Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von Oliver.O » 11.01.2019 - 15:02

Natürlich gibt es solche Entdeckungen. Jedes Gebiet hat seine Stärken und Schwächen und fast jeder bewertet diese ein wenig anders. Für mich gibt's zum Beispiel schöne Panoramen eben nicht an jeder Ecke. Arlberg, Dolomiten, St. Moritz, Zermatt wären Beispiele (in alphabetischer Reihenfolge). Und dies ist nur ein Faktor von vielen, der durch natürliche Gegebenheiten bestimmt wird. Höhenlage, nutzbares Geländeprofil, lokales Klima, Erreichbarkeit wären weitere.

Ich mag jedenfalls durchaus verschiedene Gebiete, die für mich jedoch keineswegs austauschbar sind. Und: Im jeweils örtlich möglichen Rahmen versuchen die Hoteliers durchaus, Einfluss zu nehmen. Schätze nur, dass im Moment noch der technische Hype durch App- und Dynamisierungs-Anbieter ein wenig den Blick vernebelt. Die Werkzeuge können Sinnvolles ermöglichen, sind jedoch nur ein Baustein, und oft nicht der entscheidende. Was zählt, ist eine überzeugende Gesamtstrategie.
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von Pancho » 11.01.2019 - 15:21

Da bin ich bei dir.
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von ski-chrigel » 11.01.2019 - 19:53

NeusserGletscher hat geschrieben:
10.01.2019 - 07:04
ski-chrigel hat geschrieben:
09.01.2019 - 13:54
Genau das haben meine Kollegen in Laax auch erlebt und es wurde ihnen der Differenzbetrag anstandslos per App innert zwei Tagen wieder gutgeschrieben. Kurzes Mail genügte.
Bei einer App habe ich aber schon den Anspruch, dass es einen "Erstatten"-Button gibt. Wofür gibt es sonst eine App? Und wieso muss der Kunde in solchen Fällen überhaupt aktiv werden? Das System kennt den entrichteten Preis sowie den aktuell niedrigeren Preis und könnte eine Erstattung automatisch auslösen.
Ich würde jetzt nicht drauf wetten, da ich als Saisonkarteninhaber das nicht brauche, aber ich meine in Laax sei das mittlerweile so, dass das automatisch geht. So habe ich das mal mitbekommen von einem Bekannten, der sich zuerst ärgerte und danach freute, dass ihm der Differenzbetrag ohne Reaktion wieder gutgeschrieben wuede. Ob dies nur bei kurzfristigen (tagesaktuellen) Käufen so ist oder generell weiss ich nicht.

Richtig. In Laax gibt es ein eine Zusatzfunktion im App, auf der man eine Karte mit mit Anstehzeiten findet (grün, gelb, rot) plus dazu bei fast jedem Lift eine Webcam, die den Anstehbereich zeigt. Sehr gute Sache. Zugang hat man entweder als Aktionär, als Saisonkartenbesitzer, dank Sammeln von Punkten oder durch einen geringen Obolus.
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von Mt. Cervino » 11.01.2019 - 21:04

Der Artikel bestätigt mal wieder, was jeder logisch denken Mensch sich selbst herleiten kann, die Bergbahnen die dynamisches Pricing anbieten aber stets verneinen:
Im Kern versuchen die Bergbahnen, ihren Umsatz – abhängig von der Nachfrage – zu maximieren.
Umsatzmaximierung aus Sicht der Bergbahnen heißt im Schnitt teurere Preise für die Konsumenten.
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von 3303 » 11.01.2019 - 21:19

Mt. Cervino hat geschrieben:
11.01.2019 - 21:04
Umsatzmaximierung aus Sicht der Bergbahnen heißt im Schnitt teurere Preise für die Konsumenten.
Ich denke mal, dass es eine Kombination aus höheren Preisen an höher frequentierten Tagen aber auch mehr sicher verkauften Tickets an geringer frequentierten Tagen ist.
Der Kunde soll selbstverständlich mehr Geld ausgeben, sonst ergäbe das DP ja überhaupt keinen Sinn für die Betreiber.
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von Pancho » 11.01.2019 - 21:23

Natürlich ist Umsatz und Gewinnmaximierung das Ziel. Was denn sonst? Die sind doch nicht Caritas?
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von Mt. Cervino » 11.01.2019 - 21:32

