Manchmal hat man diese kleinen Glücksmomente, die sich unverhofft ergeben und im Gedächtnis bleiben. Bei mir war das an einem Montag Mitte Februar der Fall, an dem eigentlich gar kein Skiausflug geplant war, ein solcher sich aber kurzfristig auf der Durchfahrt ergab. Das Wetter war bombe und ein kurzer Vergleich der wenigen geöffneten Kleinstgebiete und Einzellifte im Oberallgäu machte die Entscheidung leicht: Es würde zu den Schwärzenliften in Eschach gehen, die ich schon seit Jahren auf der Liste habe.
Das Skigebiet ist schnell beschrieben: Zwei Parallelanlagen erschließen großzügig breite und ansprechend geneigte Pisten - und das vor der traumhaften Kulisse des Oberallgäus.

Pistenplan: https://www.schwaerzenlifte.de/pistenplan.html
Die Skiausrüstung hatte ich noch im Auto und auf dem Parkplatz wurde Jeans mehr oder weniger umständlich gegen Skihose getauscht. Erfreulicherweise bekommt man an den Schwärzenliften noch Stundenkarten, die einen solchen kurzfristigen Skinachmittag erschwinglich machen. Das war in den vergangenen drei Wochen im Schwarzwald und in der Schweiz bei Weitem nicht immer überall möglich.
In Betrieb waren an diesem Montagnachmittag je eine der Parallelanlagen, hier die modernste Anlage des Gebiets, der Schwärzenlift 2 von LST.


Vor dem Ausstieg kommt sogar eine kleine Bewährungsprobe für Schleppliftfahrer - so soll es sein.

Dafür, dass der Lift keine 300 Meter lang ist, sind die Pistenvarianten für ein paar entspannte Skistunden am Nachmittag wirklich abwechslungsreich.

Die Ausstiege der vier Anlagen liegen gleich beieinander. Einmal um rund 180 Grad gedreht...

...steht man vor der Abspannung der Eschachlifte. Unschwer zu erkennen eine Doppelanlage aus dem Hause Stemag.


Dass ein Schneebericht von Mitte Februar mit "Frühlingserwachen" tituliert ist, mag auf den ersten Blick negativ konnotiert sein. In meinem Fall ist es so aber nicht gemeint, im Gegenteil: Nach mehreren eiskalten (-15 °C) Tagen in Davos und Arosa sowie einem fiesen Sturmtag in Laax war es geradezu befreiend, in Eschach bei etwa 6 °C und Sonnenschein mit offener Skijacke fahren zu können. Dazu der Weitblick ins Grüne, da kommen Frühlingsgefühle auf.

Für mich das Highlight im Gebiet. Stemag-Portallifte gefallen mir grundsätzlich gut; und in Eschach gibt es gleich zwei mit gemeinsamen Stützen.

In Betrieb war hier der Langbügler (Bj. 1973), dem man mal neue Rollenbatterien von DM verpasst hat. Sein Wingman (Bj. 1969) hat noch die roten Rollenbatterien sowie Kurzbügel von Stemag.

Gegenüber gibt es auch geeignete Hänge. Sehr verwunderlich, dass man dort keinen Skibetrieb haben möchte...

Diese Doppelanlage ist mit rund 350 Metern etwas länger.



Der Langbügler kann von einem Mitarbeiter an der Talstation bedient werden, der den Ausstieg mittels Videoüberwachung im Blick hat. Der Preis dafür ist, dass der Mitarbeiter den ganzen Tag im Freien auf den Bildschirm starren muss.

Zoomspiele


Gibt es noch eine weitere Stemag-Doppelanlage wie diese? Die Dobellifte in Schönwald im Schwarzwald haben zum Beispiel getrennte Stützen in unterschiedlicher Ausführung: https://www.schoenwald.net/project/dobe ... 3e7b0919d8


Ein Kunstwerk der Liftarchitektur

Skifahrerisch waren die Pisten an den Stemags nicht mehr ganz so schön zu fahren. Gemüse wie hier kam zwischen dem Sulz zwar kaum hervor, die Pisten waren jedoch schon recht zerfahren - vermutlich war die Schneeauflage zu gering, um nach dem Wochenende frisch zu präparieren.

