Anfahrt: Zunächst problemlos Karlsruhe - A8 - Ulm - A7 - Nesselwang. Dann katastrophal Nesselwang - Bad Kohlgrub - Garmisch - Mittenwald - Leutasch - Inntal - Brennerautobahn - Fulpmes wegen Schneesturms bis zum Whiteout. Insgesamt 7:30 h.
Wetter: 3./4. Januar bewölkt mit wenig Sonne, 5. Januar Schneefall. Tal -5°C bis 0°C, Berg um -10°C.
Schnee: 30-100 cm Pulverschnee
Anlagen in Betrieb: Alle, z.T. morgens etwas verzögert
Wartezeiten: EUB Kreuzjoch morgens 10-20 min, sonst keine erwähnenswerten
Gefallen: Öffnungsbemühungen des Skigebietsbetreibers Schlick 2000; SCHL Galtalm; Freundlichkeit des Personals
Nicht gefallen: Lage EUB-Talstation; Pistenpräparation; Webauftritt und Informationsverhalten www.stubai.at sowie der Stubaier Gletscherbahnen; kein Rodelangebot auf der Schlick mehr
Bewertung: 4 von 6 Punkten
In der Neujahrswoche 2019 traf sich Familie Harzwinter mit Freunden zum Skifahren, diesmal im Stubaital. Standort war Fulpmes wegen der direkten Anbindung ans Skigebiet Schlick 2000 und wegen guten Wellnessangebots im Hotel. Geplant waren eigentlich noch 1-2 Skistunden am Anreisetag 2. Januar, an den Folgetagen ein Besuch am Elfer oder - bei Schönwetter - am Gletscher und 3-4 Skistunden am Abreisetag 6. Januar. All dies wurde von den vorgefundenen Gegebenheiten leider verhindert, so dass die Relation zwei Reisetage zu drei Skitagen Schlick mager ausfällt. Im Nachhinein sind wir froh, dass das Skigebiet Schlick 2000 an unseren drei vollen Tagen vor Ort überhaupt weitestgehend geöffnet war.
Wie bereits oben kurz erwähnt, verlief unsere Anreise ab Erreichen des Allgäuer Alpenrands alles andere als gut. Dort fing es an zu schneien, und wegen umfangreichen Staus am Fernpass schickte uns das Navi ab Nesselwang an den Ammergauer Alpen entlang in Richtung Garmisch/Seefeld. Der vermeintliche Schneeschauer entwickelte sich entgegen der Wetterprognose allmählich zum Schneesturm. Da der Verkehr von Mittenwald nach Seefeld offenbar zum Stillstand gekommen war, schickte uns das Navi über Leutasch ins Inntal. Das war zwar wegen des viel geringeren Verkehrs ein Vorteil. Doch in Leutasch erreichte der Schneesturm Whiteout-Qualität. Immer wieder mussten wir auf den verschneiten Nebenstraßen der Streusiedlung anhalten, bis wir durchs Einheitsweiß vor der Frontscheibe wieder ein paar Spuren vor uns im Schnee erkennen und mit Schrittgeschwindigkeit das nächste Paar Räummarkierungen anpeilen konnten. Andere Fahrer gaben auf und parkten ihr Fahrzeug. Auf der Straße nach Seefeld wird es wohl nicht anders gewesen sein. So erreichte unsere Anreisedauer volle 7,5 Stunden. Das hatte ich zuletzt 2006 auf einer Anfahrt nach Sölden im Dauerschneefall bei Streik der deutschen Autobahnräumdienste.
Der Einstieg ins Fulpmeser Skigebiet Schlick 2000 ist unglücklich angelegt. Die EUB Kreuzjoch startet ein Stück oberhalb des Ortes. Der früher als Zubringer dienende Dorf-Übungslift wurde schon vor vielen Jahren stillgelegt. So müssen sowohl die Hotelgäste als auch die Benutzer des Großparkplatzes den Skibus benutzen - zu Fuß ist der Aufstieg zu weit. Man sollte in Fulpmes mal über die Einrichtung einer Dorf-EUB à la Warth nachdenken.
