Prolog
Inspiriert unter anderem von basti.ethals Berichteserie (#1 + #2) und einem weiteren Bericht von McMaf aus dem Jahr 2018 (Link; hat es leider nicht ins Alpinforum geschafft), plante ich nach dem Ende eines Lehrgangs am Freitag (22.02.19) noch in den Thüringer Wald zu fahren (Fahrzeit knapp 2h). Als Ziele hatte ich mir den Goldlauter-Lift bei Suhl und später - zum Flutlicht - den Skilift Ernstthal herausgesucht.
Tags zuvor meldete der Verein, der den Goldlauter-Lift betreibt, noch Top-Konditionen und Betrieb ab Freitag um 12 Uhr. Auch der Skilift in Ernstthal sollte in Betrieb sein, einem Treffen mit Lokalmatador basti.ethal stand aber ein privater Termin entgegen.
#1 Auf dem Hinweg gab es auf den Bundesstraßen immer wieder solche "Mindestgeschwindigkeit 30"-Schilder hinter den Kreuzungen - habe ich auch noch nicht gesehen.
Die Navigation sollte über Google Maps auf dem Smartphone erfolgen, was wohl keine so gute Idee war, denn die App meldete schon auf der Autobahn mehrfach, dass es keinen GPS-Empfang gäbe. Dies setzte sich auch auf den Bundes-/Landstraßen so fort, sodass ich dann, vermutlich wegen einer verpassten Abbiegung deutlich später in Suhl eintraf.
#2 Auf dem Weg dahin ging es endlos durch die Thüringer Wälder, zunächst war die Straße mit Schlaglöchern, später mit Spurrinnen gespickt.
#3 Am Goldlauter selbst folgte dann die Enttäuschung, die etwa 2,5-stündige Anfahrt war umsonst gewesen. Allerdings war die einzige Info darüber das Schild, das sich im Ortsteil Goldlauter am Abzweig auf den knapp 2 km langen Schotterweg befindet. Auf Facebook und der Homepage stand noch immer, dass der Lift in Betrieb sei.
Somit rächte sich, dass ich basti.ethals Rat, vorher anzurufen, nicht gefolgt war. Die bittere Erkenntnis ist also, dass auch im Thüringer Wald nur mit Wasser gekocht wird: Informationen werden bisweilen auf der Homepage oder über Facebook verbreitet, aber diese Infos sind grundsätzlich weder vertrauenswürdig noch aktuell und können den Anruf nicht ersetzen.
Bei einer derartigen Informationspolitik kann man solche Gebiete dann aber auch nicht wirklich weiterempfehlen.
Meiner Meinung nach wäre der Hang noch fahrbar gewesen, die Liftspur war ok, und ob die Abfahrt nun 3 oder 30 m breit ist, hätte mich auch nicht gestört...
Ein paar Bilder von der Talstation habe ich dann doch gemacht, den Aufstieg mit Tourenskiern sparte ich mir, es regnete leicht und ich wollte ja den Lift fahren. Aufsteigen kann ich in ein paar Jahren immer noch, wenn die dilettantische Informationspolitik den Lift in den Ruin getrieben hat...
#4 Spanngewicht
#5 Günstig ist es jdfls nicht...
#6 Leider zu warm.
#7 Talstation im Ganzen, es ist leider kein Blick ins Innere möglich.
#8 Rollenbatterie
#9 Blick auf die Strecke
#10 Gehänge, lt. basti.ethal zugekauft und im Gegensatz zum restlichen Lift kein Eigenbau. Also von Transporta Chrudim?
#11 Ein paar Trassenzooms...
#12
#13
#14 Nochmal das Gehänge im Detail.
#15 Die Bilder zeigen nur die untere Hälfte der Trasse.
#16 Übrigens ziemlich großes Talstationsgebäude mit Schmelzwassersee davor. Es fanden sich ferner keine Spuren, also gehe ich davon aus, dass keiner an diesem Tag hochgefahren ist.
Enttäuscht ging ich zurück zum Auto und rief sicherheitshalber nochmal beim Skilift in Ernstthal an. Eine gute Entscheidung, denn wie ich erfuhr, hatte es dort wohl seit Mitternacht geregnet und der Betrieb konnte nicht mehr aufgenommen werden. Blieben also noch insgesamt drei Optionen, davon zwei in der Nähe: Schmiedefeld mit dem Eisenberglift und Oberhof mit der legendären LST-4SB am Fallbachhang. Die Skiarena Silbersattel in Steinach wäre mit einer Stunde Fahrzeit etwas weiter weg gewesen. Zunächst steuerte ich Schmiedefeld an, also ging es den Hinweg in Serpentinen wieder den Berg rauf. Noch im Ort fiel mir aber rechts eine verdächtige Schneise auf...