Frag da mal den Gurtner und Co. Der erzält dir da was anderes...
Niedrigere Preise an weniger ausgelasteten Tagen, Einsparpotential bei Vorausbuchung, bessere User Experience und alles nur im Sinne des Kunden...
Ich kenn die ganzen Argumente um den Kunden zu überzeugen und die Argumente die man den Kunden nicht erzählt. Hab ja selber mal Marketing studiert.
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von ski-chrigel » 11.01.2019 - 21:47

Pancho hat geschrieben:
11.01.2019 - 21:23
Natürlich ist Umsatz und Gewinnmaximierung das Ziel. Was denn sonst? Die sind doch nicht Caritas?
Richtig. Und ich wundere mich, dass einige hier auch nur im Ansatz daran denken, dass es um was anderes als Gewinnmaximierung gehen könnte. Sowas muss man doch nicht mal aussprechen, ist doch völlig logisch. Aber für gewisse Kunden ist es auch von Vorteil und vermutlich können an schwach frequentierten Tagen wirklich mehr Gäste angelockt werden. Und die paar wenigen, die an höherpreisigen Tagen verloren gehen, so hoffen sie, werden durch die (deutlich) höheren Preise kompensiert.
Ich bleibe dabei, solange man es nicht übertreibt (was mE das Engadin gemacht hat) ist das ein sinnvolles System mit Zukunft, über das in einigen Jahren kaum mehr einer diskutieren wird, weil üblich.
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von Pancho » 11.01.2019 - 21:51

Das ist ja kein Widerspruch. Gewinnmaximierung ist ein legitimes Unternehmensziel. Funktionierender Wettbewerb ist das Korrektiv.
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von Skitobi » 11.01.2019 - 23:32

ski-chrigel hat geschrieben:
11.01.2019 - 21:47
Pancho hat geschrieben:
11.01.2019 - 21:23
Natürlich ist Umsatz und Gewinnmaximierung das Ziel. Was denn sonst? Die sind doch nicht Caritas?
Richtig. Und ich wundere mich, dass einige hier auch nur im Ansatz daran denken, dass es um was anderes als Gewinnmaximierung gehen könnte. Sowas muss man doch nicht mal aussprechen, ist doch völlig logisch. Aber für gewisse Kunden ist es auch von Vorteil und vermutlich können an schwach frequentierten Tagen wirklich mehr Gäste angelockt werden. Und die paar wenigen, die an höherpreisigen Tagen verloren gehen, so hoffen sie, werden durch die (deutlich) höheren Preise kompensiert.
Ich bleibe dabei, solange man es nicht übertreibt (was mE das Engadin gemacht hat) ist das ein sinnvolles System mit Zukunft, über das in einigen Jahren kaum mehr einer diskutieren wird, weil üblich.
Ich halte das alles immernoch für zu kurz gedacht. Negativ trifft es vor allem Familien auf Winterurlaub, und das ist genau die Gruppe, die die Zukunft des Skigebietes absichert. Wer als Kind in einem Skigebiet Urlaub macht, kommt 1. auch später als Erwachsener gerne wieder dort hin und 2. fährt überhaupt Ski! Wenn es jetzt flächendeckend an Weihnachten plötzlich VIEL teurer ist, Ski zu fahren, werden das weniger Familien tun. So lernen auch weniger Kinder Ski fahren und das zukünftige Gästepotential geht -für alle- verloren.

Und wer das ganze noch nicht mitbekommen hat oder aus welchem Grund auch immer nicht online gebucht hat (meine Eltern z.B. buchen grundsätzlich gar nichts online) - und dann am 26.12. vor der Kasse steht und (egal ob) 99 oder 102CHF pro Tag für die Eltern und was weiß ich noch für die Kinder dazu zahlen soll, der kommt bestimmt nicht wieder.

