Dass sich die Pisten durch den Kunstschnee in Topzustand befinden , bringt einen Nachteil mit sich. „Im Vergleich zu früher sind die Pisten alle ,brettleben’. Dadurch ist es sehr leicht, mit nur wenig skifahrerischem Können sehr schnell zu fahren“, weiß Hermann Spiegl, Leiter der Tiroler Bergrettung.
Spiegl erinnert sich an den Coronawinter 2020/ 2021, als keine Gäste ins Land kamen. „Skifahren war damals entspannt, die Einheimischen beherrschen die Ski besser“, meint er. Und der Faktor „Alkohol“ sei damals auch aus dem Spiel gewesen.
Ja nun, die letzten zwei Jahre boten für Wintersportler wie Bergretter geradezu paradisische Verhältnisse. Für erstere halt nur, wenn man sich über allzu übergriffige und pauschale Maßnahmen hinweg setzte und statt dessen halt mal eine zu volle Gondel lausgelassen hat.
Nun haben wir halt wieder Normalzustand plus Nachholbedarf und ein durch die Witterung abgespecktes Pistenangebot.
Aber ist doch erst einmal positiv, dass so viele Wintersportler noch immer Spaß an ihrem Hobby haben. Vermutlich würde manchen halt mal ein Auffrisschungs- oder Anfängerkurs ganz gut tun.
Mittelfristig wird man nicht umherkommen, Skiabfahrten bei im freien Sturzraum unzureichender Schneelage mit Netzen zu sichern.
In Asien mit seinen oft besonders prekären Schneeverhältnissen (zB. Südkorea, China) ist dies ja bereits seit langem gute Praxis: Da dort seit jeher mit technischem Schnee gearbeitet wird, und das Gelände um die Pisten herum bestenfalls dünn angezuckert ist, werden dort seit Jahren bereits Skipisten nahezu durchgehend mit Fangnetzen ausgestattet.
Erst dadurch wird allen Wintersportler:innen die Sicherheit geboten, die heute erwartet wird.
Hier zu sparen halte ich für Nachlässig, ja geradezu kriminell wenn man die jüngsten Ereignisse betrachtet.
Es käme ja auch keiner mehr auf die Idee, eine Straßenbrücke ohne Leitplanken oder Geländer dem Strassenverkehr zu übergeben. Selbst einfache Geländer an Wanderwegen müssen heute vom Wegwart durch kräftige Rütteltests alljährlich in ihrer Sicherheitsfunktion bestätigt werden.
Ich denke daher, dass auch in den Alpen bald ein dringend nötiger Umsetzungsprozess stattfinden wird. Dieser Umsetzungsprozess in Richtung integraler Sicherheit wird letztendlich auch mithilfe statistischer Evidenz durch Versicherungsverbände im besten Recht immer stärker eingefordert werden.
Ich denke, dass die Sicherheitskultur auch bei uns bereits weiter fortgeschritten ist, als dies in den gefährlichen Schneearmen Wintern zum Ausdruck kommt. Es gilt daher, vom schlecht instruierten Improvisieren weg zu kommen: Das bei uns immer noch gebräuchliche "hier ein Absperrband, dort eine Hinweistafel, oder doch eher dort?" entspricht einfach nicht mehr den heutigen Anforderungen an Verantwortung gegenüber den Gästen.
Das Ziel, typische Gefahren im Pistenraum endlich systemisch zu beseitigen, ist nur durch Systematik zu erreichen. Die Häufung schlimmen Unfälle dzt. möge als Mahnung anleiten.
Pisten müssten daher als Ganzes durch Professionisten homologiert werden, d.h. zur Abwehr von genau definierten Gefahrenmomenten ausgerüstet, und endlich auch regelmäßig geprüft werden. Italien ist uns hier bereits ein kleines Stück voraus: Pisten müssen in IT homologiert sein. Wie dies im Detail abläuft, und welcher Sicherheitsbenefit hiermit tatsächlich erzielt wird, entzieht sich jedoch meiner Kenntnis. Klar ist: Ein Schritt in die richtige Richtung für alle Beteiligten, Gäste wie Betreiber.