#17 Besagte Schneise im Zoom. Es handelt sich um den Döllberglift, der sich südlich von Suhl befindet. Interessanterweise erschließt er nur den oberen Teil einer Abfahrt, die von einer bewirtschafteten Hütte am Döllberg nach Suhl hinab führt. Lt. meiner Recherche gibt es weder an der Berg- noch ander Talstation Parkplätze, wäre also sehr interessant, zu erfahren, wie man zu dem Lift hinkommt. Der Lift war zwar mit Gehängen bestückt, aber nicht in Betrieb.
1. Schmiedefeld, Eisenberglift
Gegen 16 Uhr erreichte ich dann den Parkplatz am Fuße des Eisenbergliftes in Schmiedefeld. Zuvor musste ich dort erst eine Weile durch den Ort fahren, aber dank Beschilderung fand ich den Weg problemlos. Auf der Zufahrt zum Parkplatz, von dem aus man den Lift gar nicht sehen konnte, musste ich noch ein paar sehr tiefe (ca. 20-25 cm) Schlaglöcher umfahren...
Eckdaten:
Start: 16:08 Uhr
1:35 h
17,62 km
11,1 km/h Durschnitt
58,0 km/h Spitze
1370 hm
Fahrten:
10x Eisenberglift
#18 GPS-Track; der Parkplatz lag etwas entfernt, sodass ich noch ein paar Meter aufsteigen musste.
Da es keine günstigen Punktekarten gab (ideal wäre eine 5-Fahrtenkarte), kaufte ich eine 2h-Karte für 12€. Wie in so ziemlich jedem Skigebiet abseits von Willingen und Winterberg handelt es sich um Pfandkarten, der Pfand betrug 2€. Eine Stundenkarte gab es leider nicht...
#19 Großzügiges Talstationsgebäude mit dem Lift, der trotzdem draußen stehen muss. Er wurde 2017 von Leitner errichtet und wie bei jedem neueren Leitnerlift übertönen die quietschenden Rollenbatterien den Motor.
#20 Bis zur ersten Stütze führt parallel ein Förderband den Berg hinauf.
#21 Die neuen Stützen sind mit allerhand Annehmlichkeiten ausgestattet, wie Wartungspodesten inkl. Geländer (stelle ich mir ziemlich beengt vor), einer nicht-schrägen Leiter, Seilanhebeböcken oder der Schiene links, die verhindert, dass eins der Gehänge in die Leiter segelt. Ich persönlich mag die Leitnergehänge ja nicht so, ich finde den Gehängearm im Vergleich zu DPM viel zu lang...
#22 Irgendwann kommt die Liftbaude (Gaststätte) in Sicht.
#23 Gebäude samt Funkmast und drei mobilen TF10, derer es auch noch einige auf Türmen gibt.
#24 Nach 6,4 min kommt die Bergstation in Sicht. Der Lift kroch leider nur mit 2,2 m/s den "Berg" hinauf, also streng genommen sogar schneller als bei Bastis Besuch.
#25 Bergstation
#26 Gegenüber der Liftbaude gibt es noch diese beiden Ferien- oder Wochenendhäuschen(?). Ski-in und Ski-out - irgendwie gemütlich, aber schade, dass der Hang hier sonst so wenig hermacht.
#27 Die Sichtverhältnisse waren durchweg bescheiden, der Nieselregen ließ nach kurzer Zeit nach. Mal carvend (teilweise war der Schnee sogar relativ schnell), mal wedelnd (ich versuche ja immer wmenn zu imitieren...) ging es hinab. Wedelnd kam mir der Hang übrigens ziemlich lang vor
#28 Irgendwann wurde das Flutlicht eingeschaltet, was die Sicht aber auch nicht wirklich verbessern konnte. Bei der Planung des nächsten Tour-Stopps musste ich leider feststellen, dass sich Basti geirrt hatte und der Fallbachhang in Oberhof doch nur bis 16.30 Uhr geöffnet hatte, sodass ich es sowieso nicht mehr rechtzeitig dorthin geschafft hätte. Der Hang hier in Schmiedefeld, ein besserer Brembergkopf, sollte doch nicht der einzige Lohn für die weite Fahrt gewesen sein, also beschloss ich, den "Einsatz" zu erhöhen und erkor die Skiarena Silbersattel in Steinach zum nächsten Ziel.
