Heute war ja die Abstimmung zum vollständigen Verbot von synthetischen Pestiziden, die nach dem aktuellen Trend ja abgelehnt wurde.
Meine Meinung zum Thema Bio Lebensmittel habe ich hier im Forum ja schon das ein oder andere mal zum Ausdruck gebracht...ich bin sehr froh, dass die Abstimmung verneint wurde, denn sie hätte wohl auch Auswirkungen über die Schweiz hinaus nach sich gezogen.
Leider muss man das heutzutage ja sagen, selbstverständlich bin weder ich, noch sonst ein Landwirt mit gesundem Menschenverstand dafür, unnötigerweise Gifte in die Umwelt zu bringen. Es ist aber nunmal so, dass es unmöglich ist ohne diese auszukommen, insbesondere bei den Fungiziden und Insektiziden. Die Marktpreise, die Qualitätsansprüche des Markts und die Bevölkerungszahl die ernährt werden will erlauben es nicht, mangelhafte Lebensmittelqualitäten mit dazu geringeren Erträgen in kauf zu nehmen.
Was für mich ganz wichtig ist, das Wort Pflanzenschutzmittel ist durchaus wörtlich zu nehmen und wie man diesen Pflanzenschutz am Ende darstellt ob biologisch oder chemisch ist mir relativ gleich. Wichtig ist, dass keine Rückstände in den Lebensmitteln oder dem Boden zurückbleiben. Ob Bio dabei immer besser wegkommt wage ich zu bezweifeln. Es gibt eine menge biologischer Gifte vor denen ich weitaus mehr Angst habe als vor chemischen. Wichtig ist am Ende jedes Mittel ausgiebig zu testen, egal welcher Machart. Ich denke, dass das im Europäischen Raum ja sehr stark der Fall ist.
Ein großes Problem am Bio Anbau ist neben den vielen Irrtümern die in der Bevölkerung rumgeistern die noch fehlende Effektivität und Diversität an Pflanzenschutzmitteln. Bio ist für mich in seiner heutigen Form ein riesen Marketing Gag. Inzwischen wird Bio gleich billig in den Supermärkten verramscht wie konventionell, auf den höheren Nebenkosten bleiben umsomehr die Landwirte sitzen.
Als Kartoffelanbauer kann ich berichten, dass in den letzten Jahren z.B. der Blattlausbefall bedingt durch die milden Winter extrem zugenommen hat und damit auch die Virusübertragung bei den Kartoffeln. Wir hatten letztes Jahr mindestens 1/4 Ertragseinbußen durch Viruserkrankte Kartoffeln, die durchaus essbar sind, aber unmöglich zu verkaufen sind. Im Zuge des Klimawandels werden sich durchaus noch weitere Probleme in der Landwirtschaft auftun und es muss klar sein, dass wir mehr im Einklang mit der Natur, aber auch weiterhin gleichwertig effektive Wirtschaftsmethoden brauchen. Bio spritzt gegen Läuse übrigens mit Paraffinöl, hergestellt aus Erdöl...sehr biologisch in meinen Augen
Ich sehe das immer aufs große und ganze bezogen, 10% Bio Lebensmittel füllen eine Nische die durchaus funktioniert, aber eine landesweite oder gar weltweite biologische Landwirtschaft funktioniert noch nicht. Wir könnte die Menschen nicht ernähren und vor allem sind viele Kunden viel zu anspruchsvoll, als dass sie Lebensmittel zweiter Wahl kaufen würden (da spreche ich leider aus Erfahrung).
Wie immer gilt auch hier, bevor man mit Verboten droht, müssen erstmal gleichwertige Alternativmöglichkeiten her und da es die noch nicht gibt finde ich es auch gut, dass gegen diese Verbot gestimmt wurde. Hier sind aber auch die großen Konzerne wie Bayer, Syngenta etc. einfach mal gefragt deutlich stärker ins Biologische zu entwickeln. Mit 1-2 Mitteln mit mittelmäßiger Effektivität kommt man halt nicht weit und dass es eine Menge Zeug aus der Natur mit Wirkung gibt weiß man schon seit dem Mittelalter.
Dass zu Bio nicht nur Pflanzenschutzmittel gehören ist mir natürlich auch klar, aber darum geht's hier ja nicht.