Klar ist das alles wirtschaftlich super durchgerechnet und lohnt sich erstmal für die Skigebiete, aber für diese spezifische Zielgruppe ist es einfach überhaupt nicht kundenfreundlich. Ich habe aber sowieso bei vielen tollen Einfällen, die Wirtschaftler so haben, das Gefühl, dass da nicht wirklich weit in die Zukunft gedacht wird.
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von 3303 » 12.01.2019 - 09:19

Skitobi hat geschrieben:
11.01.2019 - 23:32
...Einfällen, die Wirtschaftler so haben, das Gefühl, dass da nicht wirklich weit in die Zukunft gedacht wird.
Sicher wird oft viel zu kurzfristig gedacht. Bei vielen Entscheidungen mancher Wirtschaftler gehts offenkundig eher um den nächten Quartals-, Geschäftsbericht etc., als um langfristige Strategien über Jahrzehnte. Ich vermisse manchmal auch das Gesamtgespür für langfristige, volkswirtschaftliche Prozesse, die Betriebswirte logischer Weise oft wenig berücksichtigen.

Gutes Beispiel von skitobi: Die Nachwuchsfrage ist Hinsichtlich DP sicher ein Thema.

Anderes Beispiel - Nebensaison und Gesamtattraktivität:
Es kann durchaus mal für alle besser sein, wenn die Bahnen bis Ostern offen bleiben, auch wenn dann vielleicht in diesen zwei Wochen die Zahlen nicht so toll sind. Wenn dafür aber dann einige Hotels, Restaurants und Andere von der längeren Saison profitieren, habet die Destination wieder mehr Möglichkeiten, ihr Gesamtangebot dauerhaft zu verbessern. Und davon profitiert das ganze Tal dann wieder inclusive der Bahnen.
Das sind allerdings Effekte, die man nicht sofort sieht, sondern die sich langfristig einstellen.
Ich bin ja ohnehin der Meinung, dass in Zeiten des Klimawandels ein breit gefächertes Gesamtangebot, das auch bei schlechten Schneebedingungen attraktiv ist, eine gute Zukunftsstrategie ist.

Ich denke, DP hat schon Potentiale, aber man kann auch viel kaputtmachen.
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von joepert » 12.01.2019 - 18:32

Skitobi hat geschrieben:
11.01.2019 - 23:32
Negativ trifft es vor allem Familien auf Winterurlaub,
So hat ich es auch gedacht, aber: Familien planen oft langfristig und können dafür auch profitieren als zie im voraus kaufen. Wie ich oben schon geschrieben habe, habe ich im Oberengadin jetzt für die ganze Familie Skipässe gekauft für unsere Skiferien ende Februar. Da zahle ich - im Vergleich mit die fixe Preise letztes Jahr - etwa CHF 300 weniger!
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von Kris » 12.01.2019 - 19:33

Ein weiterer Punkt vielleicht:

"Fixe" und "erwartbare" Skipasspreise war mir als Gast stets wichtig. Skifahren ist teuer, no-na. Das wusste man. Das Hinblättern der vielen hundert Frankenscheine an der Kassa um die Skipässe für die Familie zu kaufen, direkt am Abend des Ankunftstag hatte etwas zeremonielles. Es ist stets sonderbar gewesen, wie mit dem vielen Geld einen Löwen zu zähmen, der einen dann passieren lässt.
Es war teuer, und stets ein Diskussionsthema wert. Dennoch, die Skipässe wurde selbstverständlich gerne gekauft, das Zeremoniell gerne absolviert. Es sollen ja besondere Tage werden im erfrischenden Weiß und von surrenden Liften über die Berghänge gezogen.
So oder so, diese Erwartbarkeit "Ja es ist teuer, aber darauf sind wir eingestellt" und die Belohnung, die Trophäe Wochenskipass war genau das was man bekommt für das hingelegte Geld. Und wenn sie gegenüber dem Vorjahr ein paar Franken teurer ward, so wusste man das freilich. Ist halt so.

Nun ist es mit dynamischen Preisen anders. Zu alleroberst muss man sich mit dem Ding auseinandersetzen, eine App installieren, die Werbung über sich ergehen lassen, diese X9,95 Preise wie bei Flixbus die Fernfahrt oder die Salami im Lidl.
Als Kunde weiss man sowieso, dass die "Bestpreise" sowieso selten erhältlich sind für die eigene Situation. Man muss strategisch vorgehen, Pokern. Entscheidungen treffen: Früh buchen? Online kaufen? Oder doch das Wetterrisiko nicht eingehen, und nur bei Pulverbeweis und Sonnenschein als erster an der Kassa stehen?
Irgendwie fühle ich mich da bestraft, denn so oder so trägt man entweder Ungewissheit in sich mit bei Vorausbuchung im Internet, oder aber man zahlt zum eh schon teuren Vergnügen nochmal feste drauf an der Tageskassa.