Der erste Skitag am 3. Januar begann morgens mit einem Schock. Offenbar blieb der Stubaier Gletscher windbedingt zunächst geschlossen. Folglich orientierten sich fast alle Skigäste im Stubaital zum Fulpmeser Skigebiet, was in einem Massenauflauf an der Talstation der EUB resultierte. Gottseidank hatten wir die Skipässe bereits im Hotel gekauft. Nach den 20 Minuten Wartezeit auf die Bergfahrt verliefen sich die Massen im Skigebiet merkwürdigerweise, und eine halbe Stunde später waren mit der 6KSB Zirmachbahn alle Anlagen und die meisten Pisten auf der Schlick in Betrieb. Das Wetter blieb wolkig mit etwas Sonne hinter Föhnschleiern. Die Abfahrten der Sennjochbahn gefielen mir auf Anhieb recht gut, die der Zirmachbahn weniger, weil oft zu schmal. An der 4SB Panoramabahn vermochte nur die rote Abfahrt zu punkten, die schwarze nicht wirklich. Insgesamt fiel mir im Gebiet Schlick 2000 die mäßige Pistenpräparation auf. Der Untergrund war einfach nur unruhig planiert. Man konnte nirgends einen gleichmäßigen Schwung ziehen, auch nicht in den Folgetagen, egal ob mit nächtlichem Neuschnee oder ohne. Immerhin bekamen wir am ersten Skitag im - früh aufgesuchten - Bergrestaurant Kreuzjoch sofort einen Tisch. Wegen guter Organisation, freundlichen Personals und zügig verfügbaren, guten Essens fanden wir uns hier zwei Tage später nochmals ein. Nachmittags ging es über die arg flache Mittelstationsabfahrt zum antiken Skilift Galtalm, der erst wenige Tage vorher in Betrieb gegangen war. Liftfahrt und Abfahrt machten Spaß. Sogar ein paar Holzbügel drehten dort noch ihre Runden. Lediglich die die Piste querende Forststraße ist gefährlich. Hier gehört ein Warnschild an die Piste, weil man die Wegkanten bei schlechter Sicht nicht wahrnimmt, selbst wenn man sie kennt. Die Talabfahrt ist großenteils ein Ziehweg. Das war uns egal - wir freuten uns, dass sie überhaupt geöffnet war.
Der zweite Skitag auf der Schlick am 4. Januar verlief ähnlich. Erfreulicherweise war die EUB-Schlange für die Bergfahrt kürzer. Erneut war Vollbetrieb der Anlagen. Wir versuchten uns für die Mittagseinkehr bei kleinen Hütten, scheiterten aber und endeten in der wenig empfehlenswerten Schlickeralm - eng, voll, laut, hektisch, unorganisiert. Nachmittags stürzten Mitglieder unserer kleinen Skigruppe mächtig an der Kante der Forststraße über die Galtalmabfahrt, obwohl wir sie bereits vom Vortag kannten. Für einen Ausflug zum Gletscher waren die Wetterbedingungen nicht ausreichend.
Am 5. Januar, unserem dritten Skitag, kehrte der Schneefall schon morgens zurück. Die Sicht im Skigebiet Schlick blieb bis zum frühen Nachmittag aber akzeptabel, so dass einige Pistenkilometer zusammenkamen. Nach der Mittagseinkehr auf dem Kreuzjoch blieb es wegen zunehmenden Schneefalls und nachlassender Sicht bei ein paar Disziplinabfahrten an der Galtalm. Dann siegte die Attraktivität des Wellnessbereichs unseres Hotels. Wir hätten vielleicht noch ein, zwei Rodelabfahrten gemacht. Aber das vor ca. 15 Jahren noch bestehende Rodelangebot auf der Schlick wurde irgendwann (bis auf Nachtrodeln auf der Talabfahrt) zu Gunsten von Schneeschuhwandern eingestellt - schade.