#29 Mal wieder im Lift, die langen Auffahrten eigneten sich hervorragend für einige Recherchen oder um etwas im Forum zu lesen
#30 Letzte Fahrt. An der Kasse gab ich das Ticket bereits nach 1,5 h zurück, weil der Hang nunmal nicht so spannend war und weil die Steinacher nur bis 21 Uhr geöffnet hatten und ich noch eine knappe Stunde dort hinfahren musste. Irgendwie hat sich die 2-Stundenkarte dann doch gerechnet bei 12 € für 10 Fahrten, denn mit Punktekarten hätte ich dafür 18 € gelöhnt.
2. Steinach, Skiarena Silbersattel
Dank des richtigen Navis fand ich diesmal ohne Umwege das Ziel am Fellberg. Basti hatte im Vorfeld gemeint, dass in dem kleinen Gebiet, das nur aus zwei SLen und einer DSB besteht - sich aber trotzdem als größtes Skigebiet Thüringens bezeichnen darf, an diesem Abend aufgrund der Thüringer Meisterschaften mit Einschränkungen zu rechnen sei. Ich befürchtete schon lange Wartschlangen und überfüllte Parkplätze, dachte sogar schon daran, direkt unten am Fußballplatz zu parken und zum unteren Lift aufzusteigen. So schlimm war es dann aber doch nicht, der Parkplatz war höchstens zu einem Drittel gefüllt. Von dort aus musste man dann noch ein ganzes Stück (ca. 500 m) laufen, ehe man zum eigentlichen Skigebiet kommt. Immerhin konnte man einen Teil der minimal ansteigenden Strecke skatend zurücklegen. Trotzdem unpraktisch...
Eckdaten:
Start: 19:01 Uhr
2:14 h
16,85 km
7,5 km/h Durschnitt
54,7 km/h Spitze
1825 hm
Fahrten:
10x DSB
2x Fellbergplateau
2x Wettkampfhang
= 14 Fahrten
Pistenplan
#31 GPS-Track; Die DSB bildet das Kernstück des Gebietes und erschließt verschiedenste Varianten, die man mithilfe des Wettkampfliftes noch nach unten verlängern kann. Der flache Pistenteil oben wird vom Fellbergplateau-Lift erschlossen.
#32 Dieser Ziehweg führte mich ins Gebiet. Der Fahrspur links nach zu urteilen handelt es sich dabei um eine Mischung aus Straße und Skiabfahrt.
#33 Am Ende des Weges kommt man dann an der sog. Mittelstation raus, an der sich scheinbar eine Art Exklusiv-Parkplatz befindet (weiter unten war der Weg abgesperrt worden).
Zur Erklärung: Mit Mittelstation ist gemeint, dass hier die untere Sektion (SL Wettkampfhang) endet und die obere Sektion (DSB) beginnt. Ferner stehen auf diesem Plateau einige Funktionsgebäude, der Skiverleih und eine Restauration.
#34 Talstation der DSB. Warteschlangen gibt es schon mal keine
Oben links sieht man schon den markanten Steilhang (Piste 4).
Der "Hindernislauf" zum Einstieg war etwas nervig, zumal später an der Mittelstation noch einige Leute herumstanden.
#35 Unmittelbar nach der Talstation verfügt die DSB über ein schönes langes Spanfeld.
Leider gab es hier keine 2h-Karte oder einen ermäßigten Skipass für Spätkommer, wie z. B. in Willingen. Stattdessen musste ich 17 € für die Abendkarte berappen (Tageskartenpreis: 20 €, mit Flutlicht 33 €). Auch hier gab es wieder 2 € Kartenpfand.
#36 Im langen Spannfeld. Zum Fotografieren sollte die Bahn besser nicht langsamer geregelt werden, denn bei dem anschließenden, unvermeidbaren Geschaukel wäre kein scharfes Bild mehr möglich gewesen.
#37 Seitenblick zum Steilhang. Vorne rechts führt die rote Fellbergabfahrt vorbei, den buckligen Hang dahinter bin ich nicht gefahren, keine Ahnung, ob das quasi Freeride-Area ist?
#38 Nach dem langen Spannfeld führt die Trasse in den Wald und flacht deutlich ab. Etwas Nebel gab es auch hier, aber die Sicht war wesentlich besser als noch in Schmiedefeld.
#39 Bergstation am 842 m hohen Fellberg.
#40 Bergstation des Fellbergplateauliftes links und die Siggis Hütte des Thüringer Waldes rechts, genannt Fellberg Alm. Davor schien eine Art Fernsehteam irgendwelche Interviews durchzuführen.
#41 Hier oben startet die flache Piste Fellbergplateau mit dem scheinbar gleichnamigen SL daneben.
