Dieser Skibericht besteht aus insgesammt 3 Teilen:
12.02.2022 - Grande Guerra inkl. Civetta
13.02.2022 - Sella Ronda inkl. Heiligkreuzkofel und Seceda
27.02.2022 - Revival Sella Ronda inkl. Skitour Panorama und Seceda La Longia
Generell ist es im Feber ja schon gefährlich, in solche Großraumskigebiete zu fahren, ist doch gerne genau dann richtig Rush-Hour. Auf Grund der aktuellen Situation, bin ich aber trotzdem guter Stimmung, dass das iwie gut gehen soll. Hier im Forum habe ich ja auch nach der perfekten Skirunde vom Startpunkt Corvara gefragt. Vielen Dank für eure Hinweise. Wieso Corvara als Startpunkt? Naja, ich gehe davon aus, dass im Grödnertal die Bettenzahl um einiges höher ist als in Alta Badia, ich kenne den Ort vom Sommer her, es ist ein optimaler Ausgangspunkt für alle Richtungen und, die Schwester meiner Chefin hat dort ein Hotel. Also - ab dafür!
Die Gebirgsjäger-Skitour - "Grande Guerra" - hat für mich schon immer eine große Neugierde erweckt. Eine historische Skirunde an dem Ort, wo damals im 1. Weltkrieg gekämpft wurde, in dieser einzigartigen Landschaft, ja, das wäre schon Grund genug hierhin zu fahren ohne große Pistenkilometer. Dass die Pistenkilometer auch noch dafür sprechen, ist natürlich ein willkommenes Plus.
Also gehts mal los, mit der Ankunft in Corvara:
Die Unterkuft im Hotel Table war natürlich perfekt. Die Lage, mittendrin, statt nur dabei. Das großzügige Zimmer, das hervorragende Abendessen mit unschlagbaren Vorspeisenbuffet und der Service, am Morgen direkt zur Piz Boé Gondel gefahren zu werden, ja, das alles ist sehr stimmig. Das abgebrannte Haus mit übergroßer Audi-Werbung, die bis 22 Uhr bestrahlt wird, war nur ein kleiner Schönheitsfehler, den wir getroßt missachten können. Alles in allem, eine sehr gute Unterkunft in Alta Badia, mitten in Corvara!
Ich verzichte an dieser Stelle auf einzelne Bildbeschreibungen sondern erkläre eher in Blöcken, wie wir die Gebirgsjägertour erlebt haben.
Auf Richtung Arabba
Der Ansturm am Morgen auf die Skipasskassen ist groß. Wir waren natürlich früh dran, zum Glück. Ansonsten verliert man hier gut und gerne 20 Minuten. Der Kauf vom Online Skipass ist ein guter Tipp. Green Pass Freischaltung kann an einem einfachen Scanner erledigt werden. Danach die Auffahrt auf den Piz Boe mit dem ersten sagenhaften Blick auf den 2.665m hohen Sassongher, den wir schon mal im Sommer erklommen haben. Danach führt eine traumhafte Abfahrt vom Piz Boe Richtung Campolongo Pass. Gerade am frühen Morgen ist das eine Genugtuung, ist doch die Sonne die ganze Zeit ein Begleiter. Ansonsten begeistert sofort der Blick Richtung Marmolada, die sich mächtig im Schatten gegenüber zeigt. Der tolle Skiberg Porta Verscova geht dagegen einfach nur unter.
Von Arabba nach Malga Ciapela
Nach den glorreichen Abfahrten Richtung Arabba (24 - Savinè!!) stellt sich für Newbies wie mich die Frage, welche Bahn Richtung Porta Vescova nehmen? Intuitiv nehme ich die Funifor und wir kommen nach nur wenigen Minuten auf 2.478m oben an, mit direkten Blick auf die Marmolada, die jetzt noch viel mächtiger scheint. Die Partnerbergstation für die nie gebaute Bahn vom Lago di Fedaia ist unübersehbar, wäre auch praktisch, ist aber doch in diesem grandiosen Gebiet verzichtbar. Stattdessen geht es eben über die längere Liftkette Sass de la Vegla und der tollen (bald ausgetauschten) Naviscera Bahn Padon I weiter Richtung Malga Ciapela. Die lange 4er Sesselbahn Padon II beeindruckt mich.
Unten angekommen, bin ich zugegebenermaßen erstmal verwirrt. Wo startet der Bus? Wo bekommen wir das Ticket? Erst mal ein Twix kaufen im nahegelegenen Café kaufen. Zum Glück sind wir rechtzeitig und können die Fragen relativ leicht auflösen. Die Besucherlenkung könnte aber durchaus besser sein.