Kurzum:
Ich will mich mit dem "Zeugs" nicht auseinandersetzen, ich will in den Schnee wenn es sich ausgeht und die Verhältnisse gut sind.
Und- allerwichtigst- ich will mich nicht auf den Arm genommen gefühlt wissen, finanziell, wenn ich mich eben genau nicht mit Apps, Algorithmen, Frühbuchen, Reduktionen und Aktionen etc. auseinandersetzen muss, und zudem noch das Wetter- und Schneerisiko auf mich nehmen muss. Nogo!

Folge übrigens:
Meine Wertschätzung gegenüber dem "Skigebiet als Erlebnis" sinkt gewaltig. Die ehemals angenehme Konstante "Hier bin ich Gast, es kostet da wie dort heute wie morgen mehr oder weniger gleich viel" wird ersetzt durch "Ich Kunde, mein Verhalten studiert deren Algorithmus damit sie möglichst viel aus mir herausholen können".
Sorry, meine ich, dann verkauft ehrlicherweise Salamischnitten im Lidl zu Tagespreisen mit viel Werbung in Radio und mit App, Treuepunkte, Frühbucherrabatt und Nachfrageorientierten Preissystemen (wird ja gemacht dank LCD Preisschildern) ... Ebenso ist dann meine Wert-unschätzung für Euch als Betrieb.

Skigebiete fahren durch die nach wie vor fortschreitende Überkommerzialisierung- und -Industrialisierung (Laax...) sowieso einen sehr riskanten Kurs meine ich, denn die sicherste emotionale Bindung des Kunden an "sein" Gebiet geht damit langsam aber sicher flöten...
Willkommen im Reich der Wurtstverkäufer und Flixbus-Provider. Jetzt in Aktion übrigens %%%.
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von Pancho » 12.01.2019 - 19:52

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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von Mt. Cervino » 12.01.2019 - 21:40

Eine treffende Zusammenfassung von Kris die ich 100%ig unterschreiben kann.
Du sprichst mir aus der Seele.
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gfm49
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von gfm49 » 13.01.2019 - 09:49

Da ich überhaupt nichts von dem "Danke"-Button halte, verwende ich ihn auch jetzt nicht. Das ist mir einen eigenen Post wert, dem Beitrag von Kris voll und ganz zuzustimmen.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor gfm49 für den Beitrag:
Kris

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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von Oliver.O » 13.01.2019 - 17:55

Kris hat geschrieben:
12.01.2019 - 19:33
Skigebiete fahren durch die nach wie vor fortschreitende Überkommerzialisierung- und -Industrialisierung (Laax...) sowieso einen sehr riskanten Kurs meine ich, denn die sicherste emotionale Bindung des Kunden an "sein" Gebiet geht damit langsam aber sicher flöten...
Kann ich sehr gut nachvollziehen.
ski-chrigel hat geschrieben:
11.01.2019 - 21:47
Pancho hat geschrieben:
11.01.2019 - 21:23
Natürlich ist Umsatz und Gewinnmaximierung das Ziel. Was denn sonst? Die sind doch nicht Caritas?
Richtig. Und ich wundere mich, dass einige hier auch nur im Ansatz daran denken, dass es um was anderes als Gewinnmaximierung gehen könnte.
Natürlich müssen sie Geld verdienen, was in vernünftigem Rahmen auch völlig in Ordnung ist. Wer jedoch Gewinnmaximierung zum primären Ziel hat, macht sein Unternehmen letztlich zu einem weiteren Finanz-Instrument. Riskant ist das oft deshalb, weil sich Anleger schnell an jedes Renditeniveau gewöhnen und mangels besserer Ideen im Unternehmen irgendwann die Versuchung aufkommt, kurzfristige Gewinne auf Kosten der längerfristigen Überlebensfähigkeit zu realisieren. Dazu gehören Gewinne auf Kosten Anderer (der bindungswilligen Kunden, der Talschaften) als auch auf Kosten des eigenen zukünftigen Substanzwerts (Instandhaltung, Investitionen).

