnkabine. Die Gegenkabine ist mir leider aus dem Sucher gerutscht.
Die Gämse lässt sich von der vorbeifahrenden Seilbahn nicht beeindrucken. Hinten ziehen dunkle Wolken in den Wilden Kaiser.
Auf dem Kitzbüheler Horn. Antenne, Gipfelhaus, Sesselbahnstation.
Schöner Tiefblick vom Horn nach Kitzbühel und in die Kitzbüheler Alpen. Die dunklen Wolken sollen gemäß Zugrichtung am Horn vorbeiziehen, denke ich mir noch.
Auf den Hang der Sesselbahn Brunellenfeld freue ich mich schon. Aber zunächst geht es links hinunter ins Raintal.
Blick ins Raintal. Lang, weit, leer. So wünscht sich ein Skifahrer sein Terrain.
Die Raintal-Abfahrt quert die Sesselbahn ... au weia, was ist das denn? Eine Uralt-DSB mit Schwenkbügeln und Wetterschutzüberzügen. Eigentlich lustig, aber auf der langen Trasse keine gute Idee.
Mit dem Ding muss ich also wieder hinauf. Folglich kommt es, wie es kommen muss: Kaum sitze ich in dem urlangsamen DSB-Dinosaurier, schwappt eine Wolkenwand über das Kitzbüheler Horn und verschluckt es, und auf halber Strecke der DSB blitzt und donnert es auch schon. Und ich bin in dieser Schnecke gefangen. Grmpf.
Heilfroh bin ich, als ich aus der DSB Raintal aussteigen darf. Nach ein paar Metern Nebelfahrt erscheint vor mir wieder der Kessel des Hornköpfl mit seinen Liftanlagen.
Aber leider nur kurz. Die Wolkendecke verliert mit mir gemeinsam an Höhe, und schon blitzt und donnert es wieder am Horn hinter mir.
Ich flüchte zum SCHL Eggl, aus dem ich im Fall der Fälle wenigstens aussteigen kann.
An seiner Bergstation setzt kräftiger Graupel ein, und das Gewitter am Horn geht weiter.
Die Seilbahnmitarbeiter an den Liftstationen Alpenhaus und Hornköpfl erklären mir, dass alle Skifahrer im Gelände aus Sicherheitsgründen angewiesen sind, zur EUB-Mittelstation abzufahren.
Immerhin hat die Abfahrt 2 dort hinunter ein steileres, schwarz ausgewiesenes Stück. Der Graupel geht in Regen über.
EUB-Mittelstation in Sicht.
Das Personal in der EUB-Mittelstation ist angewiesen, wegen des Gewitters vorübergehend niemanden in die Kabinen einsteigen zu lassen.
Also gehe ich zum Abwettern in die gegenüberliegende Adlerhütte.
Eine halbe Stunde später versuche ich mein Glück mit der EUB-Talfahrt erneut. Die Talabfahrt ist schneemangelbedingt gesperrt, und bei den Bedingungen habe ich wenig Lust, dort passende Schneereste zu suchen.
EUB-Talfahrt hinunter nach Kitzbühel, denn die nächste Regenfront naht schon. Tja, das war leider nur ein Drittel-Skinachmittag am Kitzbüheler Horn. Dort muss ich wohl noch einmal vorbeischauen.
[Edit: Typos korrigiert]