Vorteil für den Betreiber wäre zudem eine klarere Rechtslage im Schadensfall: Ist der Skiraum bspw. beidseits durch zertifizierte Fangnetze gesichert, und die resultierende Sicherheit durch standardisierte Prüfprotokolle attestiert, können im Prozessfall keine "vermeidbaren weil erkennbare Sicherheitsrisiken" mehr geltend gemacht werden. Somit könnte argumentiert werden, dass die Zäune nicht nur in Schneemangelzeiten zu Saisonbeginn- und Ende eingefordert werden sollten, sondern über die gesamte Saison hinweg.
Im Bild: Sicher unterwegs. Skiarea Catinaccio im Fassatal / Italien
Zuletzt geändert von Kris am 31.12.2022 - 19:20, insgesamt 3-mal geändert.
NeusserGletscher hat geschrieben: 31.12.2022 - 18:21
Ja nun, die letzten zwei Jahre boten für Wintersportler wie Bergretter geradezu paradisische Verhältnisse. Für erstere halt nur, wenn man sich über allzu übergriffige und pauschale Maßnahmen hinweg setzte und statt dessen halt mal eine zu volle Gondel lausgelassen hat.
Nun haben wir halt wieder Normalzustand plus Nachholbedarf und ein durch die Witterung abgespecktes Pistenangebot.
Aber ist doch erst einmal positiv, dass so viele Wintersportler noch immer Spaß an ihrem Hobby haben. Vermutlich würde manchen halt mal ein Auffrisschungs- oder Anfängerkurs ganz gut tun.
Kann aus eigener Beobachtung der vergangenen Tage sagen, wie hirnrissig sich blutige Anfänger in ihr Unglück stürzen bei den derzeitigen „Brettharten und zum Teil eisigen Pisten“. Als Erwachsener sollte man ehrlich zu sich selbst sein und sein Fahrverhalten dem Können anpassen.
Dann kommt noch das aggressive und arrogante Verhalten vieler bei Zwischenfällen dazu. Wenn man sich emotional nicht kontrollieren kann bleibt man besser zu Hause!
@Kris: Beim Lesen Deiner Zeilen fragte ich mich immer wieder, ob da noch ein Smiley kommt oder sonst irgendwie klar wird, dass das alles sarkastisch gemeint ist. Wenn nicht, dann passt das für mein Empfinden so gar nicht zu dem, was ich sonst so von Dir lese.
Im Ggs zu starli stören mich die Netze nicht, aber ich hoffe doch trotzdem sehr, dass sowas in CH und AT nie flächig kommen wird. An einigen Stellen ist sicher Verbesserungsbedarf vorhanden, aber so eine durchgehend sichtbare Vollkaskomentalität möchte ich beim Skifahren dann doch nicht.
Auf Sylt soll jetzt das Wasser aus der Nordsee abgelassen werden, damit keiner mehr ertrinkt.
Dieses Jammern nach vollendeter Sicherheit ist total nervig. Warum muss in der heutigen Zeit mehr Sicherheit herrschen, wie vor 30ig Jahren? Und mit Fangnetzen wird auch kein Zusammenstoß verhindert.
Was ist mit dem Wild Nachts?
Wenn das Skifahren langsamer werden soll, einfach die Pisten nicht mehr präparieren.
Skimarkus hat geschrieben: 31.12.2022 - 21:09
Wenn das Skifahren langsamer werden soll, einfach die Pisten nicht mehr präparieren.
Fänd ich persönlich gut.
Nur sicher das Gros der Zahlenden nicht.....
Und damit geht die Mode Skifahren noch schneller zu Ende...
Das fänd ich dann auch nicht so gut... bin zu faul um viel aufzusteigen wie in der Jugend.
Noch einfacher; Carvingski abschaffen und wieder zu den Pommeslatten aus den 80ern zurückkehren. Dann müssen die wieder alle das Skifahren richtig lernen.
ski-chrigel hat geschrieben: 31.12.2022 - 20:48
@Kris: Beim Lesen Deiner Zeilen fragte ich mich immer wieder, ob da noch ein Smiley kommt oder sonst irgendwie klar wird, dass das alles sarkastisch gemeint ist. Wenn nicht, dann passt das für mein Empfinden so gar nicht zu dem, was ich sonst so von Dir lese.
So liefere ich gerne den Smiley nach:
Hmm....