#42 Links an der Abfahrt war ein Starthügel errichtet worden und ein Kurs gesteckt, das Rennen schien aber schon wieder vorbei zu sein. Dafür war der Wettkampfhang samt dem unteren SL komplett gesperrt.
#43 Talstation des Liftes am Fellbergplateau, der im Gegensatz zu den beiden anderen Anlagen nicht von Doppelmayr sondern von Heuss errichtet wurde.
#44 Links die Abfahrt am Fellbergplateau, rechts die ziehwegartige Familienabfahrt, die weder beschneit noch beleuchtet ist - gefahren bin ich sie trotzdem, sicherheitshalber mit Stirnlampe . Der Naturschnee war stellenweise etwas stumpf, aber ich habe es im Wesentlichen laufen lassen und so kam ich dann auch ohne nennenswerten Stockeinsatz unten an.
#45 Im Lift am Fellbergplateau
#46 Ausstieg desselbigen
#47 Bergstation der DSB. Für Trunkenbolde oder bei gesperrten Abfahrten an der DSB kann man auch zu Tal fahren. Bilder von einer Talfahrt findet man z. B. in vovos Bericht von Ende Dezember.
#48 Am Ende der Familienabfahrt kommt man gegenüber der Mittelstation raus. Zum Glück war im Bereich des Rennens gerade Pause, sodass ich hier problemlos queren konnte.
#49 Im Laufe des Abends ergab sich dann noch ein netter Zufall, denn ich traf doch noch basti.ethal, dessen Termin ausgefallen war. Hier sieht man ihn auf der roten Fellbergabfahrt.
Erfreulicherweise ließ er sich noch zu einigen gemeinsamen Fahrten überreden.
#50 Auf der meiner Meinung nach zu Unrecht als schwarz eingestuften "Alda Streck".
#51 Etwa gegen 20.30 Uhr war dann das Rennen im unteren Teil beendet und ich konnte hier noch zwei Fahrten machen.
#52 Kurzer, aber knackiger Steilhang
#53 Wettkampfhang mit zugehörigem Lift rechts.
#54 Spot an in der Lifttrasse
#55 In Sachen Geschwindigkeit fielen die Anlagen am Silbersattel im Vergleich zu Schmiedefeld sogar noch etwas ab. Der Wettkampfhang-Lift war mit rund 2 m/s die "schnellste" Anlage im Gebiet, die DSB fuhr etwa 1,5 m/s, der Plateaulift irgendwas dazwischen.
#56 Kurz vor der Bergstation gibt es noch ein ordentliches Steilstück inkl. einseitigem Niederhalter.
#57 Rückblick vom Ausstieg auf die zum Schluss überraschend steile Trasse.
#58
#59 Blick aus der DSB auf die rote Fellbergabfahrt, die in einer Art Kehre den Steilhang umgeht. Ist das links eigentlich ein Anschluss für Schneekanonen?
#60 Rückblick aus der DSB. Links sieht man den Zubringer zum Parkplatz, vorne die Fellbergabfahrt und rechts hinten die Lichter von Steinach.
Die Piste war übrigens seit dem Morgen nicht mehr präpariert worden. Bei den sauerländischen Hochleistungsanlagen sieht es so meist schon um 12.00 Uhr aus
#61 Lichteffekte im Nebel
#62
#63 Gefühlt geht es zur Bergstation wieder ein Stück bergab.
#64 Fellbergplateau nochmal mit etwas besserer Sicht.
#65 An der Bergstation vorbei kommt man auf die "Alda Streck".
#66 Die Turmkanone am Steilhang ist mir erst im Nachhinein aufgefallen
#67 Nach einem letzten Blick zurück ging es wieder zum Auto.
Somit endete meine etwas verkorkste Ski-Premiere im Thüringer Wald. Zugleich ist es das vierte Mittelgebirge innerhalb von nur einer Woche bzw. 7 Tagen (Rothaargebirge/Sauerland (16./23.2.), Harz (17.2.), Rhön (20.2.), Thüringer Wald (22.2.)).
Den Lift in Schmiedefeld kann man mal fahren, aber die Skiarena Silbersattel konnte mit einigen Varianten in verschiedenen Schwierigkeitsgeraden und teilweise sogar recht langen Pisten überzeugen - letztlich hatte auch das Treffen mit basti.ethal seinen Anteil daran, dass die Anreise nicht umsonst war. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf seinen Gegenbesuch
Aber ich hoffe mal, dass ich es bei besserem Wetter bzw. Schneeverhältnissen nochmal her schaffe. Mit dem Döllberg-Lift gäbe es ja auch noch was zu entdecken...