Ischgl/Samnaun: Selbstständiges Lösen einer Wechsellastbatterie

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ATV
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Ischgl/Samnaun: Selbstständiges Lösen einer Wechsellastbatterie

Beitrag von ATV »

Selbstständiges Lösen einer Wechsellastbatterie an der 6KSB Planer Salaas – Greitspitz,
Während der Fahrt löste sich eine Wechsellastbatterie von der Stütze 13. Diese rutschte entlang des Seiles und blieb bei der Klemme des Sessels 28 hängen. Die Anlage wurde automatisch gestoppt.
https://www.sust.admin.ch/inhalte/BS/20 ... naun_D.pdf
Hätte auch böse ins Auge gehen können. Ging wohl an den Medien vorbei.
-> meine Fotos könnt ihr weiterhin auf meiner Webseite --> www.stahlseil.ch ansehen.

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Neandertaler
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Re: Ischgl/Samnaun: Selbstständiges Lösen einer Wechsellastbatterie

Beitrag von Neandertaler »

Aus dem Bericht:
...
Während der Fahrt löste sich eine Wechsellastbatterie von
der Stütze 13. Diese rutschte entlang des Seiles und blieb
bei der Klemme des Sessels 28 hängen. Die Anlage
wurde automatisch gestoppt.
...
Das ist aber sehr freundlich formuliert. Da löst sich ein elementares Teil dessen versagen, wenn es keine Doppellastrollenbatterie gewesen wäre, unweigerlich zu schwerst Verletzten wenn nicht Toten führt und dann wird dies so harmlos unter dem Schirm der Medien rausgehauen. Sehr interessant.
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Theo
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Re: Ischgl/Samnaun: Selbstständiges Lösen einer Wechsellastbatterie

Beitrag von Theo »

Als leichte Beschädigung wird es auch noch bezeichnet, insgesamt also wirklich sehr verharmlosend formuliert.
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stephezapo
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Re: Ischgl/Samnaun: Selbstständiges Lösen einer Wechsellastbatterie

Beitrag von stephezapo »

Details wären interessant. Entweder haben sich alle Gewindeschrauben verabschiedet, die die Roba am Träger halten, oder die ganze Roba ist vom Träger runtergerutscht. Dann müsste es allerdings einen deftigen Spurfehler gegeben haben.
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TPD
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Re: Ischgl/Samnaun: Selbstständiges Lösen einer Wechsellastbatterie

Beitrag von TPD »

Interessant wäre noch zu wissen wie weit die Roba auf dem Seil gerutscht ist bis es zur Kollision mit der Klemme kam.
https://www.skichablais.net, seit 20 Jahren über Bergbahnen der Region Chablais und Umgebung.
Lagorce
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Re: Ischgl/Samnaun: Selbstständiges Lösen einer Wechsellastbatterie

Beitrag von Lagorce »

Ist hier die gesamte Roba der Stütze auf der betroffenen Spurseite gemeint oder nur einen Teil davon?

Dass sowas passieren kann, ist für mich ausser bei Sabotage doch sehr rätselhaft.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass man anstelle von immer mehr Zertifizierungen, Vorschriften und sonstigem Papierkram wieder vermehrt auf die Praxiserfahrung setzen sollte. Für sie Sicherheit ist letzendlich die Kompetenz und Zuverläsigkeit des Personals massgebend, nicht irgendwelche Kurse, Prüfungen, usw.
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jojo2
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Re: Ischgl/Samnaun: Selbstständiges Lösen einer Wechsellastbatterie

Beitrag von jojo2 »

Schade das keine Bilder dabei sind. Ich kann mir nur vorstellen, dass die "Achse" also der Bolzen der Batterie durch einen Riss etc. gebrochen ist. Allerdings sollten die Bolzen doch regelmäßig durchleutet werden?

