Nachdem mein letzter Bericht aus dem Everest Gebiet nun knapp 1000 Klicks bekommen hat, habe ich mich entschlossen noch andere meiner Nepal-Reisen mit Euch zu teilen.
Jedenfalls würde ich Euch heute gerne mit ins westliche Nepal nehmen. Da stehen der sieben-, acht- und zehnthöchste Berg der Welt direkt in einer Reihe nebeneinander. Von Ost nach West: Manaslu, Annapurna und Dhaulagiri. Alle drei liegen - ganz im gegensatz zu den Achttausendern im Everest-Gebiet - komplett in Nepal, zusammen mit ihren dahinter (nördlich) befindlichen Tälern. Das heißt, man kann um sie herum wandern.
Die bekannteste dieser Wandertouren ist mit Abstand der Annapurna Circuit. Seit Jahrzehnten eine der berühmtesten Trekkingtouren der Welt. Leider wurden inzwischen größere Teile des Wanderwegs durch ein Jeep-Piste ersetzt. Der Annapurna Circuit ist daher nicht mehr ganz so schön, wie er mal war, aber natürlich immer noch wahnsinnig beeindruckend. Dafür wurde aber - auch in den letzten Jahrzehnten - der Manaslu Circuit immer besser ausgebaut und immer zugänglicher und ist seit ein paar Jahren auch als Lodge Trek (d.h. ohne Zelt) machbar.
Den Annapurna Circuit hatte ich zuvor schon gemacht. Das letzte Mal in 2014. Im Jahr 2019 ging es dann zurück in die Gegend und zwar zusammen mit drei Freunden. Alles Nepal Frischlinge. Und obwohl eigentlich allen mehr oder weniger klar war, dass der Manaslu Circuit mittlerweile der eigentlich bessere Trek sein dürfte, ist der Annapurna Circuit natürlich eine große Marke und hat immer noch immensen Reiz. Daher haben wir uns auf folgendes geeinigt: Wir machen beide.
Der Manaslu Circuit führt auf über 5100m. Das heißt, wir sind danach bestens akklimatisiert. Und das wiederum heißt, wir können den Annapurna Circuit wesentlich schneller angehen, also normal, da wir die Höhenanpassung weglassen können.
Der Plan war also wie folgt: Wir wandern zuerst den Manaslu Circuit (in normalem Tempo) und nehmen dann das Manang Tal und den Thorong Pass, also den Hauptteil des Annapurna Circuits in nur 5 bis 6 Tagen (statt ~8 incl. Akklimatisierung) in Angriff. So sollte es möglich sein in 20 Tagen von Soti Khola, dem Start des Manaslu Circuit, bis Muktinath im Kali Ghandaki zu kommen.
Und so ging's los um den/die Mannapurnaslu...
Entstanden ist dabei der folgende Video-Reisebericht in 3 Teilen. Die Videos habe ich im Original auf Englisch kommentiert und dann daheim nochmal auf Deutsch übersetzt.
Ich werde hier die Deutsche Version einbetten, aber die Englische ebenso verlinken. Wer des Englischen mächtig ist, dem/der empfehle ich auch die Englische Version zu schauen. Da kommt mein Geschnaufe und Gekeuche und all das peinliche Selbstmitleid viel besser rüber.
Der erste Teil nimmt Euch mit auf die erste Woche des Treks. Die Wanderung verläuft eigentlich permanent in der engen Schlucht des Buri Gandaki Richtung Norden. Die Temperaturen reichten anfangs an die 30 Grad. Die Vegetation war subtropisch. Es gab Reisterrassen und Bananenplantagen. Es braucht schon gute 2 Tage Anmarsch, bis der erste schneebedeckte Bergriese in Sicht kommt... Aber am Ende der Woche steht man dann in einer Art Klein-Tibet zwischen Gompas und Yaks und direkt vor einem 8000er...
Englische Originalversion (empfohlen!): https://youtu.be/O5Uf-b-Eemw
Der zweite Teil beginnt mit unseren beiden Akklimatisierungs-Touren. Wir haben uns für insgesamt drei Nächte im Örtchen Samagaon eingemietet und machen von dort aus Tageswanderungen zu einem einsamen, kleinen Kloster auf einer Hochalm auf über 4000m, direkt unter der Manaslu Südwand und wir versuchen zum Manaslu Base Camp auf knapp 5000m vorzustoßen. Und danach begeben wir uns langsam aber sicher und dann auch weder mit schwerem Rucksack zum Höhepunkt des Manaslu Circuit: Der Larke Pass auf über 5100m...