Trotzdem habe ich die meisten Fahrten am Stemag unternommen. Die Anlage gefiel mir einfach zu gut.



Ein paar Skikurse und Schulkinder mit ihren Eltern waren unterwegs, dazu aber auch einige Solofahrer wie ich.

Wechsel rüber an die Schwärzenlifte. Der alte Leitner war zwar nicht in Betrieb, ein gutes Fotomotiv gibt er dennoch ab. Auch diese Konstruktion gefällt mir gut, ist sie doch wesentlich interessanter anzusehen als ihre modernen Pendants.


Ein Leitner, wie er im Buche steht - oder halt in Eschach.

Die Piste direkt am Leitner war am besten zu fahren. Das mag an der Beschneiung gelegen haben.


Jahrzehnte des Liftbaus im direkten Vergleich.

Zum Abschluss bin ich dann doch nochmal zum Stemag rübergewechselt. Stimmung und Licht waren einfach zu gut.


Für den Tagesabschluss hatte ich mir einen weiteren Lift rausgesucht, den Skilift Oberwilhams in Missen-Wilhams, der etwa 25 Autominuten entfernt liegt. Eigentlich hatte ich auf diese Art des Lift-Hoppings gar keine Lust - damit hatte ich es in den Wochen zuvor leicht übertrieben. Am Ende siegte dann aber doch die Neugierde auf den besagten Einzellift. Im Allgäu mache ich zwar schon seit Jahrzehnten Skiurlaub, in den Teil zwischen Immenstadt und Isny hatte es mich bislang aber noch nie verschlagen.

Die Hauptanlage, ein alter Steurer-Kurzbügler, der einen breiten Hang mit wechselndem Gefälle bedient. Inzwischen war die letzte Betriebsstunde des Tages angebrochen und der obere Streckenabschnitt lag bereits im Schatten.


Der Lift hat eigentlich alles zu bieten, was Skiwelt- und Ischgl-Fahrer nicht mögen: Eine im obersten Teil selektive Piste, Pappskipässe mit Sichtkontrolle, Kurzbügel ohne Sitzheizung, Sulzschnee aufgrund der niedrigen Höhenlage, kein Partyschirm, ...


Ich wollte nirgends anders sein.

Der Skilift hat zwei Zwischenausstiege: Anfänger können etwa auf halber Strecke abbügeln, Genussfahrer kurz vor dem finalen steilen Stück.

Es versteht sich von selbst, dass ich erstmal bis ganz hinauf fuhr. Tatsächlich war der Steilhang aber dermaßen grottig zu fahren, dass ich das nicht wiederholte.

Die Aussicht war das Buckelunvergnügen aber wert. Am Horizont ist hier übrigens die dichte Nebelsuppe zu sehen, in die ich später hinter Kempten hineintauchte und bis Ulm nicht mehr verlassen sollte.



Fortan blieb ich auf der Sonnenseite der Piste.


Gemütliche Talstation, in der Technik, Kasse und Gastronomie vereint sind.

Es folgten noch ein paar Abfahrten und Fotostopps.



Oberwilhams: Voraussichtlich für mich der krönende Abschluss einer ganz guten Skisaison.

Und da schimpfen immer alle über breite SUVs, die die Parkhäuser verstopfen

Auf meinen Zipper sprach mich zwischendurch ein sehr junger Skifahrer an, wo ich den denn her hätte; die Grüntenlifte seien doch geschlossen. Naja, das Teil stammt aus einer Zeit, in der man solcherlei Dinge noch an den Liftkassen bekam - und am Grünten noch der Skibär steppte. Einen Hauch dieser Nostalgie hatte ich an diesem Tag wieder erleben dürfen.