Laut der Website von Ischgl ist die Anlage momentan außer Betrieb, ich weiß aber nicht ob das dem Wetter geschuldet ist, aktuell sind auch viele andere Anlagen als nicht in Betrieb gekennzeichnet. Mich würde es aber sehr wundern wenn die Anlage so weiter betrieben werden darf?
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sheridan
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Re: Ischgl/Samnaun: Selbstständiges Lösen einer Wechsellastbatterie

Beitrag von sheridan »

jojo2 hat geschrieben: 09.01.2022 - 18:49 Mich würde es aber sehr wundern wenn die Anlage so weiter betrieben werden darf?
Ich bin am 27.12. mit der Bahn gefahren, alles ganz normal. Hatte damals aber noch nichts von dem Bericht gehört. Die Formulierungen darin sind aber immer rein faktisch. Wenn dort "leichte Beschädigung" drin steht, dann wird es auch so gewesen sein, dass die Batterie mehr oder weniger "heil" geblieben ist. Was natürlich keine Aussage über die Schwere des Vorfalls ist.
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Re: Ischgl/Samnaun: Selbstständiges Lösen einer Wechsellastbatterie

Beitrag von Chrigi »

Hallo zusammen

Der summarische Bericht (in dem Sinne der Abschlussbericht) ist auch schon da: https://www.sust.admin.ch/inhalte/BS/20 ... SumB_D.pdf
Kürzestzusammenfassung: Es wurde ein Sicherungsteil verwendet, das dafür nicht vorgesehen ist.

Gruss Chrigi

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Re: Ischgl/Samnaun: Selbstständiges Lösen einer Wechsellastbatterie

Beitrag von Lagorce »

Danke für diese Information, ging davon aus, dass es einiges länger dauern würde. bis was seitens der SUST veröffentlicht wird.

Leider fehlen Angaben zur Einstellung des Drehmomentschlüssels (sowie ggf. das Datum deren letzten Kalibrierung, diese sollte jährlich erfolgen, bzw. spätestens nach 5000 Auslösungen; liegen erschwerte Einsatzbedingungen vor, sind die Prüfintervalle entsprechend zu verkürzen), sowie die Grunddaten des (hier metrischen) Gewindes (Nenndurchmesser, Steigung hier vermutlich entsprechend Regelgewinde) und die Festigkeitsklasse der Schrauben.

Meiner Auffassung nach wurden die beiden Schrauben zur axialen Sicherung unzureichend angezogen. Auch bei dem vorliegenden, formal betrachtet, unerlaubten Einsatz von Sperrkantscheiben, wäre IMO bei korrekter Auslegung des Anzugsdrehmoments die Sicherung gegen Lockerung der Verbindung ausreichend gewesen.
Allerdings wäre eine höhere axiale Vorspannung erforderlich gewesen als beim Einsatz des vorgeschriebenen Sicherungsblechs.

Da Sicherungsbleche formschlüssig das Lockern der Schraubverbindung verhindern, ist ein geringeres Anzugsdrehmoment erforderlich als bei einer kraftschlüssigen Sicherung (hier Sperrkantscheiben, wobei u.U. der Einsatz zuverlässigereren Sperrscheiben (z.B. Nord-Lock) zu überprüfen wäre).
Konkret müsste man aufgrund der Werkstoffpaarungen die Schraubverbindung nachrechnen und das Drehmoment für die erwünschte axale Vorspannung ermitteln.

Formal betrachtet wäre es dennoch nicht ohne Freigabe des Herstellers zulässig, das Anzugsdrehmoment wie besprochen zu erhöhen obwohl dies vermutlich berechnungstechnisch zulässig wäre (es handelt sich hier um verhältnungsmässig niedrig vorgespannte Verbindungen, nicht sowas wie 12.9 nahe an der maximal zulässigen Vorspannung).


Bzgl. Sicherung von Schraubverbindungen war ich bei sicherheits-hochrelevanten Verbindungen dennoch stets gegen jegliche nicht formschlüssige Sicherungen, die meisten Konstrukteure teilen diese Meinung jedoch nicht. Habe selbst bei bestehenden Seilbahnanlagen einige Schraubverbindungen gesehen, die ich ich sicherheitstechnisch nicht zulassen würde (erfahrungsbasiert, nicht bzgl. irgendwelchen mehr oder weniger formalen probabilistischen Risikoanalysen).

