Nach dem der Winter letzte Woche ein kurzes Gastspiel gegeben hatte und nun mehr wieder schönes Wetter herrscht, beschlossen Münchner und ich, die graue, stressige Arbeitswoche durch einen entspannten Schitag zu unterbrechen. Die Suche nach dem Ziel war leider dadurch beschränkt, weil zahlreiche Gebiete nur noch eingeschränkten (z.B. Glungezer) oder gar keinen (Herzogstand) Schibetrieb mehr abhalten können. Die Wahl fiel schließlich auf Hochoetz, weil man dort einigermaßen weit genug oben war, um dem Frühling in den Tälern unten zu entgehen. (Nach Oetz – 820 m hoch gelegen ist sowieso keine Talabfahrt möglich und auf der anderen Seite in Ochsengarten kommt man nur auf 1.500 m runter.) Außerdem hatten wir aufgrund 3er interessanter Anlagen sowieso einmal vor, dort aufzukreuzen.
Pistenplan:
http://www.oetztal.com/main/files/HO/Pa ... low_EN.pdf
Das Gebiet muss bis 1998 das totale Nostalschigebiet gewesen sein – es gab von Oetz herauf zwei alte DSBen von 1975, die steil durch den Wald herauf führten und oben dürfte es nur zwei Schlepper (Kühtaile und Brunnenkopf) gehabt haben, die ebenfalls 1975 errichtet worden sind. Der Balbachlift müsste einsam und alleine in Ochsengarten seit den 60ern vor sich hin getuckert haben. Doch dann wurden 1998 die DSBen Balbach und Mohrenkopf errichtet, 1999 kam die Ochsengartenbahn hinzu, ebenfalls 1999 wurde die 8EUB Acherkogel vom Oetztal unten direkt ins Gebiet hinauf errichtet und die untere Sektion der beiden DSBen abgerissen, 2001 ersetzte die 3SB aus Sölden (welche Bahn dort?) den Kühtailelift und 2003 schließlich die 4KSB Brunnenkopf den Schlepper, der weiter links verlief und dessen Talstationshäusl noch steht. So wurde aus einen „vergessenen“ Kleinschigebiet ein kleiner Schicircus und statt LSAP-Freaks im Sommer tummeln sich nun hautptsächlich Familien im Winter hier oben herum.
So wurde trotz eines Urlaubstages der Wecker auf eine viel zu frühe Zeit gestellt, um gegen neun Uhr in fernen Oetz einzutreffen und die Pisten noch vor dem unausweichlichen Mittagssulz oft genug abzufahren.
Ausnahmsweise gut gelaunt fuhr ich durch den morgendlichen Berufsverkehr in München. Während die anderen Leute alle ihrer innig geliebten Arbeitsstelle entgegen hetzten, freute ich mich, an diesem 22.03.11 einmal keiner von ihnen zu sein. Statt dessen ging es frohen Mutes und ohne das übliche Gefühl, unverzüglich wieder ins Bett zurück zu müssen, in Richtung Mittlerer Ring.
Etwas zu früh erreichte ich um 6:50 Uhr – leider am Waldrand sehr zugemüllten – Autobahnparkplatz bei Wolfratshausen. So hatte ich wenigstens noch Zeit, endlich einmal ein lang ersehntes Fotomotiv einzufangen – den einzelnen Baum auf einer Anhöhe westlich des Parkplatzes. Bei den letzten Touren des zu Ende gehenden Winters war es sowohl morgens als auch abends immer schon zu dunkel gewesen...
Warten auf 7 Uhr...
Die Fahrt verlief im Anschluss sehr flott – ohne dem üblichen B2-Stau bei Oberau gelangten wir über Garmisch nach Ehrwald und weiter über den Fernpass nach Imst, der „Perle“ Tirols, was die direkte Umgebung an der Bundesstrasse betrifft...
