Ich hab jetzt fast ein halbes Jahr gebraucht um endlich mal den Bericht des Geburtstagsgeschenks meiner Frau an mich anzufertigen
Zum Hintergrund: Es gibt diverse Anbieter von Ski Workshops, an denen man sein eigenes Sportgerät designt und auch Einfluss auf die späteren Fahreigenschaften nehmen kann (Länge, Breite, Radius, Vorspannung, Steifheit - Titanal, Optik).
Blöderweise hab ich mir jetzt nicht alles gemerkt oder aufgeschrieben, was so verbaut wurde
Ich hab das ganze im schönen Kanton Schwyz gemacht (https://craftski-boards.ch/); einfach deswegen weil wir im Winter 21/22 konsequent Länder mit Corona Maßnahmen gemieden haben und somit alles auf die Schweiz fokussiert haben. Hatte den großen Vorteil, das wenig los war
Daher wird so ein Workshop natürlich auch sehr teuer, immerhin gabs für nen Euro im Frühjahr noch 1,05 Franken. Dauer sind 2 Tage, bei wenig Teilnehmern gehts zeitlich schneller, insb. wenn handwerklich halbwegs Talent da ist
Am Ende ist man aber mit einem Basispreis von 1000CHF plus Sonderaustattung (z.B. Titanal, besondere Optik, Aufkleber) bei rund 1200CHF. Dann noch eine gute Bindung für 200-300; manueller Skiservice (niemals in die Maschine damit) für knapp 100.- und natürlich das Wochenende vor Ort mit Hotel etc. also am Ende investiert man für sowas (Workshop, Material, Wochenende vor Ort) fast 2000.- Tacken. Daher - ein schönes Geschenk
Meine Vorstellung war, mein Ski Sortiment sinnvoll komplementär zu ergänzen (Steinski, Racecarver und Powderlatten mit Aufstiegsbindung hab ich). Daher sollte mein 4. Ski im Keller ein 90% Gelände / 10% Piste Ski werden, der sich im Powder wendig steuern lässt aber auch etwas mehr Steifheit wie meine Powderlatten mitbringt um mal Gas zu geben wenns härter wird. Daher die Titanal Platte, ob das zur Vorspannung passt (und ob die Vorspannung einige Jahre hält) wird die Praxis zeigen.
Ich hab beim Bründl Flagship in Kaprun die Bindung montieren lassen (die haben da ja schon ein Experten Team). Die Rückmeldung war, Zitat aus dem Gedächtnis: "Manch ein Markenhersteller wäre froh, wenn er so einen Ski herstellen könnte".
Daher - ohne Praxis Test wurde mein Entwurf schon mal geadelt
Nun zu den Bildern, müssten halbwegs chronologisch sein. Ich hab mir nicht alles gemerkt, aber versuche ein paar Kommentare einzufügen!
Im Vorfeld sucht man sich auf der Homepage ein Basis Modell aus sowie die Angaben zu Länge, Radius, etc. --> das wird vorneweg bereits an der CNC gefräst. Der Schritt ist nicht Eigenbau!
Der erste eigene Schritt ist das Anbringen der Kanten mit Klemmen
Vorne und hinten biegt man die Kante möglichst passgenau an den Radius des Ski
Man dosiere gut den Kleber, sonst gibts zu viele Flecken auf der Lauffläche (Lösungsmittel diffundiert durch)
Wenn man sorgfältig arbeitet, liegt die Kante gut am Ski an
Wer sich für Titanal Verstärkung entscheidet (Aufpreis), kriegts von der Rolle
Die Optik ist frei wählbar - ich hab mich für Ahorn entschieden. Durch die Astlöcher kann man eine gespiegelte Ansicht erzielen
Sofern man es schafft, seine Ski 2x exakt gleich (eben spiegelverkehrt) auf das Ahorn zu legen
Die Schicht ist sehr dünn und kann leicht brechen
Währendessen werden die Enden an den Holzkern geklebt
Und vorne ebenfalls (Farbe frei wählbar, hier neongelb) ein Schutz
Über den (spezielle Software) errechneten (individuellen!) Schwerpunkt des Skis ermittelt man, wo der Ski aufliegen soll
Dann wird dem Ski sein Bett gemacht für das spätere Pressen. Vorspannund wird mit Klemmen und Einlege Hölzern erzielt
Dann einer von unzähligen Schritten, wo man Kleber aufpinselt
Holzkern - Titanal - Kleber Mischung
Einpacken in den Vakuum Sack
RIP - zumindest eine Zeit lang
Vakuum angelegt, Sack dicht - passt! Schlafenszeit
Wird dann noch mit einer Wärmedecke belegt und unter Vakuum über Nacht verpresst.
Tag 2: Auspacken und begutachten
Rückseite sieht auch gut aus, alles noch voller Kleber Reste
Dann gehts ans Eingemachte: Der Ski wird ausgeschnitten! Immer schön an der Kante entlang (wehe, man fährt in die Kante rein..)
Der Schritt erfordert Konzentration und exaktes Arbeiten. Volle Montur an (ICH trage FREIWILLIG eine FFP2 Maske, denn hier macht sie erstmals Sinn).
Und wenn das gut geklappt hat (Nachbearbeitung möglich), liegt der Ski schon mal da
Optimierung an den Enden (da wo die Kante endet, ist natürlich die Gefahr abzurutschen mit der Säge größer).
Finish durch den Fachmann
Tadaa - das erste Bild des Neugeborenen. Jetzt kommt Schweißarbeit: Eine halbe Stunde schmirgeln mit Sandpapier...
...und dann kann (auf Wunsch) ein individueller Aufkleber drauf. Bier, Schnee, Seilbahn, Berge - Stäntn CI
Dann wird kräftig lackiert, daher erscheint er jetzt erstmal viel dunkler
Nach ein paar Tagen Entspannungsphase im Keller (muss ja reifen...) durfte dann die Bindung drauf. Manueller Skiservice on top!
Und fertig ist das Prachtstück. Optisch finde ich es total gelungen. Ob er im Schnee auch so viel Spaß macht, wie beim Herstellen - wir werden sehen!
Fazit - kommt dann nach dem ersten Einsatz! Da sowohl die Bindung, als auch der Ski neu sind, bin ich total neugierig auf das Powder Feeling. Jedenfalls ein spitzen Geschenk.
Der komplette Rechnungsbetrag (also Material incl. Workshop) wird übrigens durch die DSV Skiversicherung abgedeckt. Craftski meinte zwar, ihre Ski werden aufgrund ihrer Einzigartigkeit nie geklaut, ich denke aber ich werde sie dennoch immer Absperren am Skiständer