Wobei ... , an und für sich meine ich das schon so wie es da steht. Denn wir sind unabwendbar aufgegleist in genau die Richtung von allseits eingreifender Sicherheitsarchitektur.
Mir macht es zugegebenermaßen ab und an Spaß, nicht aus meiner Person heraus zu schreiben, sondern aus einer x-beliebig anderen. Ich stelle mir eine reale oder fiktive Person vor, und versuche damit, so zu argumentieren, wie es diese Person auch tun würde. Im Idealfall merkt man nicht, dass das nicht meine Ansichten sind. Ich möchte vermeiden, dass dies offensichtlich zynisch oder lächerlich wirkt. Zynisch empfinde ich allenfalls vieles in der Realität.
Ernst kann ich viele Entwicklungen nicht mehr nehmen. D.h. diese sind, meinem Empfinden nach, nicht mehr im Sinne wahrhaftiger menschlicher Bedürfnisse und Wünsche. Was immer das genauer sein möge.
Aber ja, Natur, Sport, Technik....sind für viele wie für mich auch spannende Themen, und zwar deshalb weil ich mich darin gerne bewege....
Ende, Raus, Sonne scheint. Martinswand.
Zuletzt geändert von Kris am 01.01.2023 - 10:27, insgesamt 1-mal geändert.
Skisport ist kein einfacher Sport uva ein zeitaufwendiger Sport.
Das lässt sich nicht verändern und passt so überhaupt nicht zu dem, was die Skitourismusbranche uns gerne verkaufen würde.
Mal ehrlich: Ich bin so halbwegs fit, kann stundenlang mit dem MTB in den Alpen herum fahren ua.
Aber wenn ich ehrlich bin: 6 saubere Abfahrten auf einer roten Piste a' 500 Hm und ich bin konditionell erledigt und allenfalls noch für gemütliches gleiten auf blauen Pisten geeignet.
Generell bin ich der Überzeugung, dass unsere Skipisten viel zu schwierig sind. Hätte ich Kinder, ich wäre nur in der Skiwelt uä Gebieten unterwegs.
Ich sehe da vor allem eins: Mal wieder eine unfassbar reißerische Schlagzeile. Es ist doch zu erwarten dass in diesem Jahr mehr passiert. Viele, wie ich ja auch, haben jetzt 2 Jahre lang Pause gemacht, die Übung fehlt und das wirkt sich auch auf die Unfallzahlen aus.
Besser wär's, die würden mit der Bahn anreisen. Aber so schnell ist ein Führerschein nun mal nicht eingezogen.
Und im Sommer lassen sie dann auf ihren E-Bikes die S*u raus.
Naja, Ich kann halt nicht 20-30 Jahre die Pisten immer besser machen, die Präparierungen immer perfekter, die Lifte und Seilbahnen so das jeder gut/bequem auf den Berg kommt, massiv um Anfänger, Familien und Kinder buhlen, Hütten und Apres Ski massiv zu "Partydestinationen" ausbauen und mich dann beschweren das die entsprechenden Leute kommen. Wenn die Bergretter da eingreifen wollten, müssten halt viel früher Pisten/Talabfahrten gesperrt werden, mehr Personal als "Pistenpolizei" unterwegs sein und viele Dinge massiv reglementiert werden. Will keiner und wird so nicht passieren.
ich finde die Schlagzeile auch nicht besonders reißerisch. Ich kann seine Meinung ja gut nachvollziehen, aber um es mal ganz zynisch zu sagen, das ist halt das System Wintersport. Und er muss halt die aufsammeln, die wirklich geglaubt haben, das alle inzwischen genug Sicherheitsnetze gespannt haben um jegliches Risiko auszuschließen, und das auch immer die Sonne scheint ... klar kann man sagen die Leute sind zu blauäugig, aber einen 30 min Vortrag zu Gefahren beim Skisport und den Bergen muss hetzt auch keiner anhören der in der Lage ist Ski zu leihen ...
Fazit: Wir haben den Skisport wie wir ihn Jahrzehnte geplant haben, jetzt müssen wir auch damit leben.