Jetzt mal ein konstruktiver Versuch:

Angenommen, ein Angebot würde so praktiziert und vollständig offen kommuniziert:
  • Es gibt an der Kasse Tageskarten und Mehrtagespässe zu Preisen in aktueller Höhe plus 10%.
  • Beides ließe sich online buchen mit Rabatt gestaffelt nach Vorlaufzeit: Von 5% Rabatt am gleichen Tag bis 25% Rabatt bei Buchung ab 3 Monaten im Voraus.
  • Bei Mehrtagespässen gilt eine automatische Erstattung für Tage, an denen weniger als 50% bekannt gegebener "wesentlicher" Pisten nutzbar sind: 50%, wenn das Gebiet trotz Einschränkungen genutzt wurde, 100% für nicht genutzte Tage.
  • Der Zutritt ins Gebiet wird so limitiert, das Überfüllung begrenzt wird und der vorausbuchende Gast sich auf ein bestimmtes Qualitätsniveau verlassen kann: Ab einem festgelegten Limit werden keine Tickets mehr verkauft (weder Tages- noch Mehrtageskarten).
  • Bereits verkauftes und noch verfügbares Kontingent werden stets aktuell kommuniziert - für jeden einzelnen Tag.
  • Zusätzlich wird stets aktuell eine Hochrechnung kommuniziert, mit wie vielen Gästen voraussichtlich insgesamt gerechnet wird (langfristig auf Basis langjähriger Erfahrungen, Ferienterminen, Klima, kurzfristig verfeinert anhand von Wetterprognosen) .
  • In Zeiten erwartbar geringer Auslastung werden mit für den Gast nachvollziehbaren Rabattaktionen zusätzliche Besucher angelockt.
  • Im Gebiet selbst werden aktuelle Wartezeiten an Liftanlagen und die Einfahrt in wesentliche Pisten erfasst und aktuelle Auslastungswerte für die Gäste auf Tafeln und per App angezeigt
Wäre in diesem Rahmen dynamisches Pricing etwas, das insgesamt als Gewinn wahrgenommen würde?

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oli
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von oli » 16.01.2019 - 18:02

Darf ich ne Frage an die Laax-Spezialisten stellen, ohne mich hier ganz tief ins Thema einarbeiten zu müssen?

Wir fahren Anfang März für ne klassische Urlaubswoche nach Laax. Gibt es eine Alternative zum klassischen "an-die-Kasse-gehen-uns-sich-ne-7-Tageskart- kaufen", die uns dann noch einen Preisvorteil bietet? Oder ist das bei 7 Tagen egal?
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von joepert » 16.01.2019 - 18:37

oli hat geschrieben:
16.01.2019 - 18:02
Darf ich ne Frage an die Laax-Spezialisten stellen, ohne mich hier ganz tief ins Thema einarbeiten zu müssen?

Wir fahren Anfang März für ne klassische Urlaubswoche nach Laax. Gibt es eine Alternative zum klassischen "an-die-Kasse-gehen-uns-sich-ne-7-Tageskart- kaufen", die uns dann noch einen Preisvorteil bietet? Oder ist das bei 7 Tagen egal?
Kauf über die App ist ein bisschen billiger: CHF405 statt CHF 413...


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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von oli » 16.01.2019 - 21:08

joepert hat geschrieben:
16.01.2019 - 18:37
Kauf über die App ist ein bisschen billiger: CHF405 statt CHF 413...
Nee, wegen 8 sfr betreibe ich den Aufwand nicht. Dann bin ich lieber klassisch unterwegs.
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von ski-chrigel » 16.01.2019 - 22:18

