Hatte das Gebiet daher in guter Erinnerung, nur die ESL-Abfahrt war immer schon geschlossen. Zeit also bei Vollbetrieb für einen erneuten Besuch.
Alte Gewissheiten gelten aber zu C-Zeiten wohl nicht mehr. Es war doch für Kranzberg-Verhältnisse voll und so waren die Pisten am Vormittag bereits ziemlich aufgefahren. Etwa 2-3cm Neuschnee aus der Nacht kamen verschärfend dazu. Es waren sehr viele Urlauber unterwegs, dabei auch viele Familien mit Kindern und (oft unkontrolliert fahrenden) Anfängern. Dass in Deutschland generell viel los ist, war mir schon klar. Aber dann noch in einem reinen Schleppergebiet (+ESL) und am Bettenwechseltag? Merkwürdige Zeiten. Wenn das so weitergeht ist nichtmal mehr der Schlösslelift sicher.
Sei‘s drum - die Abfahrten am Korbinianhang gingen trotzdem noch vergleichsweise gut und die ESL-Abfahrt war schon nach meinem Geschmack, wenn auch mit etwas fragwürdigen Verhältnis zwischen Skifahren vs. Liftfahren, Laufen und Schieben.
Gegen 11 - am Kranzberg muss man sich normalerweise(!) nicht stressen - wurde ich auf den Parkplatz im militärischen Bereich etwa 500m entfernt verwiesen. Zum Luttenseelift konnte man ein Stück abfahren. Dann keine Wartezeit an der Kasse aber am Lift gleich mal fast 10 Minuten. Auch später sah die Schlange immer ziemlich lange aus daher keine Wiederholungen.
Im Luttenseelift, von früher kenne ich es so, dass die Anfänger hier bleiben. Heute nicht ganz so, an den anderen Liften waren die Wartezeiten aber meist bei nur um 1min. Direkt durchgehen ging nur am ESL. Trotzdem: Kranzberg und Wartezeiten - eine neue Erfahrung…
Am Sonnenhang, dank O-Expo ziemlich weich. Der Rest blieb aber auf der schnellen Seite.
Korbinianhang, teils ganz nett kupiert - wie generell das ganze Gebiet - aber bei den oft rumpeligen Verhältnissen konnte man es halt nicht so aktiv ausfahren.
Mit dem Gipfellift geht es in schwindelerregende Höhe. Der kürzere Wildenseelift stand länger still, aber den braucht man nicht unbedingt. Wie zu sehen ist war die Piste schon ein ziemlicher Acker.
Der Gipfellift endet etwas unterhalb des Hohen Kranzberges
Steile Trasse, gibt aber steileres
Der schwarze Hang war zum Vergessen
Kommen wir zu etwas erfreulicherem: Die Abfahrt zum ESL. Nicht so leicht zu finden (etwas unterhalb der Korbinanhütte in Richtung Luttenseelift rechts ab) da nicht beschildert - Pistenmarkierungen gibt es am Kranzberg generell nicht. Auf dem Plan ist auch noch eine zweite Variante verzeichnet - wo soll denn die sein?
Urig geht es durch Laubwälder dahin. Das ist keine Skipiste im klassischen Sinne sondern eher ein Skiweg, der auf einer Raupenbreite präpariert ist. Zwischendurch ist etwas Schieben angesagt, aber es geht. Nervig ist nur das erste Stück nach der ESL-Bergstation, wo man vielleicht 3-4 Höhenmeter hinauf stiefeln muss. Das ist vergleichbar mit dem Gegenanstieg zurück aus dem Wildenseegebiet - der Hügel ist da etwas höher, dafür hat man mehr Schwung, sofern keine Snowboarder in der Mulde mitten im Weg herumliegen. Beide Wege treffen sich sogar oben auf dem Hügel. Die letzten Meter vor dem ESL, schneetechnisch hier auf der Sonnenseite sicherlich immer etwas schwierig. Heute kein Problem.
In der ESL mit sonnigen Trasse, ohne Sitzheizung und Bubble. Scherz beiseite: ein bisschen unbequem sind die Sitze schon. Dennoch eine schöne entschleunigte Auffahrt. Die Ski muss man übrigens ausziehen und kann sie - mäßig sicher - seitlich am Sitz verstauen Daher gleich nochmal… Mittenwald gesehen von der ESL-Talstation. Mal wieder im Korbinianhang, hier der flache Starthang
Auch die Korbinianhütte war mit dem heutigen Ansturm etwas überfordert. Nach einer über einstündigen Gulaschpause war die Sonne weg und es stand dann auch noch der Korbinianlift längere Zeit, nach einigen Gehängewechseln ging’s weiter…
Eine der letzten Fahrten am Korbinianlift
Fazit: Der Kranzberg ist an sich schon ein nettes uriges Gebiet mit durchaus kupierten und teilweise auch recht sportlichen Pisten. Der ESL mit seiner urigen und ungewöhnlichen Abfahrt sorgt für das i-Tüpfelchen und Abwechslung. Die große Stärke - so wie ich es jedenfalls kennengelernt hatte - war aber die geringe Frequentierung und damit ganztags gute Pistenqualität. Ich gönne es ja dem Betreiber, gerade nach der ausgefallenen Saison, aber ohne diese Stärke ist es zumindest für mich dann letztlich doch etwas witzlos. Das mag aber der aktuelle C-Situation geschuldet sein und mein subjektives Urteil sollte dann auch in diesem Kontext gesehen werden.