Für den Morgen des 6. Januar hatten wir uns eigentlich noch ein paar Stunden Skifahren am Elfer oder Rodeln an der Serlesbahn Mieders im Schneefall überlegt. Doch nachdem ich morgens 40 cm Neuschnee vom Auto beseitigen musste, die Elfer-Talroute trotz Neuschnees geschlossen blieb, im Internetauftritt der Serlesbahnen keine Info über Rodelmöglichkeiten zu finden war und Rodelversuche bei 40 cm Neuschnee generell sinnlos sind, gaben wir auf und traten umgehend die Heimfahrt über die Inntalautobahn und Kufstein unter Vermeidung aller Passübergänge an. Das war auch gut so - Fernpass, Seefeld und Achenpass wurden kurzfristig wegen Lawinenabgängen gesperrt. Das Skigebiet Schlick blieb oberhalb der EUB-Mittelstation geschlossen, auch an den Folgetagen. Auf der bayerischen Autobahn verursachten durch Schneelast umgestürzte Bäume 20 km Stau, die umfahren werden mussten. Die Heimfahrt dauerte immerhin nur 6,5 Stunden.
Fazit: Das Skigebiet Schlick war für drei Skitage o.k., für mehr wäre es uns zu klein. Sollten wir mal wieder im Stubaital sein, werden wir gern für einen Tagesbesuch zurückkommen ... und hoffen, dass dann auch endlich die Elfer-Talroute geöffnet ist.
30 Fotos:
Pistenplan Schlick 2000.
Ansturm auf die EUB Kreuzjoch in Fulpmes, wenn der Stubaier Gletscher nicht öffnet.
EUB-Einstieg.
Rückblick aus der EUB zur Mittelstation Froneben.
An der EUB-Bergstation Kreuzjoch. Es pfeift ein unangenehm kalter Wind.
Abfahrt aus dem Hauptbeschäftigungsgebiet zur Schlickeralm.
4KSB Sennjochbahn mit Schlickeralm. Für die Länge der KSB fehlen ihr Hauben.
Piste an der Sennjochbahn gegen Kalkkögel.
Kreuzjoch-Ensemble, gesehen aus der Sennjochbahn.
Blick aus dem Bergrestaurant Kreuzjoch auf die EUB-Trasse und ins Stubaital.
Querung zur 6KSB Zirmachbahn.
6KSB Zirmachbahn, die einen Doppelschlepper ersetzte.
Abfahrt an der Zirmachbahn gegen Kalkkögel.
Steiler Schlusshang Zirmachbahn.
Talstation Zirmachbahn.
Schöner Starthang der Abfahrt vom Sennjoch, bei unserem Besuch allerdings ziemlich kalt.
Abfahrt Sennjochbahn.
Skischul-Flachhang an der Schlickeralm.
Flache Abfahrt zur Mittelstation Froneben. Hinten links der Patscherkofel.
Querung der Trasse SCHL Galtalm gegen Mittelstation Froneben.
Abfahrt SCHL Galtalm ... schön, aber Vorsicht vor dem querenden Forstweg!
SCHL Galtalm, meine Lieblingsanlage im Gebiet. War sogar mit einigen Holzbügeln bestückt!
Abfahrt Galtalm.
Talabfahrt ... ein Ziehweg, der auch zum Nachtrodeln benutzt wird.
Zoom von Fulpmes zum Elferkogel mit Skihang und Elferhütte.
SCHL Schlickerboden auf der Schlickeralm. Erschließt nur den sehr flachen Skischulhang.
Wetterimpression von unserem zweiten Skitag am Kreuzjoch. Weniger blauer Himmel und kälter.
Unser dritter Skitag dann im Schneefall.
Nicht mehr wirklich einladend ...
Abschied aus Fulpmes im Schneefall.