Entspannt am noch leeren Parkplatz bei der Acherkogelbahn angekommen – doch er sollte sich noch füllen, denn wenn auch kein Massenansturm vorherrschte, suchten doch einige Familien den Berg auf, um oben an den Übungstellerliften herumzufahren. Aber das war nicht weiter tragisch – man musste trotzdem nirgendwo außer wenigen Augenblicken anstehen, denn es verteilte sich ganz gut. Trotzdem hätten wir unter der Woche mit weniger Betrieb gerechnet. Aber dafür gab es weder an der Hin- noch an der Rückfahrt die üblichen Staus...
Oben angekommen – Gondelbilder gab es in der Früh keine, weil auf dieser Seite des Berges noch bis recht weit oben alles im Schatten lag. Doch nun sollten ein paar herrliche Stunden in der sonnigen Bergwelt vor uns liegen – weit weg von Münchnens stressiger Arbeitswelt und dem üblichen Einerlei. Man atmet frische Luft, bewegt sich an der Sonne und kann sich mal wieder ein wenig über Lifte, LSAPs und Co. Unterhalten. Aber leider vergehen halt solche Tage wie Minuten und schon sitzt man wieder am Schreibtisch oder in einer Besprechung und wünscht sich auf die Schi zurück, die man doch eben noch angeschnallt hatte...
Die berühmte 4EUB-Ochsengartenbahn, die sozusagen das Wahrzeichen dieses Gebietes darstellt. Sie wurde 1999 hier aufgestellt – Bahnlänge 1.700 m – und war damals anscheinend eine Neuerschließlung. Die Kabinen und wohl auch zwei der ansonsten modernen Stützen (und weitere Teile?) sollen ja von der alten Giggijochbahn in Sölden(so 1977-1998) stammen, die früher vor der jetzigen 8EUB neben dem ESL Hochsölden ins Gebiet hoch führte.
Die Kabinen erinnerten uns natürlich an die Loferer I und mich insbesondere die gute, alte 4EUB Gasselhöhe I an der Reiteralm (1980-2005), die ja dem „Silver Jet“ weichen musste. (Immer diese Kindheitserinnerungen, die man nicht losbekommt...)
Blick vom Winter in den Frühling mit der meiner „alten“ Jenoptik Digicam.
Der zweite, uns am meisten interessierende Lift dieses Gebiets: Der Kurzbügler Balbach im Tal neben der Ochsengartenbahn. Leider lief er nicht, später sollte sich das ändern. (Betriebszeiten 10-12 Uhr und 14-16 Uhr...) Als Zuckerl fährt der auch noch mit Diesel – was will man als Schleppliftfan mehr? Leider stellt diese Anlage ja den einzigen Bügellift in diesem Gebiet dar – oben hat es noch drei Tellerlifte. Früher müssten dort noch zwei „richtige“ Schlepper gestanden haben, aber sie wurden 2003 von der 4KSB Brunnenkopfbahn und 2001 von der 3SB Kühtaile ersetzt. So ein langer, steiler Schlepper durch den Wald hoch hätte das Gebiet hier noch irgendwie für uns ganz gut „abgerundet“.
Bergstation
Das Tal erinnerte uns irgendwie an das Silbertal bei Schruns, wo wir gut zwei Wochen zuvor einen recht interessanten Tag im Gebiet Hochjoch verbracht hatten. Dort fuhr man über einen idyllischen Schiweg ewig weit ins Tal hinter und die Gegenhänge sahen irgendwie auch so aus wie hier – grün, fast ohne Schnee und mit vereinzelten Gehöften. Einen Kurzbügler fanden wir im Silbertal (vielleicht im Kristberggebiet oben?) jedoch nicht. (Dafür eine DSB mit „Bubbles“).
Im Hintergrund kann man schon die Ochsengartenbahn sehen. Vor 1999 dürfte es hier nur den einzelnen Schlepper gegeben haben, oder?
Das übliche Spielchen mit dem Zoom – unbemerkt vom Liftler, der nicht viel zu tun bekam, weil außer uns sich kaum jemand an den Lift herantraute.
An der Ochsengartenbahn angekommen.
Noch war es ruhig hier.
In der Ochsengartenbahn.
Bergstation DSB Balbach.
In der DSB Acherkogel Sektion II – die Sektion I ist seit 1999 aber nur noch eine leere Waldschneise...
NACHSCHUB ist in Arbeit...