Englische Originalversion (empfohlen!): https://youtu.be/rDx2tJBBylk
Der dritte und letzte Teil nimmt Euch mit auf DEN Nepalklassiker schlechthin: den Annapurna Circuit - zumindest auf den Hauptteil davon. Wir laufen von Dharapani aus am Marsyangdi entlang das Manang-Tal hinauf und versuchen den 5416m hohen Thorong La zu überqueren. Ziel ist der heilige Tempel von Muktinath in der Wüste des Kali Gandaki Tals - nach einigen Rechenarten übrigens die tiefste Schlucht der Welt. Zugegeben, ein "Circuit" ist das nicht wirklich, aber wohl der am häufigsten begangene und mitunter wahrscheinlich schönste Teil der Annapurna-Runde.
Englische Originalversion (empfohlen!): https://youtu.be/U5-SwrciC74
Und falls Ihr keine Zeit zum Anschauen habt (wobei ich mich natürlich über alle Maßen freuen würde, wenn Ihr Zeit findet um Euch die Videos anzuschauen) poste ich hier drunter gleich noch paar unbewegliche Eindrücke vom Mannapurnaslu.
Infos zum selber machen:
Während Ihr den Annapurna Circuit komplett auf eigene Faust machen könnt (ihr braucht nur die Permits für ~40-45 Euro; das sogenannte TIMS Permit wird wohl jetzt gerade nichtmal überprüft, das sind aber wohl nur Nachwehen der Pandemie), braucht Ihr für den Manaslu Circuit einen lizenzierten Guide (d.h. der Guide muss über eine bei TAAN lizenzierten Agentur gebucht werden). Der Guide besorgt dann auch die Permits für Euch.
Die Kosten für die Permits hängen von der Saison ab und davon, wieviele Tage Ihr in der Manaslu Conservation Area bleibt. Pro Person können das gute 150 Euro oder mehr werden.
Für Euren Guide solltet Ihr 25 Euro am Tag veranschlagen (und etwas Trinkgeld am Ende) und die Gebühr für die Agentur.
Der Transport nach Soti Khola kann unter 10 Euro kosten, dann stellt Euch aber auf eine 12h rumpelige Busfahrt ein. Gibt Videos auf Youtube von Fahrgästen mit Ziegen auf'm Schoß. FREMDEN Ziegen. Oder Ihr mietet Euch einen kompletten Jeep. Der kostet etwas unter 200 Euro. Bei großen Agenturen in der Hauptsaison könnte es auch sein, dass man sich mit anderen Gruppen einen Jeep teilen kann.
Wenn Ihr NUR den Manaslu Circuit machen wollt, könnt Ihr ab Dharapani wieder (public) Jeeps für kleines Geld nach Besisahar im Süden bekommen. Von dort fahren regelmäßig Busse und Micro Busse nach Kathmandu und Pokhara.
Nach Besisahar müsst Ihr auch, wenn Ihr von Kathmandu oder Pokhara aus zum Annapurna Circuit aufbrechen wollt. Wie gesagt: Verbindungen gibt's zuhauf per Bus und Microbus. Euer Hotel kann Euch jederzeit Tickets besorgen.
Von Besisahar aus könnt Ihr dann entweder loslaufen, d.h. den Annapurna Circuit von Anfang an wandern, oder Ihr nehmt einen der public Jeep nach weiter oben. Theoretisch könnt Ihr bis nach Manang fahren, aber das liegt auf +über 3500 Meter und da wird's dann schon eng in Sachen Höhenkrankheit. Wenn Ihr das macht, müsst Ihr mindestens zwei Tage zur Höhenanpassung dort bleiben.
Der frühest mögliche Endpunkt am Annapurna Circuit ist Muktinath. Von da aus bringt Euch eine 11-13h Jeepfahrt nach Pokhara. Der eigentlich Endpunkt ist aber Nayaphul, weniger als 2h per Taxi von Pokhara weg. Dazwischen ist alles möglich, was Euch in den Kram passt. Es gibt übrigens auf halber Strecke zwischen Muktinath und Pokhara heiße Quellen in Tatopani.
Wenn Ihr noch irgendwas wissen wollt, fragt mich bitte aus!
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