Anh. Abb. 5 (PDF Bericht Seite 5 von 5) ist eigentlich falsch oder ggf. nicht optimal, da die Schnittebene zumindest im Bolzenbereich horizontal (bzgl. Anhang Abb. 4) verlaufen sollte und demnach beide Schrauben zu axialen Sicherung darstellen sollten, dabei ist es erlaubt, ausserhalb des angesprochenen Bolzenbereichs, die Schnittebene für die Darstellung falls erwünscht zu drehen, dessen Verlauf kann man dann ggf. entsprechend darstellen (hier nicht zwingend, da offensichtlich).

Sicherungsbleche sollten stets ersetzt werden, diese Vorgabe wird in der Praxis jedoch nicht immer strikte eingehalten. Wichtig ist jedenfalls, dass wiedereingesetzte Sicherungsbleche nicht mehrmals an der gleichen Stelle (meist um 90°) hin und her gebogen werden. Wird ein Sicherungsblech DIN 5406 (siehe z.B. hier: https://www.maedler.de/product/1643/83/ ... -981-stahl) ein zweites Mal eingesetzt ist dies m.E. nicht so dramatisch sofern es nicht unzulässig deformiert ist und nicht derselbe Zahn zurückgebogen wird obwohl man es dennoch stets ersetzen sollte.

Selbstsichernde Muttern (z.B. Nyloc Sicherungsmuttern) darf man nicht wiederverwenden, IMO sollte man die onehin nur für nicht kritische Schraubverbindungssicherungen einsetzen (in der Praxis werden die allerdings auch für erstaunlich kritische Aufgaben eingesetzt, insbes. im Fahrzeugbereich).


Der Zwischenfall, bei dem man doch immens grosses Glück hatte, ist rein auf menschliches Versagen zurückzuführen. Im Extremfall wäre eine vollständige Förderseilentgleisung nicht ausgeschlossen, und/oder schwere Beschädigung der Stützen, Abreissen einer Klemme, usw.

Wie bereits mehrmals aufgeführt, ist stets auf die allerstrikteste Einhaltung der Herstellervorgaben zu achten, dies setzt wiederum gut ausgebildetes, zuverlässiges motiviertes Personal voraus, dabei spielt auch das ganze Arbeitsumfeld (siehe auch Management, usw.) eine massgebende Rolle.

Ebenfalls bei scheinbar einfachen Routinenarbeiten kann das 4-Augenprinzip sehr vorteilhaft sein und zudem sollte niemand zögern, die Herstellerunterlagen (bzw. Kopien der entsprechenden Auszügen oder gar online auf dem Tablet wenn man's modern mag) vorort einzusetzen.

Kann mich an Routine-Wartungsarbeiten erinnern bei denen Checklisten und die Hersteller-Dokuvorgaben genau befolgt wurden, obwohl das Wartungsteam die Vorgänge bestens kannten, da hatte man aus Prinzip die Unterlagen in umittelbarer Griffnähe.

Wichtig ist ebenfalls die Strikte visuelle Nachkontrolle durch einen erfahrenen Spezialisten (ist ausser bei urbanen Seilbahnen in nicht alpinen Gegenden) meist innerbetrieblich vorhanden.

BTW Beim besprochenen Zwischenfall löste sich vermutlich zuerste eine der beiden Sicherungschrauben und fiel danach in den Schnee. Danach löste sich die zewiete Sicherungsschraube und dabei drehte sich die "Metallscheibe" (Anhang Abb. 5) nach unten bevor sie zusammen mit der bislang verbleibenden Sicherungsschraube ebenfalls in den Schnee fiel. Der zeitliche Verlauf wird dabei kaum genauer zu ermitteln sein. Visuell wird man bei täglichen Routinenkontrollen sowas kaum erkennen.

Die besprochene Wechsellastrollenbatterie löste sich vermutlich erst von der Tragachse als die vom Förderseil auf die Seilrollen wirkende Querkaft aufgrund des hohen Seitenwinds eine ausreichende Seilablenkung nach aussen zur Folge hatte (siehe die Länge des Achsstummels, Foto Haupttext Abb. 3).
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