Alleghe - Civetta
Zugegeben: Ich habe noch nie zuvor von diesem Skigebiet gehört - umso schöner, dass ich jetzt (praktisch einfach so) ein weiteres Skigebiet erkunden darf, mit einem unglaublich genialen Blick auf den 3.168m hohen Monte Pelmo. Der Ankuftspunkt unten lässt einem nicht daran zweifeln: Wir sind in Italien angekommen. Ein unorganisierter Parkplatz, eine Zubringerbahn direkt neben der Hauptstraße und ein gewisses Flair von Trash aufgrund der nicht wirklich formschönen Wohnhäusern. Geil!
Da wir früh genug dran waren und ich mir auf meinem Skiplan die spätesten Abfahrtszeit Richtung 5 Torri gegen 12:45 Uhr eingezeichnet hatte, war schon klar: Wir können das ganze Gebiet abfahren. Dort war allerdings gut was los. Vielleicht ein Skitag eines lokalen Radiosenders, vielleicht das schöne Wetter? Ich hab keine Ahnung. Ich dachte eigentlich eher, dass es dort ruhig wäre - dabei war dort am meisten los. Der guten Laune tat das aber keinen Abbruch. Wir erkundeten so nach und nach das Skigebiet mit Abfahren Richtung Palafavera, Tevol und Pescul. Mir gefiel das Ganze irgendwie schon (auch ohne Naturschnee), auch wenn ein richtiges Highlight außer die Aussicht auf den Monte Pelmo dort fehlt.
Fedare - 5 Torri
Zum Glück, haben wir uns auf dem Weg nach Pescul nicht verfahren. Der Skibus, der dann irgendwo doch definitiv der Faktor für eine erfolgreiche Grande Guerra ist, startet in Pescul. Dort sind die Kapazitäten nicht so hoch, so dass es trotz gerlernten Regeln zur Rudelbildung kommt. Zur Not kann man sich natürlich ein Taxi nehmen, das Erlebnis wird deswegen aber wohlmöglich weniger ereignisreich.
Oben am Fedare angekommen eröffnet sich plötzlich ein ganz anderes Bild. Ein langsamer, sehr in die Jahre gekommener, Leitner 2er-Sessellift bringt einem Richtung 5 Torri. Was wäre diese Tour ohne diese Oldtimer? Wenn alles durchgestyled, mit 6er KSBs und Rolltreppen verunstaltet ist, nur um noch schneller wieder ins Epizentrum zu kommen? Genau hier gefällt es mir am Besten. Es ist wie eine Fahrt zurück in die guten alten Zeiten, wo das Skifahren, das Skifahren war - und nicht das durchgestylte Luxusgut. Ich bin schwer beeindruckt. Das Beste: Es geht so weiter: Nach der Ankunft an der im Sommer überlaufenen Hütte Averau, folgt eine etwas eneuerte aber nicht weniger beeindruckende Doppelsesselbahn "Coda Negra" in einer schmalen Scharte, bevor sich letztendlich das Panorama auf den Lagazoi aufsperrt. Was für ein Erlebnis auf Skiern!!
Lagazoui
Die Anfahrt zum letzten, aber definitiven Highlight dieser Gebirgsjägertour gestaltet sich etwas langwierig, haben die Italiener doch verstanden, dass jeder Lift zählt. Seis drum. Es schadet ja auch nicht, mal einen Tellerlift zu fahren. Den Lagazoui kennen wir ebenfalls von unseren Sommerurlaub. Die geniale Skiabfahrt auf der Vorderseite jedoch nicht. Was für ein Berg. Für mich war das der "grenzgeniale" Abschluss einer hervorragenden Skirunde, die gut funktioniert, wenn man vorher etwas plant. Der Ausblick vom Lagazoui auf den Monte Pelmo, die Marmolada und den Sella Stock ist fantastisch. Ich habe viel gesehen, aber ein solches Panorama, nach einer Skirunde, sucht seinesgleichen. Wie immer bei den Dolomiten. Die erfrorene Abfahrt Richtung Amentarola nehmen wir gerne mit, das Panorama ein weiteres Mal fantastisch, das Bier am Ende bei der Alpina Hütte ist ein Genuss. Es wartet noch die Fahrt mit den Rössern. Was für ein fantastischer Abschluss einer wirklich einzigartigen Skirunde!
Zurück in Corvara
Ich bin hin und weg von diesen PISTENtechnischen Möglichkeiten. Trotzdem, dass keinerlei Zentimeter Naturschnee liegt, bietet man hier das ULTIMUM an PISTENSkifahren an. Alles geht, jeder Kilometer Piste ist künstlich beschneit, dazu garnieren diese Berge ein Gefühl von Erhabenheit - ein Art von unbeschwerten Skivergnügen. Diese Berge lassen mich letztendlich auch erstaunen. Die Südtiroler schaffen das küntliche Skifahren in einer Naturkulisse (die übrigens keiner kopieren kann), zu einem Naturerlebnis erscheinen, das es Alpenweit wohl kein zweites Mal gibt. Portes du Soleil vlt... das fehlt ja auch noch.
More to come...