Naja, der Aufwand, an der Kasse anzustehen wäre für mich der grössere. Aber ja, der Preisunterschied bei 7 Tagen ist wirklich sehr gering. Bei Tageskarten kann er dann doch deutlich schwanken.
2020/21:26Tg:8xH’tux,4xSFee,3xDavos,3xTitlis,2xA’matt,2xZermatt,2xSölden,1xPitz,1xKauni
2019/20:101Tg:31xLaax,10xH’tux,9xKlewen,4xDolo,4xA’matt,3xSöld,je2xSavognin,Engadin,LHA,Titlis,Pitz,je1xSFee,Davos,Brigels,Malbun,Kauni,Zermatt,24xSkitouren
2018/19:129Tg:22xLaax,19xKlewen,16xDolo,15xA’matt,12xH’tux,8xZ’matt,5xTitlis,4xSöld,3xPitztaler,3xEngadin,3xLHA,3xIschgl,3xStubai,2xGurgl,2xTux,je1xDavos,Frutt,Grüsch,SFL,SHLF,Z’arena,Aletsch,Monterosa,Stelvio
2017/18:143Tg:30xKlewen,25xLaax,15xA’matt,13xH’tux,9xDolo,7xSöld,7xIschgl,5xEngadin,je4xLHA,Pitztaler,Titlis,je2xKauni,Z’arena,Tux,Frutt,je1xDavos,SFL,SHLF,Kitz,Stubai,Hasli,SFee,Osttirol,Kühtai,Hochzeiger,Savognin,Airolo
2016/17:127Tg:29xLaax,20xKlewen,14xH'tux,7xSöld,je6x3V,Enga,Ischgl,je4xA'matt,Gurgl,Pitztaler,Stubai,je3xLHA,Titlis,SiMo,je2xTux,Kauni,SFL,Davos,je1xDiv
2015/16:129Tg:29xLaax,24xKlewen,13xIschgl,8xGurgl,je7xEng,H'tux,6xDolo,5xSFL,4xSöld,je1-3xDiv
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Kris
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von Kris » 17.01.2019 - 00:19

Habe mir die Inside Laax App mal installiert...

Auffällig ist zunächst die schwere Dateigrösse von 57 MB für eine doch recht banale App. Zum Vergleich, die Navigationssoftware Locus Maps kommt mit etwa 26MB aus, bietet aber ein zigfaches an Funktionalität (und ebenso auch einen Shop en passant).
Angesichts des Leistungsumfanges der Laax App wären etwa 5 MB zu erwarten gewesen.

Kommt eine simple App besonders aufgeblasen daher, so ist dies ein Hinweis auf zahlreiche eingebundene Module fremder Hersteller.

Habe mir die Inside Laax App (Android) deshalb mal ein wenig von Innen angesehen.


Da die Usertracking-Datenerhebung von Google halbwegs "geordnet" abläuft, binden App Hersteller gerne Fremdmodule ein, die "mehr können", spricht ungeniert im Hintergrund so ziemlich alles mitloggen und agregieren können, was ihnen Spass macht.

Eingebunden ist in der Laax App beispielswesie "AppBoy", welches von der Firma "Braze" kommt. Diese ist lt. wikipedia "a mobile marketing company based in New York City, with additional offices in San Francisco, London, and Singapore. It develops customer relationship management and mobile marketing automation software that businesses use to manage their mobile applications."

Das Teil "Appboy" findet (bzw befand- falls es mittlerweile anders sein sollte) sich vielen populären App, so auch Tinder und Opera. Relevant ist das, weil Braze damit das Benutzerverhalten in all diesen Apps miteinander aggregieren kann und damit besonders "wertvolle" Userprofile erstellen kann.

Der Apphersteller kann so ziemlich alles orchestrieren:
https://www.braze.com/product/lifecycle ... estration/


Beachte die Geofence und die Geotracking Option, die der Marketer bequem von jedem seiner Kunden abrufen kann:
"At the core of Braze’s real-time location offering is the concept of a “geofence.” A geofence is a virtual geographic area, represented as latitude/longitude pairs combined with a radius, forming a circle in a specific position on the globe. Geofences can vary in size from the size of a building to the size of an entire city. ... . Campaigns can be delivered in real-time to users as they exit or enter geofences, or sent as followups hours or days later. As users enter or exit your geofences, Braze’s location analytics also add a new layer of user data that can be used for segmentation and re-targeting. Geofence-specific analytics also generate insight on the activity of particular locations of interest....
Braze geofences work even when your app is closed, at all hours of the day."

(Das heisst jetzt keinesfalls dass die WAB dieses akkufressende schnüffel-äh feature verwendet, zeugt aber davon, aus welcher m.A.n. Schmuddelecke Braze zuhause ist)

Das dient zur direkten Monetarisierung der User-Daten, oder aber in der "nobleren" Variante auch dazu, die "Kundenbindung zu erhöhen", indem dem Kunden basierend auf seinem Daten "optimierte" (=zumeist teurere) Angebote oder sonstige "Incentives" unterbreitet werden können. Schafe zB. blöken gerne, also bieten wir diesen eine Blöck-CD an o.dgl.