P.S. ich habe jahrelang in Laax als Techniker auf Partys irgendwo auf einer Alp in Nähe der Mitteltation gearbeitet. Da stehen 3000 Menschen im Schnee und saufen sich wirklich massivst die Hucke zu Ballermannhits zu ... und zwar wirklich bis knapp vor Exitus. Abends geht die Party dann nahtlos unten weiter, und irgendwie werden die 3000 in die Bahn verfrachtet, stolpern die Piste herunter oder fahren tatsächlich irgendwie noch runter. Der Pistenchef und die Jungs von der Bahn hatten 2 Stunden Höchstress bis alle unten waren, und waren super genervt. Hinterher konntest du dann noch die Gondeln grundreinigen ..... ABER veranstaltet hat das das Skigebiet, und zwar jedes Jahr. Meiner Meinung wurde da doch sehr offensichtlich in Kauf genommen, das da auch mal etwas Größeres passiert ... aber die Kasse hat bestimmt gepasst ...
Weiß nicht so Recht wohin damit, hier passt eigentlich am besten, nächster tragischer Unfall:
Am Neujahrstag verunglückten mehrere Skifahrer am Hintertuxer Gletscher, eine 28-Jährige erlitt tödliche Verletzungen. Die Wintersportler hatten auf einem Steilstück einen Sicherheitszaun durchbrochen.
Ohne Fangzäune und zwar richtige wird es nicht gehen. Siehe heute in Hintertux.
Um ehrlich zu sein, ich hatte auch nie den Eindruck, dass das überhaupt ein Fangzaun sein soll. Für mich war das immer ein Absperrzaun, damit die Leute nicht geradeaus durch fahren.
Eisig und schwarz ist keine gute Kombination. Hier sehe ich schon den Betreiber in der Pflicht, davor zu warnen. Das ist nämlich nur etwas für Fachwelt-Skifahrer
Werna76 hat geschrieben: 01.01.2023 - 17:21
Weiß nicht so Recht wohin damit, hier passt eigentlich am besten, nächster tragischer Unfall:
Am Neujahrstag verunglückten mehrere Skifahrer am Hintertuxer Gletscher, eine 28-Jährige erlitt tödliche Verletzungen. Die Wintersportler hatten auf einem Steilstück einen Sicherheitszaun durchbrochen.
Das ist für mich jetzt ein Beispiel, wo man wohl über eine bessere Sicherung nachdenken kann und es vermutlich nicht an der rücksichtslosen Fahrweise der Urlauberin gelegen hat.
Generell und bezogen auf das threadThema beobachte ich aber auch seit Jahren, dass immer mehr schlechte Skifahrer ohne Kontrolle viel zu schnell fahren. Gegen sowas helfen Zäune nur bedingt, vor allem ist ja die Zusammenstoßgefahr eigentlich viel größer. Vielleicht muss man doch, zumindest in der Hochsaison in den Tourispots, über "Pistenpolizei" o.ä. nachdenken, die solche dann mal anhalten und ansprechen und beim 3. Mal halt die Karte ziehen, oder so.
Spezialwidde hat geschrieben: 01.01.2023 - 12:14
Ich sehe da vor allem eins: Mal wieder eine unfassbar reißerische Schlagzeile. Es ist doch zu erwarten dass in diesem Jahr mehr passiert. Viele, wie ich ja auch, haben jetzt 2 Jahre lang Pause gemacht, die Übung fehlt und das wirkt sich auch auf die Unfallzahlen aus.
Das ist das kleinste Problem an der Sache. Fakt ist, dass der Kunstschnee durch seine Härte und Kompaktheit zu einer aggressiven und schnelleren Fahrweise verleitet die die meisten Urlauber schlichtweg nicht beherrschen und ihr eigenes fahrerisches Können überschätzen. Zweitens gibt es durch die extrem milden Temperaturen keine ausreichenden Sturzräume wenn man über den Pistenrand hinauskommt (genau deshalb gibt es gerade soviele Tote und Schwerverletzte Gäste). Gerade dieser Faktor ist zur Zeit das gefährliche gepaart mit den wechselnden Verhältnissen von hart bis zu sulzig/eisig innerhalb weniger Stunden.
Wenn man weiß das die Übung fehlt, muss man angepasst fahren und genau das tun die meisten nicht! Jeder hält sein Glück selbst in der Hand!