Auch sind in der Laax App die üblichen Module von Facebook enthalten. Selbst Nicht-Facebook Mitglieder, die Facebook aus Adressbucheinträgen Drittter (Freunde etc.) kennt, können dadurch als User identifiziert und getrackt werden.
Da Facebook dem Kunden nichts direkt verkauft, ist klar wozu diese Module Daten liefern, Zuckerberg hats vorgemacht in den letzten Monaten.


Die App bietet eine SOS-Funktion, sehr clever, denn dank dieser "braucht" die App ja Permissions zur Geolokalisierung. Bingo.

All dies ist freilich nur eine dilettantische Mutmaßung von mir, und für die Laax App mit ihren 57MB gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Für mich liegt die App so zwischen Bloatware und Scam.

[edit: Passus mit "login bevor man zu Skipasspreisen gelangt" entfernt, da nicht zutreffend. Danke danimaniac für den Hinweis]
Zuletzt geändert von Kris am 17.01.2019 - 17:31, insgesamt 3-mal geändert.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Kris für den Beitrag (Insgesamt 5):
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>> Die unaufhaltsame Industrialisierung des Skiraums führt zu Banalisierung und somit zum Verlust der magischen Skisportfreude<<

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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von tafaas » 17.01.2019 - 10:27

Dass die Laax-App eine Daten-Krake ist, bestreitet auch niemand.
Ist ja auch genau die Grundidee dieser ganzen Bonuspunkte-Geschichte (Daten gegen Prämien).
(Siehe dieses Interview mit Gurtner: https://www.watson.ch/schweiz/wirtschaf ... einfuehren )
Als reine Info-Quelle ist die App nicht gedacht.
Im Gegensatz zu FB kann ich hier immerhin direkt von meinem Daten-Striptease profitieren. Mit günstigeren Skipasspreisen und gratis Bier in der Kneipe. 8)
Und getrackt werde ich Skigebiet beim Gang durchs Drehkreuz ja sowieso ständig.

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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von danimaniac » 17.01.2019 - 11:12

Ich musste mich da nie anmelden in der App um die tagesaktuellen Preise zu sehen.
wird mal wieder Zeit für ein Snowboard-Abenteuer in Skandinavien...

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Kris
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Re: Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Beitrag von Kris » 17.01.2019 - 17:25

danimaniac hat geschrieben:
17.01.2019 - 11:12
Ich musste mich da nie anmelden in der App um die tagesaktuellen Preise zu sehen.
Danke für die Korrektur, in der Tat kommt man in die Kalenderansicht (mit den Preisen) ohne sich zu registrieren.
Auf der Seite "Plan your trip" gibt es zwei untereinanderliegende breite aber wenig hohe Zeilen die als Button wirken. Deren touch-sensible Fläche berührt sich ohne "Sicherheitsraum" dazwischen, d.h. tippt man wie ich offenbar wenig genau, tippt man die falsche Zeile an, und unter "Dates" befindet sich der Button "Yout Groups", der dann zum Login Bildschirm führt.
Habe die App vorher nochmals installiert, um das zu prüfen. Meine Schuld, war vielleicht auch Null Uhr Neunzehn. Aber dennoch schlechtes UI-Design irgendwie ( die Zeilenhöhe sollte grösser sein, + Zwischenraum).

Dieser Samstag kostet Laax in der App also 80.- , der Sonntag einen Franken weniger.
Der reguläre Preis an der Kassa ist 85 Franken.
Buche ich das darauf folgende Wochenende, also 8 Tage im Voraus und somit ohne sinnvolle Wettervorhersage, kostet es jeweils immerhin noch 77 Fr.
Die Option "Premium-Vordrängeln" kostet in der App 31 Franken extra, egal wann.

Nunja, ich falle eh aus der Zielgruppe "Laax-Kids" raus, insofern...
>> Die unaufhaltsame Industrialisierung des Skiraums führt zu Banalisierung und somit zum Verlust der magischen Skisportfreude<<


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